Apr 29

Wir haben immer mehr Freizeit, aber immer weniger Zeit frei.

Autor: PersonalRadar

Karõshi geht uns mit Karacho an Herz und Nieren.

Karõshi kommt aus Japan und teilt mit Karaoke nur die Misstöne. Karoshi bedeutet in Japan einfach ‚Tod durch Überarbeiten’. Es ist ein Phänomen, dass den Inselstaat schon lange verlassen hat und sich vornehmlich in den hoch industrialisierten Volkswirtschaften ausbreitet. Ein gefährlicher Virus, der immer mehr Opfer findet. Auch in der Schweiz.

Der Arbeitsmarkt schrumpft. Die Angst um den Job greift um sich. Viele machen sich Sorgen und möchten mit übermenschlichem Arbeitseinsatz den Eindruck erwecken, dass sie unersetzlich sind. Die Überzeit ist betrieblich oft nicht nötig, wird aber als psychologisches Kampfmittel eingesetzt, um eine schleichende Selektion der Arbeitnehmenden in die Wege zu leiten. Mobbing, schlechte Stimmung, Frust und Ärger sind dann Begleiterscheinungen, die ungefragt und unverhofft auf dem obszönen Parkett der menschlichen Gemeinheiten erscheinen. Niemand wünscht sich das.

Der menschliche Körper ist eine fantastische Maschine, die vielseitig einsetzbar ist und bei guter Wartung lange hält. Aber die Leistungsdaten dieser Maschine sind sehr individuell und auch bei robuster Konstitution nicht unerschöpflich. Häufig werden die ersten Anzeichen von mentaler und körperlichen Erschöpfung nicht wahrgenommen. Die fahle Gesichtshaut, die innere Antriebslosigkeit und das Unvermögen klare Gedanken fassen zu können, werden mit medizinischen Laienerklärungen nonchalant vom Tisch gewischt. Schlechter Schlaf, Probleme mit Vorgesetzten wie auch Mitarbeitenden oder das unstete Wetter werden als Entschuldigung ins Feld geführt. Sehr oft sind diese Symptome jedoch Warnsignale des menschlichen Körpers, der uns kurz mitteilt, dass das Limit erreicht ist und Ruhezeiten einzuhalten sind. Muss nämlich die Maschine krank geschrieben oder sogar im Spital revidiert werden, dann wird das Leben kompliziert. Der Arbeitsplatz ist umso mehr gefährdet und der negative Stress klopft noch heftiger an die Tür.

Die arbeitsmedizinische Forschung hat schon lange herausgefunden, dass die 12h Arbeitstage im Betrieb zwar grossen Eindruck machen, aber die Leistungseffizienz mager bleibt. Schlussendlich kostet es dem Arbeitgeber Geld und dem Arbeitnehmen die Gesundheit.

Wenn man hier und da ein wenig länger arbeitet, weil es gerade viel zu tun gibt, zeugt das von Loyalität, Interesse und Initiative, nur übertreiben sollte man es nicht. Gute und intensive Erholung wird aus Ihnen ein Powerpaket machen und das bringt beiden Seiten wesentlich mehr.

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Comments

One thought on “Wir haben immer mehr Freizeit, aber immer weniger Zeit frei.”

  • Helen Meier sagt:

    Das Problem wurde auf den Punkt gebracht. Wenn wir so weitermachen mit dem Stress, landen wir alle mal in der Psychiatrie. Die Seele mal baumeln lassen tut gut und bringt dem Arbeitgeber mehr.


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