Sep 30

Ist die digitale Demenz eine neue Gesellschaftskrankheit? Nein.

Autor: PersonalRadar

Ununterbrochen piepst, fiept, klingelt und dudelt es aus den elektronischen Lebenshilfen. Die digitale Ablenkung lässt uns angeblich verblöden.

Die digitale Demenz ist eine neue Gesellschaftskrankheit In Feuilletons und Ratgebern werden kluge Beiträge über die digitale Pest publiziert und Lebenshilfen in Form von Büchern oder Downloads angeboten, die das Selbstmanagement der ständigen Verfügbarkeit besser regeln sollen. Was soll das?

Die elektronischen Begleiter sind nun mal nicht mehr aus unserem Leben zu verbannen. Sie begleiten uns ständig. Wenn wir es wollen. Sie klingeln ständig. Wenn wir es wollen. Sie halten uns vom Schlaf ab. Wenn wir es wollen. Und sie fordern unablässig von unseren Sinnen Aufmerksamkeit, wenn wir es wollen. Das Wollen ist so eine Sache.

Eigentlich haben all diese netten technischen Novitäten keine Macht über unser Leben, wenn wir sie einfach diszipliniert ausschalten und uns nicht mehr nerven lassen. Was hat das aber mit der Demenz zu tun?

Als der Fernseher als Unterhaltungsgerät es in die guten Stuben schaffte, schafften es schon bald die modernen Kulturpessimisten mit neophilosophischer Attitüde in die papierigen Kritiken, die vom Bildungsbürgertum mit Hingabe verschlungen wurden. Sie prophezeiten uns die totale Verblödung der Gesellschaft. Das bewegte Bild hat aber viel zur Bildung beigetragen.

Wird es bald eine App geben, die unsere digitale Verfügbarkeit plant?

Neil Postmann, der bekannte amerikanische Medienwissenschaftler publizierte 1985 sein berühmtes Buch mit dem Titel: ‚Wir amüsieren uns zu Tode‘. Er beklagte die Entleerung der Inhalte durch Bilder.

Der Mensch suchte schon immer Ablenkung, um sich vom tristen Alltag erholen zu können. Man soff sich mit Hingabe in die Zirrhose, gab sich dem Glücksspiel hin oder suchte andere Ablenkungsmöglichkeiten, um den Herzschlag des Lebens besser zu spüren.

Die digitale Revolution hat uns die Möglichkeiten gegeben, dass wir mit mobilen Geräten überall auf Informationen, Unterhaltung und Ablenkung zugreifen können.

Diese Revolution hat uns weder sprachloser noch blöder gemacht. Die Menschen waren noch nie so auf dem Laufenden und gebildet wie heute. 

Sie macht Kommunikation, Bildung und Informationsvermittlung  einfach mit anderen Mitteln möglich. Wenn wir es nicht wollen, dann können wir immer noch abschalten und ein Buch lesen. Wenn wir es dann nur wollen. Das nicht Abschalten dieser elektronischen Begleiter macht uns dement. Aber das ist eine andere Geschichte.

Aus der Wissensfabrik kommt wieder eine neue Studie mit dem Titel ‚Chancen und Risiken digitaler Arbeitswelten‘. Die Gefahr des ‚Always On‘, also der ständigen Erreichbarkeit und verfügbaren Aufmerksamkeit, wird dort auch als Gefahr erkannt. Der folgende Satz in der Studie bringt es jedoch auf den Punkt:

‚Interessant sind die Antworten der Generation Y, da man ihr grosse Nähe zum Internet nachsagt. Besonders sticht die antizipierte Gefahr einer unterentwickelten Unternehmenskultur heraus. Eine unreife digitale Kultur wird als grösste Gefahr überhaupt betrachtet.

Es scheint so, dass die jungen Menschen mit der digitalisierten Gesellschaft entspannter umgehen. Es sind die reifen Jahrgänge, die Bedenken anmelden. Das war schon so mit den Kutschern, als die Eisenbahn sie vom Kutschbock vertrieb und nie für möglich gehaltene neue Transportmittel die Welt veränderten. Die Veränderung kommt so oder so. Ob wir sie nun für gut oder schlecht halten. Holen wir uns das Gute und lernen mit dem Schlechten gut umzugehen.

Mit dem nachfolgenden Link geht es gleich zur neuen Studie der Wissensfabrik: Risiken digitaler Arbeitswelten.

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