Mrz 14

«Es gibt praktisch keinen Burnout ohne Schlafstörung».

Autor: HRToday

Eines der ersten Warnsignale dafür, dass sich ein Burnout einzuschleichen beginnt, sind Störungen des Schlafverhaltens – ein Warnsignal allerdings, dessen Bedeutung sehr oft zu spät erkannt wird. Schlafforscher Jürg Schwander erläutert, welche Bedeutung der «gute Schlaf» für uns Menschen hat. (Ein Beitrag von: Peter Stöckling, HR Today).

Auch wenn noch vieles im Zusammenhang mit dem Schlaf ungeklärt ist, steht doch zweifelsfrei fest: «Schlaf ist absolut notwendig», wie der Schlafforscher Dr. med. Jürg Schwander, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin in Zurzach, erklärt. Und zwar nicht nur für uns Menschen: Ratten, denen in einem Versuch der Schlaf entzogen wurde, starben nach acht bis zehn Tagen. Für Schwander ist klar, dass Schlafstörungen immer Alarmzeichen sind – auch wenn ein Burnout droht: «Ich kenne praktisch keinen Fall von Burnout ohne erhebliche Schlafstörungen. Umgekehrt bedeuten Schlafstörungen nicht einfach Burnout, es gibt dafür eine Vielzahl von möglichen Ursachen.»

Wo aber liegt die Grenze zwischen schlecht Schlafen und Schlafstörung?

Eines der ersten Warnsignale dafür, dass sich ein Burnout einzuschleichen beginnt, sind Störungen des Schlafverhaltens

Hier gebe es keine allgemein gültige Regel, sagt Schwander: «Wenn jemand über einen Monat drei bis vier Tage in der Woche nicht schlafen kann, ist das ein ernstes Alarmzeichen.» Da helfe auch der Griff zu Schlafmitteln nicht mehr. «Die meisten Medikamente sind zwar auf einem sehr hohen Stand. Trotzdem besteht die Gefahr der Abhängigkeit. Medikamente vermitteln eine falsche Sicherheit, weil sie nur die Symptome zum Verschwinden bringen. Und der schwerwiegendste Nachteil: Sie wirken auf das ganze Hirn. Dabei sind die Aktivitäten in bestimmten Gehirnzonen für die Erholung und für das Verarbeiten von Erlebnissen und Problemen aus der ‹Wachzeit› sehr wichtig. Der Schlaf ist ein ausserordentlich komplexer Prozess, der nicht nur zeitlich in verschiedenen Phasen abläuft, sondern auch mit regional unterschiedlichen Vorgängen», so Schwander.

Grundsätzlich eher Burnout-fördernd als vorbeugend ist das Verhältnis zum Schlaf in unserer auf Effizienz und Zeitmanagement ausgerichteten Leistungsgesellschaft: «Schlafen wird – völlig zu Unrecht – mit Nichtstun assoziiert. In der Managerwelt gehören Arbeitstage im zweistelligen Stundenbereich fast zum guten Ton, kaum jemand steht dazu, dass er viel und erst noch gerne schläft. Auch das ist falsch: Nach dem Ranking eines amerikanischen Finanzmagazins legen die meisten der wirklich erfolgreichen Führungskräfte Wert auf ausreichenden Schlaf – und das heisst mindestens acht Stunden.»

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Konzentration und Leistungsfähigkeit nach einer durchwachten Nacht etwa gleich stark reduziert sind wie mit 0,8 Promille Alkohol im Blut. Ein noch krasseres Beispiel stammt aus dem ersten Irakkrieg: Amerikanische Soldaten in einem langen Artilleriekonvoi, die mehrere Nächte praktisch nicht geschlafen hatten, begannen plötzlich, auf die eigenen Truppen an der Spitze der Kolonne zu schiessen. Schlafforscher Schwander erklärt dieses Phänomen so: «Die antrainierte Routine – das Bedienen des Geschützes – war noch da, die mentale Fähigkeit, die Ziele zu identifizieren und zu unterscheiden, funktionierte nicht mehr.»

Auch das gute alte Mittagsschläfchen ist in Verruf geraten und hat als trendiger Powernap kaum Boden gutmachen können.

Auch das gute alte Mittagsschläfchen ist in Verruf geraten und hat als trendiger Powernap kaum Boden gutmachen können.

Für den Schlaffachmann geht es hier um ein Bedürfnis, das sehr individuell ist: «Wer gerne tagsüber schläft, soll das tun – aber nicht länger als eine halbe Stunde oder zwei Mal 15 Minuten. Sonst erwachen die Betreffenden eher träge als frisch und sie riskieren, dass ihr Nachtschlaf beeinträchtigt wird.» Diese kurzen Streiflichter auf das Mysterium Schlaf deuten an, wie zentral das Schlafen für das allgemeine Wohlbefinden des Menschen wie auch für seine Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit ist. Darum ist es nicht verwunderlich, dass der Schlaf im Zusammenhang mit der Burnout-Problematik immer mehr Bedeutung erhält.

  • In der Prävention kann «richtiges», vor allem bewusstes Schlafen dazu beitragen, dass die optimale Arbeitsleistung erhalten bleibt.
  • Als Frühwarnsystem dienen Schlafstörungen. Vielen Burnout-Patienten wird dieser Zusammenhang allerdings erst im Nachhinein bewusst. Es gibt aber keinen Grund, aus diesen Erfahrungen nicht zu lernen und bei Schlafstörungen frühzeitig nach der Ursache zu suchen.
  • In der Burnout-Therapie ist der Schlaf wiederum Bestandteil eines umfassenden Programms.

Die Burnout-Therapien der Klinik für Schlafmedizin in Zurzach sind in der Regel ambulant und umfassen zehn Sitzungen. Sie können jedoch individuell und auch stationär gestaltetet werden. Ein interdisziplinäres Team, das von der Psychologie über die Neurologie bis zu Physiotherapie und Wellness reicht, begleitet die Patienten, die ausserdem zum ganzen Angebot der Reha-Klinik in Zurzach Zugang haben. Dementsprechend irrig ist denn auch die Vorstellung, der Aufenthalt in der Schlafklinik finde primär im Bett statt. «Unser Ziel ist es, die Patienten körperlich und geistig zu aktivieren und ihnen zu helfen, ihr Gleichgewicht wieder zu finden. Dabei ist der Schlaf bei weitem nicht das einzige, aber zweifellos eines der wichtigsten Elemente.»

www.medical-jobs-basel.ch

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