Archiv für die Kategorie „Arbeitsmarkt Schweiz“
Mögliche Trendwende in der Temporärarbeit.
Das Temporärarbeitsvolumen ist Oktober gegenüber dem Vorjahr (Oktober 2010) um 4,7% geschrumpft. Erstmals seit eineinhalb Jahren verzeichnete die Temporärarbeit im Oktober somit wieder ein Negativwachstum. Bezeichnenderweise ist diese Trendumkehr zeitgleich mit dem (leichten) Wiederanstieg der Arbeitslosigkeit erfolgt (ein Beitrag von: swissstaffing).
Der sehr rasche und intensive Aufschwung, den die Temporärarbeit (wie die Gesamtwirtschaft) nach der letzten Rezession von 2008/2009 erlebt hat, war untypisch. Die jetzt wieder aufflackernden Schwierigkeiten sind möglicherweise ein Zeichen dafür, dass die Rezession noch nicht ganz ausgestanden ist. In diese Richtung tendieren auch die Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten.
In jedem Fall konnten die Personaldienstleister bis dato von einem florierenden 2011 profitieren. swissstaffing geht nach wie vor davon aus, dass die Rekordwerte aus dem Jahr 2008 im 2011 übertroffen werden.
Bürokratieabbau gegen die Frankenstärke.
Das regulatorische Umfeld und der damit zusammenhängende administrative Mehraufwand für die Unternehmen sind ein wichtiger Standortfaktor. Dieser Auffassung ist unter anderem das Seco in seinem jüngsten Bericht über die administrative Entlastung der Unternehmen vom August 2011 (ein Beitrag von: swissstaffing).
Das Seco kommt im besagten Bericht zum Schluss, dass die Schweiz international gesehen über einen schlanken Verwaltungsapparat verfügt. Mehr noch sei die relativ geringe administrative Last für die Unternehmen ein wichtiger Standortvorteil – in Anbetracht der Tatsache, dass die Schweiz in anderen Dimensionen der Wettbewerbsfähigkeit, namentlich den Produktionskosten, vergleichsweise schlecht aufgestellt ist.
Im Rahmen seiner Wachstumspolitik hat der Bundesrat 2006 ein Massnahmenpaket verabschiedet, um die administrativen Folgen der Schweizer Gesetzgebung zu reduzieren und damit den unternehmerischen Alltag zu vereinfachen. Ziel war, die Wirtschaft um jährlich rund 1 Milliarde Franken zu entlasten. Fast 100 der beschlossenen 125 Massnahmen sind heute voll realisiert, darunter
- das KMU-Informations-Portal,
- die Schaffung der technischen Voraussetzungen für die elektronische Lohndatenübermittlung sowie
- die elektronische Veröffentlichung des schweizerischen Handelsamtsblatts.
Weitere 16 Massnahmen sind teilweise vollzogen oder eingeleitet worden. Eine wichtige Massnahme, die Revision der Mehrwertsteuer, ist bekanntlich noch mitten in der Aushandlung. Trotz dieser, wie es scheint, positiven Bilanz hat der Bundesrat entschieden, dass die administrative Entlastung weitergeführt werden soll, und 20 neue Massnahmen vorgeschlagen. Die entsprechenden Forderungen ebben auch nicht ab. Der Schweizerische Gewerbeverband zum Beispiel hat die Regulierungskosten in der Schweiz quantifiziert und festgestellt, dass diese jährlich 50 Milliarden Franken und damit rund 10 Prozent des BIP betragen. Er fordert einen Abbau dieser Kosten um 20 Prozent oder anders gesagt 10 Milliarden Franken, was dem Zehnfachen des bundesrätlichen Ziels von 2006 entspricht. Gerade im gegenwärtigen Umfeld des starken Frankens und der schwächelnden Weltwirtschaft haben Forderungen nach wachstumsfördernder Entbürokratisierung wieder Aufwind. Auch die Bürokratiestopp-Initiative der FDP.Die Liberalen erhält vor diesem Hintergrund besondere Aktualität.
Die vierte Regulierungsebene im Schweizer Föderalismus
Die Personaldienstleistung ist ein Teil der Wirtschaft, der bislang kaum in den Genuss von Entbürokratisierungsaktionen gekommen ist. Keine der getroffenen oder geplanten über 100 Massnahmen zielen auf die Personaldienstleistung. Dabei ist sie eine Branche, die in besonderem Ausmass von Regulierungs-Mehraufwand betroffen ist. Das sie speziell regulierende Arbeitsvermittlungsgesetz zieht einen Rattenschwanz an Administrationsaufwand nach sich, dessen sich der Gesetzgeber bei der Verabschiedung des Gesetzes (bzw. seiner späteren Revision) mangels Branchenkenntnissen vermutlich nicht bewusst war. Eine «vierte Ebene» neben Bund, Kantonen und Gemeinden ist nämlich für den Administrationsdschungel verantwortlich, die Sozialpartner allgemeinverbindlicher Gesamtarbeitsverträge. Der Gesetzgeber hat ihnen de facto die Kompetenz übertragen, den Personalverleih in ihrer Branche zu regeln. Artikel 20 des Arbeitsvermittlungsgesetzes besagt nämlich, dass Personaldienstleister beim Verleih in eine bestimmte Branche verschiedene Bestimmungen des dort geltenden allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertrages (GAV) einhalten müssen. Das klingt zwar auf den ersten Blick gar nicht so unvernünftig.
Nur, was man wissen muss: Es gibt über 80 verschiedene solcher GAV. Ein Personaldienstleister, der gleichzeitig in verschiedene Branchen verleiht, muss also alle diese Verträge kennen, sich über die regelmässig erfolgenden Änderungen informieren und diese umgehend nachvollziehen. Macht er dabei einen Fehler, läuft er Gefahr, im Rahmen einer Kontrolle mit einer Strafe und Kontrollkosten belegt zu werden.
Erschwerend kommt hinzu, dass Gesamtarbeitsverträge äusserst komplexe Gebilde sind. Sie sind Resultat oft monate-, wenn nicht gar jahrelanger Verhandlungen zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, die häufig nur in einem hochkomplexen und differenzierten Lohn- und Arbeitszeitsystem ihren Kompromiss finden. Selbst die vertragschliessenden Parteien stehen in der Folge immer wieder vor Auslegungsrätseln. Für Aussenstehende, wie Personaldienstleister es sind, ist es um ein Vielfaches schwieriger, einen solchen GAV richtig anzuwenden, geschweige denn achtzig davon. Wie irrsinnig das Arbeitsvermittlungsgesetz durch seine Revision im Jahr 2006 wurde, zeigt sich exemplarisch an den Weiterbildungs- und Vollzugsbeiträgen von allgemeinverbindlichen GAV, die temporär Arbeitende und Personalverleiher seither ebenfalls zu entrichten haben. Diese Beiträge sind in jedem GAV anders geregelt. Manche Verträge kennen Beiträge als Lohnprozent. Andere kennen einen Rappenbetrag pro Arbeitsstunde, noch andere Pauschalbeiträge pro Jahr.
Je nach Branche muss der Personalverleiher also eine andere Berechnungsweise anwenden.
Hinzu kommt, dass diese Beiträge in ihrer Höhe sowie in deren Aufteilung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber unterschiedlich sind. Diese Unterschiede sind zwar nicht sehr gross, für die korrekte Umsetzung aber sehr relevant. Und gerade das ist das Absurde. Denn wem dient eine solch formalistische Ausführung des parlamentarischen Willens, gleich lange Spiesse bei der Anstellung von temporären und festangestellten Mitarbeitenden zu schaffen? Die Absicht bei der Revision des Arbeitsvermittlungsgesetzes war, eine mögliche «Verbilligung» der temporären Arbeitskraft gegenüber Festangestellten einer Branche mit allgemeinverbindlichem GAV zu verhindern. Diese, so die Überlegung, könnte daraus resultieren, dass die Unternehmen für ihr festangestelltes Personal einen GAV-Beitrag zu entrichten haben, der bis 2006 für temporäre Mitarbeitende nicht bezahlt werden musste. Es handelt sich dabei nota bene um Beiträge, die für den Arbeitgeber allerhöchstens 0,5 Prozent des Lohnes betragen. Wäre das Ziel nicht auch mit einem Einheits-Beitrag für temporäre Mitarbeitende erfüllt gewesen, der dem Mittel der bestehenden GAV-Berufsbeiträge entspricht? Besonders pikant daran ist, dass die Absicht der gleich langen Spiesse mit der gewählten Regulierung de facto ins Gegenteil verkehrt wurde.
Personalverleiher und temporäre Mitarbeitende leisten heute wie andere Unternehmen und Festangestellte GAV-Beiträge. Sie erhalten dadurch aber nicht bzw. nicht im selben Ausmass wie andere Unternehmen und Angestellte eine Gegenleistung, namentlich Unterstützung beim Vollzug des GAV (für die Arbeitgeber) oder subventionierte Weiterbildungsangebote (für die Arbeitnehmenden). Für die Personaldienstleistung gilt deshalb exemplarisch, was Hansueli Schöchli in der «NZZ» vom 24.8.2011 pointiert die «Neigung von Regulierungen zum (ewigen) Eigenleben» nennt.
Die GAV, die von Personaldienstleistern befolgt werden müssen, vermehren sich, verändern sich und verkomplizieren sich, ohne dass die Personaldienstleister auch nur die geringste Mitsprachemöglichkeit haben.
Der GAV Personalverleih: alter Wein in besseren Schläuche
Natürlich verursacht Regulierung (und ihre Bürokratie), wie Hansueli Schöchli zu Recht schreibt, nicht nur Kosten, sondern (im Idealfall) auch erheblichen Nutzen. Im Falle der Temporärarbeit liegt dieser in der Abfederung der auf Unternehmerseite gewonnenen Flexibilität für die Mitarbeitenden. Flexicurity ist ein Grundsatz, der besonders auch in der Temporärarbeit gelten muss. Dies kann wahrscheinlich nur mit Regulierung sichergestellt werden. Im Falle der Schweiz wurde dabei aber die völlig falsche Form gewählt. Normalerweise bedient sich das Schweizer Parlament bei der Regulierung des Arbeitsmarktes in vorbildlicher Manier des Subsidiaritätsprinzips und überlässt das Meiste den Sozialpartnern, die näher am Geschehen sind. Im Falle der Personaldienstleistung wurde dieses Prinzip nicht befolgt beziehungsweise ad absurdum geführt. Die Festlegung von Löhnen, Arbeitszeiten und Berufsbeiträgen von temporären Mitarbeitenden wurde im Arbeitsvermittlungsgesetz zwar den Sozialpartnern, aber den falschen delegiert. Statt den Sozialpartnern der Personaldienstleistung wurde sie den Sozialpartnern der Einsatz-Branchen übertragen. Die temporären Mitarbeitenden sowie die Personaldienstleister wurden, unter Verletzung ihrer verfassungsmässigen Koalitionsfreiheit, übergangen. Eine zweckmässigere Regulierung der Temporärarbeit mit demselben Nutzen würde über die Sozialpartner der Personaldienstleister-Branche erfolgen – in einem allgemeinverbindlichen GAV für den Personalverleih.
Dieser GAV ist ausgehandelt, hat aber noch nicht ganz alle politischen Hürden für die Allgemeinverbindlicherklärung genommen.
Das Warten auf eine reibungslosere Personaldienstleistung dauert somit (noch) an. Der noch hängige GAV Personalverleih ist im Vergleich zum heutigen Zustand aus folgenden Gründen die bessere Regelung, ohne das bestehende Arbeitnehmerschutzniveau auch nur im Geringsten anzutasten – im Gegenteil: Er entlastet die Personalverleiher in administrativer Hinsicht, da er die Berufsbeiträge vereinheitlicht und eine zentrale Stelle schafft, wo diese Beiträge abzurechnen sind. Der Einbezug von bestehenden Branchenregelungen bleibt bestehen, aber nur da, wo er essenziell ist und eine Vereinfachung nicht ohne weiteres möglich ist, nämlich bei den Mindestlöhnen (und den Arbeitszeitbestimmungen). Schliesslich setzt der GAV Personalverleih der bestehenden Ungleichbehandlung von temporär Arbeitenden ein Ende. Heute wird nur rund ein Drittel der temporären Mitarbeitenden von einem allgemeinverbindlichen GAV erfasst. Die übrigen sind in Unternehmen im Einsatz, wo kein allgemeinverbindlicher Branchen-GAV gilt. In Zukunft kommen alle temporär Arbeitende in den Genuss eines einheitlichen Regelsystems.
Fazit
Und nun zurück zur Eingangsfrage, was die administrative Entlastung – in diesem Fall des Personalverleihs – der Gesamtwirtschaft bringt: Bei den Personaldienstleistern werden Ressourcen frei für ihr eigentliches Geschäft, die Suche, Rekrutierung, Selektion und Platzierung von Arbeitskräften. Die Wirtschaft erhält dadurch rascher die Fachkräfte, die sie braucht und selber häufig gar nicht findet. Die Unternehmen erhalten noch promptere Flexibilitätslösungen für ihre Belegschaft, was letztendlich ihre Wettbewerbsfähigkeit stärkt.
Denn mit ihren Dienstleistungen sind Personalverleiher und -vermittler an der Wurzel des Wirtschaftsgeschehens. Sie besorgen das wichtigste und komplexeste Kapital, die passende Arbeitskraft.
Die Langsamkeit ist der Tod der Wissenschaft.
Ein grosser Life Science Konzern will in der Schweiz um die 1’100 Stellen streichen. Das ist ein Schlag.
Die betroffenen Standorte protestieren. Die Menschen gehen auf die Strassen und protestieren noch heftiger. Nützen wird es kaum. Der entlassende Arbeitgeber hat zudem dieses Jahr schon sehr hohe Milliardengewinne ausgewiesen. Der Entscheid mag noch so gut begründet sein. Verstehen kann man ihn kaum.
Dass von den Entlassungen auch noch 270 Wissenschafter betroffen sind lässt aufhorchen. Das gab es in dieser Form noch nie in der Schweiz und lässt Raum für viele Spekulationen. Es ist ein Tabubruch. Warum wird die Wissenselite auf die Strasse gestellt? Wird an anderen Standorten besser und günstiger geforscht? Sicher günstiger, aber nicht unbedingt besser.
In einem Artikel der NZZ am Sonntag vom 30. Oktober 2011 war nachzulesen, dass zum Bespiel der Standort Basel nahezu 23’000 Menschen im Life Sciences Bereich beschäftigt und somit der grösste Standort dieser Branche in Europa ist. Die Metropolitanregion Basel war zudem lange der führende Forschungsplatz dieser Branche. Es bröckelt. Es bröckelt gewaltig.
- Die beiden Journalistinnen Gordana Mijuk und Theres Lüthi erwähnen in ihrem Beitrag, dass die Schweiz im Bereich der klinischen Studien entsetzlich langsam sei, bis die Ethikkommission und das Heilmittelinstitut Swissmedic Studien bewilligen und Wirkstoffe zulassen.
- Als Vergleich dazu dient zum Beispiel Deutschland, wo die Bürokratie auch ein gutes Leben führt, aber die Bewilligung in 53 Tagen auf dem Tisch liegt und es in der Schweiz mehr als doppelt so lange dauert.
Es ist kaum zu glauben. Mit diesem LINK können Sie bei Interesse den Artikel gleich selber lesen. Sollte das wirklich so stimmen, und die NZZ ist bekannt für solide Recherchen, dann wird es Zeit, dass wichtige Rahmenbedingungen neu angepasst werden. Die Life Sciences Industrie ist extrem wichtig für die wirtschaftlichen Interessen der trinationalen Region Basel wie auch für die übrigen Schweiz.
Es darf nicht sein, dass kontrollierende Behörden die Forschenden und deren Arbeitgebern künstlich verlangsamen.
Die Swissmedic und die Ethikkommission haben wichtige Aufgaben und hohe Sorgfaltspflicht. Langsamkeit ist jedoch der Tod der Wissenschaft. Sie wird über kurz oder lang noch mehr Entlassungen provozieren. Es wird Zeit, dass die Zuständigen die Kurskorrektur einleiten.
Lieber Inder statt Kinder? Ist die schlechte Note in Mathematik wirklich ‚megageil’?
Die sogenannten harten Schulfächer haben es – in Konkurrenz mit den weichen – nicht immer einfach. Mathe, Physik und Chemie sind anspruchsvolle Fachgebiete. Das Wissen um sie schrumpft. Es wird Zeit endlich laut darüber zu reden.
Immer mehr anspruchsvolle Stellenangebote aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Ingenieurwissenschaft) – die sogenannten MINT-Berufe – können nicht besetzt werden. Das treibt manchmal Unternehmen fast in den Wahnsinn. Sie müssen sich Gedanken über die Zukunft machen. Wenn zum Beispiel komplexe Produkte, Software oder Dienstleistungen auf der Strecke bleiben, weil konkretes Fachwissen aus dem MINT-Bereich nicht vorhanden ist und daher die weitere Entwicklung wie auch Verdienstmöglichkeiten einer Unternehmung gehemmt werden, dann überlegt sich das Management über kurz oder lang, ob der Standort noch richtig ist oder das Fachwissen importiert werden muss.
Das hat nicht immer mit Globalisierung zu tun, sondern mit der Tatsache, das in gewissen Bereichen zuwenig hoch spezialisiertes Nischenwissen in der Schweiz produziert wird und somit Quellen von aussen angezapft werden müssen, um im harten Wettbewerb überhaupt bestehen zu können.
Das Importieren von Fachwissen ist jedoch nicht immer einfach. Oft genug scheitert dieser Vorgang an immigrationsrechtlichen Hürden, wenn Bewerbende nicht aus der EU stammen. Indien und die Schweiz sind im Begriff in naher Zukunft ein Freihandelsabkommen zu schliessen. Das heisst der Austausch von Dienstleistungen, Gütern und Wissen wird einfacher zwischen diesen beiden Nationen. Gerade Indien hat einen immensen Output an mathematischer Kompetenz und bildet zudem jedes Jahr eine sehr grosse Anzahl an gut ausgebildeten Ingenieure wie auch Informatiker aus, die oft für weitaus niedrigere Gehälter auf hohem Niveau arbeiten und gute Resultate abliefern. Die politischen Vertreter dieser sogenannten ‚Emerging Markets’, dazu gehören generell einmal die sogenannten südostasiatischen Tigerstaaten, China, Brasilien, Südafrika und weitere lassen sich nicht mehr mit ein paar Brosamen billig abspeisen. Sie wissen um ihre schnell wachsende Stärke wie auch wirtschaftliche Potenz und verlangen von der Schweiz konkrete Gegenwerte und eine Öffnung des hiesigen Arbeitsmarktes für ihre Spezialisten. Ohne diese Zugeständnisse werden auch keine Freihandelsabkommen möglich sein. Gerade Indien hat sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen stark verändert und ist eine wirtschaftliche wie auch geopolitische Macht geworden, die keinesfalls unterschätzt werden sollte.
Diese zunehmende Abhängigkeit, die sich aufgrund von exogenen Faktoren noch verschärfen kann, wird langsam aber sicher ungemütlich.
Gerade Personaldienstleister wissen aus Erfahrung, dass Suchmandate aus diesen Bereichen nicht immer eitle Freude auslösen, da aus der Einsicht heraus bekannt ist, dass solche Aufträge oft genug nicht wirklich befriedigend abgeschlossen werden können. Der Markt ist einfach leergefegt. Headhunter reiben sich die Handflächen heiss und werben einfach ab. Bei einer erfolgreichen Abwerbung hinterlassen diese Kopfjäger eine schmerzhafte Lücke in einem anderen Unternehmen. Das eigentliche Grundproblem ist immer noch da. Der Mangel an Spezialisten löst sich nicht über Nacht auf.
Die Schweiz hat noch den Vorteil, dass sie solche Fachkräfte, aufgrund der hohen Einkommen, der überdurchschnittlichen Lebensqualität und der guten politischen Stabilität wie auch Sicherheit immer noch anzieht. Ob die MINT-Lücke durch Indien geschlossen wird, steht in den Sternen. Viel besser ist es, wenn der pädagogische Zugang zu solchen Fächern bei den Kindern und Jugendlichen wieder auf mehr Zuspruch stossen wird und diese harten Fächer eine Begeisterung auslösen, die mehr Ingenieure, Informatiker, Physiker, Naturwissenschafter und Mathematiker produziert. Dieses Land ist darauf angewiesen.
Sich nur auf ausländische Fachkräfte zu besinnen, kann irgendwann die strategische Positionierung nach der Suche von Spezialwissen empfindlich stören und schwächen.
Mit diesem LINK wollen wir auf einen Artikel hinweisen, der ein wenig aufzeigt, wie man die Begeisterung für Mathe und andere MINT-Spezialitäten bei Kindern und Jugendlichen wecken kann, um den um sich greifenden Mangel dieser Fachkräfte nicht noch zu verschärfen. Hoffentlich reicht die Zeit noch dazu.
Moderates Wachstum der Temporärarbeit auf hohem Niveau.
Das moderate Wachstum der Vormonate hat sich im September 2011 fortgesetzt. Die Zunahme des Temporärarbeitsvolumens gegenüber dem Vorjahr betrug 5,5%.
Die deutliche Abschwächung des starken Wachstums vom ersten Semester 2011 verlief parallel zur gesamtwirtschaftlichen Abkühlung. Das Seco hat seine Wachstumsprognosen für 2011 (und 2012) erst kürzlich (leicht) herabgesetzt.
Zu berücksichtigen ist, dass das Temporärarbeitsvolumen nun schon seit über einem Jahr kontinuierlich wächst. Wenn die Wachstumsraten mittlerweile weniger ausgeprägt ausfallen, bedeutet dies somit auch, dass die Temporärarbeit auf hohem Niveau weiter wächst. Die Hochrechnungen fürs Gesamtjahr zeigen denn auch, dass die Temporärbranche mit guter Wahrscheinlichkeit auf das beste Jahr ihrer Geschichte zusteuert. Aktuell beträgt das Wachstum seit Jahresbeginn 16,1%. Aufs Gesamtjahr 2011 gesehen, dürfte sich dieses noch etwas abschwächen.
Das Seco geht davon aus, dass es sich bei der aktuellen Abkühlung nicht um eine eigentliche Rezession handelt, sondern lediglich umeine (deutliche) Konjunkturdelle.
Wenn sich diese Prognose bewahrheitet, könnte das für die Temporärarbeit sogar von Vorteil sein. Dass die Exportbranchenbesonders unter dem aktuellen Konjunkturumfeld leiden und das Seco ausserdemvon einer (leicht) steigenden Arbeitslosigkeit ausgeht, sind hingegen weniger gute Vorboten. Demgegenüber geht das Seco aber von einer weiterhin stabilen Baubranche aus. Kurzum: Die Vorzeichen für die Temporärbranche sind gemischt.
Temporärarbeit: Beruhigung der Dynamik bestätigt sich.
Im August 2011 hat das Temporärarbeitsvolumen gegenüber dem Vorjahr (August 2010) um 8,3% zugenommen.
Damit wurde das höchste August-Niveau aller Zeiten und das zweithöchste Niveau überhaupt erreicht. Das hohe Niveau ist Resultat des starken Wachstums der letzten gut zwölf Monate. Dieser Wachstumstrend hat sich nun aber deutlich abgeschwächt. In den letzten drei Monaten hat die Wachstumsrate keine 10% mehr erreicht.
Aufgrund des ausserordentlich starken ersten Semesters rechnet swissstaffing aber nach wie vor mit einem deutlichen Wachstum über das Gesamtjahr 2011. Zum heutigen Zeitpunkt beträgt das Wachstum seit Jahresbeginn 18,1%. Den aktuellen swisstemptrend finden Sie gleich nachfolgend.
Erfolgreiche Integration dank Vermittlung.
Prof. Dr. George Sheldon bestätigt: Je schneller eine erwerbslose Person von aktivierenden Integrationsmodulen profitiert und je individueller die Vermittlungsaktivitäten spezialisierter Integrationsfachleute sind, umso grösser sind die Chancen, dass die Person im Arbeitsmarkt wieder Fuss fassen kann. Wichtigste Komponente aber bleibt die berufliche Grundbildung.
Lesen Sie hier mehr zu Georg Sheldons Input-Referat vom Kundinnen- und Kunden-Event von Overall vom 25. August 2011 im stillgelegten Wasserreservoir Filter. Mit diesem LINK kommen Sie zu den weiteren Informationen.
Die Schweiz ist spitze. Andere werden besser.
Das World Economic Forum (WEF) hat wieder einmal seine Liste der wettbewerbsfähigsten Ländern publiziert. Die Schweiz bleibt Nummer 1!
Zum dritten Mal in Folge hat die Schweiz den Platz 1 gehalten. Der Global Competitiveness Report des World Economic Forum (WEF) lässt keinen Zweifel zu. Allerdings sollten wir uns nichts darauf einbilden. Vom Platz 1 kann man schnell auf Platz nirgendwo landen. Was viele von uns vielleicht ahnten, aber nicht so richtig wussten, haben wir nun schwarz auf weiss. Die Schweiz ist spitze.
Besonders gelobt wird die gute Zusammenarbeit zwischen den Forschenden der Universitäten und der Wirtschaft. Das führe in der Regel zu einem schnellen Output von guten wie auch sehr wettbewerbsfähigen Produkten. Zudem wird auch erwähnt, dass die allgemeine Infrastruktur in der Schweiz in einem guten Zustand sei und auch angemessen unterhalten wird. Erstaunlich ist das Abschneiden unserer Nachbarn. Deutschland hat den veritablen 6. Platz gemacht. Die EU-Staaten Frankreich, Italien und Österreich sind im Vergleich dazu weit abgeschlagen. Frankreich wurde sogar von aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie Katar und Saudiarabien überholt. Das lässt aufhorchen.
Die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern gemäss dem Global Competitiveness Report vom World Economic Forum (WEF). Es wurden 142 Länder untersucht.
| Rang Jahr 2011 | Rang Jahr 2010 | Land |
| 1 | 1 | Schweiz |
| 2 | 3 | Singapur |
| 3 | 2 | Schweden |
| 4 | 7 | Finnland |
| 5 | 4 | USA |
| 6 | 5 | Deutschland |
| 7 | 8 | Niederlande |
| 9 | 6 | Japan |
| 18 | 15 | Frankreich |
| 19 | 18 | Österreich |
| 26 | 27 | China |
| 43 | 48 | Italien |
| 50 | 54 | Südafrika |
| 53 | 58 | Brasilien |
| 56 | 51 | Indien |
| 66 | 63 | Russland |
| 90 | 83 | Griechenland |
Die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit der Industrienationen bleibt beharrlich stehen. Nach wie vor bewegen sich diese Staaten auf einem hohen Niveau. Aber der Drang nach vorne ist gestoppt. Die sogenannten Schwellenländer machen sich immer mehr bemerkbar. Insbesondere China, Südafrika und Brasilien haben sich verbessert.
Dass die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz schon immer hoch war, ist den meisten in diesem Land klar. Solche Werte sind schön und machen auch ein wenig stolz. Aber essen kann man es nicht.
Wettbewerbsfähigkeit muss immer wieder aufs Neue bewiesen werden. Neue Produkte und Dienstleistungen auf höchstem Niveau gestalten das Land stabil, attraktiv und beständig. Das bleibt nur so, wenn Bildung immer als der wichtigste Rohstoff betrachtet wird und das dazu nötige Geld auch zur Verfügung steht. Der Kampf um die besten Fach- und Führungskräfte wird auch die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz weiter bestimmen. Eine gut geölte Volkswirtschaftsmaschine funktioniert vor allem wegen den fleissigen Menschen und den gescheiten Köpfen. Das Rennen geht weiter ganz nach dem Motto der Mittel- und Langstreckenläuferin Anita Weyermann: Gring ache u seckle!
Mit dieser LINK geht es gleich zu den Fakten.
Die moderate Einwanderung kluger Köpfe ist für die Schweiz unverzichtbar.
Wenn die Wirtschaft brummt und es an allen Ecken und Enden an Fachkräften mangelt, dann ist die logische Konsequenz, dass man gut qualifizierte Kräfte aus dem Ausland rekrutiert oder der Boom zur Krise wird. Vielleicht gibt es auch noch einen Zwischenboden.
Schon in den 60er Jahren stand die Schweiz unter einem enormen Einwanderungsdruck. Strassen, Spitäler, Schulen und Wohnungen mussten in Rekordzeit aus dem Boden gestampft werden, damit allen Menschen, die zusätzlich in die Schweiz strömten, um das Wirtschaftswachstum gemeinsam mit den Einheimischen bewältigen zu können, die passende Infrastruktur zur Verfügung stand.
Ohne diesen ausserordentlichen Effort aller Beteiligten, wäre die heutige Schweiz nicht das, was sie nun mal ist: Ein ausserordentlicher Erfolg.
Viele Arbeitsmigranten/-innen haben daran mitgearbeitet, die später bei uns blieben und deren Kinder an der Weiterentwicklung des Staatswesens und der Volkswirtschaft nach wie vor beteiligt sind. Schon der bekannte Schweizer Schriftsteller Max Frisch schrieb einmal die berühmten Worte: ‘Wir riefen Arbeitskräfte. Es kamen Menschen.’
Auch zu jener Zeit war die sogenannte Überfremdung ein grosses Thema.
Viele Schweizer/-innen fühlten sich bedrängt aufgrund der starken Einwanderung von Gastarbeitern/-innen aus Südeuropa. Die sogenannte Überfremdung der helvetischen Gesellschaft wurde zu einem geflügelten Ausdruck und beherrschte die täglichen Diskussionen. Der damalige am rechten Rand politisierende Nationalrat James Schwarzenbach und sein rühriger Sekundant, Ulrich Schlüer, heutiger Nationalrat der SVP, lancierten die Überfremdungsinitative. Bei Annahme hätte sie zur Folge gehabt, dass wenige Wochen später ein grosser Teil ausländischer Arbeitskräfte das Land hätten verlassen müssen. Die Initiative, nota bene waren die Frauen damals noch nicht stimmberechtigt, wurde mit 54% abgelehnt. Instinktiv wusste eine knappe männliche Mehrheit, dass wenn diese Initiative angenommen wird, die Wirtschaft zum Erliegen kommt und der vermeintliche Vorteil der Wegweisung eines grossen Teils der ausländischen Arbeiter/-innen, zum grossen Nachteil der Zurückgebliebenen führen wird. Die ökonomische Vernunft siegte damals über obskure Vorurteile, blanken Fremdenhass und diffuse Ängste vieler, die wohl wussten, dass eine Annahme der Initiative keine Lösung ist, aber es auch keine Lösung sein konnte am Status quo festzuhalten.
Die Schweiz ist auch im neuen Jahrtausend wieder sexy.
Es sind inzwischen nicht nur die Baufachleute, die aus Südeuropa kommen, sondern Menschen aus der ganzen Welt, die mit ihren vielfältigen beruflichen Fähigkeiten dafür sorgen, dass die Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes herausragend ist und auch bleibt. Ohne die Unterstützung von ausländischem Fachpersonal, zum Beispiel aus den Bereichen Medizin, Naturwissenschaft, Forschung, Maschinenbau, Softwareentwicklung, Engineering und Telekommunikation könnten wir den Schlüssel drehen und nach Hause gehen. Nichts würde mehr laufen und die Schweiz auf ein gefährliches Mittelmass absinken.
Die Wirtschaft läuft, trotz des sehr starken Schweizer Frankens, nach wie vor ausgezeichnet.
Das macht das Land hoch attraktiv, trotz der etwas morbiden Nachbarschaft. Viele europäische Staaten sind hoch verschuldet und das bei anhaltend leeren Kassen. Viele gute ausländische Fachkräfte fühlen sich daher magisch von diesen soliden Werten angezogen:
- Die steuerliche Belastung ist vernünftig,
- die Gehälter sind anständig,
- der Lebensstandard ist überdurchschnittlich hoch,
- die Infrastruktur funktioniert ebenfalls dann noch tadellos, wenn sie stark beansprucht wird und
- mit den Einheimischen, auch wenn sie manchmal mürrisch und abweisend wirken, kann man gut zusammen leben.
Selbst die tiefen Wunden der Finanzkrise konnten der Schweiz nicht viel anhaben. Sie sind gut verheilt und die grösste systemrelevante Bank hat mit staatlicher Intervention gut aus der existentiell bedrohenden Krise gefunden. Es läuft wie ein gut geschmiertes Butterbrot.
Trotzdem stimmt nicht alles. Doch was ist los in diesem Land?
Kritische Stimmen aus dem wertkonservativen wie auch progressiven Politlager äussern sich über das Wachstum der Bevölkerung immer kritischer. Die einen äussern sich ungeniert bis unverhohlen fremdenfeindlich, die anderen nett verpackt, streng darauf erpicht den Anstand im Detail zu wahren, aber in der Sache deckungsgleich und genauso schonungslos. Die liberale Einwanderungspolitik ist unter Beschuss. Angeblich verursacht die Einwanderung nur
- Wohnungsnot,
- Umweltbelastung,
- Identitätsverlust und
- eine schleichende Aufweichung helvetischer Selbstbefindlichkeit.
Alles hat auch ein Spiegelbild
Der freie Personenverkehr hat auch einen reziproken Wert. Junge Menschen können viel einfacher an den europäischen Unis studieren und das Arbeiten in Europa ist auch für Schweizer Bürger/-innen unkomplizierter geworden. Die nonchalante Zulassung der forcierten Einwanderung ist sicher keine Lösung. Irgendwann wird dieses Land aufgrund seiner Bevölkerungsdichte an seine Grenzen stossen. Der nicht abreissende Berufsverkehr und die grossen Menschenmassen in den Bahnhöfen während der ‚Rush Hour’ lassen ahnen, dass unsere Infrastruktur die schiere Menge an Menschen nicht mehr in der gleichen Zuverlässigkeit bedienen kann, wie wir uns das vielleicht so gewohnt sind. Der Arbeitsmarkt kann aber auf eine Reduktion nicht so verzichten.
Eine dezidierte Wissensgesellschaft ist nun mal auf kluge Köpfe angewiesen und braucht diese immer mehr, um den wachsenden Ansprüchen einer modernen Volkswirtschaft gerecht zu werden.
Aber auch andere Aufgaben können ohne Fachpersonal aus dem Ausland nicht mehr bewältigt werden. Ohne das medizinische Spitzenpersonal aus dem Ausland zum Beispiel, könnten wir in diesem Land nie eine medizinische Grundversorgung auf einem so hohen Niveau halten. Auch die Forschung ist auf ausländische Brillanz angewiesen. Bereichsübergreifende Forschung ist schon lange globalisiert. Selbst die Bauwirtschaft, ist diese auch noch so auf einem hohen Wirkungsgrad an Effizienz, kann auf ausländische Arbeitskräfte verzichten. Würde sie es tun wird es bald still auf den Baustellen. Suchen sie mal genügend Metzger in diesem Land. Die fleischverarbeitende Industrie käme sofort ins Strudeln, müsste sie zum Beispiel auf die deutschen Metzger verzichten.
Die Lebenserwartung steigt. Warum erhöhen wir nicht auch die Lebensarbeitszeit?
Die Erhöhung des Rentenalters ist für viele Politiker/-innen ein heisses Pflaster. Noch mehr arbeiten in einer Arbeitswelt voller Stress und Druck? Nichtsdestotrotz zeigen die Lebenserwartungstabellen der Lebensversicherer klar auf, dass die Lebenszeit markant steigt und die Menschen immer gesünder alt werden. Viele ältere Arbeitnehmende gehen mit 64 (Frauen) oder 65 (Männer) in die Pension. In der Realität gibt es eine erkleckliche Anzahl, die früher in den Ruhestand gehen. Warum lassen wir diese erfahrenen Berufsleute, sofern sie das auch wünschen, nicht länger arbeiten?
Die gnadenlose Realität der Demografie wird uns früher oder später sowieso dazu zwingen. Denn die Überalterung der europäischen Gesellschaften ist keine akademische Diskussion mehr, sondern eine beinharte Tatsache. Europa stirbt und schrumpft.
Selbst eine staatlich geförderte Migration könnte zum Beispiel die Schrumpfung Deutschlands nicht mehr aufhalten. Zudem werden die Altersrente beziehenden Pensionäre das Sozialversicherungswesen mehr in Anspruch nehmen, als die Jungen es finanzieren können. Mit anderen Worten kann und muss dieser Prozess mit einer verlängerten Lebensarbeitszeit verzögert werden. Ansonsten sind die Kassen bald leer oder können nur mit fiskalischen Massnahmen gesichert werden. Das bewirkt aber auch, dass mit der verlängerten Lebensarbeitszeit auch die Einwanderung gedämpft werden kann. Somit kann dem Wissenstransfer von alt zu jung noch mehr Zeit eingeräumt werden und die in Zukunft frei werdende Stelle kann intern mit einem Arbeitnehmenden besetzt werden, der schon hier arbeitet, Steuern bezahlt und niedergelassen ist.
Auch das wirtschaftliche Wertschöpfungspotenzial der Frauen ist nach wie vor nicht genug ausgeschöpft.
Das zuwenig Vorhandensein von wirtschafts- und familienfreundlichen pädagogischen Einrichtungen, die sich während der Berufszeit der Mütter um den Nachwuchs kümmern, ist nach wie vor unbefriedigend. Exorbitante Krippentarife zehren oft das Zweiteinkommen, das meistens von Frauen in Teilzeit erzielt wird, schnell auf, sodass sich eine prohibitive Situation einstellt, die den wirtschaftlichen Reiz einer Erwerbsarbeit in Frage stellt und eine Berufstätigkeit absurd macht. Solche Situationen sind natürlich ein dummes Ärgernis. Die Frauen sind immer besser ausgebildet und für eine Wirtschaft unverzichtbar geworden. Diese Frauen und Mütter sind schon da und niedergelassen. Warum werden nicht vermehrt Strukturen angeboten, die Familien- und Berufsarbeit besser vereinbaren lassen? Zudem ist es sich auch zu überlegen, ob Teilzeit arbeitende Väter, die Arbeitsmarktfähigkeit der Mütter nicht erhöhen. Dazu braucht es aber Arbeitgeber, die das auch möglich machen und mit einer aufgeschlossenen Arbeitsmodellpolitik punkten können.
Die mutige Erhöhung des Rentenalters, auch wenn das ein Tabuthema ist, und die prononcierte Einbindung der Frauen in die Wirtschaft werden die Einwanderung dämpfen und die Bevölkerungsdichte auf ein erträgliches Mass halten.
Die Einwanderung einfach aus ideologischen, xenophoben oder sogar ökologischen Gründen zu unterbinden ist natürlich eine dirigistische Massnahme, die wirtschaftliche und auch politische Folgen haben wird. Dieses Land braucht kluge Köpfe. Es waren gerade die ausländischen Arbeitskräfte, die als Menschen immer wieder diesem Land herausragende neue Impulse schenkten und dafür mitsorgten, dass die Schweiz eine Erfolgsgeschichte blieb. Viele beneiden uns dafür.
Erhalten Sie ihren Lohn noch in Schweizer Franken oder schon in Euro?
Erhalten Sie Ihren Lohn in Schweizer Franken oder schon in Euro? Das ist natürlich eine rhetorische Frage. Die allermeisten von uns werden selbstverständlich in harter Schweizer Währung bezahlt.
Diese Härte macht unsere Wirtschaft weich. Wer hätte je die Befürchtung der währungspolitischen Pessimisten für bare Münze genommen, dass die Parität zwischen diesen beiden Währungen Realität wird? Münzt man nun diese Tatsache um, dann gibt es inzwischen Unternehmen, auch in der Region Basel, die speziell Grenzgänger/-innen in Euro entlöhnen möchten und sie so ausgrenzen vom Höhenflug ihrer Lohnwährung.
Viele betrachten die Grundidee eines mit dem Wechselkurs verbundenen Lohnes klar skeptisch wenn nicht sogar ablehnend.
Arbeitnehmende, die in der Schweiz arbeiten und in Euro bezahlt werden, müssen mit Einkommenseinbussen rechnen. Der Grundsatz, dass das unternehmerische Risiko nicht auf Arbeitnehmende abgewälzt werden kann, wird zweckdienlich verletzt. Das Wechselkursrisiko kann nicht einfach an die Belegschaft weiter gegeben werden. Auch dann nicht, wenn diese im grenznahen Euro-Raum lebt und im Moment überdurchschnittlich stark profitiert. Das Blatt kann sich auch wieder wenden.
Die Diskussion um die Einführung der wechselkursgebundenen Gehälter wird wahrscheinlich bald verebben. Die Massnahme ist kein bewährtes Mittel, um zum Beispiel eine exportorientierte Firma wieder fit zu machen. Auch die Überwälzung der Wechselkurskosten auf die Kunden, um dem Dammbruch der Margenerosion wenigstens etwas entgegen setzen zu können, ist lediglich ein feuchter Sandsack gegen die Flut. Kunden wenden sich ab und suchen Hersteller oder Lieferanten, die günstiger ebenbürtige Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Der mutige Verzicht auf Gewinnmargen oder das Akzeptieren von ausmergelnden Ertragsstrukturen sind wohl edel, gefährden aber langfristig Arbeitsplätze und führen zu Entlassungen.
Mit Besorgnis ist auch feststellen zu müssen, dass immer mehr Schweizer Firmen ihre Produktion dicht machen und im günstigeren Euro-Raum weiter produzieren. Das fehlende Berufswissen wird dann vor Ort ‚on site’ forciert vermittelt. Es bleibt dann vielleicht nur noch jenes Arbeitsvolumen übrig, das aufgrund der komplexen Veredelungsprozesse und Wertschöpfungsmassnahmen hoch spezialisiertes Nischenwissen verlangt. Das kann es auch nicht sein. Das einzige was der Schweiz als eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt wirklich hilft, ist die kontrollierte Entwertung ihrer Währung. Der Franken ist extrem überbewertet und killt Jobs wie auch Firmen.
Das Wechselkursrisiko hat sich inzwischen wieder ein wenig vermindert. Gezielte Massnahmen der Schweizerischen Nationalbank und andere exogene Faktoren wirken sich aus. Die Gefahr ist aber noch nciht gebannt. Hoffen wir, dass der Schweizer Franken wieder das wird, was er immer war: Eine gute, solide Währung, die ihren Preis hat, aber erschwinglich bleibt.







