Sep 23

Die elektronische Bewerbungskultur verkommt zum Trash.

Autor: PersonalRadar

Die klassische Bewerbungsmappe ist out. Sie wird durch die elektronische Bewerbung verdrängt. Ist dadurch die Qualität besser geworden? Nein!

Schrieb früher eine grössere Firma mehrere Stellen aus, dann konnte man davon ausgehen, dass in den folgenden Tagen eine grosse Flut an schriftlichen Bewerbungen per Post eingehen wird. Die Briefumschläge mussten geöffnet werden, die Bewerbungen wurden auf ihren inneren Wert geprüft und danach entweder zu den Absagen gelegt oder Bewerbende zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Das Prozedere hat sich nicht gross geändert. Einzig der Sende – und Zustellungsmodus ist moderner geworden.

Inzwischen werden weit über 80% der Bewerbungen auf dem elektronischen Weg versendet.

Viele nehmen diese Art der Bewerbung nach wie vor nicht besonders ernst und sind oft genug der trügerischen Meinung, dass alles erlaubt sei. Dem ist nicht so. Eine klassische, sorgfältig aufbereitete Bewerbungsmappe mit regelkonformen Inhalt war schon immer ein ‚Eyecatcher’. Solche Bewerbungen wurden anders angefasst und verarbeitet, da auf den ersten Blick klar war, dass die bewerbende Person doch recht viel Zeit und Mühe für ihre Bewerbung in Anspruch nahm, um ein ansprechendes Resultat zu erreichen. Schliesslich ist der erste Eindruck immer noch wichtig. Selbst bei sogenannten Spontan- oder Initiativbewerbungen wurde in der Regel viel Zeit in die Bewerbungsmappe investiert, um einen guten wie auch bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Die zahlreichen Möglichkeiten zur elektronischen Bewerbung haben viel vereinfacht.

Die Kosten für Papier, Umschlag und Briefmarken fallen weg. Auch der Gang zum Postamt oder das Einwerfen des Briefes sind nicht mehr nötig. Zudem ist auch die Verarbeitung wesentlich schneller geworden. Bestätigungsschreiben, Wartebriefe oder Absagen können heute auf einfachste Weise elektronisch versendet werden. Viele Unternehmen betreiben einen nicht zu unterschätzenden Aufwand, um möglichst ein gutes, effizientes und sinnvoll gestaltetes Absage- und Interviewmanagement zu bieten.  Darum erstaunt es nicht schlecht, dass viele Bewerbende sich nach wie vor dazu hinreissen lassen, elektronische Bewerbungen zu versenden, die den modernen Ansprüchen nicht genügen.

Folgendes wird immer wieder falsch gemacht:

  • Motivationsschreiben werden spontan geschrieben und oft genug weder auf fehlende Grammatik oder Stil geprüft. Hauptsache ein Text ist da. Wenn die Deutsch- oder Englischkenntnisse im Lebenslauf als gut, sehr gut bis fliessend deklariert werden, dann muss auch das Motivationsschreiben in diesen Sprachen tadellos sein. Das Durchlesen des Textes und die eingehende Prüfung auf Fehler ist unverzichtbar. Schnell kann eine Bewerbung zu den Absagen kommen, wenn schon ganz am Anfang der Eindruck nicht stimmt.
  • Motivationsschreiben müssen nach wie vor einen klaren Bezug zur Stelle haben. Die angeblich so klugen ‚Textkonserven’, die man sich aus dem Internet runterladen kann, können leicht zum Rohrkrepierer werden. Der Lesende muss spüren, dass der Text ausschliesslich für ein spezifisches Stellenangebot gestaltet wurde. Das zeugt von Interesse, Fähigkeit und Engagement! Ist man ratlos, dann ist guter Rat nicht teuer. Jeder verfügt über Kontakte und persönliche Unterstützung durch Sachverständige, die weiter helfen können.
  • Die Bewerbung kommt in verschiedenen Formaten daher. Das Motivationsschreiben wird als Word (.doc) versendet, die Arbeitszeugnisse sind mit Acrobat Reader (.pdf) eingescannt, die Diplome werden als Bilddatei (.pic, .bmp, jpeg usw.) versendet und oft genug kommt sogenannte Gratissoftware (Freeware) zum Einsatz, die viele Firmen weder richtig verarbeiten noch empfangen können oder wollen, weil die Sicherheitsvorschriften und die konfigurierten Firewalls das nicht zulassen. Auch hier ist es wichtig, dass die Bewerbung softwaretechnisch aus einem Guss ist. Am besten ist das sogenannte PDF Format.
  • Zu oft besteht die Bewerbung aus mehr als 1 – 3 Dateien. Nein viel schlimmer, jedes einzelne Arbeitszeugnis oder Diplom wird als Einzeldatei an die E-Mail angehängt, damit der Empfangende jedes Dokument Schritt für Schritt aufmachen muss, bevor er es ansehen oder ausdrucken kann. Solche Bewerbungen sind ein Ärgernis und eine Zumutung für jene, die sie sichten und verarbeiten müssen. Die Vorgehensweise ist eigentlich ganz einfach: Die Bewerbung sollte aus nicht mehr als 3 Dateien bestehen. Nämlich a) Motivationsschreiben, b) Lebenslauf und c) Arbeitszeugnisse mit Diplomen und Zertifikate. Kann die ganze Bewerbung in eine Datei gepackt werden, möglichst im PDF-Format, ist das sozusagen die perfekte elektronische Bewerbungsmappe. Der Empfangende muss dann nur noch eine Datei öffnen und kann sich bequem durch das ganze Dokument scrollen.
  • Das Senden einer Bewerbungen, die auf eine persönlich Webpage verweist, wo alle Daten passwortgeschützt zugänglich gemacht werden, ist auch nicht gut. Das ist zwar bequem für den Bewerbenden, aber meistens ein Ablöscher für die Personalabteilung. Diese will eine Bewerbung in der gewohnten Art und Weise erhalten. Das Bewerbungsritual, auch wenn es elektronisch abgewickelt werden kann, ist immer noch ein erzkonservativer Arbeitsprozess und eignet sich kaum für technische Experimente. Zudem machen Bewerbungen, die grafisch überladen sind, meistens misstrauisch. Oft wird damit das Gefühl provoziert, dass der Bewerbende ein Taktik der Camouflage betreibt und was zu verbergen hat.
  • Die Foto auf der Bewerbung schafft immer wieder hitzige Diskussionen. Eine Bewerbung ohne Foto ist wie Brot ohne Hefe – es geht nicht auf. Eine gute und professionell gemachte Foto kann Wunder wirken. Die wenigsten sind Schönheiten. Nur Modellagenturen suchen diese für ihre Fashionkataloge und Catwalks. Firmen suchen in der Regel einfach passende Qualifikationen von Bewerbenden, die in 99% der Fälle durchschnittlich aussehen. Ein vernünftiges Bild ohne viel Schnickschnack, das authentisch wirkt, lässt Bewerbende ins rechte Licht rücken.
  • Sollte die Stellenausschreibung einer Firma über ein elektronisches Bewerbungsformular gesteuert sein, ist es wichtig, die vorgegebenen Arbeitsschritte zu respektieren und die gewünschten Daten sauber einzugeben. Solche Applikationen sind keine Spielkonsolen, wo man nach dem Prinzip von ‚Plug & Play’ einfach mal etwas eingibt. Die Qualität der Eingabe von persönlichen Daten lässt nämlich darauf schliessen, ob sie mit dem Computer umgehen können, die Sache ernst nehmen und sich auch mal ein wenig mehr als nur fünf Minuten auf die gleiche Sache konzentrieren können.

Eine gute elektronische Bewerbung braucht Zeit, solide IT Kenntnisse, Konzentration und der Wille mit einer korrekten Bewerbung Chancen zu realisieren. Positiv auffallen mit einer guten Präsentation der Bewerbung ist schon die halbe Miete.

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Comments

5 thoughts on “Die elektronische Bewerbungskultur verkommt zum Trash.”

  • Sehr geehrter Herr Schneider

    Es freut uns sehr, dass Ihnen Ostendis gefällt. Vielen Dank für die Genehmigung meines ausführlichen Kommentars.

    Herzliche Grüsse
    David Landolt

  • Erich Fink sagt:

    Auf den Punkt gebracht. 7 wichtige Schritte zur erfolgreichen Bewerbung ! Danke

  • Guten Tag Herr Schneider

    Ein grosses Kompliment für diesen Artikel. Sie treffen die Problematik rund um das Thema Online Bewerbungen in vielen Punkten sehr genau.

    Als Experte auf dem Gebiet Human Resources können Sie definitiv fachmännisch beurteilen, wo die Probleme bei Online Bewerbungen auftauchen können. Doch gibt es heute auch Mittel, vielen dieser von Ihnen so passend beschriebenen Gefahren vorzubeugen.

    Mit Ostendis, dem Bewerbungssystem, haben wir ein Instrument geschaffen, das der Problematik der mangelnden Qualität und Ernsthaftigkeit bei Online Bewerbungen vorbeugen soll. Es ist komplett kostenlos und bietet dem Stellensuchenden sowie dem Bewerbungsempfänger komplett neue Möglichkeiten. Die meisten Gefahren, die sie in Ihrem Artikel schildern, werden bei der Erstellung einer Bewerbung mit Ostendis geschickt umschifft bzw. komplett verunmöglicht.

    Das System ermöglicht es dem User, seine Bewerbungsdaten in Form von Bewerbungswebsites darzustellen. Für jede Stelle, auf die man sich bewerben möchten, macht man eine individuelle und persönliche Bewerbungswebsite. Einfache Internet-Anwenderkenntnisse reichen dafür völlig aus. Der Empfänger erhält nach Versand eine E-Mail mit dem Direktlink zur Bewerbung, die der Stellensuchende individuell auf „seine Stelle“ angepasst hat. Dabei wird auf allerhöchste Datensicherheit viel Wert gelegt – es kommt eine Verschlüsselungstechnik wie beim E-Banking zum Einsatz. Der Inhalt solcher Bewerbungen wird dabei nach wie vor vom Bewerber selber bestimmt, Vorlagen liefern wir keine. Der integrierte Bewerbungsassistent liefert dazu lediglich Tipps und Tricks.

    Die Websites sind – unabhängig vom gewählten Design und vom Inhalt – immer gleich aufgebaut. Übersichtlich, kompakt und easy to handle kommen sie daher. So findet sich der Empfänger rasch zurecht und kann die erhaltene Bewerbung jeweils per Klick beantworten, ausdrucken oder in eine PDF-Datei umwandeln. Auch sämtliche Anhänge werden ausschliesslich im PDF-Format mitgeliefert.

    Die Möglichkeiten für den Stellensuchenden sind dabei in keinster Weise mit denen eines Bewerbungsformulars zu verleichen. So verfügt unser System beispielsweise über eine Tracking-Funktion, sodass der User stets weiss, was mit seinen Bewerbungen los ist. Auch inhaltlich sind der eigenen Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Speicherplatz und Raum für eigene Ideen sind genug vorhanden. Das Layout kann selbstverstänlich auch vom User individuell angepasst werden.

    Es würde uns sehr freuen, wenn Sie sich ein eigenes Urteil über unsere Dienstleistungen http://www.ostendis.ch und http://www.bewerbungsratgeber.ch machen würden. Meiunungen von Experten wie Ihnen sind für uns sehr wertvoll, da wir stets versuchen, die Bedürfnisse des Stellensuchenden und des Bewerbungsempfängers so gut wie möglich abzudecken. Dass uns dies bis anhin nicht schlecht gelungen ist, zeigen die Rückmeldungen unserer doch schon zahlreich vorhandenen User und Partner.

    Über Ihre Stellungnahme bzw. Rückmeldung freuen wir uns sehr.

    Freundliche Grüsse

    David Landolt

    http://www.bewerbungsblog.chhttp://www.ostendis.chhttp://www.bewerbungsratgeber.ch


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