Jun 16

Kumpeltypen unerwünscht: Generation Y will Führungskräfte, die Grenzen setzen.

Autor: HRToday

Wer junge Leute in seinem Unternehmen einstellen und führen will, muss wissen, wie diese ticken. HR Today hat beim 1. Swiss Talent Forum in Thun nachgefragt – und vier Schweizer Jugendliche haben geantwortet. Herausgekommen sind diverse Meinungen, die hohe Herausforderungen an die Führungskräfte der heutigen Zeit implizieren (ein Beitrag von: Stefanie Zeng, HR Today).

Führungskräfte sehen sich in den kommenden Jahren mit einer Generation konfrontiert, die – glaubt man dem, was über sie geschrieben wird – ganz anders ist als die Generationen vor ihr. Diese so genannten Millennials in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels eine grosse Herausforderung. Laut dem zwölften «PwC Global CEO Survey» sehen 61 Prozent der befragten CEOs dies als eine der problematischsten Aufgaben in naher Zukunft.

Wer diese Millennials sind und wie sie ticken, ergründet PwC in der weltweiten Studie «Millennials at work: Perspectives from a new generation». Mehr als 4000 junge Erwachsene aus 44 Ländern wurden dafür zu Themen wie globaler Arbeitsmarkt, unternehmerische Verantwortung und Arbeitsbedingungen befragt.

Soziale Verantwortung ist gefragt

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die Generation Y eine einflussreiche Generation sein wird. Angesichts des weltweiten Talentemangels wird sie in der Lage sein, von ihren Arbeitgebern viel zu verlangen, und grossen Einfluss darauf nehmen, wie und wo sie arbeitet.

Einer der wichtigsten Ansprüche der Millennials ist ihre Mobilität. 80 Prozent erwarten, im Laufe ihrer Karriere im Ausland zu arbeiten – gern auch schon zu Beginn ihrer Karriere. Ein weiterer zentraler Punkt für diese Generation ist das soziale Engagement ihres Unternehmens. 88 Prozent sind entschlossen, nur in einer Firma zu arbeiten, die die gleichen Werte vertritt wie sie selbst.

86 Prozent würden über einen Jobwechsel nachdenken, wenn die Erwartungen an die Corporate Social Responsibility nicht mehr erfüllt werden. Und glaubt man den Ergebnissen der Studie, lassen sich die jungen Erwachsenen auch nicht mit Geld locken: Für sie sind Weiterbildung und die eigene Entwicklung der am höchsten geschätzte Benefit. 98 Prozent glauben, dass die Zusammenarbeit mit starken Coaches und Mentoren dafür wichtig ist.

Dass die Millennials alles anders machen, ist aber sicher ein Trugschluss. Die Umfrage von PwC kam auch zum Ergebnis, dass die Generation Y loyaler und sogar konservativer ist als ihr Ruf – letzteres besonders in Bezug auf Arbeitszeitmodelle. Mit 82 Prozent geht die grosse Mehrheit der Befragten davon aus, dass sie – wie schon die Generationen vor ihnen – mehr oder minder normale Büroarbeitszeiten haben werden. Nur 18 Prozent erwarten, in flexiblen Arbeitszeitmodellen zu arbeiten. Ebenfalls daneben liegt man mit der Vermutung, die jungen Arbeitnehmer denken schon beim Berufseinstieg an die erste Kündigung. Laut der Studie gehen drei Viertel der Befragten davon aus, im Laufe ihrer Karriere bei lediglich zwei bis fünf Arbeitgebern zu arbeiten. Wird bei den Millennials also viel Lärm um nichts betrieben? Sind sie am Ende gar nicht so viel anders als ihre Vorgänger? HR Today hat sich beim 1. Swiss Talent Forum in Thun umgehört. Dort hatte «Schweizer Jugend forscht» im Januar 120 Gymnasiasten und Studierende aus der Schweiz und anderen Ländern Europas versammelt. Vier Tage lang debattierten die jungen Erwachsenen mit Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft über wichtige Fragen unserer Zeit. Wir haben einige gefragt, welche Erwartungen sie an ihre künftigen Führungskräfte haben und wie sie glauben, dass ihre Generation die Arbeitswelt künftig verändert. Die Antworten von vier Jugendlichen haben wir hier zusammengestellt:

Sara Trifkovic, 18 Jahre

«Ich erwarte, dass mein Chef kompetent ist und dass er das, was er macht, gut macht. Das heisst, dass er nicht nur das Unternehmen gut leitet, sondern auch Verantwortung für seine Mitarbeitenden übernimmt. Wichtig ist mir, dass er nicht nur eine Respektsperson ist, sondern jemand, dem ich mich auch anvertrauen kann, der verständnisvoll und tolerant ist. Ich hoffe sehr, dass meine Generation die Arbeitswelt verändern wird. Heutzutage ist alles ziemlich klar festgelegt, Flexibilität und Abwechslung fehlen. Ausserdem werden wichtige Entscheidungen immer noch von nur wenigen getroffen. Arbeitgeber und Menschen in Machtpositionen sollten daher mehr Verantwortung übernehmen und auch zur Rechenschaft gezogen werden können. Ich denke, dass meine Generation vor viel grösseren Problemen steht als die letzte Generation, wo eine andere Stimmung herrschte und ein anderes Klima, im wahrsten Sinne des Wortes. Heute ist es jedoch schwerer, eine Arbeit zu finden.

Ich bin politisch engagiert, denke aber nicht, dass ich in einem Unternehmen arbeiten möchte und dort Führungsverantwortung übernehme. Ich möchte nicht für die Arbeitsplätze meiner Mitarbeiter und damit indirekt auch für deren Familien verantwortlich sein. Zumindest nicht in dieser Zeit. Ich möchte nicht diejenige sein, die da etwas kaputt macht.»

Till Zihlmann, 20 Jahre

«Ein Chef muss fähig sein, Mitarbeitende zu begeistern und zu motivieren und dann einschreiten, wenn etwas droht, aus dem Ruder zu laufen. Er sollte nicht als ‹der grosse Chef› angesehen werden müssen, aber als eine Person mit Autorität. Ein Chef arbeitet mit erwachsenen Menschen zusammen, denen man nicht mehr einfach sagen kann, was sie machen müssen. Daher ist es sehr wichtig, ihnen Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären. Ich wäre später gern eine Führungskraft, die, wenn sie einmal etwas falsch macht, auch dazu stehen kann. Durch das Eingestehen von Schwächen möchte ich Stärke zeigen. Ich glaube, auf diese Weise kann man sich viel Respekt, Vertrauen und Glaubwürdigkeit verdienen. Und das sind wohl die besten Voraussetzungen, um Mitarbeiter zu führen. Ich bin sicher nicht der Erste, der sich das vornimmt – wir werden sehen, ob ich es auch umsetzen kann. Auf jeden Fall will ich, dass mein Betrieb nicht nur auf Umsatzsteigerung aus ist. Vielleicht werden andere das nachmachen, vielleicht auch nicht, und es geht unter wie ganz vieles andere. Wichtig ist, dass einer anfängt, etwas zu tun.»

Daniel Dunkelmann, 18 Jahre

«Ich hatte einmal einen Chef, der weniger wusste als seine Mitarbeitenden. Das ist natürlich beängstigend. Von meinem künftigen Vorgesetzten erwarte ich, dass er streng ist und klare Grenzen und Ziele setzt. Dabei sollte er aber auch ein gewisses Verständnis für ausserordentliche Zwischenfälle haben. Und es ist wichtig, dass er keine zu konservative Linie fährt, was Ideenreichtum angeht, und flache Hierarchien schafft, damit man auch als einfacher Mitarbeiter zum Chef gehen kann. Er muss aber trotzdem klar der Chef sein. Ein Vorgesetzter sollte die Gratwanderung schaffen zwischen Respektsperson einerseits und Vertrauensperson andererseits, aber auf keinen Fall wie ein Kumpel sein. Ich denke, unsere Generation ist stark auf Konsum ausgerichtet und weniger auf das Schaffen von Dingen. Aber wir haben eine immense Kreativität; das liegt auch daran, dass wir Zugang zu allen Medien und Informationen haben. Ausserdem glaube ich, dass meine Generation dazu neigt, Grenzen zu setzen, und nicht, Grenzen zu überschreiten, sobald wir im Erwachsenenalter sind. Das liegt daran, dass uns beim Heranwachsen oft keine Limits gesetzt wurden. Und ich glaube, dass wir wieder zu alten Werten zurückkehren. Als Führungskraft wäre ich sehr strikt in puncto Pünktlichkeit, Benehmen und Umgangsformen, aber immer offen für Diskussionen. Denn bei Ideen und Träumen habe ich sehr weite Grenzen.»

Sereina Pfister, 20 Jahre

«Führungskräfte müssen wissen, was sie wollen. Sie müssen strikt sein und ihre Mitarbeitenden pushen, aber ohne sie unter Druck zu setzen. Zu viel Verständnis brauchen Führungskräfte nicht, das wird von manchen Mitarbeitern nur ausgenutzt. Mir ist es wichtig, an einem Ort zu arbeiten, an dem ich meine eigene Meinung vertreten kann. Wenn ich einmal eine Führungsposition hätte, würde ich auf jeden Fall meine Mitarbeiter in alle Entscheidungen einbeziehen und nach ihren Vorschlägen fragen. Ich denke, dass sich die Leute damit wohl fühlen und dann auch besser arbeiten und bessere Ideen haben. Es braucht die Inputs und Meinungen von allen im Unternehmen. Ein Arbeiter, der seit zehn Jahren in einer Firma arbeitet, hat vielleicht eher eine Ahnung als jemand, der erst seit kurzer Zeit Chef ist. Ansonsten glaube ich aber nicht, dass meine Generation die Arbeitswelt grossartig verändern wird, wir müssen uns ja auch anpassen. Aber ich denke, wir werden uns nicht mehr alles gefallen lassen und auch offener denken, und legen damit den Grundstein für die nachfolgende Generation, die dann wirklich was am System verändern kann.»

Grenzen im grenzenlosen Angebot

Die meisten der in Thun befragten Jugendlichen haben bereits ganz klare Vorstellungen davon, wie sie einmal geführt werden wollen und wie ihr eigener Führungsstil aussehen soll.

Die befragten Schweizer Millennials suchen nach Vorbildern.

Und sie suchen nach Grenzen in dem relativ grenzenlosen Angebot an Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Auch Zugänglichkeit und flache Hierarchien sind zentrale Themen: Doch Kumpeltypen als Chefs sind unerwünscht. Vielmehr wollen die Jugendlichen eine Vertrauensperson, an die sie sich jederzeit mit beruflichen Problemen wenden können und von der sie dann einerseits Verständnis, andererseits aber auch Strenge erwarten.

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