Mrz 12

Der GAV Personalverleih bringt die Tarife durcheinander. Gut so.

Autor: PersonalRadar

Grosse Personaldienstleistungsunternehmen leiden. Der GAV Personalverleih kommt Ihnen in die Quere und treibt die Grundpreise nach oben.

Wenn die Kalkulation der Tarife ehrlich ist, muss der Personaldienstleister den Gürtel nicht enger schnallen.

Der neue GAV Personalverleih erhöht nicht nur die Reputation der Personaldienstleistungsbranche, sondern verbessert die Altersvorsorge, die Weiterbildung und den Versicherungsschutz für die temporär angestellten Mitarbeitenden. Das ist unbestritten eine sehr gute Sache. Er erhöht jedoch auch die Grundkosten pro Arbeitsstunde, bringt die ausgezehrten Stundentarife der grossen Personaldienstleister, die den Kunden verrechnet werden, an den Rand der betriebswirtschaftlichen Vernunft und verdünnt die Rentabilität massiv. Das Geschäft ist keines mehr.

Wie ist es aber dazu gekommen? Über Jahre haben sich die Grossen der schweizerischen Personaldienstleistungsbranche gegenseitig mit dem Unterbieten ihrer Tarife überboten. Es war ein unschönes Gemetzel.

Zuweilen war man über die bizarre Strategie der gewollten Margenerosion erstaunt! Als wäre eine angemessene und vernünftige Marge ein Pakt mit dem Teufel.

Es wurde um jeden Grosskunden mit ganz harten Bandagen gekämpft. Diese rieben sich selbstverständlich grinsend die Hände und bemerkten schnell, dass der überbordende Konkurrenzkampf unter den Anbietern die Preise derart schnell in den Keller sausen lässt, dass sich das Auslagern der Personalbeschaffung und der Personalrisiken immer besser rentiert. Ging dem Personaldienstleister dummerweise einmal der Schnauf aus, weil er bemerkte, dass sein Angebotsmodell ruinös ist und aus diesem Grunde die Margen erhöht werden müssen, ging man einfach zum nächsten Anbieter, der im besten Fall die schon mageren Tarife noch einmal kühn straffte und danach mit seiner rechnerischen Kühnheit der dumme August war. Selbstverständlich erwartete darüber hinaus der Grosskunde vom neuen Anbieter noch bessere Tarife, noch einen besseren Service und noch besseres Temporärpersonal. Des Weiteren wurde vom Anbieter selbstredend alles versprochen, obwohl dieser im Vorfeld meistens schon wusste, dass das in der harten Realität nicht möglich ist. Hauptsache der Auftrag war im Trockenen und die eigene Beratungscrew gut beschäftigt. Mit der späteren seriösen Rechenaufgabe, ob es sich mit dem neuen Auftrag auch wirklich rechnet, rechnete ohnehin niemand mehr.

Das betriebswirtschaftliche Gewissen rächte sich meistens später in der Bilanz.

Der neue GAV Personalverleih erhöht gezwungenermassen die Grundstundenlöhne der Temporärmitarbeitenden. Diese wirken sich ganz direkt auf die Gestaltungstopografie der Tarife aus. Diese müssen nun angehoben werden, damit das Geschäft überhaupt noch eines ist und sich etwas verdienen lässt. Das passt aber vielen Abnehmern von Personaldienstleistungen nicht mehr ins Budgetkonzept. Über den Einkauf kann viel gesteuert werden. Gerade diese Abteilungen in Grossunternehmen, die Güter und Dienstleistungen einkaufen, üben einen ernormen Druck auf viele anbietenden Unternehmen aus, die dringend darauf angewiesen sind, dass sie einen Teil ihrer Umsätze auch mit den Grosskunden realisieren können. Das Wissen um diese einfachen Zusammenhänge wird zum Teil bewusst ausgenutzt, um Preise drücken zu können. Die schiere Marktkraft macht es möglich.

Manchmal ist es besser eine Rechnung nochmals auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Die Bilanz dankt es.

Zudem wird der Kampf um die Besten, auch auf dem Arbeitsmarkt der Zeitarbeit, immer härter. Gut Qualifizierte lassen sich nicht mehr für jeden Stundenlohn anstellen. Sie vergleichen und prüfen inzwischen sehr genau, ob auch andere Benefits noch geboten werden. Nur ein interessanter Job mit viel Herausforderung lockt die Smarten schon lange nicht mehr aus der Reserve. Selbst die sogenannten gering Qualifizierten schauen inzwischen genau auf den Stundenlohn und ziehen es vor noch einen Monat länger erwerbslos zu sein, um dann ein Angebot zu erhalten, das ihren pekuniären Vorstellungen besser entspricht.

Vielleicht wäre es gut und endlich an der Zeit, wenn sich die grossen Personaldienstleister mal überlegen, ob nicht auch sie Marktmacht haben und nicht immer um jeden Preis schamlose Angebote machen müssen, die sich nicht rechnen. Wenn nämlich die Grossen der Personaldienstleistungsbranche sich nicht mehr tariftechnisch herumschubsen lassen, dann werden sich auch die Einkaufenden dieser Personaldienstleistungen zweimal überlegen, ob es nicht besser ist, wenn die Partnerschaft fair ausgestaltet wurde und die Zusammenarbeit länger als nur eine Bilanzperiode dauert. Wenn die Branche konsequent zusammen steht, der Futterneid der Vernunft weicht und die Beisshemmung funktioniert, dann wird es auch mit der Wahrnehmung der gemeinsamen Interessen vorteilhafter glücken.

 Denn die Nischenanbieter der Personaldienstleistungsbranche haben die Temporärarbeit auch mit dem neuen GAV Personalverleih bestens im Griff. Die Qualität der angebotenen Qualifikationen lässt kein Feilschen zu. Die Nachfrage ist so gross, dass die Jobsuchenden sich die besten Rosinen rauspicken und dort anfangen, wo der Lohn auch stimmt. Der neue GAV Personalverleih wird vieles korrigieren. Hoffentlich auch der Ausverkauf der Tarife.

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