Jun 25

Mobilität – such a nonsense.

Autor: PersonalRadar

Sie kennen das sicher aus eigener Erfahrung. Sie möchten in den Süden fahren. Sie stecken im Stau. Das Hirn kocht vor Wut.

Die Bruthitze im Blechkasten setzt Ihnen zu. Sie möchten wegfliegen. Am Flughafen ist das einzig zuverlässige die Verspätung und die verschämt hohen Preise für Verpflegung. Und ausgerechnet zur Sommerzeit kommt das neue Rollmaterial der europäischen Eisenbahngesellschaften nicht zum Einsatz, weil das Personal per Zufall verständnisheischend streikt und die Bahnhöfe zu grossen, stickigen Schlafsälen verkommen. Mobilität kann stressen. Gerade dann wenn Millionen die gleiche Absicht haben.

Die Stadtplaner, Stauprognostiker und Gesundheitsbehörden wollten schon immer unser Reiseverhalten genauer unter die Lupe nehmen. Mit den Daten lassen sich dann angeblich die Städte besser bauen, die nächste geografische Ausbreitung einer Pandemie präziser vorhersagen und die Verkehrsfachleute können ihre unverständlichen Prognosen besser berechnen. Inzwischen gibt es mathematische Modelle, welche die Bewegungslust von Individuen innerhalb einer Population abzubilden vermögen.

Woher kommt es? Natürlich aus den USA. Für die sogenannten Mobilitätsstudien wurden die Mobiltelefone als Marker verwendet. Sobald wir unsere Mobiltelefone einschalten, hinterlassen wir elektronische Spuren. Wir kennen das bestens aus den Krimiserien. Kaum telefonieren die tumben Verbrecher mobil, verpasst ihnen wenige Minuten später die Polizei einen Satz Handschellen.

An der Northeastern University in Boston hat ein Forschungsteam sechs Monate lang den Standort von 100’000 Mobiltelefonen anonymisiert aufzeichnen lassen. Aufgrund der grossen Dichte an Mobilfunkantennen konnte das sogenannten Mobilitätsmuster der Benutzer/-innen nachverfolgt werden. Selbstverständlich kam ein riesiger Datenberg zusammen. Der hat allerdings nur eine müde Maus geboren. Das Resultat wurde kürzlich im renommierten Wissenschaftsmagazin ‚Nature‘ publiziert. Das Ergebnis war angeblich überraschend. Wir Menschen sind in Sachen Mobilität eher unbedarft und nicht besonders aufregend. Die Auswertung ergab, dass die Datenlieferanten/-innen sich meistens zwischen ihrem Domizil, dem Arbeitsplatz und der Lieblingsbar aufhielten.  Nur ausgerechnet während der Ferienzeit verhielten sich die Handybesitzer/-innen ungewöhnlich und tigerten auf dem ganzen Erdball herum. Na ja – ganz neu ist das uns wohl doch nicht so. Aber empirische Wissenschaft hat auch nicht immer den Anspruch zum allgemeinen Verständnis beizutragen.

Nehmen Sie die kommende Ferienzeit gelassen. Vom Bodenpersonal zerstörte Koffer können uns nicht mehr nerven. Der schleichende Erstickungstod in muffigen Wartezonen des öffentlichen Verkehrs schreckt uns nicht mehr. Und auch die wutentbrannten Irren auf glühendheissen Asphaltstrecken nehmen Sie besser mit stoischer Gelassenheit zur Kenntnis. Dieses unverhältnismässig bizarre Verhalten wird spätestens nach den grossen Ferien wieder abebben und sich langsam aufs alltägliche Bermudadreieck Wohnung, Firma und bevorzugte Freizeitoase beschränken.

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