Mai 12

Das richtige Personal zu gewinnen ist keine Glückssache.

Autor: HRToday

Wahre Wunderdinge erzählt man sich von Google, dem Employer of Choice der Generation Y: Weltweit erhalte die Soft­wareschmiede 10000 Bewerbungen pro Tag, jede Woche würden 1000 neue Mit­arbeitende eingestellt, 90 Prozent davon seien unter 30 Jahre alt, heisst es. Die Verweildauer im Unternehmen betrage dafür meist nur zwischen drei und fünf Jahre. Da kann man nur staunen und sich schulterzuckend wieder den eigenen Rekrutierungsproblemen zuwenden: Was hat ein KMU im Emmental denn schon mit dem Giganten aus Kalifornien gemein? (Ein Beitrag von: HR Today, Martin Winkel).

Eines zumindest, denn das will doch wohl jeder Betrieb, der Personal rekrutiert: Die neuen Mitarbeitenden sollen Top-Leute sein. Leute, die das Unternehmen mit ihrer Leistung und Kreativität voranbringen. Doch während solche Leute dem WWW-Trendsetter die Bude einrennen, suchen in «normalen» Betrieben die Recruiter händeringend nach Fachleuten. Was ist also von Google & Co. zu lernen? Die lockere Atmosphäre und die lässigen Lounge-Welten, die den staunenden Journalisten bei der Eröffnung der Zürcher Google-Niederlassung so sehr Eindruck machten, sind nur das äusserliche Erscheinungsbild einer völlig auf den Kopf gestellten Unternehmenskultur. Für die Generation der «Mil­lennials» machen vor allem vier Dinge einen attraktiven Arbeitgeber aus:

  • Mobilität
  • Flexibilität
  • Webanbindung
  • Anerkennung

Beim Thema Mobilität kommen manche KMU schon an ihre Grenzen. Aber auch wer keine Niederlassung in Asien hat, kann seinen Leuten durchaus Chancen bieten, internationale Erfahrung zu sammeln, beispielsweise durch Projektarbeit mit Partnerunternehmen oder Hochschulen. Zumindest aber sollte ein Arbeitgeber die Leute, denen das Tal zu eng wird, ziehen lassen und ihnen dabei das Gefühl mit auf den Weg geben, dass sie jederzeit wieder willkommen sind. Denn irgendwann kommen sie ja vielleicht wieder zurück und bringen dann nicht nur neue Ideen, sondern möglicherweise sogar hoch qualifizierte Kollegen aus der Fremde mit.

Nicht viel einfacher ist es mit dem zweiten Punkt: Flexibilität. Die Generation Y lässt sich nicht in traditionelle Laufbahnen einbinden. Arbeitgeber müssen heute damit rechnen, dass ein hoch talentierter Jungmanager es vorzieht, zwei Jahre Babypause zu machen statt den nächsten Karriere­schritt. Oder nicht nur vom Surfen in Aus­tralien träumt, sondern dafür ein halbes Jahr Urlaub nimmt. Wer dafür keine Freiräume schaffen kann, wird kaum andere Anreize zu bieten haben, um Bewerber anzulocken.

Webanbindung, das heisst mehr als nur ein PC mit Internetanschluss. Wer heute von der Uni kommt, erwartet selbstverständlich, dass die Arbeitsprozesse vernetzt sind, dass es Formulare nicht im Sekretariat, sondern im Intranet gibt und dass bei Einladungen zu einem Meeting die Termine über Outlook abgeglichen werden. Und dabei geht es nicht nur um Gimmicks: Wenn der Workflow immer wieder stockt und die angestaubte Hardware im Betrieb überlastet ist, macht der Job keinen Spass, auch wenn ein iPhone auf dem Schreibtisch liegt.

Anerkennung schliesslich, das wohl wichtigste Element, um aus einem guten Arbeitgeber einen attraktiven Arbeitgeber zu machen: Nicht erst für das Retention-­Management ist dieses Element wichtig, sondern bereits bei der Rekrutierung. Dann nämlich, wenn ein Unternehmen das Potenzial eines Kandidaten erkennt, der zwar vielleicht nicht den hundertprozentigen Match mit dem Stellenprofil bietet, dafür aber die Chance, als neuer Mitarbeitender neue Produkte oder Dienstleistungen für das Unternehmen zu entwickeln. Bei Google nutzt man dafür – logisch – das Internet: Bewerber, die vom Firmenserver eines interessanten Mitbewerbers mit Schlüsseltechnologien aus auf die Karriereseite von Google surfen, bekommen dort ganz andere Dinge zu sehen als «normale» Bewerber, beispielsweise mehr und gezielte Infos sowie direkte Ansprechpartner. So rollt das Unternehmen den potenziellen Bewerbern einen roten Teppich aus, der schon Wertschätzung ausdrückt, bevor es zum ersten Kontakt gekommen ist. An dieser Einstellung kann sich auch ein KMU im Emmental ein Beispiel nehmen. Denn dafür braucht es nicht unbedingt die Webtechnologie von Google. Es braucht vor allem Offenheit gegenüber Neuem.

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