Jan 8

Der Mensch wird zur Maschine. Vom Run- zum Change-Modus.

Autor: PersonalRadar

Es war in den letzten Monaten viel darüber zu lesen, dass Roboter die Menschen arbeitslos machen. Wie steht es wirklich darum?

Mensch und Roboter: Nicht nur Ungetüme wie der Roboter im Bild, sondern auch Geräte Navigationssysteme, Smartphones und Staubsauger helfen und manipulieren uns täglich. (Bild: Reuters, Quelle: NZZ)

Mensch und Roboter: Nicht nur Ungetüme wie der Roboter im Bild, sondern auch Geräte Navigationssysteme, Smartphones und Staubsauger helfen und manipulieren uns täglich. (Bild: Reuters, Quelle: NZZ)

Es ist ein altes Genre. Hollywood bedient uns immer wieder mit neuem Filmmaterial. Der primitive Hominide entwickelt sich vom Affenmenschen zum Androiden. Die Maschinen übernehmen alles. Der moderne Mensch wird arbeitslos, bezieht ein staatlich zugesichertes Grundeinkommen ohne Leistung und liegt faul in der geistigen Hängematte. Das Schlaraffenland wird endlich Wirklichkeit.

Für die einen ein Albtraum, für die anderen das Paradies. Fakt ist, dass die disruptiven Technologien die zukünftige Arbeitswelt umpflügen werden. Und zwar radikal.

  • Der Maurer hat einen Arbeitskollegen namens i-Brick zur Seite. Der elektronische Bauhandlanger ist viel schneller, wenn es um das Hochziehen von neuen Häusern geht. Und das Endprodukt ist erst noch besser im Lot.
  • Der erfahrene Anwalt ist nicht mehr auf die mühsame Dokumentensichtung durch juristische Volontäre angewiesen. Ein Roboter namens i-Legal macht das viel schneller, günstiger und besser. Am Schluss spukt er seine Erkenntnisse aus. Präzise und klar mit den passenden Erklärungen dazu. Bei Bedarf bringt er auch noch eine Tasse dampfender Kaffee ins Büro vorbei. Vorausgesetzt dort arbeitet noch ein Mensch aus Fleisch und Blut.
  • Die Nachtwache im Spital ist im Überwachungsraum. Sie überwacht keine Patienten mehr. Das macht Kollege i-Care. Er erledigt die Routinearbeiten und ruft dann Kollege Mensch zu sich, wenn es richtig kompliziert wird und seine Software das noch nicht abdeckt. Nach der Schicht geht er wieder an die Aufladestation, um sich mit neuer Energie zu versorgen. Vorher übergibt er die Daten kabellos an Kollege i-Doctor, der gleich um die Ecke fährt und den Tagesdienst beginnt. Die ersten Pflegeroboter wecken die Menschen sanft auf.
  • Die ehemalige Assistentin der Geschäftsleitung wurde schon lange pensioniert. Sie wurde nie ersetzt. Das technisch hochwertige Modell i-Assist hat schon lange übernommen. Es läuft gut. Die Maschine funktioniert bei Bedarf auch in der Nacht. Völlig autonom. Die paar Menschen, die noch am Morgen ins Büro kommen, finden alles wohlgeordnet und aufbereitet vor. Der Tag kann beginnen. Und i-Assist arbeitet fleissig weiter. Die Maschine braucht keine Ferien, keine Ruhe und ist nie krank. Nur Strom braucht sie. Papier gibt es nur noch auf der Toilette.
  • Der junge, immer leicht parfürmierte  Anlageberater, der bei einer mittelständischen Bank arbeitete, wurde kürzlich ersetzt. Es braucht ihn nicht mehr. Das Modell i-Advisor hat mit einem gut eingefädelten Handstreich übernommen. Die Räumlichkeiten riechen jetzt neutral. Der neue Roboter berät mit hoher Kompetenz. Seine künstliche Stimme tönt warm und vertrauensvoll. Selbst der maschinelle Händedruck wirkt weltmännisch und selbstbewusst. Er gleicht die Kundendaten mit den neusten Anlagemöglichkeiten auf einen Zeitraum von 5 Jahren in einer Geschwindigkeit ab, die erstaunt. Die Kunden sind hoch zufrieden. Die Bank ebenso. Sie spart einen nicht unerheblichen Lohnaufwand. Seit die Maschine arbeitet werden die eigenen Bankdienstleistungen noch besser von den Kunden in Anspruch genommen.
  • Der erfahrene, freundliche Augenoptiker, der immer eine passende Lebensweisheit auf den Lippen hatte und sich um die Herstellung der neuen Brillengläser kümmerte, ist weg. Sang- und klanglos verschwand er. Ein Roboter namens i-Ball übernahm den Job. Die Kunden sind noch ein wenig irritiert. Irgendwie ist es komisch. Aus dem künstlichen Mund der Maschine kommen auch Lebensweisheiten. Sie wurde extra so programmiert, dass die reiferen Jahrgänge den Augenoptiker aus Fleisch und Blut bald vergessen und sich mit der maschinellen Kompetenz und künstlichen Lebensreife von i-Ball schnell anfreunden können.
  • Die Buchhalterin hat ihren Bereich sehr gut im Griff. Sie ist hoch kompetent. Sie weiss jedoch, dass ihr Berufsstand gefährdet ist. Schleichend fielen nervende Routinearbeiten immer mehr der Digitalierung zum Opfer. Am Anfang fand sie das noch angenehm. Endlich konnte sie die etwas ‚dummen Arbeiten‘ an die Software delegieren. Es wurde aber immer schlimmer. Sie musste die übrigen Aufgaben richtiggehend zusammen kratzen, damit sie überhaupt noch was zu tun hatte. Kürzlich wurde ein neuer Algorithmus eingeführt. Er hat den klingenden Namen i-Cash. Dieser hat inzwischen das Zepter übernommen. Die Buchhalterin wurde entlassen, da sie viel mehr Cash kostete als ihr Ersatz. Die Buchhaltung ist nun perfekt auf die betrieblichen Bedürfnisse abgestimmt. Der Revisionsspezialist freut sicher darüber und reibt sich die Hände. In dieser Bude gab es immer einen mühsamen Zahlensalat. Er weiss noch nicht, dass i-Audit bald seinen Job machen wird.

Klar sind diese Szenarien überzeichnet. Es braucht noch viel menschlicher Hirnschmalz bis solche überhaupt möglich sind. Es sind aber keine Hirngespinste. Die Leistung und Speicherfähigkeit der Rechner verdoppeln sich alle 18 Monate. In ein paar Jahren gibt es Maschinen, die über eine Leistungsfähigkeit verfügen, die man sich im Moment noch gar nicht vorstellen kann.

Wie sieht die Welt in 10 Jahren aus?

Wenn uns der Roboter die Arbeit wegnimmt, dann braucht es wahrscheinlich dieses Modell nicht. Alle haben wieder Zeit, um sich das Menü selber zu kochen…

Man muss nicht Zukunftsforscher sein, um sich vorstellen zu müssen, dass Software, Algorithmen und Maschinen die Menschen nicht nur begleiten und unterstützen. Sie werden Teil der Arbeitswelt. Die Maschinen machen irgendwann Konkurrenz!

Die disruptiven Technologien sind eine grosse Herausforderung für viele Betriebe und Unternehmen, deren laufende Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfungseffizienz nicht beschädigt werden dürfen. Es muss Geld verdient werden, damit der Wechsel in die Neuzeit auch finanziert werden kann.

Die Wissensfabrik macht zudem auf die bi-modale Organisation aufmerksam. Was ist das? Gerade die Banken und Versicherungen machen das im Moment durch. Das Tagesgeschäft muss laufen. Das wird im sogenannten Run-Modus abgewickelt. Dieser bedient die historisch gewachsenen Strukturen. Irgendwann läuft er aus und wird abgeschaltet. Gleichzeit läuft aber auch eine organisatorische Parallelwelt im sogenannten Change-Modus. Dieser setzt radikal alles in Frage was im Run-Modus heilig ist. Es ist sozusagen der betriebliche Sandkasten, wo noch gespielt und ausprobiert werden darf. Dieser Sandkasten funktioniert nach dem Prinzip von ‚Trial and Error‘. Wenn’s schief läuft, gibt das Erfahrungen und Daten, die dann als Erkenntnis für die Optimierung hinhalten müssen.

Traditionelles löst sich wie eine Brausetablette in der neuen Struktur auf. Irgendwann ist der Change-Modus der neue Run-Modus. Die Entwicklung hält aber nicht an. Auch nicht für eine kurze Verschnaufpause. Sie geht im gleichen Tempo weiter.

Gerade die kaufmännische Berufswelt wurde kürzlich ‚geschockt‘. ‘KV-Angestellte sind ein Auslaufmodell‘ (siehe nachfolgender Artikel) stand in der Sonntagspresse. Gemäss diesem Zeitungsbericht werden 90% der Kaufleute durch den Computer ersetzt. Diese Schlussfolgerung wird durch eine Untersuchung der Universität Oxford gestützt.

Der ‚Gärtnerroboter‘ hat den Vorteil, dass die Zimmerpflanzen nicht mehr verdorren…

Roboter werden Menschen in gewissen Bereichen ersetzen. Das ist klar. Die fortschreitende Digitalisierung vieler Arbeitsprozesse wird es ebenso so tun. Das ist auch klar wie Klossbrühe. Aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten werden jedoch auch neue Berufsmöglichkeiten entstehen, über die wir bis anhin nur vage Bescheid wissen. Viel mehr Sorgen muss man sich um jene machen, die auf einfache Berufstätigkeiten angewiesen sind, aber nichts mehr finden, weil sie durch Maschinen mit künstlicher Intelligenz ersetzt wurden. Ob das staatlich zugesicherte Grundeinkommen dann eine visionäre Idee ist, um der Sinnentleerung Paroli bieten zu können, ist auf einem anderen Blatt geschrieben. Cogito ergo Robot. Die Zukunft der Arbeitswelt bleibt spannend.

Nachfolgend noch weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:

  1. Uns braucht es bald nur noch als Konsumenten
  2. Millionen Arbeitsplätze verschwinden
  3. Bald füllen Roboter die Regale
  4. Überflüssige Kaufleute
  5. Personalabteilungen werden von disruptiven Technologien verdrängt
  6. Die digitalen Daumenschrauben schmerzen immer mehr
  7. Neue Rollen für die digitale Organisation
  8. Die Gegenkultur der Digitalisierung
  9. Die Digitalisierung als Jobkillerin…
  10. Ist die digitale Demenz eine neue Gesellschaftskrankheit? Nein!
  11. In der Schweiz fallen 200’000 Bürojobs weg
  12. Die Digitalisierung der Berufswelt verdrängt das Papier…
  13. Da kommt ein Tsunami auf uns zu…
  14. Straffreiheit für intelligente Roboter
  15. Vierte industrielle Revolution im Gange
  16. Die Digitalisierung – eine Chance oder Bürde
  17. Lernende Roboter ‚als grösste existenzielle Bedrohung‘
  18. Glücklich bis unter die Haut
  19. Diese Personal zickt nicht rum und will kein Trinkgeld
  20. Hi, I am A.L.O.
  21. Love Machine
  22. Künstliche Intelligenz: Die Bots kommen
  23. Roboter werden  alle Routinearbeiten machen
  24. Menschen statt Roboter
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