Apr 19

Migration erzeugt Reibungswärme und lässt niemanden kalt.

Autor: PersonalRadar

Es ist eine elende Krux! Kein Tag vergeht in diesem Land, der nicht mit Migration zu tun hat. Ohne sie würde es jedoch in der Schweiz bedrohlich ruhig werden.

Gerade die Ausrufung der Ventilklausel durch den Bundesrat am 18. April 2012 hat einmal mehr aufgezeigt, dass das Thema Migration niemanden verschont. Die hiesige Wirtschaft ist auf Arbeitskräfte von aussen angewiesen. Das ist immer noch so. Die anhaltende Stärke der Wirtschaftsleistung wäre ohne Aussenwirkung nie möglich gewesen. Die Schweiz ist ein Hort der Stabilität und das macht sie auch äusserst attraktiv für andere. Zudem ist das Lohngefüge wesentlich besser als in der Eurozone und trägt zum Sexappeal dieser kleinen Willensnation bei.

Die unkontrollierte Einwanderung löst jedoch ein wachsendes Unbehagen aus.

Helvetia quo vadis?

Viele weniger gut qualifizierte Berufsleute fühlen sich auf dem Arbeitsmarkt verdrängt. Die Enttäuschten und Bedrängten äussern ihren Unmut in einer latenten Xenophobie, die oft genug auch unverhohlen zum Ausdruck gebracht wird und die allgemeine gute wie auch sachliche Stimmung zwischen den Hiesigen und Anderen vergiftet. Der Wohnungsmarkt ist auch angespannt. Zudem nerven sich viel Schweizerinnen und Schweizer über die arrogant wirkende EU, die mit ihrer Wirtschaftsmacht und ihrer institutionellen Muskelmasse prahlt, zuweilen sehr herbe Kritik gegenüber der Schweiz zum Ausdruck bringt und immer wieder mit elaborierten und gedrechselten Bemerkungen versucht, das urhelvetische Selbstverständnis einer alten Demokratie in Frage zu stellen, obwohl dieses Land ein souveränes Staatsgebilde ist, wo die Menschen aufgrund der starken demokratischen Strukturen pointiert über ihr eigenes Schicksal entscheiden können und mit viel gesundem Menschenverstand, das entscheiden was dem Land gut tut. Hunderttausende EU-Bürger leben und arbeiten in diesem Land. Oft genug viel besser, erfolgreicher und befriedigender als im derangierten Wirtschaftsraum derselben.

Die Ventilklausel ist sicher nicht besonders wirkungsvoll und wird kaum alle Probleme lösen.

Es ist jedoch wichtig, dass die anderen wieder einmal zu Kenntnis nehmen müssen, dass dieses Land trotzdem ein sehr zuverlässiger Partner ist, das jedoch seine Rechte in Anspruch nimmt und dazu Sorge tragen will, dass jene Erwerbstätigen, die in diesem Land schon ein Auskommen finden, das auch mit einer zukunftsorientierten Stabilität weiterhin tun können. Migration, und das zeigt die Historie der globalen Arbeitskulturen immer wieder auf, erzeugt Reibungswärme und sorgt dafür, dass es manachmal zu Überhitzung zwischen den verschiedenen Interessens- und Anspruchsgruppen führen kann. Das ist menschlich. Es wird immer zu Konflikten zwischen Menschen kommen, wenn ein gutes Angebot auf zuviel Interesse stösst.

Ohne uns kein Pflege.

Gerade die neue Kampagne der Gewerkschaft Unia macht uns aber auch klar darauf aufmerksam, dass Migration nicht immer nur mühsam ist, sondern zuweilen notwendig wird, wenn wir nicht Gefahr laufen möchten, den Anschluss zu verlieren und in die Bedeutungslosigkeit zu versinken. Ohne die Hilfe von aussen, wären wir hilflos.

Würde die Schweiz alle Pflegenden, die keinen Schweizer Pass besitzen für einen Tag in die Ferien senden, dann kollabiert das schweizerische Gesundheitssystem sofort. Es würde nichts mehr richtig laufen. Vielleicht könnte man knapp einen Notbetrieb für kurze Zeit aufrecht erhalten, dann wäre es aber schnell vorbei.

Ohne uns kein Gemüse.

Auch das Frischgemüse auf den Feldern würde nur noch verfaulen und Dünger werden. Wer findet die vielen Hilfsjobs in der Landwirtschaft wirklich attraktiv? Hand aufs Herz. Sie? Wohl kaum. Gerade die Schweizer Bauern, deren parlamentarische Mehrheitsvertretung bekannt ist für ihre hemdsärmelige Hauruckmethoden und Beissfreudigkeit, wenn es um die Ausländerpolitik geht, sind auf die Erntehelfer und Erntehelferinnen aus Osteuropa angewiesen. Sie sind willig und billig. Das Gemüse kommt nun mal nicht automatisch auf den Teller. Auch wenn die Landwirtschaft in vielen Bereichen hoch automatisiert ist, bleibt die manuelle Arbeit in einem hohen Masse bestehen. Der Spargel zum Beispiel muss immer noch von Hand geerntet werden. Und die biologische Landwirtschaft erlaubt nur einen bestimmten Grad an mechanischer Hilfe. Der grosse Rest ist Handarbeit. Ohne die vielen fleissigen Menschen aus Osteuropa würde die vitaminreiche Kost und die wichtigen Ballaststoffe nicht auf den Tisch kommen.

Ohne uns kein Spiel

Tja so ist es auch mit dem Sport. Dieser ist schon lange grenzenlos. Der Fussball wäre stinklangweilig ohne die vielen Sportler und Sportlerinnen aus dem Ausland. Gerade die Trainer- und Coachszene wäre arm dran ohne die reich gefüllten Reservoirs aus dem Ausland. Viele Arbeitsmigranten machen den Fussball erst richtig erfolgreich und spannend. Die Schweiz ist eine erfolgreiche Sportnation mit viel Unterhaltungswert. Dieser würde massiv sinken, könnten die hiesigen Sportanlässe nicht mehr mit der Unterstützung von aussen rechnen. Was wäre die Schweizer Nationalmannschaft ohne die Unterstützung jener Spieler mit Migrationshintergrund? Tor- und chancenlos!

Ohne uns kein Bau.

Die Bauwirtschaft wäre ohne Migration auch mausetot. Diese Branche ist seit vielen Jahrzehnten auf ausländisches Fachpersonal angewiesen. Die moderne Schweiz wurde mehrheitlich von den Ausländern gebaut. Und das notabene recht gut. Die Infrastrukturqualität in diesem Land ist eine der besten der Welt. Ohne die Bauarbeiter zum Beispiel aus Italien, Spanien, Portugal oder Deutschland wäre vieles einfach liegen geblieben. Handwerker, insbesondere Bauleute, aus dem Ausland prägen die Bauhaupt- und Baunebenbranche überdurchschnittlich stark. Würden zum Beispiel im Sommer alle in der Schweiz beschäftigten ausländischen Strassenbauer in die Ferien gehen, dann wäre die Blechkolonne von Hamburg bis nach Neapel Realität. Nichts wäre mehr so, wie es sein sollte.

Ohne uns keine Forschung.

Die technische, chemische wie auch pharmazeutische Forschung zum Beispiel wäre ohne ausländische ‚Brainware’ und die vielen intellektuellen Arbeitsnomaden nicht nur verloren sondern ziemlich wertlos. Internationale wie auch interdisziplinär zusammen arbeitende Forschungsteams sind heute den ‚Forschungsimperativ’ schlechthin. Ohne das moderne ‚limitless Swarm-Thinking’ wäre die geniale Einzelleistung gar nicht mehr möglich. Der Forschungsstandort Schweiz wäre eine aride Denkwüste ohne innovative Schöpfungskraft und könnte die ausländische ‚Brainpower’ nicht in den ‚Denk-Grid’ des helvetischen Forschungswesens einbetten. Forschende haben sich selten um die Herkunft der Anderen gekümmert. Hauptsache deren Wissen führt zu neuen Erkenntnissen und Produkten. Alles andere wäre nur dumm. Die Migration der Forschenden hat dieses Land reich gemacht. Die moderne Wirtschaftsgeschichte der Schweiz beweist es. Oder wie entstand zum Beispiel Nestlé und ABB?

Ohne uns keine Schoggihasen.

Viele Industrie-, Handels – und Produktionsbetriebe könnten ihre Werkstore für immer schliessen ohne die emsige Arbeitskraft der vielen Ausländer und Ausländerinnen. Deren Arbeitsprofile sind oft unspektakulär, mitunter monoton, langweilig und nicht interessant. Trotzdem verhilft diese Arbeit vielen Firmen zum Erfolg. Wird sie nicht gut gemacht, dann gäbe es die Firma auch nicht. Zudem wäre es für solche Firmen enorm schwierig überhaupt noch schweizerisches Personal zu finden, weil dieses solche Jobs als nicht adäquat ihren Fähigkeiten betrachten würden. Fabrikpersonal braucht es vielleicht immer weniger, da die verarbeitende Industrie einen hohen Automatisierungsgrad erreicht hat und die Fabrikarbeit langsam ausstirbt. Sie ist aber immer noch da und gerade die vielen Migranten und Migrantinnen sorgen dafür, dass die Schweizer Schokolade überhaupt verkauft werden kann.

Migration ist anstrengend. Oft für beide Seiten. Beide Seiten profitieren mehr von ihren Vor- als Nachteilen. Die Schweiz braucht sie auch.

Bleiben wir cool und denken daran, dass die nach wie vor sehr solide Arbeitswelt ohne die von aussen auch innen nicht optimal funktionieren würde. Die anderen beneiden uns darum. Neid ist gut. Er beweist, dass wir das richtig tun, was andere gerne haben möchten: Eine kontrollierte Migration, die dem Frieden im Land zuträglich ist und die wirtschaftliche wie auch gesellschaftliche Stabilität aller garantiert.

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