Jan 7

Schweizer Gewerkschaften haben immer weniger Mitglieder – Finanzielle Probleme bahnen sich an.

Autor: HRToday

HR TodaySeit zehn Jahren schwindet die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder. Zwar haben die Arbeitnehmer-Organisationen die Massenflucht ihrer Mitglieder in den 90er Jahren gestoppt. Das Problem ist aber nicht gelöst. Der Mitgliederschwund könnte anfangen, die Gewerkschaften finanziell zu bedrohen. Dem HRM kommt «die Gegenseite» abhanden.

«Das Phänomen der Verlagerung der Wirtschaft zu den Dienstleistungen schädigt uns, weil wir traditionell gut in der Industrie und im Handwerk verankert sind», sagt Ewald Ackermann, Sprecher des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB). Aber auch in der Industrie erhöht sich die Zahl von Ingenieuren zulasten jener der traditionellen Arbeiter.  «Die Beschäftigung entwickelt sich in Richtung von Branchen, wo die Angestellten tendenziell besser qualifiziert sind und wo sie weniger daran interessiert sind, sich einer Gewerkschaft anzuschliessen», sagt Susanne Blank, Verantwortliche für Wirtschaftspolitik von Travailsuisse.

Weniger Gemeinschaftsgefühl

Streik! Arbeitskämpfe sind teuer - finanziell angeschlagene Gewerkschaften könnten zunehmend Mühe haben, solche Aktionen zu organisieren und zu finanzieren. (Bild - Wikipedia)

Streik! Arbeitskämpfe sind teuer – finanziell angeschlagene Gewerkschaften könnten zunehmend Mühe haben, solche Aktionen zu organisieren und zu finanzieren. (Bild – Wikipedia)

Ein weiterer negativer Trend für die Gewerkschaften gibt es bei den früheren Regiebetrieben des Bundes. Dort sei das Personal früher stark gewerkschaftlich organisiert gewesen, doch seien in diesen Betrieben viele Stellen verloren gegangen, hält Daniel Oesch von der Universität Lausanne fest.  Weiter würden die Gewerkschaften getroffen von der Individualisierung der Gesellschaft, denn damit sinke die Bedeutung des Gemeinschaftsgefühls.  Der Mitgliederschwund hat auch mit der Wirtschaftskrise zu tun, wie Ewald Ackermann feststellt. «Wenn sich jemand einer Gewerkschaft anschliesst, erhofft er sich im Gegenzug für 300 bis 700 Fr. Mitgliederbeitrag eine gewisse Betreuung.» Bei Unsicherheiten oder Arbeitslosigkeit seien aber viele geneigt, sich nicht mehr gewerkschaftlich zu organisieren, sondern indirekt zu profitieren.

Es gibt Ausnahmen

Der Anteil von Gewerkschaftsmitgliedern unter den Arbeitskräften fiel von 2001 bis 2010 von 23,8 Prozent auf 21,3 Prozent, auch wenn es 2002 mit 25 Prozent einen Höhepunkt gegeben hatte. Der SGB zählte 2001 gesamthaft 384’179 Mitglieder, 2011 noch 368’752.  Doch nicht alle Organisationen schrumpfen stetig. Die grösste Einzelgewerkschaft der Schweiz, die Unia, hat ihren Mitgliederbestand beispielsweise zwischen 2010 und 2011 um 0,1 Prozent auf 193’518 Personen gesteigert. Die Unia hat ihr Augenmerk stärker auf die Branchen Dienstleistungen, Verkauf und Gastronomie ausgerichtet. Der Mitgliederbestand ist für die Gewerkschaften finanziell bedeutsam. Die Syna – auch sie erfreut sich wieder leicht steigender Mitgliederzahlen – ist seit 2006 zurück in den schwarzen Zahlen und verfügt gemäss ihrem Präsidenten Kurt Regotz über eine solide Finanzlage.

Weniger Leistungen

Doch für viele Gewerkschaften bleiben die bedrohten Mitgliederzahlen Teil eines Teufelskreises. «Da 95 Prozent der Mittel der SGB-Gewerkschaften von Mitgliederbeiträgen kommen, werden die Leistungen reduziert werden müssen, wenn die Mitgliederzahlen weiter sinken», sagt Ewald Ackermann. Dies führe dann nochmals zu Mitgliederschwund.  Zwar kommt den Gewerkschaften auch Geld aus paritätischen Fonds zu, aber diese Mittel dienen nur dazu, die Verhandlungen zu organisieren und zu überwachen und für Weiterbildungen. Sie könnten nicht eingesetzt werden, um Gewerkschaften aus etwaigen Finanznöten herauszuhelfen.

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