Jan 28

Hat sich der Neid erst eingenistet, ist die Firma nicht mehr zu beneiden.

Autor: PersonalRadar

Sie kennen das Gefühl – Arbeitskollegen und -kolleginnen werden von den Vorgesetzten besser behandelt.

Es fängt schon bei Kleinigkeiten an. Der Bürostuhl ist besser, die Arbeitsmöbel edler und der Umgangston freundlicher. Die Spesenabrechung wird bei den einen besonders genau kontrolliert und die anderen profitieren von einem Vertrauen, dass oft nicht gerechtfertigt scheint. Mit Neid wird erkannt, dass der Arbeitskollege von nebenan zur gleichen Destination Businessklasse fliegt und selber nur die Touristenklasse übrig bleibt. Es muss ja gespart werden. Eifersucht, Neid, Zoff und Streit sind dann nicht mehr weit weg. Neid ist ein sehr menschliches Gefühl. Selbst staatliche oder kirchliche Würdenträger sind nicht davor gefeit. In der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder selbst in einer Ehe oder eheähnlichen Beziehung ist Neid ein ständiger Begleiter.

Das Gefühl etwas nicht zu haben, was andere ohne grosse Anstrengung erhalten, ist unangenehm lähmend.

Richtig schlecht wird es dann, wenn Neidende jenen Böses wünschen, die angeblich etwas haben, worum es sich lohnt zu neiden. Die Vox Populi sagt, dass Neid krank machen kann. Und in der Tat kann Neid dazu führen, dass die Leistungskraft einer Person sich stark vermindert und unter Umständen dermassen eingeschränkt ist, dass im schlimmsten Fall Arbeitgeber darauf aufmerksam werden und ihre Konsequenzen daraus ziehen. Die Kündigung ist oft die Notbremse!

Dass kleine subalterne Mitarbeitende auf den Verwaltungspräsidenten einer multinationalen Gesellschaft neidisch sind, ist eher unwahrscheinlich. Aber wenn der Lagermitarbeiter und die kaufmännische Fachkraft sehen, dass ein Teammitglied mit ähnlicher Qualifikation, Position und Alter, wie auch ähnlich langer Anstellungsdauer Ende Monat mehr auf dem Konto haben, dann wird die Neidkultur richtig warm werden und wie ein aggressiver Bazillus auch die übrige Firmenkultur damit anstecken.

Neid ist der ideale Nährboden für Mobbing

Das Gefühl des Neids ist stark. Es führt aber nicht dazu, dass man zum Chef geht und sagt: ‚Ich bin neidisch auf Frau Müller!’ Neid führt selten zu Scham. Meistens wird der Neid bei den anderen gesehen. Selten kommt es vor, dass die Person, die den Neid tonnenschwer mit sich trägt, auch das frei zugeben würde. Man will sich nicht lächerlich machen und mit einer Sache outen, die oft die niedrigsten Gefühle eines Menschen offenbart. Interessant ist jedoch die Tatsache, dass Neid in Firmen zu Gerüchten und Intrigen führen. Dieser kann so übermächtig werden, dass bewusst Gerüchte gestreut werden, die den Ruf und die Integrität der Opfer nachhaltig schädigen und den Verursacher schadlos halten. Auch das Schmieden und Ausführen von Intrigen ist nicht selten durch die Triebfeder Neid verursacht.

Neid führt in Firma auch zu wirtschaftlichen Nachteilen, dann nämlich, wenn ganze Abteilungen oder wichtige Entscheidungsträger ihre Arbeitskraft darauf verwenden, wie sie ihren Neid nähren können und dieses vermeintliche Gefühl des Zukurzkommens wie bleierne Schwere in alles hineinkriecht.

Mobbing ist oft das Resultat von Neid.

Man mag jemanden etwas nicht gönnen und die Perfidie der schleichenden Ausgrenzung fängt an. Meistens mit einem Lächeln und opulenten Nettigkeiten, um die falsche Fährte möglichst unauffällig zu legen und versteckte Spiesse der psychologischen Infamie tief in die weidwunde Seele des Opfers treiben zu können. Es gibt Untersuchungen, die angeblich zu wissen glauben, dass über die Hälfte der Mobbingfälle mit Neid zu tun haben.

Neid kann aber auch, und das ist das eigentlich erstaunliche daran, durchaus reflektierende Energie im positiven Sinn freisetzen. Der Neid ist auch Ausdruck dafür, dass man mit einer Situation nicht zufrieden ist. Es nagt an einem. Ohne Unterlass. Tief im Innern weiss der Betroffene ganz genau, dass er mit seinem eigenen Selbstverständnis nicht im Reinen und Verbesserungsbedarf da ist. Neid kann Energie frei setzen. Er treibt unter Umständen Menschen an ihre ganz persönlichen wie auch beruflichen Defizite zu bekämpfen und ihre Situation selbstkritischer zu betrachten.

Neid kann so weit führen, dass man sich unbedingt verbessern will, dies auch erreicht, dabei bemerkt wird und später selber leidenschaftlich beneidet wird.

In der Arbeitswelt ist Neid ein destruktives Instrument. Er macht blind, dort wo Objektivität gefragt wäre und schlechte Gefühle gegenüber anderen zu mieser Stimmung und noch mieseren Resultaten führen kann. Guter, fairer Wettbewerb ist kein ‚Mainstream’ geworden. Der heftige Einsatz von Ellbogen, Zähnen und Klauen ist nach wie vor stark verbreitet. Es wird nicht mehr mit dem Oberschenkelknochen eines Mammuts gekämpft und Schädel eingeschlagen. Auch wenn der Einsatz der Mittel vielleicht als ‚sophisticated’ bezeichnet werden kann, ist er zuweilen nicht minder schmerzhaft und brutal, wie zu Zeiten der Neandertaler.

Interessant ist auf jeden Fall, dass Neid immer mit Gerechtigkeit und Fairness verbunden ist.

Faire Führung, gerechte Massnahmen, ausgewogene Entscheide führen weitaus seltener zu solchen psychologischen Eruptionen menschlichen Auswurfs. Ist am Arbeitsplatz die Neidkultur nicht nur virulent, sondern dominant vorhanden, sind die Arbeitsverhältnisse meistens auch nicht gut. Eskalieren dann noch die Auseinandersetzungen, dann wird sich die Neidkultur direkt in der Bilanz niederschlagen. Alle sind miteinander beschäftigt. Aber auf die falsche Art. Die Firma ist dann nicht mehr zu beneiden.

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