Jun 22

Geheimnisse sind gut. Der Chef muss nicht alles wissen.

Autor: PersonalRadar

Führungskräfte coachen immer mehr Mitarbeitende. Ist das normal? Zeugt es wirklich von einem guten Vertrauensverhältnis?

Manchmal muss der Mitarbeitende auf die Bremse stehen. Wichtige Geheimnisse vor dem Chef sind dann geheim, wenn sie nicht ausgeplaudert werden. Der letzte Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums OBSAN zeigt auf, dass es in der heutigen Arbeitswelt immer weniger Menschen gibt, die vor Optimismus platzen, vor Freude den ganzen Tag über das Gesicht strahlen und jeden Tag vor lauter körperlichen Kraftwellen ganze Wälder ausreissen könnten. Die moderne Arbeitswelt laugt aus. Die Verdichtung der Arbeitsprozesse nimmt zu und saugt die Batterien der Mitarbeitenden immer schneller leer. Angst, Erschöpfungsdepressionen und andere Unpässlichkeiten, die ein vernünftiges Arbeiten unmöglich machen, greifen um sich.

Moderne Führungskräfte betreiben deshalb heute vermehrt die Führungspolitik der offenen Türen und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Sehr oft haben sie als Führungskraft auch die Aufgabe Mentor zu sein, um Arbeitsprozesse zu fördern, zu korrigieren und zu begleiten. Beziehungen entstehen und vertiefen sich. Warum soll da nicht auch mal die private Befindlichkeit ein Thema sein? Doch die Nöte der Mitarbeitenden und Angestellten können einen Chef schnell überfordern. Das ist nicht einfach Personalentwicklung der üblichen Art. Coaching geht tiefer und fordert andere Instrumente. Beherrscht man diese Klaviatur nicht, dann reissen Saiten und Dissonanzen entstehen. Das vormals gute Verhältnis kann dann schnell in die andere Richtung kippen.

Geheimnisse sind gut. Der Chef muss nicht alles wissen. Die Balance ist wichtig.

Coacht der Chef Untergebene, dann geht es in der Regel immer schief. Denn Vorgesetzte sind aufgrund ihrer Rolle weder neutral, noch unabhängig und noch viel weniger unparteiisch. Das Abhängigkeitsverhältnis lässt absolute Offenheit nie zu. Der Chef kann noch so eine grosse Empathie besitzen oder ein Sympathieträger sein. Offenheit kann sich gegen die Person richten, die sie bietet und eine ungeahnte Machtfülle für jene Person eröffnen, die sie annimmt und im ungünstigsten Fall auch hemmungslos benutzt. Vorgesetzte, die sich anbieten Mitarbeitende persönlich bei ihren psychischen Problemen zu helfen, um ihnen beizustehen, können sich in Teufels Küche bringen. Es ist immer besser, wenn externe Fachkräfte sich solchen Problemen annehmen und dafür sorgen, dass die alte Leistungskraft wieder zurückkehrt. Denn Coaching offenbart auch viele intime Details. Wer will diese schon dem Chef anvertrauen? Landen diese unerwartet in der Personalakte, haben die Einträge eine explosive Wirkung, die unter Umständen die Karriere implodieren lässt. Es spielt dann gar keine grosse Rolle mehr, ob die Ereignisse Jahre zurückliegen.

Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber dem Vorgesetzten sind gut. Es gibt jedoch Tabuzonen und Minenfelder, denen man lieber aus dem Weg geht. Informationen, die einen stark kompromittierenden Inhalt haben, sollten nur Fachpersonen, aber sicher nicht dem Chef anvertraut werden. Vorgesetzte dürfen sich nie im Coaching von Mitarbeitenden üben. Das geht immer schief und schnell sind die Finger verbrannt. Wer arbeitet schon gerne mit Brandblasen an den Fingerkuppen?

Klicken Sie auf den nachfolgenden Link und Sie kommen gleich zum Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums OBSAN: Psychische Gesundheit in der Schweiz, Monitoring 2012

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