Apr 13

Rekrutierung: Körpersprache im Vorstellungstermin (Teil 10)

Autor: HRToday

Körpersprache-Expertin Tatjana Strobel beschreibt in 10 Teilen exklusiv für hrtoday.ch, was der Körper eines Kandidaten während eines Bewerbungsgesprächs über dessen Befindlichkeit und Charakter verrät. Im letzten Teil der Kolumne geht es um das Spezialgebiet von Tatjana Strobel, die unterschiedlichen physiognomischen Typen.

Nach vielen Inputs in Sachen Mimik, Körpersprache und Stimme möchte ich Ihnen in der letzten Kolumne mein Spezialgebiet, die Physiognomie nach der «TS Methode», näher bringen. Ein System, welches ich in sieben Jahren Studien entwickelt habe. Es basiert auf der Physiognomik, einer über 2000 Jahre alten Lehre aus China, Ägypten und Indien, wo sie auch noch heute in der indischen Heilkunst Ayurveda und der traditionellen indischen Medizin praktiziert wird.

Im Ursprung war die Physiognomik eine Krankheitslehre. Da jedes Organ einer bestimmten Gesichtsregion zugeordnet ist, kann man durch Verfärbungen, Faltenbildung und Hautveränderungen Rückschlüsse auf Krankheiten ziehen. Daraus entwickelte sich später ein ganzheitliches System, in welchem es weniger um den medizinischen Anspruch ging, als vielmehr darum, das Gegenüber anhand von Körperbau, Körpersprache, Mimik und physiognomischen Gesichtsmerkmalen ganzheitlich zu erfassen. Das Ziel: Die sensible Betrachtung und das Einfühlen in das Gegenüber, um im sozialen Miteinander wertschätzend miteinander umzugehen.

Tatjana Strobel, Expertin für Menschenkenntnis. Klicken Sie aufs Bild für mehr Infos (Bild: zVg, Quelle: HR Today)

Nur schon im Gesicht eines Menschen gibt es über 330 Merkmale, die auf seinen Charakter schliessen lassen. Diese müssen miteinander verknüpft werden. Dazu nimmt man die Körpersprache, die Mimik, die Stimme und die Sprache des Menschen unter die Lupe, um zu einem Gesamtergebnis zu kommen.

Im Laufe meiner Fortbildungen und meiner eigenen Studien sind mir immer wieder vier physiognomische Grundtypen begegnet:

  • der Macher/Performer,
  • der Rationale/Bewahrer,
  • der Emotionale/Bequeme sowie
  • der Visionär/Abenteurer.

Doch Vorsicht – sehr selten existieren diese in Reinform, es ergeben sich immer wieder auch Mischtypen.

Es kann für Sie durchaus spannend sein, diese Merkmale künftig bei Ihren Kandidaten zu überprüfen, um zu sehen, ob diese für die Anforderungen des zukünftigen Jobs gewappnet sind. Viele bekannte Unternehmen und Personalberatungen setzen die «TS Methode» der Menschenkenntnis mittlerweile als zusätzliches Auswahltool ein.

Doch wie sind die vier Typen überhaupt charakterisiert, woran sind sie zu erkennen und was zeichnet sie aus?

  • Der Macher/Performer

Der Macher/Performer braucht die Aufmerksamkeit anderer – und dank seiner Ausstrahlung bekommt er sie in der Regel auch. Er ist einfach unübersehbar, hat einen starken Willen und jede Menge Energie, will stets der Beste sein und sucht die Herausforderung. Von der Idee bis zur Umsetzung dauert es bei ihm häufig nicht lange. Kaum klingt ein Einfall für ihn plausibel, setzt er diesen sofort um. Ruhepausen sind nicht seine Sache. Er liebt es, körperlich aktiv zu sein, sich selbst zu spüren; entspannen kann er am besten beim Sport. Im zwischenmenschlichen Bereich diskutiert er lieber über seine Interessen und Hobbies als über theoretische oder philosophische Fragen.

Im Fokus seiner Aufmerksamkeit steht die Frage: Was kann ich im Leben noch alles erreichen? Den täglichen Kleinkram überlässt er auf der Suche nach der nächsten Herausforderung ganz gerne anderen Menschen. Dafür engagiert er sich aber auch leidenschaftlich für «seine» Themen.

Der Macher ist freiheitsliebend und im Umgang mit seinen Gefühlen eher pragmatisch. Seine Meinung äussert er unter Umständen sehr hart, legt jedoch auch Wert auf Fairness und gegenseitigen Respekt. Beruflich hat der Macher oft Führungspositionen inne und braucht einen klar abgesteckten Befugnisraum.

Körpersprache

Sein Selbstbewusstsein zeigt sich in seinem aufrechten Gang bzw. hüftbreiten Stand, der auf andere Menschen dominant und machtvoll wirkt. Auch beim Sitzen breitet er sich aus, nimmt mit dem Oberkörper oder der Garderobe mehrere Stühle in Beschlag.

Sein Laufstil ist dynamisch und schnell und gerne auf den Fersen, um seine Gesten zu unterstreichen. In Gesprächen untermauert er das Gesagte mit grosszügiger, gestenreicher Körpersprache.

Bevor wir die weiteren Konstitutionstypen und ihre Bedeutung betrachten, ist es ganz wichtig zu wissen, dass ein Merkmal alleine keinerlei Bedeutung hat. Erst wenn Sie eine Verstärkung von drei bis fünf Merkmalen erkennen, wird das jeweilige Merkmal aussagekräftig. Nur weil jemand ein kantiges Gesicht hat, ist er noch lange kein Macher. Hier ist es wichtig, dass Sie das Gesamtergebnis in Augenschein nehmen. Sehen Sie ein kantiges Gesicht, ein breites nach vorne stehendes Kinn mit einem markanten Kiefer, hohe, ausdrucksvolle Wangenknochen, dann sind sie dem Macher auf der Spur…

  • Der Rationale/Bewahrer

Kommen wir zum nächsten Typen, dem Rationalen/Bewahrer. Er hat das berühmte Flair für Zahlen, Daten, Fakten. Er geht systematisch, analytisch und strukturiert vor. Die Frage, die ihn im Leben leitet, liesse sich formulieren als «Was bringt mir das?». Seine Entscheidungen wägt er gut ab und hat dabei auch mögliche Risiken im Auge. Sicherheit und eine gewisse Bequemlichkeit sind ihm wichtig. Er hat das Bedürfnis nach vollständigen Informationen, vergleicht genau und hinterfragt mit Sachverstand.

Gütesiegel, Tests und Gutachten sind ihm wichtig. Er benötigt Argumente auf der Sachebene, ohne ZDF (Zahlen, Daten und Fakten) kommt man bei ihm nicht weiter. Er legt Wert auf materiellen Besitz und ist meist kein Sportler. Man kann sich auf ihn verlassen, seine Beziehungen sind intensiv, langfristig und vertrauensvoll, bei der Arbeit agiert er ernsthaft, geduldig und tatkräftig. Er arbeitet zu 100 Prozent nach Vorgaben und handelt vorbildlich. Veränderungen in seinem gewohnten Umfeld empfindet er als verunsichernd, und was andere über ihn denken, ist ihm wichtig. Beruflich findet man ihn häufig im Bereich der (Natur-)Wissenschaft, der Betriebswirtschaft oder der Informationstechnologie. Auch im Controlling, in der Buchhaltung, im Qualitätsmanagement, als Anwalt oder Beamter ist der Rationale in seinem Element.

Körpersprache

Die Körpersprache des Rationalen ist sehr zurückhaltend und sparsam. Sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein zeigt sich in der aufrechten Haltung. Er bewegt sich langsam, mit kleinen Schritten, ohne dabei die Arme stark zu bewegen.

Die rechte Körperhälfte wird beim Rationalen besonders genutzt, da diese von der linken Gehirnhälfte gesteuert wird, die für Logik, Regeln, Gesetze und das Verarbeiten von Einzelheiten zuständig ist.

Mimisch hat er ein richtiges Pokerface. Seine Emotionen und Stimmungen kann man kaum anhand des Gesichtes ablesen, deshalb hat er auch tendenziell wenig Falten.

  • Der Emotionale/Bequeme

Kommen wir zum dritten im Bunde, dem Emotionalen/Bequemen. Dieser braucht das harmonische Zusammensein mit anderen Menschen, um sich wohl zu fühlen. Wo dies gewährleistet ist, beeindruckt er durch die Ausstrahlung von Freude, Heiterkeit und Gelassenheit. Er zeichnet sich durch ein grosses Gespür für seine Mitmenschen aus. Empathie ist seine grösste Gabe. Er fühlt mit und kann sich in sein Gegenüber sehr gut einfühlen. Von schlechten Stimmungen anderer oder einer bedrückenden Atmosphäre lässt er sich jedoch leicht anstecken und eintrüben. Der Emotionale ist gern helfend und vermittelnd für andere da. Er erfreut sich grosser Beliebtheit und punktet mit seiner Symphathie und Herzlichkeit. Seine Leitfrage im Leben lautet: «Was kann ich anderen Gutes tun?» Er  tut sich  schwer mit Veränderungen und schätzt Kontinuität und Beständigkeit. Um Entscheidungen zu treffen, braucht er viel Bedenkzeit oder gutes Zureden. Der Emotionale setzt gerne auf Vertrautes und handelt aus seiner Erfahrung heraus. Beruflich ist er oft in helfenden Berufen anzutreffen: im Bereich der Pflege etwa oder als Psychotherapeut. Auch in künstlerischen Berufen fühlt er sich zu Hause.

Körpersprache

Hier gilt: Alles ist möglich – abhängig von der jeweiligen Gemütsverfassung. Fühlt sich der Emotionale unwohl, macht er sich klein und unsichtbar, hält beim Gehen die Beine eng zusammen und schützt mit den Händen den Bauchraum. Das Sich-Festhalten an sich selbst vermittelt ihm dabei auch inneren Halt in einer als feindselig empfundenen Welt.

Fühlt er sich wohl, gestikuliert er mit Händen und Füssen gleichzeitig und ist kaum zu bremsen.

Im Gespräch agiert er gerne in der «Du Haltung», spricht er beugt sich gerne aktiv zum anderen vor – und zeigt damit seine Bezogenheit auf andere Menschen. Dabei berührt er gerne den Gegenüber, was für grosses Vertrauen steht.

  • Der Visionär/Abenteurer

Der Visionär/Abenteurer ist derjenige unter uns, der sich nie zufriedengibt mit dem, was ist. Ganz anders als Rationale oder Emotionale liebt und braucht er die Veränderung. «Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom» lautet seine Devise. Stillstand ist ihm ein Gräuel, und er hinterfragt das Bestehende ständig. Er hat keine Angst vor Herausforderungen, sagt freiheraus, was er denkt und eckt damit durchaus auch an. Von allen vier Typen macht Risiko ihm am wenigsten Angst. An der Verwirklichung seiner Pläne arbeitet er zielstrebig und kreativ. Er ist kontaktfreudig, begeisterungsfähig und reisst mit seinem grossen Enthusiasmus die anderen mit. Die Menschen kleben regelrecht an seinen Lippen. Er ist hoch kreativ, humorvoll, flexibel im Denken und entwickelt stetig neue Ideen und Projekte. Visionäre findet man beruflich im Bereich der Philosophie oder anderer Wissenschaften, als Erfinder oder Künstler.

Körpersprache

Der Visionär ist nahezu immer in Bewegung, agiert unübersehbar mit Händen und Füssen und in grosszügigen Bewegungen. Diese Gestik kann andere mitreissen, unter Umständen aber auch hektisch wirken.

Seine offene Armhaltung oberhalb der Gürtellinie spricht für Offenheit und Optimismus. «Zeit ist Geld!», sagt er sich und ist meist im Expresstempo unterwegs. Seine rasche Auffassungsgabe überträgt sich auf seine Bewegungen.

Auch hilft ihm Bewegung beim Denken. Er ist gewissermassen ständig in den Startlöchern – stets bereit, loszupreschen und neu Ausgedachtes in die Tat umzusetzen.

Liebe Leserinnen und Leser: Ich hoffe, Ihnen hat die zehnteilige Reihe in Sachen Menschenkenntnis genauso viel Freude bereitet wie mir?! Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Umsetzung des Gelernten! Wenn Sie sich intensiver mit den Themen auseinandersetzen, diese Materie in Ihrem Alltag einsetzen möchten oder Unterstützung bei der Auswahl Ihres Personals benötigen, so lassen Sie es mich wissen und schreiben Sie mir eine  E-Mail.

Herzliche Grüsse

Ihre Tatjana Strobel

PS: Eine ausführliche Beschreibung der «TS Methode» mit weiteren Merkmalen (Kleidung, Kommunikationsverhalten, Kaufverhalten, Werte und Gefühle sowie optische Erkennungszeichen) der vier Grundtypen finden Sie unten als «Download».

Die TS Methode nach Tatjana Strobel

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