Dez 29

Nicht jede Schnapsidee in der beruflichen Grundausbildung berauscht.

Autor: PersonalRadar

Vor nicht langer Zeit hat der Junge Rat Basel-Stadt eine Initiative eingereicht. Diese verlangt von Unternehmen, die keine berufliche Grundausbildungen anbieten, also sogenannte Nicht-Lehrbetriebe, eine Abgabe.

Mit anderen Worten sollten Betriebe, die eigentlich in der Lage wären Berufsleute ausbilden zu können, mit einer Geldzahlung jene solidarisch unterstützen, die junge Menschen ausbilden. Die Idee ist bestechend einfach, aber auch eine Schnapsidee, die wohl gute Absichten hegt, aber in der Intention den falschen Weg geht. Zwangssolidarität hat in der freien Wirtschaft selten bis nie funktioniert.

Das Problem der fehlenden Lehrstellen kann mit Zwangszahlungen nicht gelöst werden. Allerdings wäre es fatal zu glauben, dass eine solche Initiative chancenlos wäre. Im Kanton Zürich ist eine ähnliche Initiative kürzlich angenommen worden.

Eine gut funktionierende Wirtschaft ist ohnedies auf junge Menschen angewiesen, die eine seriöse, fundierte und auch solide berufliche Grundausbildung absolvieren. Somit ist es im ureigensten Interesse dieser Wirtschaft, dass der Nachschub gut ausgebildeter Berufsleute nicht versiegt und Lücken nicht immer mit gut qualifizierten Arbeitskräften aus dem Ausland geschlossen werden müssen. Denn diese Volkswirtschaften wissen um die Gefahr des ‚Braindrain’ und werden in naher Zukunft alles unternehmen, damit ihre Berufsleute der eigenen Wirtschaft erhalten bleiben. Auch diese bilden nämlich viele junge Menschen aus und möchten deshalb nicht, dass deren wichtige Arbeitskraft, die auch Steuersubstrat bildet, abwandert und noch mehr dringend benötigte Geldmittel dem System entzogen werden.

Es gibt aber auch Betriebe, die grösste Mühe bekunden, ihre Lehrstellenangebote auch mit den richtigen Bewerbenden besetzen zu können.

Oft sind es Ausbildungsplätze und Berufsgruppen, die bei jungen Menschen nicht besonders hoch in der Gunst stehen, nicht selten ein ungerechtfertiges schlechtes Ansehen wie auch Sozialprestige in der Gesellschaft haben und wo die späteren Einkommens- und Entwicklungsmöglichkeiten eher beschränkt sind (blue collar jobs).

Auf der anderen Seite bleiben aber auch viele anspruchsvollere Ausbildungsplätze ebenso unbesetzt, da die schulischen Anforderungen weitaus höher sind und viele junge Bewerbende wohl gerne eine solche Ausbildung ergreifen möchten, aber schlicht die einfachsten Voraussetzungen nicht erfüllen, um die Ausbildung auch möglichst erfolgreich abschliessen zu können (white collar jobs).

Welcher Betrieb möchte schon junge Menschen für eine berufliche Grundausbildung gewinnen, deren Chancen diese dann auch erfolgreich abschliessen zu können, aufgrund der mangelnden Voraussetzungen schon zum Scheitern verurteilt sind? Ausbildungen kosten Geld und Zeit!

Die modernen Anforderungen an Betriebe für bestimmte Ausbildungen, gerade zum Beispiel im kaufmännischen Bereich, sind inzwischen dermassen hoch geworden, dass die Ressourcen vieler kleinen und Kleinstbetrieben klar überfordert werden. Viele dieser Betriebe möchten gerne junge Menschen ausbilden, verfügen aber häufig nicht über genügend interne Möglichkeiten, um die Ausbildung auch seriös durchführen zu können. Nicht selten sind es aber dann erstaunlicherweise diese Betriebe, die Lehrabgänger/-innen, die nach erfolgreich abgeschlossener Lehre in ihrem Lehrbetrieb nicht weiter beschäftigt werden können, anstellen, ihnen den letzten Schliff geben und ihre berufliche Kompetenz festigen.

Der intensive Austausch zwischen Politik und Wirtschaft ist sicher der viel bessere Weg, um fehlende Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen zu können.

Ein modernes Berufsbildungsgesetz, vorhandene Geldmittel und die Einsicht, dass gut ausgebildete Berufsleute die Basis für eine erfolgreiche Volkswirtschaft sind, genügen, um das helvetische Berufsbildungsmodell auch weiterhin erfolgreich umsetzen zu können.

Zwang hat noch nie zu nachhaltigen Lösungen geführt. Verantwortungsvoll handelnde Unternehmen wissen, dass die Vernachlässigung der beruflichen Grundausbildung sich früher oder später in den Bilanzen niederschlägt. Und dann spätestens dämmert es auch denen, die sich noch nie um junge Menschen und deren berufliche Zukunft kümmerten.

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