Jul 2

Nach der Erholung sind wir groggy.

Autor: PersonalRadar

Die Ferienzeit bricht an! Es gilt neue Landschaften, Menschen und Kulturen zu entdecken. Alle freuen sich, das solide, helvetische, brave, manchmal etwas gehetzte oder langweilige Leben hinter sich zu lassen. Abenteuer ist angesagt. Wir überlassen uns dem Unwillkürlichen und geniessen die baumelnde Seele, die viel Schwung holt und uns in einen anderen Zustand versetzt.

Wir nörgeln ja gerne über unseren Alltag! Wir ereifern uns, wenn es mal nicht so klappt, wie wir es gewohnt sind. Die Anspruchshaltung an die Schweiz ist gross. Alles muss perfekt sein. Wehe es läuft mal nicht so, wie es im Drehbuch steht.

Reisen wir jedoch ins Ausland, entsteht Heimat oft erst in der Fremde. Wir drehen am Wasserhahn und es blubbert eine eklige braune Brühe raus. Zuhause ist Wasser unbedenklich trinkbar und ein erfrischendes, bakterienfreies Lebensmittel. Gehen wir mal flugs im Ausland aufs Klo, dann erstarren viele von dem was sie antreffen. Sie denken seufzend an die schummrige Bahnhofstoilette gleich um die Ecke, die nicht besonders einladend aussieht, aber wenigstens blitzblank sauber ist. Haben wir im schlimmsten Fall Kontakt mit ausländischen Behörden, erinnern wir uns an die paradiesischen Zustände in der Heimat. Die Dienstleistungen der öffentlichen Hand müssen nicht mit einem Bakschisch beschleunigt werden, damit man Dokumente oder Bescheinigungen überhaupt erhält. Unser ‚Service Publique’, dem wir immer sofort Trägheit attestieren, wenn Erwartungen nicht unmittelbar erfüllt werden, funktioniert nämlich ordentlich und absolut zuverlässig.

Das hiesige Lebensmittelangebot, die Versorgungslage und die riesige Vielfalt an Produkten ist einzigartig. Alles ist immer verfügbar. Wir können diese mit unseren nach wie vor anständigen Einkommen auch ohne Probleme kaufen. Viele dieser Menschen, denen wir im Ausland während den Ferien begegnen, beneiden uns deswegen. Wir leben in paradiesischen Zuständen. Erst im Ausland merken wir es.

Nicht alles ist perfekt bei uns. Die zum Teil ausgeprägte soziale Kontaktfähigkeit, die wir bei anderen so schätzen, vermissen wir im Alltag. Gerne würden wir öfters aus der Haut fahren und uns gehen lassen. Der Terminkalender, die Uhr und die vielen Verpflichtungen, die uns im Nacken sitzen, möchten wir am liebsten auf den Mond schiessen und der Romantik freien Lauf lassen. Geniessen Sie Ihre Ferien in vollen Zügen!

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