Aug 30

Die Krippentarife lösen bei vielen Familien eine starke ‚Finanzgrippe‘ aus.

Autor: PersonalRadar

Gut ausgebildete Eltern sind für den Arbeitsmarkt unverzichtbar. Mit den Kindern tappen viele in die Kostenfalle. Arbeit macht ärmer.

Viele Eltern geben ihre Berufstätigkeit nicht einfach auf, nur weil jetzt Kinder da sind. Die traditionellen Familienstrukturen, also Mama kümmert sich um die Kinder und Papa geht arbeiten, lösen sich auch deshalb auf, da Eltern sehr oft beide einer Erwerbsarbeit nachgehen müssen, um finanziell einigermassen über die Runden zu kommen. Darüber hinaus gibt es aber auch ganz viele Mütter und Väter, die hoch qualifiziert sind und sich eine Arbeitsmarktabwesenheit von mehreren Jahren gar nicht leisten könnten.

Denn die Halbwertzeit von beruflichen Kernkompetenzen verkürzt sich immerfort und führt dazu, dass Qualifikation sich schleichend entwertet und zum wirtschaftlichen Non Valeur wird. Gerade Spezialisten und Spezialistinnen in hochkomplexen Nischenbereichen können sich das nicht leisten, wenn sie den Anschluss nicht verlieren möchten. Auch die helvetische Wirtschaft ist daran interessiert, dass gut ausgebildete Mütter und Väter dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben. Dieser muss dann nicht mit zusätzlichen und teuren ‚Imports of Skills’ Lücken überbrücken. Das Wissen ist vor Ort und die Wissensträger/-innen sind mit den Rahmenbedingungen des hiesigen Arbeitsmarktes schon bestens vertraut.

Es wäre alles perfekt, wenn die Krippentarife günstiger wären und die Steuerprogression den Eltern nicht noch einen weiteren Hieb versetzen würde. Zudem können die eigentlichen Gestehungskosten der Krippe nur teilweise von der Steuer abgesetzt werden. Wenn überhaupt!

Gerade gut verdienende Elternpaare ächzen unter der Last und kommen nicht umhin darüber nachzudenken, ob es überhaupt Sinn macht den Zweitverdienst zu realisieren. Unter dem Strich haben solche Paare nämlich in der Regel weniger Geld. Das Arbeiten lohnt sich nicht mehr. Es wird dringend Zeit einem so widersprüchlichen System zu widersprechen.

Was viele Betroffene aufgrund ihrer ganz persönlichen Lage schon lange wissen, wurde nun in einer Studie bestätigt. Die Fehlanreize im Steuer- und Tarifsystem von Basel und Zürich legen offen, dass die Berufstätigkeit, meistens der Mütter, ein ökonomischer Schabernack ist. Oft genug ist es sogar ein absolutes Desaster. Der Anreiz des Zweiteinkommens wird absurd. Haushalte in denen beide Elternteile einer Erwerbsarbeit nachgehen, haben nicht selten finanziell mehr Nachteile als Einverdiener-Haushalte. Und das ist in erster Linie einfach ungerecht.

Im Auftrag der Fachstellen für Gleichstellung der Kantone Basel-Stadt und Zürich hat das Forschungs- und Beratungsbüro INFRAS die Steuer- und Kinderbetreuungstarifsysteme in den beiden Kantonen eingehend analysiert und verglichen. Die interessante Studie zeigt am Beispiel ausgewählter Paar- und Alleinerziehendenhaushalte, ob und in welchem Ausmass es sich für Familien finanziell überhaupt noch lohnt, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind. Die Studie zeigt auch, wann es ein „Nullsummen-Spiel“ ist und wann die Familie sogar draufzahlen muss. Die Studie berechnet, wie sich das verfügbare Einkommen bei einer Ausweitung des Erwerbspensums nach Abzug der Steuern, Sozialabgaben und Kinderbetreuungskosten entwickelt. Da im Kanton Zürich kein kantonales Kinderbetreuungstarifsystem existiert, wurden für den Vergleich exemplarisch die Gemeinden Zürich, Dübendorf und Dietikon ausgewählt.

Dass sich Arbeit nicht immer lohnt ist ein Hohn – gerade für starke Leistungsträger/-innen dieser Gesellschaft und Wirtschaft. Familienpolitik ist komplex und kann nicht immer allen Erwartungen gerecht werden.

Gut verdienende Eltern sollen aber nicht Geiseln eines Systems werden, dass der schleichenden Ausbeutung Vorschub leistet und das Frustrationspotenzial erhöht.

Scheiden diese meist gut ausgebildeten Eltern freiwillig aus dem Arbeitsmarkt, weil sich das berufliche Engagement nicht mehr rechnet, dann wird auch für die Anderen die Rechnung nie aufgehen. Hohe Einkommen erzeugen ein attraktives Steuersubstrat, dass dann auch der familienexternen Betreuung wieder zum Vorteil gereicht. Die Dienstleistung der Krippe darf ruhig etwas kosten. Aber nicht so viel, dass sie einen prohibitiven Charakter entwickelt und den Arbeitsmarkt nachhaltig schädigt. Vielleicht hilft die Studie der Politik auf die Sprünge!

Für weitere umfassender Informationen verweist PersonalRadar auf weitere Links. Klicken Sie einfach jeweils auf den Titel:

 

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