Jan 14

Fristlose Kündigung? Es gibt Regeln, die beide Seiten zu beachten haben.

Autor: PersonalRadar

Eine fristlose Kündigung darf nur aus sehr wichtigen Gründen erfolgen. Ansonsten kann eine Entschädigung von bis zu 6 Monatslöhnen die Konsequenz sein.

Aus bestimmten wichtigen Gründen kann ein bestehender Arbeitsvertrag jederzeit fristlos aufgelöst werden. Laut dem Arbeitsgesetz liegt jedoch erst ein wichtiger Grund vor, wenn dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf oder kann.

Der Arbeitgeber muss dann allerdings innert einer angemessen Frist von etwa 2 bis 3 Arbeitstagen die Kündigung aussprechen. Nur eine wirklich schwere Verfehlung des Arbeitnehmenden berechtigt zur einer fristlosen Entlassung.

Ist die Verfehlung weniger schwerwiegend, muss der Arbeitgeber unbedingt zuerst eine Verwarnung aussprechen, bevor eine fristlose Kündigung überhaupt zulässig ist.

Achtung! Eine fristlose Kündigung ist jederzeit möglich, also auch:

  • während der Probezeit
  • bei Krankheit
  • während der Schwangerschaft
  • während der Militärzeit

Was sind die Gründe, die zu einer fristlosen Kündigung berechtigen?

  • Diebstahl und Veruntreuung (das Fälschen von Spesenabrechnungen, internen Gutscheinen, Arztzeugnissen usw.)
  • Verlangen oder Entgegennehmen von Schmiergeldern
  • Verraten von Geschäftsgeheimnissen
  • Schwarzarbeit
  • Konkurrenzierung des Arbeitgebers
  • wiederholte und vorsätzliche Verweigerung der zugewiesenen Arbeit
  • wiederholt unentschuldigt nicht zur Arbeit erscheinen
  • eigenmächtiger Ferienbezug ohne Absprache mit dem Vorgsetzten
  • das Vorweisen eines Arztzeugnisses bei Krankheit verweigern
  • wichtige Schutzvorschriften werden ignoriert
  • falsche Angaben zur Ausbildung bei der Bewerbung

Wenn Mitarbeitende allerdings nur einmal unentschuldigt vom Arbeitsplatz fernbleiben, so genügt das noch lange nicht für eine fristlose Kündigung. Falls ihnen fristlos gekündigt wurde und sie sind damit nicht einverstanden, müssen sie unbedingt sofort reagieren: Nämlich per Einschreiben beim Arbeitgeber. Kommt es im schlimmsten Fall zu einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung und das Gericht kommt zum Schluss, dass die fristlose Entlassung juristisch nicht gerechtfertigt war, haben sie Anspruch auf das Gehalt, das sie bis zum Ende der ordentlichen Kündigungsfrist erhalten hätten. Sie müssen sich jedoch aber anrechnen lassen, was sie anderweitig verdient oder absichtlich nicht verdient haben.

Ausserdem kann das Gericht den Arbeitgeber verpflichten, dem Arbeitnehmenden eine Entschädigung zu zahle
n. Diese setzt er nach freiem Ermessen unter der gesamten Würdigung aller Umstände fest (z. Bsp. Dauer der Anstellung, Folgen der Entlassung usw.). Die Entschädigung darf aber sechs Monatslöhne nicht übersteigen.

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Comments

14 thoughts on “Fristlose Kündigung? Es gibt Regeln, die beide Seiten zu beachten haben.”

  • Tiana sagt:

    Hallo, ich habe eine frage bezug fristlose kündigung durch krankheit!
    Wenn ich fristlos kündige mit eine bestätigung von meinem arzt, habe ich recht auf das arbeitlose geld? Ich stelle diese frage weil ich durch mein job und sostiges eine krankheit entwickelt habe dass Fibromyalgie heisst und ich sehr wahrscheinlich mein job nicht mehr tätigen kann! Musste sogar iv beanspruchen und warte noch auf eine antwort! Danke

    • Hallo Tiana – Kündigung während Krankheit geht nicht. Das ist eine Kündigung zur Unzeit. Lass dich beim RAV rechtlich beraten. Die helfen dir sicher weiter. Es stimmt mich traurig, dass du so krank bist. Ich hoffe es geht dir den Umständen trotzdem einigermassen gut und du bist wieder auf dem Weg der Besserung. Herzlichst, Markus

      • Toni Rusconi sagt:

        Lieber keine Beratung, als eine falsche.
        Die fristlose Kündigung kann jederzeit ausgesprochen werden.

        • Lieber Toni – danke für deinen Input. Recht hast du schon. Kündigungen, auch fristlose, können in der Tat immer ausgesprochen werden. Allerdings sind diese bei rechtlichen Formfehler einklagbar. Und dann wird es richtig teuer. Daher ist es sinnvoll bei einer Kündigung, die rechtlichen Folgen sauber abzuklären. Herzlichst, Markus

  • Yves .L sagt:

    ich wurde fristlos gekündigt weil ich mit anderen mitarbeiter der firma über ausstehende spesen geredet habe und über den lohn ist das gerechtfertigt?

    • Lieber Yves – Danke für deine Mail. In der Schweiz ist das kein Grund für eine fristlose Kündigung. Viele reden in Firmen über Gehälter und Spesen. Falls du beim RAV schon angemeldet bist, würde ich den Sachverhalt mit dem Rechtsdienst abklären. Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.

      Herzlichst, Markus S.

  • Erko sagt:

    Hallo Zussamen,

    Ich bin Arbeitslos gewessen und nach ein zeit habe ich ein Arbeit gefunden bei einen Firma hier in meine Region.
    Nach zwei wochen bin ich gekündigt durch die gleiche Firma mit Kündigungfrist von eine Woche.
    Jetzt bin ich wieder bei Rav anngemeldet,jetzt frage ich mich ob ich durch Arbeitslosenkasse bestraft werde da ich gekündigt bin????
    Grund ist problem am Arbeitsplatz mit einen Arbeitskolege der mir ständigt grundloss reklamiert hat und nur problemen am Arbeitsplatz gemacht hätte.

    Bitte um Antwort.
    Mfg:

    Erko

    • Markus S sagt:

      Lieber Erko – Danke für deine Nachricht. Ich kann dir da leider nicht gross weiterhelfen. Es wurde dir gekündigt, somit besteht auch kein Grund von Einstellungstagen, wenn du nicht vorsätzlich deine Kündigung provoziert hast. Klär doch das einfach mit deinem RAV-Berater oder RAV-Beraterin ab.

      Herzlichst,
      Markus S.

  • Frau B. sagt:

    Guten Tag

    Mir wurde letzte Woche gekündigt mit Freistellung, d.h. mit der Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist von drei Monaten. Ich bin dann am selben Tag gegangen und seither nicht im Büro gewesen.

    Nun habe ich heute per Einschreiben die fristlose Auflösung des Vertragverhältnisses erhalten. „Wegen treuwidrigem Verhalten nach Art. 337 OR“.

    Ich vermute, dass der ehemalige Chef nach meinem Weggang meine E-Mails gelesen hat.

    Ich sende nun einen eingeschriebenen Brief an meinen Chef, ich sei mit der fristlosen Auflösung nicht einverstanden.

    Leider habe ich keine Rechtschutzversicherung.

    Wie schätzt ihr meine Chancen ein?

    Danke für euer Feedback!

    • Markus S sagt:

      Liebe Nicole – Eine fristlose Kündigung ist eine sehr starke Massnahme und muss sehr gut begründet sein. Falls Du beim RAV angemeldet bist, gibt es dort kostenlose juristische Beratung. Ich weiss leider nicht was in Deinen Mails stand. Herzlichst – Markus S.

  • Cem sagt:

    Habe vor genau 28 Mt. die Garantiefall eines Gerätes manipuliert und wurde mir daraufhin die frislose Kündigung angesprochen. Am gleichen Tag am Nachmittag wurde mir die fristlose Kündigung in mein Hand gedrückt und ging dann nach Hause. Dann machte ich mich auf den Weg zur Bewerbung. Leider hat sich seit dem nichts geändert bis ich mein Arbeitszeugnis analysieren liess. Dort hat man entdeckt, dass der Arbeitgeber meine Kündigung auf Mitte vom Monat gesetzt. Bei denen die ich mich beworben habe kam nie ein Feedback auf mein Zeugnis. Denn sie wussten nach dem Zeugnis, dass mir ein fristloser Kündigung gegeben wurde. Seit meiner Kündigung finde ich einfach kein Job nur wegen dieser Satz. Habe schon mit dem Arbeitgeber versucht eine Lösung zu finden, aber er liess sich nicht daraufein. Somit sah ich mich gezwungen die Firma anzufechten.

    Nun, meine frage an euch. Habe ich Anspruch auf ein Schadenersatz auf die Monate hin die ich kein Job gefunden habe?

    Über euren Bescheid freue ich mich sehr.

    • Markus S sagt:

      Sehr geehrter Herr Cem

      Ich kann Ihnen keine Antwort geben. Dazu müsste ich auch Einsicht in sämtliche Unterlagen haben. Deshalb rate ich Ihnen mit dem Rechtsdienst des jeweiligen AWA’s (Amt für Arbeit und Wirtschaft) Ihres Wohnkantons Kontakt aufzunehmen. Dort gibt es Arbeitsjuristen, die dann Ihre Angelegenheit aufgrund der vorliegenden Faktenlage weitaus besser beurteilen können.

      Herzlichst,

      Markus S.

  • Robert M. sagt:

    Was passiert, wenn der Arbeitnehmer ohne Vorankündigung das Unternehmen von heute auf morgen verlässt. Also am nächsten Tag nicht mehr zum Dienstbeginn erscheint und sogar das Land verlässt?
    Hat der Arbeitgeber dann Recht auf Schadensersatz?


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