Mai 27

Ist Loyalität ein Auslaufmodell?

Autor: Renate Burger

Lineare Lebensläufe in einem Unternehmen vom Ausbildungsplatz bis zur Pensionierung sind heute eher eine Ausnahme. Dass Mitarbeitende alle 3-5 Jahre eine neue Stelle antreten, ist dagegen keine Seltenheit mehr. Besonders die jüngere Generation zeigt eine hohe Wechselbereitschaft, die Bindung an den Arbeitgeber sinkt.

Renate Burger, Autorin dieses Beitrages. Klicken Sie aufs Bild für mehr Infos.

Welches sind die entscheidenden Faktoren, die die Loyalität beeinflussen und welche Auswirkungen haben diese auf den Unternehmenserfolg? Wie kann die Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen gefördert werden? Wie viel Mitarbeiterbindung braucht es überhaupt?

Diese Fragen gehen in der Hektik des Tagesgeschäfts gerne unter. Sie sind es aber wert, sich darüber Gedanken zu machen, denn fehlende Mitarbeiterbindung kann sehr teuer werden:

Von Ersatzbeschaffungskosten für Rekrutierung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter bei hoher Fluktuation über den Verlust von Firmen-Knowhow und unter häufigem Personalwechsel leidenden Kundenbeziehungen bis hin zu Leistungsverweigerung oder gar Sabotage bei null Identifikation können recht hohe Folgekosten daraus resultieren.

Was genau ist unter Mitarbeiterbindung zu verstehen?
Es sind im Wesentlichen drei relevante Komponenten zu unterscheiden:

  • Die emotionale Dimension umfasst z.B. positive Erfahrungen, Erfüllung von Erwartungen, die persönliche Entwicklung im Unternehmen, soziale Beziehungen zu Kollegen, Unternehmensimage am Markt, Identifikation mit den Produkten
  • Die moralische Verbundenheit (eher normative Aspekte) basiert auf erfahrener Förderung/Beförderung, genutzten Weiterbildungsmöglichkeiten, fairer Behandlung am Arbeitsplatz, Verantwortungsgefühl gegenüber Kollegen, Vorgesetzten, Kunden
  • Monetäre oder kalkulative Komponenten schliesslich sind z.B. angemessenes Entgelt, flexible Salärbestandteile, Altersversorgung, Lohnzusatzleistungen („fringe benefits“) aber auch Kosten eines Wechsels wie Umzugskosten, Verzicht auf Firmenwagen oder Mitarbeiterrabatt

Was sind mögliche Folgen einer fehlenden Bindung?
Abgesehen von einer höheren Fluktuation mit den damit verbundenen Kosten führt eine geringe Bindung zu reduzierter Produktivität aufgrund mangelnder Motivation, sinkender Bereitschaft zu Mehrarbeit und Überstunden, geringerer Zahl von Verbesserungsvorschlägen und womöglich steigender Fehlzeiten. Sowohl Absentismus wie auch Präsentismus, d.h. Anwesenheit am Arbeitsplatz mit eingeschränkter Arbeitsleistung, sind denkbare Folgen, die sich auch negativ auf das Betriebsklima auswirken können.

Und wie steht es allgemein um das Engagement der Arbeitnehmer?
Eine breit angelegte Studie zur emotionalen Mitarbeiterbindung, der aus meiner Sicht wirksamsten Dimension, führt die Unternehmensberatung Gallup jährlich durch. (Quelle: www.gallup.com/de-de/181871/engagement-index-deutschland.aspx).
Die Ergebnisse, zusammengefasst im Engagement Index für Deutschland, zeigen die Entwicklung im Zeitverlauf:

Engagement Index in Deutschland – Gallup (PDF, Grafik 1 Seite)

Nach einem anhaltenden Trend zu weniger Bindung und stetig wachsender Zahl von Arbeitnehmern ohne Bindung scheint es in den letzten drei Jahren eine kleine Wende zu geben. Der prozentuale Anteil von Mitarbeitenden mit hoher Bindung ist wieder leicht angestiegen, der Anteil ohne Bindung deutlich zurückgegangen. Am deutlichsten ist die Veränderung im Mittelfeld (geringe Bindung) mit einem Anstieg von 61% auf 70%! Das bedeutet, mehr als zwei Drittel der Beschäftigten machen mehr oder weniger „Dienst nach Vorschrift“. Im internationalen Vergleich hat die Schweiz im 2014 sogar den höchsten Anteil im Mittelfeld mit 79% der Mitarbeitenden, dafür sind es nur 11% mit hoher bzw. ohne Bindung:

GALLUP – Engagement Index 2014, internationaler Vergleich (PDF, 1 Seite)

Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup, hat dafür ein anschauliches Bild: „Stellen Sie sich einen Wagen vor. Die emotional hoch gebundenen Mitarbeiter ziehen den Wagen und wollen das Unternehmen aus eigener Kraft voranbringen. Mitarbeiter mit geringer emotionaler Bindung sitzen auf dem Wagen und fahren mit. Und die Inneren Kündiger (ohne Bindung) sind diejenigen, die den Wagen bewusst ausbremsen.“ (www.saatkorn.com/gallup-engagement-index-2015)

Was ist zu tun?
Um im Bild zu bleiben: Bei 70% oder 79% im Mittelfeld lohnt es sich, einige Mitarbeiter vom Wagen zu holen und dafür zu begeistern, das Unternehmen voranbringen zu wollen. Diese Gruppe gilt es für die Unternehmensziele zu gewinnen, ihre Motivation und den Spass an der Arbeit zu fördern und sie zu verantwortungsvoll handelnden Mitstreitern zu machen, die sich mit den Produkten und Werten des Unternehmens identifizieren und dies auch ihren Kunden entsprechend vermitteln.

Wie kann ein Arbeitgeber eine gesunde Bindung an sein Unternehmen erreichen? Welche Rolle spielt der direkte Vorgesetzte und sein Führungsstil? Welchen Erwartungen ist bei der jüngeren Generation (Gen Y) oder älteren Arbeitnehmern der Generation Babyboomer zu begegnen? Diese Fragen werden in Kürze in Teil 2 zum Thema Loyalität in diesem Blog erörtert.

www.burger-personal.com

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