Sep 3

Die professorale Ejakulation über die angebliche Überlegenheit tertiärer Ausbildung.

Autor: PersonalRadar

Ein Weissbuch mit dem Titel ‚Zukunft Bildung Schweiz’ und eine ‚Roadmap der Bildungspolitik’ wurde kürzlich von den schweizerischen Akademien der Wissenschaften publiziert. Es hat Staub aufgewirbelt. Der wird sich wieder lautlos legen.

Die professoralen Geister werden sich wieder zurückziehen und in ihre intellektuellen Schreibkäfige einschliessen, während sich die Berufswelt prächtig weiter entwickelt. Die Wirtschaft ist nämlich sehr darum bemüht, nicht am eigenen Ast zu sägen.

Um was geht es? Angeblich werden wir eine totale Wissensgesellschaft in der die sogenannte tertiäre Bildung als neues Mass aller Dinge gelten soll. Wir brauchen bis ins Jahr 2030 viel mehr Maturaabschlüsse, somit viel mehr Unis und ergo auch mehr Akademiker/-innen, die der kommenden Wissensgesellschaft zu Füssen liegen und sie auch bedienen können. Schöne neue Welt! Das akademische Selbstverständnis wird sich wie ein bleiernes Tuch über alles legen.

Die sogenannte duale Berufsbildung sei ein Auslaufmodell. Notabene ein Erfolgsmodell der Schweiz! In naher Zukunft wird es angeblich zu wenig qualitative Lehrstellen geben, die den erhöhten Berufsanforderungen genügen können. Nur weil diese Behauptungen gesellschaftswissenschaftlich erforscht werden, müssen sie noch lange nicht richtig sein. Schon gar nicht die Schlussfolgerungen.

Tatsache ist doch, dass die Berufsbildung in diesem Land hervorragend ist. Selbstverständlich verlassen zum Beispiel in Frankreich viel mehr Schüler und Schülerinnen das Gymnasium mit Abschluss. Ist dieser jedoch mit einer schweizerischen Matura zu vergleichen? Wohl nicht. Der französische Arbeitsmarkt schert sich jedenfalls einen Deut darum. Die Jugendarbeitslosigkeit ist erschreckend hoch. In Spanien ist sie noch entsetzlicher. Nur weil viel mehr Jugendliche ein Gymnasium abschliessen, sagt das noch gar nichts über die Qualität der Ausbildung und den nachfolgenden Berufschancen aus.

Das schweizerische Bildungssystem ist heute dermassen durchlässig für höhere Abschlüsse, dass auch Berufsleute mit einem handwerklichen Hintergrund durchaus an einer Fachhochschule oder Uni erfolgreich abschliessen können. Diese haben in der Regel, vorausgesetzt Wille und Leistungsbereitschaft sind vorhanden, weitaus bessere Entwicklungs- und Berufschancen, als noch vor ca. 20 Jahren.

Es wäre wünschenswert, wenn die Protagonisten der Akademien der Wissenschaften, mehr mit der profanen Berufswelt auf Tuchfühlung gehen und sehen, dass die helvetische Arbeitswelt für die Zukunft weitaus besser gerüstet ist, als viele vergleichbare Volkswirtschaften in der unmittelbaren Nachbarschaft.

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