Dez 10

Die langsame Verarmung. Zu alt um noch gut genug zu sein.

Autor: PersonalRadar

Arbeitslos werden ist ein Schicksal. Viele hatten keine Wahl. Sie wurden auf die Strasse gestellt.

Bildergebnis für arbeitslosJung und arbeitslos ist eine Kombination, die von der Wirtschaft gut aufgesogen wird. Reif und arbeitslos ist jedoch eine Kombination, die schnell zur Komplikation wird. Viele Erwerbslose sind nicht schuld an ihrem Schicksal. Exogene Faktoren, wie sich verändernde Märkte, neues oder schlechtes Management, Finanzprobleme des Arbeitgebers und vieles mehr, führen zu Entlassungen.

Zuerst kommen die Verzichtbaren dran. Zwischendurch die Kostspieligen. Am Schluss trifft es die Unverzichtbaren.

Spätestens nach der Entlassung ist der ehemalige Status nicht mehr so wichtig. Das Stigma des Verlierers steckt am Revers. Ehemalige wenden sich diskret und grob ab. Als hätte man eine ansteckende Krankheit. Arbeitslose machen eine mehrschichtige Metamorphose durch. Man arbeitet, dann ist man plötzlich arbeitslos. Man bäumt sich auf, sucht intensiv neue Arbeit, würde solche auch akezptieren, wenn diese sogar prekär wäre, und kommt dann bei der Aussteuerung an. Endstation. Das Vermögen ist futsch. Die Sozialhilfe folgt und die Armut lacht einem zahnlos ins Gesicht.

Nur die Wirkstoffe der Pharmaindustrie machen den Zustand erträglich. Auch Alkohol. Im schlimmsten Fall harte Drogen. Der Zustand macht die Psyche weich. Der verbliebene Rest Selbstliebe erodiert total. Man ist unten. Ganz unten. Endstation. Und jetzt?

Wer nicht arbeitet ist faul. So denken viele. Die angeblich Faulen waren oft jahrzehntelang die Fleissigen. Es hat sie einfach erwischt. Sie bewerben sich fleissig und erhalten nicht selten einfach faule Ausreden. ‚Wer will schon teures Gammelfleisch‚ wenn ich billiges Frischfleisch‘ haben kann?‘ Dieses Denken ist weit verbreitet.

SozialamtMenschen, die in einer Leistungsgesellschaft gross wurden und in ihr eingebettet sind, identifizieren sich über die Arbeit. Geht sie ihnen verloren, dann fühlen sich viele entsetzlich nackt und ohne Würde. Nicht selten genug, gibt ihnen auch das Umfeld zu spüren, dass sie Versager sind. Wer sich aber als Versager fühlt, hat auch nicht genügend Selbstbewusstsein, um seine Arbeitsmarktfähigkeit hochhalten zu können. Ein Teufelskreis.

Reife Jahrgänge, die sich noch nicht pensionieren lassen können und auch nicht auf die Sozialhilfe gehen wollen, verzweifeln. Sie werden zynisch. Sie werden radikal. Sie werden destruktiv. Ihr nach wie vor wertvolles Potenzial geht verloren. Es stumpft ab. Viele Leistungswillige geben auf. Die Statistik hat es ebenso gemacht. Traurig.

Nachfolgend ein Link, der nachdenklich stimmt:  ‚Als wäre man ansteckend‘

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