Mrz 13

Hektik und Stress mit Biofeedback meistern.

Autor: HRToday

Erhöhter Leistungsdruck, lange Arbeitszeiten, permanente Erreichbarkeit – die Anforderungen im Beruf nehmen stetig zu. Auch private Belastungen führen neben dem Arbeitsalltag häufig zu einer psychischen Überbelastung. Regelmässiges Biofeedback-Training kann einen Ausgleich schaffen und zu verbesserter Regulationsfähigkeit und Stresstoleranz führen. (Ein Beitrag von: Claude Keller und Mar Baumgartner, HR Today).

Stress, Hektik und Zeitknappheit sind typische Phänomene der Gegenwart. Jeder klagt darüber und versucht mit verschiedenen Mitteln, mehr Zeitsouveränität zu bekommen. Doch das gelingt nur selten. Daher passiert es häufig, dass wichtige Ziele – seien es die eigene Gesundheit, Familie oder Beziehungen zu Freunden – ins Hintertreffen geraten. Die Fähigkeit, sich gezielt entspannen zu können, wird daher immer wichtiger. Auf die Anspannung/Leistung sollte daher immer auch die Entspannung folgen, um die eigenen, durch Stress blockierten Energien und Kräfte wieder zu mobilisieren und um Körper, Geist und Seele wieder in ein Gleichgewicht zu bringen.

Ein zu straffes Zeitmanagement kann die Gesundheit zerstören. Inseln der Ruhe sind wichtig, um die Leistungsfähigkeit erhalten zu können.

Ein erster wichtiger Schritt ist es, das eigene Stresspotenzial richtig einzuschätzen. Nur zu gerne wird verdrängt, wie angespannt oder erschöpft man ist – die Regulationsfähigkeit des Körpers kann eingeschränkt sein, ohne dass man es gross merkt. Eine objektive Einschätzung bietet die Messung der Herzratenvariabilität (HRV). Sie liefert eine biologische Bezugsgrösse für die individuelle Stresstoleranz und gibt Aufschluss über die Regulationsfähigkeit des Parasympathikus, unserer «inneren Bremse», auch «Ruhenerv» genannt, da er für Ruhe und Erholung sorgt. Es gilt: Je grösser die Variabilität, umso funktionsfähiger der Parasympathikus, desto grösser die Stresstoleranz.

In Stresssituationen bewusst tief atmen

Eine sehr erfolgreiche Methode, sich schnell und wirksam zu entspannen, ist das so genannte Herzkohärenztraining. Das Herzkohärenztraining ist ein Biofeedback-Verfahren, das sukzessive die Rhythmen von Atmung, Blutdruck und Herzfrequenz einer Person synchronisiert – und auf diese Weise den Körper entspannt sowie regeneriert. Dieser psychophysische Erholungszustand lässt sich durch diese etablierte verhaltensmedizinische Technik gezielt fördern, weil die Atmung eine der wenigen beeinflussbaren Zugänge zum vegetativen Nervensystem darstellt. Wenn wir Menschen in einer belastenden Situation stecken, Unruhe verspüren, hektisch werden, Herzklopfen bekommen oder andere Anzeichen körperlicher Anspannung erkennen, können wir somit über die Atmung den Kreislauf beruhigen. In Stresssituationen neigen wir zu flachem, hektischem Atmen. Wer hingegen lernt, tiefer zu atmen, beruhigt schnell seinen Kreislauf und senkt die Herzfrequenz, die Stresssymptome lassen nach, und man kann wieder stressfreier agieren.

Psychophysiologische Vorgänge wahrnehmbar gemacht

Echte Entspannung und relaxte Zerstreuung sind bessere Beruhigungspillen.

Die Herzrate wird via Ohrclip abgetastet, verstärkt und über ein multimediales System (PC) visuell und akustisch zurückgemeldet. Dem Anwender werden auf diese Weise die psychophysiologischen Vorgänge bewusst wahrnehmbar gemacht, für die er normalerweise keine guten «Antennen» hat, zum Beispiel die eigene Herzfrequenz. Das Biofeedback-Programm gibt ihm dabei eine Anleitung, wie er atmen soll. Am Verlauf der Herzfrequenz – symbolisch durch einen flatternden Schmetterling oder einen aufsteigenden Freiluftballon dargestellt – erkennt der Anwender, dass Atmung und Herzschlag immer besser in Einklang kommen. Veränderungen der Motive oder Töne zeigen dabei an, ob sich die Werte in einem «positiven» Bereich bewegen. Durch «richtiges» Atmen kann man somit das «Feintuning» zwischen verschiedenen Körperrhythmen günstig beeinflussen, was zur Entspannung führt.

Der Benutzer kann durch regelmässige Anwendung sein Körpergefühl deutlich verbessern und seine neurovegetativen Reaktionen besser kontrollieren, das heisst, er kann in Stresssituationen gezielt seinen Parasympathikus aktivieren und auf die «innere Bremse» treten. Das Biofeedback stellt somit eine einfache, nebenwirkungsfreie und effektive Möglichkeit dar, mit Stress besser umzugehen und Stresskrankheiten zu vermeiden.

AXA Winterthur und Mobiliar Versicherung setzen Methode ein

Das Training wird aktuell unter anderem von zwei Finanzdienstleistern aktiv eingesetzt: Bei der AXA Winterthur setzt die Abteilung Gesundheitsmanagement das Training in Einzelcoachings ein. Die Mitarbeitenden können das Training direkt am Arbeitsplatz durchführen. Für die zuvor beschriebenen positiven Effekte ist ein tägliches Training von 12-15 Minuten nötig. Meist sind bereits nach 3 Monaten signifikante Veränderungen feststellbar. Bei der Mobiliar Versicherung wird das Biofeedback-Training vor allem zur Primärprävention eingesetzt. Die Mitarbeitenden erlernen in einem Einführungsseminar den praktischen Umgang und haben dann die Möglichkeit, das Training sowohl am Arbeitsplatz als auch unterwegs bzw. zu Hause umzusetzen.

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