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Im sozialen Netzwerk macht sich die Talentförderung selbständig.
Soziale Netzwerke bewirken einen Paradigmenwechsel in der Personalentwicklung. Doch: HR-Managern fehlt häufig noch das Know-how im Umgang mit diesen Netzwerken. Sie sind aber im HRM der Zukunft nicht mehr wegzudenken. Eine neue zweitägige Ausbildung thematisiert die Anwendung speziell in der Personalentwicklung (ein Beitrag von: Sabine Schritt, HR Today).
Am häufigsten werden Social-Media-Plattformen momentan im Rekrutierungsprozess genutzt. Aber auch in Weiterbildung und Talentmanagement sind sie bald nicht mehr wegzudenken. Wer Kompetenzen und Wissen im Unternehmen behalten will, kommt an Social Media künftig nicht vorbei. Kuno Ledergerber von der ZHAW und Leiter des Seminars «Personalentwicklung und Lernen 2.0» spricht gar von einem Paradigmenwechsel in der Personalentwicklung. Was früher nur Lernen war, sei heute Wissensmanagement und Kompetenzmanagement. Da diese Elemente zunehmend mit Social Media in Zusammenhang gebracht würden, müssten sich gerade Personalmanager intensiv damit befassen, ist Ledergerber überzeugt.
Gerade die Generation 50plus tummelt sich im Social Net
«Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass nur das gelernt wird, was Unternehmen vorgeben», so die Meinung des Kursleiters. «Die Menschen sind vernetzt, sie holen sich das Wissen selbst und wenden dies auch selber an.» In dieser Bewegung herrsche durchaus noch eine gewisse Verunsicherung, vor allem bei Personalern. «Jeder weiss, dass er noch Defizite hat und etwas tun muss, aber nicht genau was.»
Web 2.0 werde den Umgang mit Wissen und Lernen nachhaltig verändern, ob durch Facebook, Blogs oder ContentManagement-Systeme wie interne Wikis.
Einige Unternehmen haben ihr Intranet bereits durch interne Wikis ersetzt. In dieser Plattform können Mitarbeiter ihr Wissen aufschalten, mit anderen teilen, aber auch gezielt Wissen abrufen. Aber Personalentwicklung 2.0 ist nicht nur Wissensmanagement. Bisher hat der Talentmanager den Talentpool des Unternehmens verwaltet und geeignete Kandidaten ein bis zwei Mal pro Jahr der Geschäftsleitung präsentiert. Heute kann sich jedes Talent selbst mit seinem Wissen und seinen Kompetenzen im sozialen Netzwerk präsentieren. «So sind die Mitarbeiter nicht mehr auf die interne Talentförderung im Unternehmen angewiesen», sagt Ledergerber, was natürlich Auswirkungen habe, wenn in Unternehmen die Talente nicht beachtet werden. Spätestens dann, so Ledergerber, würden sie ihre Kompetenzen anderweitig anbieten.
Für Personaler ist es dementsprechend unumgänglich, sich einen Kenntnisstand über Social Media zu erarbeiten. «Der jetzige Kenntnisstand bei den HR-Managern ist eher schlecht und es gibt noch sehr grosse Berührungsängste», hat Ledergerber festgestellt. Der HR-Manager sollte die Plattformen und die Einsatzmöglichkeiten kennen und zumindest eine Mitsprachekompetenz haben, mit der er beurteilen kann, inwieweit diese Netzwerke Einfluss auf das eigene Unternehmen nehmen können.
Ist dieser ganze Social-Media-Rummel nur ein Hype auf Zeit?
Ledergerber winkt ab. Er sieht eher, dass sich langfristig Unternehmenskultur und Denkweise verändern müssen. Viele Personalentwickler seien sich nicht bewusst, dass sich nicht nur die Generation Y in den sozialen Netzwerken tummelt, sondern auch – und insbesondere – die Generation 50plus. «Gerade diese Generation nutzt diese Plattformen sehr bewusst», sagt Ledergerber. Bis anhin hätten sich Unternehmen sehr schwer getan, Wissen zu teilen und zum Beispiel für die Organisationsentwicklung einzusetzen. Sich über soziale Netzwerke auszutauschen, Wissen abzuholen und gezielt im Unternehmen einzusetzen, verändere jedoch die Unternehmenskultur massiv, so Ledergerber.
Arbeitgeberbewertungs-Plattformen werden immer wichtiger
Neben Absatzmarketing und Kommunikation ist das HR der Bereich im Unternehmen, der von Social Media am meisten beeinflusst wird. Während Erstere damit jedoch offen umgingen, hätten gerade Personaler noch sehr grosse Berührungsängste. Am Beispiel von Wikileaks konnte die Welt erleben, dass nicht einmal Staaten steuern können, was
über sie im Netz publiziert wird. Das können Unternehmen, je kleiner sie sind, umso weniger. Dieses Thema auf die Personalentwicklung gemünzt bedeutet: Auch Arbeitgeberbewertungs-Plattformen werden für die Unternehmen immer bedeutsamer. Wer mit sozialen Netzwerken nicht umgehen kann, hat vielleicht schon bei der Personalbeschaffung Probleme. «Es geht darum», so Ledergerber, «sich Wissen dort zu holen, wo es ist, und nicht zu warten, bis ein Personalentwickler kommt und neues Wissen vermittelt.» Die Gefahr sei eben, dass Mitarbeiter selbst entscheiden, wem sie ihr Wissen zur Verfügung stellen. Laut Ledergerber kann das Thema Konkurrenzverbot in diesem Kontext ganz neue Dimensionen annehmen. «Wer verbietet mir schon, auf einer sozialen Plattform mein Know-how anzubieten? Was dies in Zukunft auch juristisch bedeuten kann, ist noch nicht zu Ende gedacht.»
In kleinen Schritten die Berührungsängste abbauen
Die Premiere des Kurses «Personalentwicklung und Lernen mit Web 2.0» am 12. und 13. April ist ausgebucht, was für den Kursleiter ein klares Indiz dafür ist, dass das Bewusstsein für das Thema bei den Personalern sehr gross ist. Auch Referent und Co-Kursleiter Martin Raske bestätigt, dass beim HRM noch Defizite in der Medienkompetenz bestehen. Raske leitet das globale E-Learning bei der Credit Suisse und beobachtet im eigenen Unternehmen, dass Weiterbildungen, die über viele verschiedene Kanäle angeboten werden, nachhaltiger sind und die Teilnehmer motivierter. Er sieht den Vorteil von Social Media in diesem Zusammenhang vor allem in der zusätzlichen Kommunikation. Als kommunikatives Element werde Social Media in der Weiterbildung jedoch noch viel zu selten eingesetzt. «Dabei bringt Social Media hier einen ganz klaren Zusatznutzen.»
Nicht nur bei den Personalern bestünden Defizite, auch bei den Training Professionals hat Raske eine nicht sehr hohe Technik-Affinität festgestellt. Für die Trainer sei immer noch die grösste Motivation der Kontakt zu den Teilnehmern. «Es wird befürchtet, dass dieser verloren geht, wenn man einen Computer dazwischenstellt», so Raske. Für ihn ist die grosse Herausforderung, HR-Verantwortliche und Trainer zu überzeugen, sich darauf einzulassen. «Dann werden sie feststellen, dass die Technik eine erweiterte Möglichkeit bietet, in Kontakt zu treten und in Kontakt zu bleiben.» In seinen Vorträgen im eigenen, aber auch in anderen Unternehmen stösst Raske mit dem Thema Personalentwicklung 2.0 auf sehr grosses Interesse. Er rät HR-Managern und Trainern, die noch Berührungsängste haben, sich in kleinen Schritten heranzutasten.
«Es geht nicht von heute auf morgen.»
Zudem liessen sich in Unternehmen mit einer grossen IT-Infrastruktur Tools von der Stange nicht implementieren, weil zahlreiche Richtlinien zu beachten seien. Das habe zur Folge, dass im Bereich der benutzten Tools erst einmal eine entsprechende Kompetenz aufgebaut werden müsse. Raskes Ziel ist, den Teilnehmenden des Lehrganges «Personalentwicklung und Lernen 2.0» die Angst zu nehmen und sie zu ermutigen, sich eigene Kompetenzen auf diesem Gebiet anzueignen. Social Media ist für ihn ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil in Business-Prozessen. «Wie wollen Sie 50’000 Mitarbeiter weltweit schulen, wenn nicht mit E-Learning?»
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Das duale Berufsbildungssystem verhindert brennende Städte. Was läuft in Grossbritannien schief?
Es ist wieder ruhig in den britischen Städten. Das Plündern, das Brandschatzen und die ätzende Gewalt des jugendlichen Mobs sind weg. Für wie lange?
Alle haben wir gebannt auf die Bildschirme geglotzt und uns ob der schieren, nackten Gewalt Jugendlicher in London und anderen Städten ungläubig die Augen gerieben. Ganze Häuserzeilen standen in Brand, Polizisten waren gefährlichen Nahkämpfen ausgesetzt und der lokale Handel wurde durch hemmungslose Einbrüche und das Wegschaffen von hochpreisigen Konsum- und Luxusgütern stark geschädigt. Schnell waren alle mit Lösungen zur Hand. Das harte Eingreifen der Polizei war sicher nötig und richtig. Ob die Blitzurteile des britischen Rechtssystems die Wogen glätten werden? Lassen sich Frustration, Verbitterung und nackte Wut über vermeintliche Ungerechtigkeiten einfach wegsperren? Kaum! Die Probleme des britischen Berufsbildungssystems bleiben. Was hat es mit dieser Gewalt am Hut? Vieles.
Das arbeitsmarktferne Bildungssystem Britanniens hat zu diesen schweren Jugendrevolten beigetragen.
Die Jugendarbeitslosigkeit ist offiziell über 20%. Wahrscheinlich liegt die Wirklichkeit der Zahlen noch viel höher. Erschreckend höher. Gerade in jenen Stadtvierteln Londons, wo die nackte Gewalt und das Plündern in regelrechten apokalyptischen Orgien ausarteten, ist die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen dermassen hoch, dass das Gefühl der existentiellen Resignation vorherrschend wird und es den Einzelnen einfach nur noch gleichgültig ist, ob sie nun ins Gefängnis gesteckt werden oder den geklauten Plasmabildschirm wirklich zuhause einstecken und geniessen können.
Das Bildungssystem widerspiegelt die Klassengesellschaft der britischen Bevölkerung.
Die Oberschicht nimmt selbstverständlich das in Anspruch, was ihr schon immer angeblich zustand und die Schwachen haben das zu nehmen, was übrigbleibt. Die hohe Quote an Mittelschulabgänger/-innen, die zugegebenermassen eine Tatsache ist, soll keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass im Köngisreich von Fish & Chips doch einiges schlecht riecht. Nach dem A-Level (entspricht ungefähr der Matura oder dem Abitur) geht es an die Uni und die meisten sind für ein paar Jahre versorgt. Was geschieht aber mit jenen, die keinen Mittelschulabschluss schaffen, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen oder aus bildungsfernen Elternhäuser kommen? Gar nichts? Und das ist die eigentliche Tragödie.
Grossbritannien kennt das duale Berufsbildungssystem nicht.
Die duale Berufsbildung, wie sie zum Beispiel in der Schweiz praktiziert wird, lässt junge Menschen in Betrieben ihrer Berufswahl praktisch, konkret arbeiten und parallel dazu gehen sie in die Berufsschule um Praxis wie auch Theorie ins Gleichgewicht zu bringen. Lebensbildung im Labor der Wirtschaft.
Das praktische Talent und die handliche Intelligenz sind in Grossbritannien ganz klein geschrieben. Sie passen nicht ins elitäre Klassensystem.
Man leistet sich viel akademische Kompetenz, wenn aber das Rohr bricht, der Kamin raucht oder der Wasserhahn tropft, dann kommt viel handwerkliche Inkompetenz zum Vorschein. Kein Wunder. In Grossbritannien kann man auch kein Handwerk von der Pike auf erlernen. Länder mit einem dualen Berufsbildungssystem haben eine sehr niedrige Jugendarbeitslosigkeit wie die folgenden Zahlen klar aufzeigen:
- Schweiz = 3–4%
- Deutschland (ohne Gebiete der Ex-DDR) = 6%
- Niederlanden = 7%
- Österreich = 8%
Im Vergleich zu den südeuropäischen und angelsächsischen Ländern sind das positive Spitzenwerte. Mit dem dualen Bildungssystem erhalten auch Jugendliche mit Bildungslücken, Lernschwierigkeiten oder bildungsfernen Elternhäusern eine Chance in einer meritokratisch orientierten, strukturierten Bildungsgesellschaft und Wirtschaft Erfolg haben zu können. Diese Erfahrungen geben sie später auch ihren eigenen Kindern weiter. Jugendliche ohne geförderte, aber auch fordernde und unterstützte berufliche Ausbildungschancen kommen schnell auf die schiefe Bahn und holen sich später mit Gewalt, was sie nie mit eigener Leistung erarbeiten und erwerben können. Wer zwischen 15 und 17 Jahren in Grossbritannien mit der Schule aufhört, weil pubertäre Eruptionen oder Schuldmüdigkeit im Wege stehen oder das Verständnis für die scholastische Umgebung einfach nicht mehr vorhanden ist, geht ein hohes Lebensrisiko ein. Kleinkriminalität und der Knast sind meistens die Folgen davon. Zwischenlösungen oder Brückenangebote existieren praktisch keine. Jungen Menschen werden sich selber überlassen und müssen sehen wie sie klar kommen. Labile Persönlichkeiten, die sich oft genug ihr Selbstwertgefühl über eine unangepasste Lebensweise suchen, werden Opfer. Mögliche Talente verschwendet diese Gesellschaft ohne mit der Wimper zu zucken. Sie zuckt aber dann zusammen, wenn sich desillusionierte junge Menschen einfach das holen, was sie sich erträumen und die Möglichkeit von rechtlichen Konsequenzen nonchalant mit Achselzucken quittieren.
Wer mal längere Zeit in einer englischen Stadt gewohnt hat, der wird unschwer festgestellt haben, dass der Mangel an guten Handwerkern evident ist.
Viele dieser ‚Self-Made-Handwerkern’ haben ihre Fähigkeiten so ‚Handgelenk x Pi’ gelernt. Viele verfügen auch nicht über genügend gute Werkzeuge, um nur annähernd den Anforderungen ihres Jobs gerecht zu werden. Viele schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Berufsleben und erweisen der britischen Handwerkerehre keine Referenz, obwohl das handwerkliche Engineering auf dieser Insel mal eine Hochblüte erlebte und britische Ingenieurskunst nach wie vor vom Feinsten ist.
Kein Wunder wehren sich die Briten schon seit langem gegen die Standardisierung von Berufsbezeichnungen, die man in der EU anstrebt.
Deren Handwerkern würden die Anforderungen der angepeilten Bildungsnormen und die Ansprüche an die praktischen Skills nie und nimmer erfüllen. Ein englischer Klempner könnte kaum dem schweizerischen oder dem deutschen Kollegen das Wasser reichen. Nicht einmal den Hilfsarbeitern. Er hatte auch nie die Chance seinen Beruf richtig lernen zu können. Hoffnungslosigkeit der Jugendlichen sollte Gewalt nie rechtfertigen und entschuldigen. Nie. Aber ohne solide Berufsausbildung wird es auch nichts mit der Arbeitsmarktfähigkeit. Die Jugendarbeitslosigkeit ist überall in Europa hoch, wo das duale Berufsbildungssystem nicht existiert und wo Jugendliche das Wort Zukunft nur als Fremdwort kennen. Bildungssysteme, die Jugendlichen nach dem Schulobligatorium eine praktische Zukunft bieten, haben sichtbar grössere Erfolgsaussichten, als jene die sich selber überlassen bleiben und dann im Frust alles kurz und klein schlagen.
Die nächsten Jugendrevolten sind jetzt schon so sicher wie das Amen in der Kirche.
Eine Jugend ohne Perspektiven ist brandgefährlich und hochexplosiv. Das Sparen bei der Ausbildung wird später weitaus mehr kosten als Grossbritannien zu glauben meint. Nicht die Krämerseelen und Polterer sind gefordert, sondern jene die erkennen, das eine gute und solide Berufsausbildung Chancen schafft, glücklich macht und der Wirtschaft hilft.
Bericht gesponsert von: www.jobs-fuer-handwerker.ch 
Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht Morgen mit den Zähnen…
Der Verein Arbeit + Bildung lädt zur Fachtagung ‘Arbeitsmarktintegration – aktuelle Anforderungen und kommende Herausforderungen’ ein.
Tausende RenterInnen der IV, Ausgesteuerte der Arbeitslosenversicherung und SozialhilfeempfängerInnen sollen wieder in den Arbeitsmarkt. Welche Arbeitsintegrationsprogramme werden von den Organisationen (NPO) erwartet, welche Anforderungen werden gestellt, welche Programme haben sich bewährt und sind erfolgreich?
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Erfolgreiche Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger sichern den beruflichen Nachwuchs in der Region.
Mit gleich zwei innovativen Projekten sorgt das Basler Unternehmen Overall für den beruflichen Nachwuchs in der Region.
Der Lehrverbund bringt Jugendliche und Unternehmen zusammen und mit Netzwerk EBA finden Lehrabgängerinnen und -abgänger den Einstieg ins Erwerbsleben und Unternehmen sowie up-to-date ausgebildete Juniors.
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Das Plagiieren mit dem Plagiat wird zur Plage! Der Doktorhut und ‘copy & paste’.
Kein Tag vergeht ohne eine Pressemitteilung, dass wieder ein Doktorhut flöten ging. Ist das Abschreiben eine Plage geworden?
Das Bescheissen beim Verfassen von Dissertationen scheint epidemisch zu sein. Der Wissenschaftsbetrieb war aber noch nie ein Musterknabe an Tugend. Die Bildungsfabrik Universität hat schon immer Menschen hervorgebracht, die Doktorhüte mit Federn schmücken, die sie selber nicht erworben haben.
Das Abschreiben ohne Zitat der Quellen ist ein Übel, das es schon lange gibt. Die künstlich echauffierte Empörung darüber ist heuchlerisch und auch ein Schutzreflex. Welche Uni hat es schon gerne, wenn ehemalige Studenten und Studentinnen, die in Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik einen mächtigen Status erreicht haben, der auch auf die Reputation der Lehranstalt abfärbt, zähneknirschend zugeben, dass die Doktorarbeit ein Stuss ist. Denn auch auf die prüfenden Professoren fällt der Bannstrahl angeblicher Inkompetenz. Nichts ist peinlicher für die universitäre Geisteselite, zugeben zu müssen, dass eine geprüfte Dissertation nur ein ödes Machwerk und der Hersteller des rezyklierten Altwissens ein profaner Fälscher oder ein unverfrorener Abschreiber ist.
Es ist längstens bekannt, dass es spezialisierte Unternehmen gibt, die im Auftragsverhältnis Dissertationen zum gewünschten Thema schreiben, wenn der Doktorand bereit ist, den Preis für diese Dienstleistung zu bezahlen.
Die geisteswissenschaftlichen Arbeiten sind günstiger als die naturwissenschaftlichen. Trotzdem ist auch das noch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Der Doktorand hat immerhin noch eine mündliche Prüfung zu bestehen und muss sich mit der eingekauften Dienstleistung auseinandersetzen. Mit dem eingesparten intellektuellen Aufwand für die Forschung, für die Recherchen und für das Verfassen der Texte, ist das nötige Reflektieren über den Inhalt von den Professoren weitaus angenehmer und schneller.
Warum werden Plagiate immer schneller entdeckt?
Früher war es einfacher aus nicht so bekannten Quellen abzuschreiben. Das Prüfen von Dissertationen bedeutet einen gewissen Zeitaufwand. Das setzt auch ein gewisses Mass an Akribie voraus, um kopierte Texte entlarven zu können. Die fortschreitende Technik der Digitalisierung mit ihren schnellen Textvergleichen und intelligenten Suchfunktionen hat vieles einfacher gemacht. Die Bibliothekstechnologie macht inzwischen vieles möglich. Millionen Fachbücher, Dissertationen und Forschungsberichte – nicht nur die neuzeitlichen – werden gescannt, damit die Daten besser der akademischen wie auch nichtakademischen Welt zur Verfügung stehen. Moderne Software macht Textvergleiche oder das sogenannte ‘Content-Matching’ der Inhalte immer einfacher. Nicht jeder Hit muss dann gleich ein Plagiat sein.
Es gibt aber anscheinend immer mehr skrupellose Versuchungen die eingefleischte Kultur der Quellennennung von Informationen nicht mehr zu respektieren und fremde Geisteskraft als eigene zu deklarieren.
Ist der Plagiatsjäger ein neuer Beruf?
Eigentlich nicht. Es scheint jedoch langsam zu einem Volkssport zu werden, publizierte wissenschaftliche Werke auf geklaute Textinhalte zu prüfen. Diejenigen, die es mit der Nennung der Quellen nicht so genau nahmen, werden früher oder später auffliegen und im schlimmsten Fall nicht nur mit Häme übergossen, sondern können den akademischen Titel gleich abgeben. Meistens hat das eine Entlassung an der Arbeitsstelle zur Folge und geht einher mit dem schleichenden oder auch sofortigen Verlust der sozialen Stellung. Die Integrität des Rufes ist ein Leben lang beschädigt.
Plagiatsjäger brüsten sich mit ihrer erlegten Beute.
Besonders dann, wenn es mal wieder eine prominente Person trifft. Das mag moralisch verwerflich sein. Auf der anderen Seite sei mal an dieser Stelle geschrieben, dass Plagiatsjäger, auch wenn deren Motive nicht immer ganz koscher sind und angeblich nur der Sache dienen sollen, jenen Aufrichtigen einen guten Dienst erweisen, die ihre Doktorarbeit selber schreiben und ihren Doktortitel aufgrund eigener Leistung und originärer Geisteskraft erwerben.
Es ist hinlänglich bekannt, dass zum Teil renommierte Wissenschafter ihre Forschungsergebnisse fälschten, weil der Publikationsdruck oder das Versiegen von Forschungsgeldern unerträglich wurden und scheinbar hofften mit getürkten Daten trotzdem ans Ziel zu gelangen. Meistens erleiden sie Schiffbruch und saufen ab. Der Konkurrenzdruck im Wissenschaftsbereich ist dermassen gross, dass alle eifersüchtig darüber wachen, dass nur Forschungsresultate gelten, die den bekannten Normen und Kriterien der Forschung auch entsprechen.
Zukünftige Forscher oder akademisches Fachpersonal, die mit einem Plagiat reüssieren konnten, werden auch später Wirtschaft und Gesellschaft mit ihrer intellektuellen Schlüpfrigkeit narren und weiter bescheissen.
Somit ist es richtig, wenn Plagiatsjäger weiterhin auf die Pirsch gehen und alle aus dem Verkehr ziehen, notabene auch zum Schutz der Ehrlichen, die eine unerlaubte Abkürzung nehmen möchten oder meinen, dass der Igel immer noch schlauer ist als der Hase. Ein Märchen.
Mit der dieser LINK kommen Sie noch zu einem anderen Artikel in Sachen Doktortitel. Bringt er was für den Beruf?
Education opens doors…
Ausbildung öffnet Türen. Die wachsenden Wissensgesellschaften illustrieren das immer mehr. Das Investieren in Bildung bringt am meisten Zinsen.
Der nachfolgende kleine Kurzfilm zeigt das klar auf. Bildungsverzögerte Menschen kosten den Volkswirtschaften weitaus mehr als deren Ausbildung. Eine Wirtschaft, die sich auf schlecht ausgebildete Menschen stützen muss, kommt selten gut vom Fleck. Klicken Sie einfach auf die nachfolgende Link.
Education opens doors…
Ohne florierende Unternehmen geht jeder Staat auf Grund.
Die Arbeitslosigkeit ist in der Schweiz im Juni 2011 noch einmal gesunken. Sinkt sie weiter? Wenn ja, dann nur noch marginal.
Das Seco, das Staatssekretariat für Wirtschaft, hat interessante Zahlen publiziert. Dem Schweizer Arbeitsmarkt geht es gut. Das wissen ohnehin die meisten. Trotzdem ist es sinnvoll den Zahlen und Hintergrundinformationen eine tiefere Betrachtung zu schenken.
- Ein bisschen mehr als 110000 waren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos gemeldet. Das sind im Vergleich zum Vormonat ca. 4300 weniger.
- Offiziell waren bei den Arbeitsvermittlungszentren mehr als 20000 offene Stellen gemeldet
Die Forschungsstelle für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomie an der Universität Basel kommt jedoch zum Schluss, dass der Arbeitsmarkt an Schwung verliert. Der starke Franken wirkt sich auf jene Firmen aus, die stark exportorientiert sind und deren Margen wie Eis an der Konjunktursonne schmelzen. Bleiben die Gewinne aus, kann weniger beschäftigt werden oder ist die Rentabilität schwach auf der Brust, weil die europäischen Exportmärkte an Währungsschwindsucht leiden, dann ist die Auslagerung der Produktion ins Ausland wieder eine Option vieler Geschäftsleitungen.
Produkte mit einer hohen Wertschöpfung und anspruchsvollen Fertigungstechnologien lassen sich aber nicht so schnell ins Ausland verlagern, da diese auch gut ausgebildete Berufsleute verlangen und der Ausbildungsaufwand ein nicht zu unterschätzender Effort braucht, um die Qualitätsansprüche, die man von Schweizer Produktion gewohnt ist, nicht unnötig zu beschädigen.
Auch die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) kommt zu den gleichen Schlüssen wie oben schon erwähnt. Grundsätzlich wird die Schweizer Wirtschaft weiter wachsen, aber die Dynamik des Wachstums schwächt sich ab. Im direkten Vergleich mit anderen Industrienationen weist dieses Land solide, stabile und gute Beschäftigungsstatistiken aus.
Warum diese Zahlen nach wie vor so hervorragend sind, verdanken wir aber nicht nur der Robustheit der Wirtschaft, sondern auch statistischen Einflüssen, die nicht unerwähnt bleiben sollten.
Die Revision der Arbeitslosenversicherung, die am 1. April 2011 in Kraft trat, verkürzte die Bezugsdauer an Versicherungsleistung und führte dazu, dass weitaus mehr Arbeitslose ihren Versicherungsanspruch verloren und somit nicht mehr als Zählwert in der Arbeitslosenstatistik aufgelistet wurden. Gemäss den Berechnungen Staatsekretariats für Wirtschaft handelt es sich immerhin um ca. 700 Personen, die diese statistische Verzerrung verursachten. Die persönlichen Schicksale, dieser Menschen, die meistens in die Sozialhilfe abdriften, sind oft weitaus tragischer, als dass sich dies die Öffentlichkeit überhaupt bewusst ist. Dass sich die Zahl der Ausgesteuerten monatlich im Durchschnitt von 2300 auf 3060 Personen erhöht hat, verwundert kaum. Die Revision der Arbeitslosenversicherung fordert nun ihren Tribut. Gemäss dem SECO fanden
- 18% von ihnen eine neue Stelle
- 26% sind nach wie vor beim RAV gemeldet, obwohl der Versicherungsanspruch erloschen ist. Kurioserweise bedienen sie dadurch immer noch die Arbeitslosenstatistik.
- Die restlichen 56% sind Menschen, die ausgesteuert wurden und ganz unten angekommen sind.
Besonders erfreulich ist die Situation der Jugendarbeitslosigkeit
Das betrifft junge Menschen zwischen 15 bis 24 Jahre. Bei dieser Gruppe hat sich viel entspannt. Die Jugendarbeitslosigkeit ist weiter gesunken und verharrt im Moment auf 2,5%. Dieser Wert ist ausgezeichnet. Eine hohe Jugendarbeitslosigkeit ist für jede Wirtschaft und Gesellschaft eine Katastrophe und ein Zeichen kläglichen Versagens. Zieht die Wirtschaft wieder an, kommen diese jungen Menschen nicht einfach zum Zuge, da oft mangelnde Berufserfahrung und eine fragmentierte Berufsausbildung den Einstieg in die Erwerbswelt zusätzlich erschweren und der Wirtschaft aufgrund der mangelnden Arbeitskräften der gewonnene Antrieb wieder stottert und im schlimmsten Fall sogar abgewürgt wird.
Als Nebenbemerkung sei noch angefügt, dass es in der europäischen Union nur die Niederlanden, Deutschland und Österreich schaffen ihre Jugendarbeitslosigkeit unter 10% zu halten.
Eigentlich eine trübe Feststellung. Der Rest der EU-Staaten haben eine solch erschreckend hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Böses ahnen lässt und nicht weiter verwundert, wenn grosse Teile der europäischen Jugendlichen frühreif desillusioniert sind, sich destruktiver Fatalismus breit macht und der eigenen beruflichen Zukunft misstrauisch, mitunter sogar ablehnend, entgegen sehen. Das alte soziale Prekariat geht stark unterfinanziert in die Rente und das neue ist schon in den Startlöchern. Ein besorgniserregende Entwicklung. Zudem stimmt es zuweilen höchst alarmierend, wenn einer ganzen Generation junger Menschen voller Freude, Lebenskraft und Daseinslust ihrer zukünftigen existentiellen Grundlagen beraubt werden und dem Interesse an der Ausgestaltung des ganz persönlichen wie auch gesellschaftlichen Lebensentwurfes der Sauerstoff entzogen wird.
Eine Jugend, die dem zunehmenden Vakuum ökonomischer und edukativer Leere ausgesetzt ist, kann implodieren.
In der Schweiz gibt es auch Eintrübungen, die das vordergründige Glänzen matt machen.
Die Kratzer auf der polierten Oberfläche lassen sich nicht wegdiskutieren. Insbesondere jungen Menschen mit sozialen und schulischen Defiziten tun sich schwer damit, oft genug sogar mit externer Unterstützung von Spezialisten/-innen, einen geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. Nicht selten kommen sie nicht einmal für jene Berufe in Frage, wo praktische Fähigkeiten eher in den Vordergrund treten als intellektuelle und der Eintritt weitaus niederschwelliger ist. Gerade die Holz- und Metallindustrie oder die Bauwirtschaft kann ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen.
Auch andere Berufsgruppen leiden unter ihrer mangelnden “Sexyness”. Wer kennt schon einen jungen Menschen, der noch Metzger werden will? Obwohl wir noch nie so viel Fleisch in diesem Land assen.
Es gibt auch viele Firmen, gerade die Basler Pharmaindustrie kann davon ein Lied singen, die mit ach und krach ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Jugendlichen besetzen können. Geeignet heisst in diesem Fall, über genügend Grundkenntnisse in Naturwissenschaften haben, der Mathematik einigermassen mächtig sind und auch den unbedingten Willen haben, eine anspruchsvolle berufliche Grundausbildung bis zum Ende durchzuhalten.
Auszubildende, die abbrechen, kosten viel und kosten der Gesellschaft noch mehr, wenn sie später nicht wieder auf die Spur kommen.
Die Situation hat sich bei den Ausbildungsplätzen stark verbessert.
Trotzdem gibt es auch hier bizarre Tatsachen, die an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollen. Im sogenannten trinationalen Metropolitandistrikt, wie das Dreiländereck um Basel auch noch ein wenig geschraubt genannt wird, werden nun die Auszubildenden auch in grenznahen Umland von Deutschland und Frankreich gesucht. Die Nordwestschweiz bietet inzwischen zuwenig geeignete Jugendliche. Die Lücken werden gefüllt mit den Besten aus den ausländischen Nachbarsregionen. Den Unternehmen ist kein Vorwurf zu machen. Sie müssen reagieren, damit der Nachwuchs in Zukunft fähig ist, mehr Verantwortung zu übernehmen und damit die unternehmerische Zukunft sichert. Denn ohne florierende Unternehmen geht jeder Staat auf Grund.
Ohne Prüfung zum Fähigkeitszeugnis? Geht das? Jein!
Anfangs Juni 2011 hat eine Person aus dem Kanton Bern als erste ein Fähigkeitszeugnis erhalten, ohne je eine Lehrabschlussprüfung abgelegt zu haben.
Sie erhielt den Titel über den neuen Weg des Validierungsvefahrens. Mit dieser LINK kommen sie im Detail zu den weiteren Informationen. PersonalRadar hat dazu schon einmal Informationen angeboten, die mit dieser LINK nachzulesen sind.
Dieser neue Weg zum Fähigkeitszeugnis steht all jenen Interessierten vorbehältlich offen, die mindestens über 5 Jahre Berufserfahrung verfügen und einen Teil davon in jener Berufsgattung tätig waren, für die sie dieses Validierungsverfahren in Anspruch nehmen möchten. Damit man aber überhaupt dieser Validierung nahe kommt, muss zwingend ein Dossier mit allen Details eingereicht werden, das klar aufzeigt, dass die an diesem Verfahren interessierten Personen auch über die berufliche Kompetenz verfügen.
Diese neue Art zu einem Fähigkeitszeugnis zu gelangen, steht nur wenigen Berufen offen und ist von Kanton zu Kanton verschieden.
Häppchen für Häppchen – Lernen in Mini-Einheiten.
Microlearning, das Lernen in kleinen Portionen, ist zwar kein ganz neues Phänomen. Doch dank der Verbreitung von Smartphones entwickeln Firmen zunehmend Microlearning-Programme für mobile Endgeräte (ein Beitrag von: Franziska Meier, HR Today).
One word a day – ein Wort pro Tag – verspricht der deutsche Gratislernservice www.owad.de. Wer diesen abonniert, erhält täglich ein Mail mit einem englischen Wort und drei Vorschlägen, was dieses bedeuten könnte. Ein Beispiel: «overhead bin» bedeutet
- a hat that is worn in the winter
- a stowage compartment on an aircraft
- a rubbish container that animals cannot reach
Klickt man 1. oder 3. an, erhält man auf einer sich neu öffnenden Internetseite eine abschlägige Antwort, und bei 2. wird man mit einem «Your choice was right!» und der deutschen Übersetzung «Gepäckablage im Flugzeug» belohnt. Damit man sich das Wort wirklich einprägen kann, folgen Textschnipsel aus den Medien, die «overhead bin» enthalten.
China-Knigge auf dem Smartphone inklusive Aussprache-Übungen
Das ist ein typisches Beispiel für Microlearni
ng. Der Begriff steht für das Lernen mit kleinen und kleinsten Inhalten, sogenanntem Microcontent. In der Regel ist dabei ein elektronisches Gerät involviert. Das kann zum Beispiel ein PC sein, aber auch ein Smartphone, welches es erlaubt, die Lerneinheit an einem beliebigen Ort abzurufen. Verschiedene Begriffe beziehen sich auf diese Lernart: Neben Microlearning ist auch die Rede von Microcontent Learning, Wissenshäppchen oder Learning Nuggets.
- Microlearning kann spontan erfolgen. Etwa wenn man in einem Text auf ein Fremdwort stösst und dieses sogleich im Internet nachschlägt, sich also das Wissen holt, das man für den Beruf braucht.
- Microlearning kann aber auch im Rahmen eines regelmässigen Programms beziehungsweise einer Ausbildung oder eines Trainings erfolgen.
Claudia M. König, Kommunikationswissenschaftlerin und Karrierecoach mit eigenem Unternehmen in Aachen und Hannover, hat eine Seminarreihe für Führungskräfte entwickelt und setzt dabei das Microcontent-Lernen als begleitende Massnahme ein. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Leibniz Universität Hannover kreierte sie unter anderem einen China-Knigge: Führungskräfte erhalten auf ihren mobilen Endgeräten neun Aufgaben, die sich rund um den fiktiven Geschäftspartner Mister Wang drehen. Die einzelnen Aufgaben tragen Titel wie «Guten Tag! Begrüssung in chinesischer Sprache», «Händeschütteln in China», «Konversation mit Mr. Wang» oder «Tischsitten». Die Lerneinheit «Guten Tag» enthält unter anderem auch die korrekte chinesische Aussprache in einer Audio-Datei. Die Bearbeitung jeder Einheit dauert 10 bis 15 Minuten.
Mit spielerischen Elementen neue Zielgruppen ansprechen
Die Vorteile vom Microlearning mit mobilen Geräten liegen auf der Hand: Lernen ist möglich zu jeder Zeit an jedem Ort. «Den China-Knigge lesen und bearbeiten Sie zum Beispiel auf dem Flug nach China, um gut vorbereitet zu sein», so König. Auch können mit Microlearning neue Lernzielgruppen angesprochen werden. Udo Sonne, zuständiger Manager für die Themen digitale Medien und Lernsysteme bei der Deutschen Lufthansa AG: «Wir können mit Microlearning die Reichweite erhöhen und auch jene erreichen, die eigentlich nie Zeit haben, insbesondere Führungskräfte.»
Auch sinkt die Lern-Hemmschwelle, für weniger lernaffine Leute tut sich eine Möglichkeit auf. Christian Swertz, Professor für Medienpädagogik an der Universität Wien: «Technikbegeisterte Menschen, die ihr iPhone lieben, können durch Microlearning eine Motivation zum Lernen finden.» Auch Roman Spiess, Leiter Kompetenzzentrum Neue Medien beim Migros-Genossenschafts-Bund und mitverantwortlich für ein Microlearning-Pilotprojekt für Lernende im 3. Lehrjahr, sieht hier eine Chance: «Viele 17- bis 19-Jährige sind motivierter, wenn sie mit neuen Technologien lernen können. Dies auch deshalb, weil spielerische Elemente in das Lernen mit einbezogen werden können.»Ein weiterer Vorteil kann die Möglichkeit der kontinuierlichen Wissensvermittlung sein. Ein Beispiel: Automobilhersteller senden den Autoverkäufern regelmässig Kurzinfos zu neuen Features.
Positiv bewertet Christian Swertz die Möglichkeit, dass Mitarbeitende eines Unternehmens selbst Microcontent herstellen, zum Beispiel ein Video drehen und dieses anderen Personen innerhalb der Firma zur Verfügung stellen – und somit ihr Wissen weitergeben. Was dabei nötig sei, ist laut Swertz eine firmeninterne Stelle, welche die Qualität solcher Inhalte überprüft und diese dann freigibt, analog zu Wikipedia. Die Lernqualität beurteilt Claudia M. König positiv: «Es wird nicht auf Vorrat gelernt, sondern Microlearning wird häufig just in time eingesetzt, man setzt das Gelernte gleich um. Man sollte zwar nicht dem Irrglauben verfallen, durch Microcontent umfassend Inhalte lernen oder ein Seminar samt Gruppendynamik ersetzen zu können. Aber man kann nach einem Intensivseminar mit speziell aufbereiteten Tools dafür sorgen, dass die gelernten Inhalte auch wirklich in den Arbeitsalltag transferiert werden können.» Kontroverse Ansichten bestehen bezüglich des Lernens in Leerzeiten, also wenn man gerade nichts zu tun hat, zum Beispiel auf dem Arbeitsweg im Zug. Die einen loben diese Möglichkeit, Christian Swertz dagegen ist skeptisch: «Einerseits braucht der Mensch diese sogenannten Leerlaufzeiten, um seine Arbeit zu reflektieren. Und andererseits können die Firmen dies auch zur Ausdehnung des Jobs in den Freizeitbereich verstehen: Lernen ja, aber bitte nicht während der Arbeit!
Lernen in Leerzeiten
Grenzen bestehen vor allem im technischen Bereich. Neben den herkömmlichen PCs und Tablet-PCs eignen sich insbesondere Smartphones fürs Microlearning. Die unterschiedlichen Gerätetypen und Betriebssysteme bei den mobilen Endgeräten stellen zurzeit noch eine Herausforderung dar. Nicht jedes Programm läuft auf jedem Gerät. Sowohl Udo Sonne als auch Roman Spiess haben ihre Microlearning-Programme denn auch in verschiedenen Versionen parallel produziert. Sie sind aber beide überzeugt, dass es eine Frage der Zeit ist, bis dieses Problem gelöst sein wird.