Apr 3

Die Konkurshaie ärgern auch die Temporärbranche.

Autor: PersonalRadar

Das Auslagern von Konkursrisiken an die Temporärbranche ist nicht neu. Es wird aber immer mehr zur Mode. Wie geht das?

Pleitegeier haben viele Gesichter…

Bauunternehmer A hat viel Arbeit ist aber nicht so liquide, um einfach neue Bauleute anstellen zu können. Zudem ist Hochsaison und es ist nicht ganz einfach an gut ausgebildete wie auch erfahrene Baufacharbeiter zu kommen. Alle sind schon beschäftigt. Zudem macht Bauunternehmer A nicht den allerbesten Eindruck. Sein Büro sieht heruntergekommen aus, der Bürokomplex, wo er sich eingemietet hat ebenso und das Quartier sowieso. Die Bauaufträge hat er erhalten, da er konkurrenzsichere Angebote macht. Die Preise sind dermassen tief, dass andere nicht mehr mithalten können. Die Konkurrenz ärgert sich höchstens, kratzt sich hilfesuchend am Kopf und fragt sich insgeheim, wie Bauunternehmer A nur solche Kampfpreise anbieten kann. Es geht ganz einfach.

Bauunternehmer A ruft Personaldienstleiser B an. Der soll ihm mit dem fehlenden Personal aushelfen. Dieser ist auch ein wenig unter Druck. Das Geschäft läuft nicht so rund und die Performance an Temporäreinsätzen lässt zu wünschen übrig. Er ist heilfroh, dass ein solcher Kunde angerufen hat und ihm unverhofft zu gutem Umsatz verhilft. Sofort kann er mit fünf Bauarbeitern aushelfen. Später kommen noch drei zu tun. Beide Seiten sind glücklich. Personaldienstleister B kann seine Umsatzflaute überwinden und Bauunternehmer A kann seine Personalflaute auf einfache Art und Weise überwinden. Es läuft bestens. Bauunternehmer A lacht sich ins Fäustchen. Der letzte Konkurs war ein wenig anstrengend. Er hat dazu gelernt. Dieses Mal wird es alles besser machen.

…und oft genug kreisen diese schon lange über den Opfern, obwohl diese noch gar nicht wissen, dass sie das Opfer sind.

Bauunternehmer A verlangt von seinen Auftraggebern Akonto-Zahlungen. Die leisten das ohne zu zögern. Sie wissen genau, dass die Baustellen heikel sind. Kommt es da zum Stocken, dann kommt das schnell in die Zeitung und der Druck fängt an. Bauunternehmer A muss bei Laune gehalten werden, damit es rund läuft. Auch das Temporärpersonal ist zufrieden und mit Elan bei der Sache. Die Löhne wurden soeben pünktlich bezahlt. Alle sind glücklich.

Die Familien der Bauarbeiter ebenso. Endlich ist wieder Benzin im Tank. Die Zukunft ist gut. Und auf der Baustelle geht es schneller vorwärts als gedacht. Bauunternehmer A leistet sich ein neues Auto. Er least den Porsche. Man gönnt sich ja sonst nichts. Das Geld, das er schon als Akonto-Zahlung von seinen Auftraggebern erhielt, hat er zudem bar in eine neue üppige Rolexuhr investiert. Man muss schliesslich den Erfolg zeigen. Sonst wirkt man unglaubwürdig.

Auch immer mehr Personaldienstleister werden vom Pleitegeier besucht, weil unehrliche Kunden Temporärmitarbeitende buchen und nie dafür zahlen…

Die Rechnungen vom Temporärpersonaldienstleister B sind eingetroffen. Sie sind hoch. Schliesslich sind jetzt 8 Leute im Einsatz. Bauunternehmer A zahlt diese mit Ach und Krach. Selbstverständlich verspätet. Er braucht noch mehr Leute. Er sucht sich Temporärpersonaldienstleister C und bestellt noch einmal 4 Bauarbeiter. Es zieht in der Bauwirtschaft an. Die nächste Akonto-Zahlung ist soeben eingetroffen. Mit Bauleiter D von Firma E kann er es gut. Er macht mit ihm eine lange Sauftour und zahlt alles brav bar an der Bar. Selbstverständlich in Begleitung von ein paar netten Damen, die über den unverhofften Geldsegen froh sind. Auch bei ihnen läuft es im Moment nicht so gut. Der laute Krösus mit der echten goldenen Uhr, die er überall stolz zeigte, kam ihnen da wie gerufen. Firma E meldet sich am nächsten Tag bei ihm. Bauleiter D hat schon sein Einfluss geltend gemacht. Ein weiterer Bauauftrag kommt unverhofft in seinem schäbigen Büro an. Er grinst. Er fühlt sich erfolgreich und bucht via Kreditkarte ein dickes Wochenende mit allem Drum und Dran auf Ibiza. Er muss endlich mal ein wenig Farbe ins Gesicht bekommen. Schliesslich ist sein Leben als Unternehmer schon farbig genug. Bauunternehmer A bestellt nochmals Temporärpersonal bei Temporärpersonaldienstleister G. Auch das klappt gut. Der Rubel sprudelt und sein gefrässiges Konto wird regelmässig mit frischem Geld versorgt. Die Rechnungen auf seinem Schreibtisch stapeln sich. Die von ihm fest angestellten Bauarbeiter murren. Sie warten auf den Lohn. Die temporär angestellten Bauarbeiter murren noch nicht. Sie werden pünktlich bezahlt. Die vielen Temporärpersonaldienstleister sind zuverlässig und gut. Er entlässt sein fixes Personal und macht mit dem temporären Baupersonal weiter. Inzwischen heuert er Temporärpersonaldienstleister H an. Dieser überbrückt ihm ohne Probleme die entlassenen Festangestellten.

Temporärpersonaldienstleister B macht inzwischen unangenehmen Druck. Der Chef meint dort, wenn die offenen Rechnungen nicht sofort bezahlt werden, dann wird das Personal zurückgezogen. Schliesslich sind diese arbeitsrechtlich über ihn angestellt und er habe die volle Verantwortung. Zudem werde er auch noch die anderen Temporärunternehmen anrufen und diese über seine miese Zahlungsmoral informieren.

Nun weiss er, dass nicht damit zu spassen ist. Gerade jetzt sprudelt seine Geldquelle supergut. Die will er nicht mit einer unbedachten Handlung versiegen lassen. Er kratzt sein ganzes Geld zusammen und verpfändet seine Rolexuhr. Auf dem Weg zurück ins Büro least er noch eine schnittiges Mercedes Coupé für seine neue Partnerin. Er will nicht, dass sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt gondeln muss.

…. und müssen gegen die Schuldner vorgehen. Das Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz hat Zähne. Aber gewiefte Konkurshaie lassen sich nicht so schnell beissen. Eher beissen diese zurück…

Kaum im Büro angekommen, ruft ihn Bauleiter D erbost an. Was ist los? Bellt er ins Telefon. Wo sind die Bauarbeiter? Er sind die Bauarbeiter von Temporärpersonaldienstleister H. Er ruft ihn sofort an und will ihn zur Rede stellen. Dieser ist eisig zu ihm. Er habe gehört, dass er die Rechnungen nur spät wenn überhaupt bezahle. Er möchte den Schaden gering halten. Deshalb hat er nun sein Personal abgezogen. Das Kartenhaus bricht schnell und plötzlich zusammen. Der Vertreter der Gewerkschaft erreicht ihn auch nicht mehr. Er ist untergetaucht.

Die Reise nach Ibiza geht auch in die Binsen. Die Rechnung der Kreditkarte wurde nicht beglichen. Bauunternehmer A ficht das nicht an. Er hat schon unter einem anderen Namen und in einer anderen Stadt ein Unternehmen eröffnet. Drei der Temporärpersonaldienstleister gingen mit grossem Getöse in den Konkurs. Die Verluste konnten nicht mehr ausgeglichen werden. Die Liquidität war im Eimer. Alles in allem mussten über 18 Mitarbeitende neue Stellen zu suchen. Einige von ihnen suchen immer noch und beziehen viel Arbeitslosengeld. Ganz nach dem Motto: die Gewinne privat, die Verluste dem Staat!

Bauunternehmer A hat am neuen Ort schon wieder mit neuen Temporärpersonaldienstleistern Kontakt aufgenommen. Das Geschäft läuft wieder wie geschmiert. Die Bauherren sind über die superguten Konditionen erfreut. Den Porsche hat er ersetzt durch einen feuerroten Ferrari. Wer hart arbeitet muss sich was gönnen…

Sehen Sie sich auch den folgenden Bericht von der Rundschau an (2. April 2014, Schweizer Fernsehen). Dieser zeigt wie dubiose Bauunternehmer skrupellos Bauarbeiter ausnutzen und mit dieser Masche immer wieder durchkommen. Es wird Zeit, dass diese endlich aus dem Verkehr gezogen werden, bevor sie weitere Unfälle im helvetischen Wirtschaftsverkehr verursachen. Klicken Sie einfach auf den Titel.

Geschäftsmodell Pleite gehen

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