Dez 27

Zucker – aber nicht jeder Zucker – fördert den Denkprozess.

Autor: HRToday

Müde und träge: ein zu tiefer Blutzuckerspiegel spielt manchen übel mit. Ist er stabil, sind Leistungsfähigkeit und Konzentration optimal gewährleistet. Wichtig ist, welche Nährstoffe während Mittagessen und Zwischenmahlzeiten aufgenommen werden – sie beeinflussen Ihren Zuckerhaushalt je nach Nährstoffen (ein Beitrag von: Sonia Gortzki, HR Today).

Jede körperliche Leistung ist von einer konstanten Versorgung an Nährstoffen abhängig. Auch Denken stellt eine «körperliche» Leistung dar, denn es handelt sich um biochemische Prozesse im Gehirn. Für den Denkprozess sind Sauerstoff, Wasser und Zucker die wichtigsten Betriebsstoffe. Interessanterweise benötigt unser Gehirn für unbewusste Gedankengänge nur einen Bruchteil der Energie, die es für einen bewussten, konzentrierten Gedankengang braucht.

Die regelmässige Zufuhr von Sauerstoff, Wasser und Zucker beeinflusst die Leistung unseres Gehirns positiv: Wer nicht an einer Atemwegserkrankung leidet und auch seine Krawatte nicht zu eng gebunden hat, bei dem sollte einer konstanten Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff eigentlich nichts im Weg stehen.

Dennoch kann es nicht schaden – gerade auch bei «geistiger Windstille» –, ab und zu für frischen Wind zu sorgen: Frischluftzufuhr im Sommer wie auch im Winter wirkt Wunder. Daher sollte selbst bei wichtiger Projektarbeit und in langen Meetings alle 40 bis 60 Minuten konsequent eine Mikropause von zwei bis drei Minuten an der frischen Luft eingeschaltet werden. Der müde Kopf kann den Sauerstoff am besten aufnehmen, wenn man sich dazu bewegt. Wer sich also für einen zehnminütigen Spaziergang Zeit nimmt, wird nicht nur Sauerstoff auftanken, sondern kommt auch auf andere Gedanken und findet so vielleicht sogar neue Lösungswege.

Wie wichtig die Wasserzufuhr ist, wurde bereits in der Ausgabe März 2005 von HR Today beschrieben. Dennoch, es kann nicht oft genug wiederholt werden: Sprühende Energie, kräftige Vitalität und ein scharfer Verstand sind ohne eine ausreichende Wasserzufuhr nicht zu erlangen!

Der dritte und wichtigste Stoff für die Denkleistung ist der Zucker. Er ist das Denkbenzin. Gemeint ist jedoch nicht der Zucker aus der Nahrung, sondern die vom Körper umgewandelte Speicherform von kurzkettigen Kohlenhydraten (Glucose), das so genannte Glykogen. Der Körper kann Glykogen aus verschiedensten Nahrungsmitteln bilden. Glykogen hat den Vorteil, dass es sich um einen sehr schnell verfügbaren «Treibstoff» für Muskulatur und Gehirn handelt. Das Körperfett hingegen, unser grösstes Energiereservoir, kann nur sehr langsam mobilisiert werden, und es wird nur in der Muskulatur verbrannt.

Folgende Gleichung gilt es also zu berücksichtigen:

Glykogen = Superbenzin für Muskulatur und Hirn, Depotfett = Diesel für Muskulatur.

Der Körper kennt primär zwei Speicherorte für das Glykogen: einerseits die Muskulatur, in der das Muskelglykogen (Muskelbenzin) abgespeichert ist (bei einem 80 kg schweren Mann etwa 300 bis 400 g beziehungsweise 4800 bis 6400 kJ) und für den sofortigen Einsatz bei jeglicher Form von Bewegung eingesetzt wird – also auch für den Gang vom Arbeitsplatz zur Kantine.

Der zweite Speicherort ist die Leber. In ihr wird das so genannte Leberglykogen (etwa 100 g beziehungsweise 1600 kJ) gespeichert. Das Gehirn kann im Gegensatz zur Muskulatur keine Fette verbrennen und ist daher darauf angewiesen, dass konstant Zucker verfügbar ist. Das Gehirn wird also über den Blutzuckerspiegel mit Denkbenzin versorgt. Die Menge an Blutzucker im zirkulierenden Blut ist so gering (20 g beziehungsweise 320 kJ bei einem Mann mit 80 kg), dass permanent für Nachschub gesorgt werden muss. Den Vorrat für das Denkbenzin stellt das in der Leber – im «Tank» – abgespeicherte Leberglykogen dar, das Blut ist das Transportmittel. Die Denkleistung wird also massgeblich durch den Blutzuckerspiegel beeinflusst.

Der Körper ist daher bemüht, den Zuckerspiegel im Blut stets im optimalen Bereich zu halten. Geht das Leberglykogen zur Neige – die 100 g reichen etwa für ein bis zwei Stunden konzentrierte Denkarbeit –, sackt der Blutzuckerspiegel ab, wir werden müde, unkonzentriert und hungrig.

Der Blutzuckerspiegel kann über die Auswahl der Nahrungsmittel konstant gehalten werden. Alle zuckerhaltigen Nahrungsmittel wirken sich destabilisierend auf den Blutzuckerspiegel aus. So gibt zwar der viel gerühmte Traubenzucker einen kurzen Energieschub, doch die Bauchspeicheldrüse erschrickt und schüttet hohe Mengen an Insulin aus, und wenig später ist der Blutzuckerspiegel wieder niedrig oder noch niedriger als zuvor. Wer Traubenzucker zu sich nimmt, katapultiert sich daher auf dem Expressweg in das nächste Leistungstief.

Viele berufstätige Personen kennen diese «Achterbahnfahrt» des Blutzuckerspiegels nur zu gut – das Elf-Uhr-Loch, das Nachmittagsloch und andere Tiefs. Im Folgenden einige Tipps, um gar nicht erst in die Löcher zu fallen.

  • 1. Tipp: Schauen Sie bei abgepackten Produkten auf die Inhaltsangaben und meiden Sie jene, bei denen Sie Glucosesirup, Zucker, Invertzucker, Glucose, Saccharose oder Dextrose an erster und/oder zweiter Stelle lesen. Merksatz für Konzentration und Leistung: «Fast alles mit ‹-ose› geht in die Hose!» Gesunde Alternativen finden Sie in der Obstschale auf Ihrem Schreibtisch.
  • 2. Tipp: Meiden Sie künstliche Süssstoffe beziehungsweise Lightprodukte. Auch die fettreduzierten Artikel sind keine wirkliche Alternative, denn die Verdickungsmittel füllen zwar den Mund, sättigen jedoch nur für kurze Zeit und verursachen schnell wieder Hunger.
  • 3. Tipp: Nehmen Sie ein rechtes Frühstück mit langkettigen Kohlenhydraten zu sich.
  • 4. Tipp: Lassen Sie keine Mahlzeit aus.
  • 5. Tipp: Bei der Auswahl des Mittagessens im Restaurant und in der Kantine sollten zucker- und stärkehaltigen Nahrungsmittel gemieden werden. Welche Nahrungsmittel das betrifft, zeigt die Tabelle «Glykämischer Index». Der Glykämische Index (GI) ist eine Masseinheit, die Nahrungsmittel nach deren Auswirkung auf Blutzucker und Insulinausschüttung beurteilt. Je stärker und länger ein Nahrungsmittel den Blutzuckerspiegel in die Höhe treibt, umso höher der Index. Nahrungsmittel mit vielen Mehrfachzuckern und Ballaststoffen haben einen niedrigen GI, da sie einen niedrigen Blutzuckerspiegel und damit auch eine niedrige Insulinantwort auslösen. Nahrungsmittel mit vielen und wenig Ballaststoffen haben einen hohen GI und sind für die Leistung und die Konzentration kontraproduktiv. Es geht jedoch nicht darum, alle Nahrungsmittel mit hohem GI vom Speiseplan zu verbannen, sondern wann immer sich die Möglichkeit bietet, vollwertige Varianten zu bevorzugen.

Mit dieser LINK gibt es noch weitere Infos in Sachen ‚Glykämischer Index‘!

Zucker – aber nicht jeder Zucker – fördert den Denkprozess., 8.3 out of 10 based on 3 ratings

VN:F [1.9.21_1169]
Rating: 8.3/10 (3 votes cast)
Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.