Archiv für Februar 2010
Mehr ausländische Beschäftigte
Die Zahl der ausländischen Beschäftigten auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ist im zweiten Quartal 2009 innert Jahresfrist um 5% auf 974’000 gestiegen. Laut Angaben des Bundesamtes für Statistik (BFS) arbeiteten in diesem Zeitraum insgesamt 282’000 Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz, ohne dort ihren Wohnsitz zu haben, darunter 93% Grenzgängerinnen und Grenzgänger oder Personen mit einer kurzfristigen Arbeitserlaubnis (Quelle: BFS).
Im Vergleich zu 2008 (-1,4%) ist die Zahl leicht zurückgegangen, während die Zahl der Beschäftigten mit Schweizer Nationalität unverändert blieb. In der Gruppe der ausländischen Beschäftigten mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung kletterten die Zahlen besonders bei den Arbeitnehmenden aus Deutschland (+18% oder +25’000), Frankreich (+9,7% oder +5’000) und Portugal (+9,2% oder +11’000) nach oben.
Das BFS ermittelte, dass 33% der ausländischen Beschäftigten eine Tertiärausbildung abgeschlossen haben (Universität, Hochschule oder Höhere Berufsbildung). Dieser Anteil fällt jedoch je nach Nationalität sehr unterschiedlich aus. Bei den deutschen und französischen Beschäftigten ist er hoch (62% bzw. 61%), bei denen aus den Westbalkan-Ländern (6,8%) und Portugal (7,1%) dagegen deutlich geringer. Bei den Personen aus den letztgenannten Regionen ist mit 9,0% bzw. 6,8% auch die höchste Arbeitslosenquote zu verzeichnen.
Allgemein war die Arbeitslosenquote bei den Ausländerinnen und Ausländern mit 7,2% doppelt so hoch wie in der Schweizer Bevölkerung (3,1%).
Zudem sind sie häufiger von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. 36% der Arbeitslosen ausländischer Nationalität hatten im zweiten Quartal 2009 seit mehr als einem Jahr keine Arbeit, während das nur für 25% der Schweizer Arbeitslosen galt.
MetroBasel im Gespräch
Podium: “metrobasel im Gespräch”
Montag, 15. Februar 2010 um 18.30 Uhr
im SAM Schweizerischen Architekturmuseum.
Gesprächsgäste:
- Marie-Theres Caratsch, Kantonsarchitektin Hochbauamt Bau- und Umweltschutzdirektion Basel-Land
- Manuel Herz, ETH Studio Basel
- Gudrun Heute-Blum, Oberbürgermeisterin, Lörrach
- Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung Basel Stadt
- Dr. Christoph Koellreuter, Direktor MetroBasel
Moderation:
- Karin Salm, Kulturredaktorin DRS2

Lieblinge auf Zeit
Die ersten zaghaften Anzeichen einer Erholung machen sich langsam bemerkbar. Gerade die Temporärbranche (Zeitarbeit) ist ein klarer Indikator dafür. Sie antizipiert oft die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Aus Deutschland kommt der folgende Bericht (Quelle: Von FOCUS-Redakteur Joachim Hirzel und FOCUS-Korrespondent Fritz Schwab).
Die Zeitarbeitsbranche darf sich auf ein Comeback freuen – und verdankt dies ausgerechnet der Krise.
Sie waren die ersten Opfer der Krise. Als es mit der Wirtschaft bergab ging und klar war, dass nicht alle Beschäftigten zu halten sind, griffen die Unternehmen überall in Deutschland zur selben Massnahme – sie schickten ihre Zeitarbeiter nach Hause.

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Um 300 000 sank binnen einem knappen Jahr die Zahl derer, die Gewerkschafter als „Leiharbeiter“ titulieren. Das klingt nach Prekariat und soll es auch. Und jetzt? Steht die in Deutschland noch so junge und so heftig abgestürzte Branche vor dem Aus?
Im Gegenteil. Es ist ein fulminantes Comeback zu erwarten – meinen Experten wie Michael Bruhns von der Marktforschungsfirma Interconnection Consulting.
Er glaubt, dass sich der Markt nun „sukzessive erholt“. Und dass es 2012, spätestens 2013, in der Bundesrepublik mehr als eine Million Zeitarbeiter geben werde. „Zeitarbeit“, sagt Bruhns, „wird in Deutschland stärker sein denn je.“ Erste Anzeichen einer neuen Blüte gibt es schon. Weil sich die Limousinen mit dem Stern wieder besser verkaufen, sind seit vergangener Woche im Mercedes-Werk Sindelfingen bei Stuttgart wieder 300 Zeitarbeiter im Einsatz. Ihre Verträge sind zunächst auf das erste Quartal befristet.
In der Krise hatte sich die Automobilbranche fast komplett von Zeitarbeitnehmern getrennt. Im Herbst 2007 zählte Daimler – bei bundesweit insgesamt 163 000 Mitarbeitern – in der Spitze 2500 Zeitkräfte. Mehr lässt der mit dem Betriebsrat geschlossene Beschäftigungspakt nicht zu.
Dass vor allem grosse Konzerne sich wieder gern für das neue Instrument Zeitarbeit entscheiden, wenn das Geschäft anzieht, wundert die Branchenvereinigung nicht. „Wir gehen davon aus, dass Unternehmen neue Aufträge vor allem über Zeitarbeiter abdecken werden und nicht über Festangestellte“, frohlockt der Bundesverband Zeitarbeit.
Personenfreizügigkeit bereitet am meisten Anwendungsprobleme.
Von allen bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU bereitet jenes zur Personenfreizügigkeit am meisten Probleme bei der Anwendung. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Integrationsbüro durchgeführt hat (Quelle: sda).
Insgesamt zieht das Integrationsbüro eine positive Bilanz. Die Umsetzung der bilateralen Abkommen funktioniere grundsätzlich gut, teilte es am Montag mit. Wo Probleme bei der Umsetzung aufträten, handle es sich in 80 Prozent der Fälle nicht um Vertragsverletzungen. Befragt hatte das Integrationsbüro Bundesämter, Kantone, Schweizer Botschaften, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften. Insgesamt gingen über 100 Rückmeldungen ein, die rund 120 Vollzugsprobleme thematisierten. Am meisten Schwierigkeiten bereitet den Befragten das Abkommen über die Personenfreizügigkeit. Dies lasse sich weitgehend dadurch erklären, dass es sich um ein wichtiges Abkommen handle, das sich direkt an die Bürger richte und in dessen Anwendung viele Stellen involviert seien, schreibt das Integrationsbüro.
Schweizer Diplome nicht anerkannt
Zu den gemeldeten Problemen gehört die fehlende Anerkennung schweizerischer Diplome. Kritisiert wurde zudem, dass in Spanien und Griechenland gewisse staatliche Museen Schweizer Bürger und EU-Bürger bei den Eintrittspreisen nicht gleich behandeln. Eine weitere Herausforderung stellt gemäss dem am Montag veröffentlichten Bericht die Besteuerung von Selbständigen mit Wohnsitz im Ausland dar. Auch die Besteuerung von Erwerbstätigen aus der EU, die sich nur für kurze Zeit in der Schweiz aufhalten, führt zu Problemen.
Zugang zum Markt erschwert
Weiter stellt das Integrationsbüro fest, dass Schweizer Unternehmen der Zugang zum französischen Markt mit einer obligatorischen Bauwerkversicherung erschwert wird. Die obligatorischen Beiträge an die deutsche oder italienische Urlaubskasse wurden ebenfalls beanstandet. Insgesamt gab es zur Anwendung des Personenfreizügigkeitsabkommens 46 Rückmeldungen. 32 stufte das Integrationsbüro als relevant ein, bei 11 Fällen spricht es von potenziellen Vertragsverletzungen.
Fluggesellschaften diskriminiert
Vertragsverletzungen verzeichnete das Integrationsbüro auch beim Luftverkehrsabkommen. Die Verrechnung höherer Landegebühren auf zahlreichen Flughäfen in EU-Mitgliedstaaten widerspreche klar dem Diskriminierungsverbot. Neben dem Personenfreizügigkeitsabkommen bereiteten das Freihandelsabkommen und das Landwirtschaftsabkommen am meisten Schwierigkeiten. Zum Beispiel wurde die übermässige Kontrolle von Nahrungsmittelimporten nach Italien kritisiert.
Die Bundesbehörden seien im Rahmen ihres ständigen Kontaktes mit den EU- Mitgliedstaaten und der EU-Kommission kontinuierlich um eine Lösung der Probleme bemüht, hält das Integrationsbüro fest. In vielen Fällen habe auch schon eine Lösung gefunden werden können.
KOF-Beschäftigungsindikator steigt – Arbeitsplatzabbau nimmt ab.
Bis im Sommer werden in der Schweiz weiterhin Arbeitsplätze abgebaut, allerdings nicht mehr so viele wie in den letzten Monaten. Dies zeigt der am Montag von der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) veröffentlichte Beschäftigungsindikator (Quelle: sda).
Der Indikator, der eine frühe Einschätzung der Lage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ermöglichen soll, stieg von -6,5 Ende Oktober (revidierter Wert) auf -3,6 Ende Dezember. Erholt hat sich laut KOF die Lage namentlich in der Industrie, im Detail- und Grosshandel sowie im Gastgewerbe. Nach wie vor ist der Verlauf der Beschäftigung in diesen Branchen aber negativ.
In der Bauwirtschaft und im Projektierungssektor, für welche der Beschäftigungsindikator schon vor drei Monaten positiv war, ist weder eine Veränderung nach oben noch nach unten feststellbar. Einen Rückgang der Beschäftigung ist dagegen im Bankensektor zu erwarten, derweil die Arbeitslage bei den Versicherungen und übrigen Dienstleistern praktisch stabil bleiben sollte.
Master of Science in Life Sciences FH – Top oder Flop?
Mit grossem Erfolg starteten die Masterstudiengänge in Life Sciences im Herbst 2009 an den Schweizerischen Fachhochschulen (BFH, FHNW, HES-SO und ZHAW). Im September 2010 gehen die Masterstudiengänge in die zweite Runde.
Auch dieses Jahr möchten wir vom Schweizerischen Verband Dipl. Chemiker FH (SVC), dem Berufsverband für FH-Absolventinnen und -Absolventen der Bereiche Chemie, Life Sciences und Biotechnologie, Interessiere für den Masterstudiengang an einer Fachhochschule unterstützen und begleiten. Es ist unser erklärtes Ziel, nicht nur die Berufsbefähigung des Bachelor of Science FH zu vertreten, sondern auch alle an einem Masterstudiengang Interessierte in Ihrer Wahl zu bestärken.
Um Bachelorabsolventinnen und –absolventen sowie Berufstätige zur Absolvierung eines Masterstudienganges an einer Fachhochschule zu motivieren, führt der SVC im Rahmen einer Kooperation mit der Industrie eine Informationsveranstaltung durch, wo Interessierte aus erster Hand erfahren, warum sich ein Masterstudiengang lohnt und welche berufliche Möglichkeiten sich nach einem erfolgreichen Abschluss eines „Master of Science in Life Sciences“ bieten.
Nachdem sich der Anlass 2009 bei Syngenta AG eher den biologischen Studienrichtungen widmete, freuen wir uns, für die Studierende der Fachrichtung Chemie den diesjährigen Anlass bei Sika AG durchzuführen. Die Tagung ist organisiert in drei Fenster, wobei sich eines auch an den jungen Studiengang der Biotechnologie richtet:
- Moderne Entwicklung stellt neue Herausforderungen an die FH-Abgänger, aufgezeigt am Beispiel der Bauchemie
- Biotechnologie erlaubt neue Lösungen in Chemie und Pharma. FH-Abgänger in Biotechnologie leisten einen extrem wichtigen Beitrag
- Rundgang durch die Entwicklungslabors der Firma Sika AG
Teil der Veranstaltung ist ebenfalls ein Podiumsgespräch, zu dem Sie herzlich eingeladen sind. Sie dürfen uns Ihre Fragen zur Vorbereitung gerne per E-Mail an jud@svc.ch zusenden. Unsere Referenten werden Rede und Antwort stehen.
Einige Fragen, vor Allem seitens der Studierenden, blieben in der Vergangenheit unbeantwortet:
- Werden wir eine Stelle in der Industrie finden?
- Benötigt die Industrie Master of Science in Life Sciences FH?
- Wie ist die Qualität des Studienganges?
Zur Beantwortung dieser Fragen dient dieser Anlass. Dabei darf ein Apéro, der zum Networking einlädt, selbstverständlich nicht fehlen. Dort haben Sie die Gelegenheit, mit Studierenden aus anderen Fachhochschulen, den SVC- sowie Bund- und Industrievertre-tern zu diskutieren.
Rahmenprogramm
SVC Masterveranstaltung 2010
„Master of Science in Life Sciences FH – Top oder Flop“
Dienstag, 23. März 2010, 13:00 Uhr – 17.00 Uhr / Sika AG, Zürich – Altstetten
Freuen Sie sich auf die Referate von verschiedenen Industrievertretern der Bereiche Chemie, Life Sciences und Biotechnologie. Ebenfalls anwesend wird ein Vertreter des Verbandes für FH-Dozierende und ein Mitglied der Fachhochschulkommission sein. Da es sich um einen gesamtschweizerischen Anlass handelt, wird die Tagung gemischt in Deutsch und Französisch gehalten. Der Anlass wird dabei freundlichst gesponsert durch die Firma Monster AG, dem interaktiven Karrierenetzwerk.
Für Studierende, SVC-Mitglieder und Partner der Fachhochschulen ist der Eintritt gratis, für alle weiteren Besucher beträgt er CHF 80.-. Verfolgen Sie unbedingt das genaue Programm auf www.svc.ch, wo Sie sich ebenfalls anmelden können. Anmeldeschluss ist der Freitag, 12. März 2010.
Baukonjunktur vor dem Wendepunkt.
Saisonbereinigt schwächt sich die Schweizer Baukonjunktur im 4. Quartal 2009 insgesamt zum zweiten Mal in Folge ab. Eine Normalisierung der Bautätigkeit im Tiefbau in Kombination mit der schon seit längerem schwächelnden Hochbautätigkeit hat zum Absinken geführt (Quelle: swissstaffing).
Noch ist nicht eindeutig, wie rasch sich die rückläufige Baukonjunktur weiter akzentuieren wird. Klar ist jedoch, dass sich die Baukonjunktur in zunehmendem Masse auf den Tiefbau stützt. Dessen Produktionsniveau wird mittelfristig kaum zu halten sein. Mit nachlassender Dynamik im Tiefbau wird die Trendwende, wie sie sich im Hochbau bereits abzeichnet, die gesamte Baukonjunktur erfassen
Hochbau: Die Bautätigkeit im Wirtschaftsbau wird massgeblich von der Investitionstätigkeit privater Unternehmen beeinflusst. Somit ist es wenig verwunderlich, dass der Wirtschaftsbau in der Rezession am stärksten leidet. Ein Blick auf die Baubewilligungen verrät, dass die Planung von Hochbauprojekten neuerdings auch im Wohnungsbau deutlich nachgibt. Die moderate Entwicklung dürfte daher 2010 einem deutlichen Rückgang weichen.
Tiefbau: Momentan werden sowohl grosse Strassenbau- als auch Bahn- und Wasserbauprojekte parallel vorangetrieben. Das sorgt kurzfristig für einen Investitionsschub. Auch zukünftig werden langfristige Grossprojekte auf Strasse und Schiene sowie im Energiebereich für ein gewisses Produktionsniveau im Tiefbau sorgen. Dennoch dürfte sich das nun erreichte Niveau nur schwer halten lassen. Das Wachstum der realen Tiefbauausgaben dürfte 2010 im Jahresvergleich wieder abnehmen.
Löhne im Bauhauptgewerbe
Der Baumeisterverband hat zudem kürzlich eine Lohnerhebung bei seinen Mitgliedern durchgeführt. Dies die wichtigsten Ergebnisse:
- Die durchschnittlichen Monatslöhne im Bauhauptgewerbe sind zwischen Februar 2008 und Juli 2009 um beachtliche 2,2% gestiegen. Die Stundenlöhne nahmen im selben Zeitraum durchschnittlich um 1,8% zu.
- Die Inflationsprognose des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) beläuft sich für 2009 auf -0,4%. Damit hat das Baustellenpersonal 2009 im Durchschnitt Reallohnsteigerungen von 2,6% bzw. 2,2% erfahren. Die Bauunternehmen zahlen im Durchschnitt zwischen 5 und 8% mehr, als sie gemäss LMV und den dort fixierten Basislöhnen zu zahlen verpflichtet sind. Dies ist Ausfluss der Knappheit an Arbeitskräften im Allgemeinen und an Kadermitarbeitern im Besonderen.
- Eine grosse Mehrheit (65%) der Arbeitskräfte auf Schweizer Baustellen haben einen ausländischen Pass. Sie stammen vor allem aus Portugal (28%) und Italien (14%), letztere mit abnehmender Tendenz. Die Ausländergruppe mit dem grössten Zuwachs sind die Deutschen mit einem Anteil von bereits über 4%. Es fällt auf, dass diese gut qualifiziert sind und mehrheitlich direkt durch Schweizer Firmen in Deutschland rekrutiert werden.
Personaldienstleister des 21. Jahrhunderts im Wandel
Die Arbeitsmärkte Europas stehen vor grossen Herausforderungen: zunehmende Globalisierung, demografische Alterung und politische Auseinandersetzungen um die adäquate Reaktion auf diese Trends. Welche Rolle kommt den Personaldienstleistern in diesem sich wandelnden Umfeld zu? (Quelle: swissstaffing)
Die Zukunft des Arbeitsmarktes: Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften
Mit der Globalisierung hat sich der Wettbewerb für viele Unternehmen verschärft. Sie fragen vermehrt nach flexibler Arbeit und verlagern gewisse Produktionszweige – vor allem einfache und repetitive Tätigkeiten – ins Ausland. Dadurch, so Charles Bélaz, Präsident swissstaffing, steigen die Anforderungen an die Arbeitnehmenden und es gibt Arbeitnehmergruppen, die sich schwer in den Arbeitsmarkt integrieren lassen. Die Technologisierung trägt das ihrige zu diesem Trend bei. Insgesamt führt dies zu einer paradoxen Situation: Immer wieder bleiben Arbeitsstellen unbesetzt, weil qualifiziertes Personal fehlt. Gleichzeitig sind aber Menschen arbeitslos, weil es keine für sie geeigneten Stellen gibt. Anders gesagt: Das Arbeitsangebot und die Arbeitsnachfrage divergieren.
Der Mangel an qualifizierten Arbeitnehmenden erzeugt eine angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt für Qualifizierte, während Überkapazitäten von niedrig qualifizierten Arbeitnehmenden die Arbeitslosigkeit in diesem Segment steigen lassen.
Mit Blick auf die Zukunft erwartet die Schweiz eine weitere Herausforderung – die demografische Alterung. Sie ist, so Georg Staub, Direktor swissstaffing, eine unumgängliche Realität, der heute noch zu wenig Beachtung geschenkt wird. Die geburtenreiche Babyboom- Generation – derzeit in ihren Vierzigern – trägt heute noch wesentlich zur Erwerbsbevölkerung bei.
Bis in etwa 25 Jahren werden die Babyboomers aber das Rentenalter erreichen und somit aus der Erwerbsbevölkerung ausscheiden.
Die nachfolgenden, geburtenärmeren Generationen werden diesen Abgang nicht kompensieren können. In der Folge werden weniger Erwerbstätige unseren Wohlstand produzieren und die Sozialwerke finanzieren müssen. Die steigende Lebenserwartung, längere Ausbildungszeiten und der zunehmende Trend zur Frühpensionierung verschärfen den Trend. Fallen heute auf 100 Erwerbspersonen im Alter von 20 bis 64 Jahren 32 Renterinnen und Rentner (65-Jährige und Ältere), werden es im Jahr 2030 bereits 50 Renterinnen und Rentner sein und im Jahr 2050 voraussichtlich sogar 59. Welches sind Handlungsalternativen, um auf diese Trends zu reagieren?
Laut Charles Bélaz liegt eine mögliche, aber nicht ausschliessliche Antwort auf die Verknappung der Arbeitskräfte in der Auslandsrekrutierung.
Da unsere Nachbarländer mit denselben Entwicklungen zu kämpfen haben werden wie wir, ist damit zu rechnen, dass ein europaweiter Wettbewerb um Arbeitskräfte entbrennt.
Mit der bisherigen Strategie der Rekrutierung im nahen Ausland wird die Schweiz ihre Bedürfnisse nicht mehr alleine decken können. Weitere Lösungen sieht Bélaz daher in der Stärkung der Erwerbsquote von Menschen mit Behinderung, von Frauen und älteren Arbeitnehmenden (50- Jährige und Ältere). Von der Kultur der Frühpensionierung müsse man unbedingt wegkommen. Auch eine Umschulung von Falsch- oder Unterqualifizierten könne helfen, die Zahl der Erwerbstätigen zu steigern. Thomas Daum, Direktor Schweizerischer Arbeitgeberverband, pflichtet Bélaz bei. Die Auslandsrekrutierung funktioniere nicht als Lösung, da der Mangel an Arbeitskräften ganz Europa erfassen werde. Darum setzt Daum vor allem auf eine gute Ausbildung als Mittel zur Erweiterung des Pools an qualifizierten Fachkräften. Auch Alex Beck, Avenir Suisse, verspricht sich von der Auslandsrekrutierung – selbst in Osteuropa – keine gravierende Linderung der Situation. Der Wohlstand in den osteuropäischen Ländern werde ansteigen und damit der Anreiz zur Auswanderung (in die Schweiz) sinken.
Etwas anders argumentiert Paul Rechsteiner, Präsident Schweizerischer Gewerkschaftsbund. Die Knappheit an Arbeitskräften sei noch nicht eingetreten. Falls sie eintritt, werde der Schweiz ein Reservoir an älteren, gut qualifizierten Personen zur Verfügung stehen.
Es sei wichtig, dass ältere Arbeitnehmende mehr geschätzt würden. Ebenso müsse die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert werden, um die Erwerbsquote der Frauen zu stärken.
Auch laut Pierre Triponez, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, gibt es noch ein unausgeschöpftes Potenzial an Arbeitskräften. Das Problem läge beim Berufseinstieg, der erleichtert werden müsse. Nach wie vor gäbe es viele Jobs, wo manuell gearbeitet wird. Mit dem Institut der Lehre verfüge die Schweiz über ein gutes Instrument zur Besetzung dieser Arbeitsplätze. Fazit: Die Rekrutierung im näheren Ausland dürfte zunehmend schwieriger werden und überdies auf politischen Gegendruck stossen.
Die Stärkung der inländischen Erwerbsquote – bei Frauen und älteren Arbeitnehmenden – dürfte politisch weniger umstritten sein, bedingt aber ein gewisses Umdenken, sowohl was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft als auch was die Integration von älteren Arbeitnehmenden betrifft. Im internationalen Vergleich sind die Handlungsspielräume für die Schweiz allerdings bescheiden, verzeichnet sie doch sowohl in Bezug auf Frauen als auch auf ältere Arbeitnehmende bereits relativ hohe Erwerbsquoten. Es wird also, so Georg Staub, nötig sein, an allen Fronten zu kämpfen und den Stand- bzw. Arbeitsort Schweiz attraktiv und international wettbewerbsfähig zu erhalten. Die Ausgestaltung des Ausbildungs- und Hochschulwesens entscheidet darüber, ob das inländische Angebot an Arbeitskräften der Firmennachfrage entspricht. Es entscheidet aber auch darüber, ob Menschen aus dem Ausland bereit sind, sich in der Schweiz (für längere Zeit) niederzulassen, sich hier auszubilden und als Arbeitskraft zum Schweizer Wohlstand beizutragen. Und es entscheidet letztlich darüber, ob internationale Firmen in der Schweiz passend qualifiziertes Personal antreffen und sich hier niederlassen.
Angesichts der demografischen Alterung muss auch die Ausgestaltung der sozialen Sicherungssysteme überdacht werden. Zu hohe Sozialbeiträge belasten sowohl die Arbeitnehmenden als auch die Unternehmen und senken die Attraktivität des Standorts Schweiz.
Eine Erhöhung des Rentenalters darf daher nicht mehr länger als Lösungsansatz verweigert werden. Als dritter Faktor ist die Regulierung des Arbeitsmarkts zu nennen. Auch sie entscheidet über die Attraktivität des Standorts Schweiz für multinationale Unternehmen und über deren Beitrag zum Schweizer Wohlstand in Form von Arbeitsplätzen und Steuerbeiträgen. Bisher war die Schweiz mit ihrem im internationalen – bzw. vor allem im europäischen – Vergleich liberalen Arbeitsmarkt in dieser Hinsicht deutlich im Vorsprung gegenüber manchen Ländern. Will sie diese Position in Zukunft behalten, darf sie sich aber nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Etliche andere europäische Länder – allen voran die osteuropäischen – haben die Vorzüge günstiger Steuersysteme und liberaler Arbeitsmärkte nämlich auch erkannt. Die Zuwanderungspolitik bildet schliesslich die vierte und letzte Front. Zur Deckung der schweizerischen Arbeitsnachfrage kann es notwendig werden, ausländische Arbeitskräfte zu rekrutieren. Da das nahe Ausland mit denselben ekrutierungsengpässen konfrontiert sein wird, muss eine vermehrte Rekrutierung im fernen Ausland – zum Beispiel in Indien oder China – angedacht werden. Im Gegensatz zur Migrationspolitik im EU-Raum, die von der Personenfreizügigkeit geprägt ist, ist die Schweiz in Bezug auf fernere Länder frei, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Zuwanderungspolitik zu definieren und die Zuwanderung beispielsweise vom Qualifikationsprofil der Migrantinnen und Migranten abhängig zu machen. Erste Bestrebungen in diese Richtung laufen, wie bekannt ist. Besondere Gefahren für die Schweiz liegen laut Georg Staub in einer gewissen, durch den Wohlstand erzeugten Lähmung von Politik, Arbeitgebern und Arbeitnehmenden und in der Verweigerung, die auf die Schweiz zukommende Entwicklung anzuerkennen. Die Verweigerungshaltung führe dazu, dass auf die global organisierte Wirtschaft und die global formulierte Wirtschaftspolitik mit einem national organisierten Arbeitsmarkt und einer emotional geführten Arbeitsmarktpolitik geantwortet würde.
Die Zukunft der Personaldienstleister: vom Arbeitskräftelieferant zum Anbieter von HR-Lösungen
Globalisierung und demografische Alterung und die sich ergebenden Umwälzungen am Arbeitsmarkt wirken sich naturgemäss stark auf die Branche der Personaldienstleister aus. Am diesjährigen Strategiemeeting des Branchenverbandes swissstaffing wurden Chancen und Risiken für die Personaldienstleister diskutiert:
Als Chance sieht Simone Nijsen, Vorstandsmitglied swissstaffing, die Flexibilisierungstendenzen der Unternehmen, welche die Flexibilisierung als strategisches Ziel verfolgen. Wenn Firmen heute temporäres Personal einsetzen, sei dies nicht bloss zum Ausgleich von Spitzen, sondern Ausdruck einer gewandelten Unternehmensstrategie. Auch Georg Staub stellt eine Verschiebung fest von der ursprünglichen Funktion der Temporärarbeit – Ausgleich von Spitzen und Ferienvertretungen – hin zu einem gewandelten Modell der Belegschaft. Viele Unternehmen tendieren heute dazu, einen die feste Stammbelegschaft (Core) ergänzenden, flexiblen Personalbestand (Periphery) aufzubauen, um besser auf die Schnelllebigkeit am Markt reagieren zu können und ihre Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Der stärkere Fokus auf die Firmenkernkompetenz veranlasst die Unternehmen überdies, gewisse Aufgaben gänzlich auszulagern (Outsource).
Ganz im Sinn der Outsourcing-Idee sieht auch Leif Agnéus, Vorstandsmitglied swissstaffing, die Personaldienstleister der Zukunft als Erbringer von kompletten HR-Lösungen, die den Firmenkunden eine Spezialisierung auf ihre Kernkompetenz ermöglichen.
Das Personaldienstleistungsbüro als reiner Lieferant von Arbeitskräftengehöre je länger, je mehr der Vergangenheit an. Anderseits müssten, so Agnéus, die Personaldienstleister in Zukunft auch vermehrt Verantwortung für die Karriere ihrer (temporären) Mitarbeitenden übernehmen und ihnen Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten anbieten.
Als weitere Chance und Herausforderung nennt Hanspeter Widmer, Vorstandsmitglied swissstaffing, die neuen technologischen Hilfsmittel. Er entwirft das Szenario eines Personaldienstleisters im Jahr 2027, der ein Beratungs- Callcenter in Südafrika betreibt mit Personalberatenden, die via Webcam in verschiedensten Sprachen Vorstellungsgespräche führen. Dass sich die Bedürfnisse auch auf Seiten der Arbeitnehmenden ändern, ist laut Martin Ziegler, Vorstandsbeisitzer swissstaffing, eine zusätzliche Chance. Er stellt eine gestiegene Bereitschaft fest, die Stelle zu wechseln. Die demografische Alterung wird von den Vorstandsmitgliedern zugleich als Chance als auch als Risiko wahrgenommen. Bereits heute haben die Personaldienstleister Erfahrung in Verleih und Vermittlung von älteren Arbeitnehmenden. Auf diese Kompetenz können sie in Zukunft folglich vermehrt setzen.
Die mit der Alterung einhergehenden Rekrutierungsengpässe stellen aber auch die Personaldienstleister vor grössere Herausforderungen – insbesondere da eine mögliche Ausweichlösung, die Rekrutierung im Ausland, politisch umstritten ist.
Dennoch sieht Michael Agoras, Vizepräsident swissstaffing, den freien Personenverkehr mit der EU, gepaart mit der internationalen Diplomanerkennung, als Chance an. Sie erweitern den Handlungsspielraum der Personaldienstleister, steigern die Effizienz der Vermittlungstätigkeit und erleichtern es ihnen, der Wirtschaft die benötigten Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.
Das schnelle Branchenwachstum der vergangenen Jahre birgt in den Augen der Vorstandsmitglieder hingegen auch ein Risiko. Es führe zu vermehrter Kritik an der Branche – ganz nach dem Motto «Small is beautiful, big is ugly» – und verwässere die Grenze zwischen qualitätsbewussten Personaldienstleister und schwarzen Schafen.
Als Konsequenz möchte der Vorstand den sozialpartnerschaftlichen Dialog suchen, die Branche professionalisieren, die Verbandszertifizierung anpassen und für griffige Sanktionen bei gravierenden Gesetzesverstössen eintreten. Dass die Angebote der Personaldienstleister am Puls der Zeit stehen und für die Schweizer Volkswirtschaft bedeutend sind.
Laut Pierre Triponez erfüllt die Temporärarbeit eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion. Sie unterstütze die Arbeitgeber in ihrer Geschäftstätigkeit und trage dazu bei, dass diese ihre fest angestellten Mitarbeitenden weiterbeschäftigen und neue Aufträge annehmen können. Thomas Daum geht sogar so weit und sagt, dass gewisse Branchen verschwinden müssten, wenn es die Temporärarbeit nicht gäbe bzw. letztere zu stark reguliert würde. Auch Paul Rechsteiner anerkennt, dass die Temporärarbeit eine Realität ist, die aber stärker reguliert werden müsse. Alex Beck kontert, dass die Temporärarbeit Arbeitsstellen schaffe und die durch sie geschaffenen Brücken (zum Arbeitsmarkt) bei zu viel Regulierung schmaler würden.
Stellenangebot in der Schweiz nicht weiter gesunken.
Ein Lichtblick auf dem Arbeitsmarkt: Erstmals seit dem Sommer 2008 ist das Stellenangebot in der Schweiz im vierten Quartal 2009 nicht weiter gesunken. Das zeigt der Adecco-Index, der von der Universität Zürich erhoben wird (Quelle: sda).
Ein Aufschwung auf breiter Basis lasse allerdings noch auf sich warten, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung des Stellenvermittlers Adecco und der Universität vom Donnerstag. In der Deutschschweiz stagnierte der Stellenmarkt im vierten Quartal. In der lateinischen Schweiz dagegen nahm das Angebot nach einem grösseren Rückgang im Vorquartal wieder deutlich um 10 Prozent zu.
Positiv sticht die Zentralschweiz heraus, wo das Stellenangebot im Vergleich zum Vorquartal um 13 Prozent stieg. Adecco spricht von einer Trendwende, nachdem die Zentralschweiz zuvor besonders schlecht abgeschnitten hatte. In der Genfersee-Region legte das Angebot um 8 Prozent zu, in der Nordwestschweiz um 7 Prozent.
In der grössten Arbeitsmarkt-Region der Schweiz, dem Grossraum Zürich, ging das Stellenangebot um 3 Prozent zurück. Im Espace Mittelland, zu dem unter anderem die Kantone Bern und Solothurn gehören, sackte das Angebot sogar um 11 Prozent ab. In der Ostschweiz blieb die Zahl der ausgeschriebenen Stellen auf tiefem Niveau stabil (+1 Prozent).