Dez 21

Ist ein MBA Raketentreibstoff für die Karriere?

Autor: PersonalRadar

Der Andrang zu den MBA Ausbildungen (Master of Business Administration) ist nach wie vor ungebrochen. Viele sind der Meinung, dass nur mit einer solchen Ausbildung ein stetiges berufliches Fortkommen gesichert ist. Sozusagen ist eine richtige Karriere ohne MBA undenkbar. Ist dem wirklich so?

Bei den netten Stehanlässen mit lauen ‚Amuse-Bouche’, warmen Weisswein, den noch laueren Referenten/-innen und der sich wichtig nehmenden Lokal- und Cervelatprominenz wird manchmal mit gekünstelter und ostentativ zur Schau gestellten Langeweile der Nachbar oder die Nachbarin gefragt: „Und – haben sie ihren MBA schon abgeschlossen?“

Das mag vielleicht etwas überzeichnet oder übertrieben klingen, aber die Zunahme jener, die eine solche Ausbildung abschliessen nimmt rasant zu. Dadurch erhält diese Ausbildung mehr und mehr einen inflationären Wert. Es scheint fast so zu sein, dass das ein ‚Allerweltstitelchen’ ist, das sich Krethi und Plethi mit ein wenig Stirnrunzeln anschaffen können. Ganz nach dem Motto: „Was heisst MBA? Mensch mit beschränkter Auffassung!“. So einfach ist es zum Glück nach wie vor nicht.

High Potentials, Führungskräfte oder Angehörige des Kaders sind immer wieder mit der Frage konfrontiert: „Welche gezielte Ausbildung ist nötig und führt mich schneller noch näher an die Spitze, ohne dass ich meine berufliche Performance vernachlässigen muss, meiner internen Konkurrenz eine Blösse gebe oder mein Privatleben aufs Spiel setze und dabei mehr verliere als zu gewinnen möglich ist?“

Inzwischen gibt es Unternehmen, die solche Ausbildungen auch intern anbieten, um ihr sogenanntes ‚Employer Branding’ verbessern zu können. Dabei ist das anvisierte Ziel oft, karrierebewussten Mitarbeitenden mit einer massgeschneiderten Ausbildung auf neue Aufgaben zu trimmen oder zukünftige Talente anzulocken, deren Wunsch nach Weiterbildung mit einer solchen gezielten Massnahme noch besser erfüllt werden kann. Gute MBA Ausbildungen sind kostspielig, zeitaufwändig und verschleissen viele. Der Arbeitsdruck nimmt stetig zu und für einige ist es einfach unmöglich abends, wenn sie schon einen harten Tag hinter sich hatten, noch einmal voll konzentriert und mit Begeisterung den anspruchsvollen Lernstoff zu verstehen und auch zu verarbeiten. Zudem werden bei erfolgreichen Unternehmen nur solche in den Genuss einer MBA Ausbildung kommen, die nicht nur Potenzial haben, sondern es später auch wirklich umsetzen können.

Zu viele Potenzialanwärter/-innen verstopfen die Treppenhäuser in die oberen Etagen und behindern dann diese, die nicht nur um ihr Potenzial wissen, sondern es auch im konkreten Berufsalltag umsetzen können.

Ein MBA kann da sicher nützlich sein, ist aber noch lange nicht der Beweis dafür, dass Leadership vorhanden ist und die Management Skills nun besonders geschickt zum Einsatz kommen. Die MBA Ausbildung ist besonders beliebt bei Nicht-Wirtschaftswissenschaftler. Viele Ingenieure/-innen oder hoch spezialisierte Techniker/-innen waren über viele Jahre mit ihrem Fachgebiet beschäftigt. Einzelne davon steigen aufgrund ihrer Fähigkeiten in die Geschäftsleitung auf oder übernehmen Führungsaufgabe, die ein gerütteltes Mass an Managementwissen und betriebswirtschaftlicher Chuzpe verlangen. Für diese Zielgruppe ist ein MBA ideal.

Der MBA ist jedoch nicht der Raketentreibstoff für die Karriere in der schweizerischen Wirtschaft. Da gibt es andere Nachdiplomstudien, die zum Teil viel schneller, günstiger und effizienter das Wissen vermitteln, das wirklich in der Wirtschaft auch gebraucht wird.

Wenn es dann einen MBA sein muss, ist wichtig, dass man den richtigen Anbieter findet und dazu sieht, dass das internationale Rating nicht nur in Sachen Schulgebühren hoch ist, sondern die Reputation der Bildungsinstitution ungetrübt ist und als Garant für Qualität steht. Zu viele obskure Quellen bieten MBA Ausbildungen an, die nicht mal das Büttenpapier mit dem üppigen Siegel für den Druck des Diploms wert sind.

Einen anerkannten MBA Titel in der Tasche zu haben ist sicher kein Nachteil. Er muss aber auch nicht zwingend zum Vorteil gereichen, wenn man Karriere machen möchte.

Die Unwägbarkeiten der Karriereentwicklung werden oft von exogenen Faktoren in Mitleidenschaft gezogen, die sich ausserhalb der ganz persönlichen Planquadrate befinden.

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