Mai 26

Glaubwürdigkeit in Vorträgen: Inhalt ist Silber, Emotionen sind Gold.

Autor: HRToday

Die Kunst der freien Rede ist in Schweizer Unternehmen bislang eher sichtbare Nebensache. Wie oft muss sich ein Konferenzpublikum abgelesene Vorträge anhören, die von mit Worten überladenen PowerPoint-Präsentationen begleitet werden. Selbst CEOs wie Daniel Vasella besitzen nicht die Souveränität, sich auf Veranstaltungen wie dem Swiss Economic Forum vom Skript zu lösen. Ein Plädoyer für die professionelle Rede (ein Beitrag von: HR Today, Connie Voigt).

Welche Art Vortrag merkt sich ein Konferenzbesucher am besten? Das sind eindeutig die Beiträge, die:

  • möglichst frei vorgetragen werden
  • gut platzierte Storys beinhalten, die eine Aussage bekräftigen und authentisch illustrieren
  • nicht mit Inhalten überladen sind
  • von Bildern, Fotos oder Videos begleitet werden
  • mit Emotionen vorgetragen werden
  • in einem folgbaren Tempo getaktet sind
  • eine sauber durchdachte These vorstellen und diese bis zum Ende durchziehen
  • mit einem aktuellen Thema das Publikum ansprechen
  • idealerweise einen Gedanken beinhalten, der querdenkerischer Natur ist
  • zeigen, dass der Vortragende einhundert Prozent hinter der Aussage steht
  • vom Vortragenden selbst konzipiert sind

Herzblut statt Detailwissen

Politiker beherrschen im Allgemeinen die Kunst, ihre Reden mit Überzeugungskraft zu halten, denn sie ist das zentrale Tool ihres Schaffensdaseins. Das gleiche Prinzip, wenn auch in etwas eingeschränkterem Rahmen, gilt für Manager und Chefs. Die Mitglieder von Unternehmensleitungen würden nicht nur gegenüber ihren Mitarbeitenden überzeugender auftreten, sondern auch bei öffentlichen Auftritten, wenn sie sich der Kraft der freien Rede bewusster wären. Es lohnt sich, diese Kunst systematisch zu erlernen.

Denn wer abliest, verstreut sehr viel weniger Glaubwürdigkeit als ein Vortragender, der sich vom Skript und auch physisch vom Rednerpult löst, ins Publikum läuft und vor allem mit Emotionen aus dem Herzen heraus seine Anliegen vorträgt.

Amerikanische Speakers sind im Bereich emotionale Reden meisterhaft, von US-Politikern wie Bill Clinton oder Barack Obama ganz zu schweigen. Die «International Federation for Professional Speakers» (IFPS) mit ihrem deutschsprachigen Ableger «German Speakers Association» (GSA) veranstaltet jährlich im September eine Grossveranstaltung mit professionellen Rednern aus aller Welt, bei der die Kunst einer guten Rede im Mittelpunkt steht – ohne dabei den Fokus auf den Inhalt einer guten Rede zu setzen. Die amerikanische Profirednerin Glenna Salsbury beispielsweise geht in ihrer Definition einer nachhaltigen Rede sogar so weit, zu sagen:

«People do not want to hear what you know, they want to hear that you care»

was so viel heisst wie: Menschen möchten nicht hören, was Sie im Detail wissen. Menschen möchten hören, dass Sie sich mit Herzblut um ihre Belange kümmern.

Authentizität ist das Zauberwort

Es fällt gerade Managern im deutschsprachigen Raum schwer, sich auch nur etwas von rein faktenbestimmten Inhalten zu entfernen, um ihren Vorträgen mehr Emotionen zu verleihen. Die Befürchtung, man könnte als Weichei oder hohler Redner wirken, ist, mit Logik betrachtet, nicht haltbar, da jeder Mensch eher mit Emotionen wach gehalten wird als mit reinem Sachbezug. Selbst Physiker wie Professor Hans-Peter Dürr tragen ihre komplexen wissenschaftlichen Gedanken mit Emotionen und persönlichen Geschichten vor und ernten dabei rasenden Applaus und den Wunsch nach mehr Redezeit, wie sich im November auf einem Boyden-Forum in Zürich zeigte.

Ein anderer amerikanischer Meister im Bereich emotionale Rede ist Lou Heckler. Er sagte auf der diesjährigen Konferenz der GSA: Die meisten Redner machen jahrelang den Fehler, sich zu sehr auf ihre Inhalte zu konzentrieren. Viel wichtiger sei aber der authentische Vortragsstil. Authenzität ist für alle Profis das Zauberwort. Nur, was heisst «authentischer Vortragsstil», wenn man zu den Anfängern gehört, die noch keinen eigenen Stil entwickeln konnten? «Vorträge halten, was das Zeug hält», ist die Antwort aller Profiredner.

Eine Parallele dazu aus der jüngsten Musikwelt stellt der einstige Hobby-Opernsänger Paul Potts mit seiner Karriere dar: Sein Publikum ist nicht von seinem (noch fehlenden) perfekt trainierten Gesang begeistert, sondern von seiner natürlichen Ausstrahlung und – vor allem – seiner authentischen Begeisterung für die Opernmusik. Er geht, ohne eine Ausbildung in klassischer Musik, auf die europäischen Bühnen und singt so lange, bis er es zusätzlich auch professionell beherrscht.

Begeisterung für das Thema, über das referiert wird, das ist der springende Punkt für überzeugendes Reden.

Lou Heckler spitzt diese Aussage noch zu: «You are the message», «Sie selber sind die Botschaft», sagt der erfahrene Redner, was wiederum den plötzlichen Erfolg von Paul Potts erklärt, denn er selber ist die Botschaft – es geht mehr um seine Geschichte als um seine Kunst.

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