Apr 27

Stellenprofile, hoch wie Wolkenkratzer.

Autor: PersonalRadar

‚Für den CEO suchen wir per sofort oder nach Vereinbarung eine Assistentin. Sie sind nicht älter als 28-30 Jahre alt, sprechen D/F/E/Sp, haben erfolgreich ein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen und verfügen über mehrere Jahre Erfahrung in einer ähnlichen Position. Zudem verfügen Sie über nachweisbare Führungserfahrung….‘ Solche Stelleninserate sind ein Blödsinn. Punkt.

Klare Stelleninserate sind erfolgreicher. Wer will schon Bahnhof verstehen.

Das Schreiben von Stellenprofilen ist in der Schweiz immer noch eine bierernste Angelegenheit. Meistens sind diese in der üblichen Art und Weise abgefasst. In der Regel stinklangweilig und ein wenig bieder. Selten gibt es Stellenpublikationen, die ums Eck schauen und auch mal für eine angenehme Überraschung gut sind. Das unorthodox geschriebene Stelleninserat fällt sofort stark auf. In der Regel führt es dazu, dass Bewerbende zögern sich zu bewerben, wenn der Sprachstil nicht dem gewohnten Muster entspricht. Viele bevorzugen das Gewohnte und Gewöhnliche. Leider.

Der Arbeitsmarkt ist im Moment sklerotisch. Es läuft nicht rund. Viele Arbeitgeber sind in Sachen Neueinstellungen zurückhaltend und vorsichtig. Die Wirtschaft ist labil und der Jobmarkt volatil. Auch die Stellensuchenden sind vorsichtig. Insgeheim gäbe es viele von ihnen, die am liebsten heute noch ihren Job hinschmeissen möchten. Es gibt aber wenig Alternativen, die einen Jobwechsel rechtfertigen.

Beim Lesen der Stelleninserate fällt immer wieder auf, dass die Jobprofile gigantisch ausfallen. Mit grossen Wortklaubereien – gefüllt mit falschem Pathos – , Füllwörtern und ‚Adjektivbomben‘ werden Texte garniert und geschmückt. So weit so gut. Das gehört nun mal zum Alleinstellungsmerkmal gewisser Arbeitgeber oder Personaldienstleister.

Texte für Stelleninserate, mächtig wie Wolkenkratzer, machen viele schwindlig.

Was aber immer wieder auffällt, und das ist beileibe nicht wirklich gut, sind die überkandidelten Anforderungsprofile, die auch mit fünfzig Jahren Berufserfahrung fast nicht zu erfüllen sind. Man sucht immer wieder junge Mitarbeitende, die nicht viel kosten dürfen, aber schon über einen tonnenschweren Bildungsrucksack und einen nicht minder üppigen beruflichen Erfahrungsschatz verfügen müssen. Gleicht man dann das Stellenprofil mit der Wirklichkeit ab, geht die Luft so schnell raus wie bei einem Pneu, der in einen Nagel fuhr. Viele Bewerbende fühlen sich danach nicht ganz ernst genommen und ziehen etwas frustriert ihre Bewerbung zurück. Zudem erinnert das immer wieder ein wenig an den Detailhandel. Viele Produkte werden schön und aufwendig verpackt und ebenso nach allen Regeln der Werbung optimal präsentiert. Das Produkt wird ausgepackt und meistens erscheint es dann ganz gewöhnlich und überraschend einfach.

Überlassen wir die künstliche Textakrobatik den Philosophen. Im Stelleninserat schadet sie dem Inhalt.

Des Weiteren werden viele Stelleninserate in einer Sprache abgefasst, die kryptisch wirkt. Die Texte werden mit geheimnisvollen Fachausdrücken überschwemmt und sollen Eindruck machen. In der Regel will man damit das anvisierte Fachpersonal ansprechen. Stelleninserate sind aber auch immer eine Werbeplattform für das Unternehmen: ‚Aha – die bieten Stellen an. Die Firma kenne ich noch gar nicht.‘ Wenn dann aber der Text in einem verquirlten ‚Denglish‘ daher kommt, erreicht man das Gegenteil. Die Lesenden wenden sich ab und denken: ,Können die kein Deutsch mehr schreiben?‘

Kommunikation ist wichtig. Die Aussenwirkung auch. Wird sie nicht verstanden oder damit salopp geflunkert, dann zielt sie am eigentlichen Ziel vorbei, nämlich in nützlicher Frist gutes Fachpersonal zu finden. Manchmal ist ein einfaches und ehrliches Stelleninserat attraktiver als ein sprachlicher Wolkenkratzer!

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