Aug 13

Die Striptease der ganz persönlichen Befindlichkeit geht um die Welt wie eine fürchterliche Seuche.

Autor: PersonalRadar

Endlich sind Sie ins Netz gegangen. Sie freuen sich. Vielleicht wie ein kleines Kind, das etwas neues entdeckt hat. Sie gehen mit der Zeit. Sie sind modern. Vielleicht sind sie aber schon ein Opfer.

Viele gehen ins Netz und bleiben drin....

Das Netz kann klebrig sein und sie zappeln lassen, wenn sie nicht vorsichtig sind. Es kann zur Falle werden. Die grosse Internetspinne wickelt immer mehr Nutzer und Nutzerinnen in ein Seidenhemd. saugt sie leer und wirft die Hülle fort. Denn das Internet ist masslos gierig und braucht täglich neue Opfer. Wer gut aufpasst geht der Spinne nicht ins Netz. Alle Menschen sind eitel. Es ist normal, dass Interesse schmeichelt und man es gerne hat wenn Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auch das moderne Lächeln schenkt man neuerdings elektronisch. Selbst die kleinen Geschenke und andere sozialen Duftmarken, werden über das Internet erledigt. Die elektronischen Blumensträusse und Komplimente werden zum Alltag.

Zwischen peinlicher Selbstentblössung und sachlicher Selbstdarstellung ist die Distanz leider oft klein. So klein wie das Mundwerkzeug der Spinne, die ihr süsses Gift langsam einträufelt und die Sinne einschläfert.

‚Hast du den schon gegoogelt’ oder ‚Ach die peinlichen Fotos im Facebook’ hört man immer mehr. Private, sogar schon intime Informationen und peinliche Schnappschüsse, als man sich zum Beispiel sturzbetrunken in einem dämmerigen Nachtlokal übergeben musste und die Saufkumpanen das mit dem Handy fotografierten und hemmungslos wie auch ungefragt ins Netz stellten, sind heute trauriger Alltag. Das Internet wird langsam aber sicher zur schnell wachsenden Müllhalde und das ‚Byte-Recycling’ von noch brauchbaren Infoteilen zu einem fetten Geschäft der ‚Trash-Kultur’, die in Echtzeit, die frisch ‚gepiercte‘ Brustwarze von irgendwelchen medialen Eintagsfliegen, zum wichtigen Tagesereignis hochstilisiert. Die Umgebung stinkt wie ein faulender Sumpf. Er macht alles weich und bringt selbst solide Informationen zum Einstürzen. Nichts ist wirklich mehr sicher.

...und oft genug kommen sie nicht mehr raus.

Die Striptease der ganz persönlichen Befindlichkeit geht um die Welt wie eine fürchterliche Seuche. Alle sind online und breiten ihr Leben wie eine Landkarte aus. Es ist praktisch nur privat und nicht geschäftlich. Die Topografie ist meistens flach und verdriesslich. Das Internet leidet nie an Demenz. Es hat ein superscharfes Gedächtnis. Denn die knurrenden Mägen der ‚Serverfarmen‘ sind gierig auf solche Geschichten. Sie lösen Linklawinen aus, ernähren die nimmersatte Neugier nach ‚Junk-Stories’ und gaukeln allen soziale Wärme und Aufmerksamkeit vor.

Sie sind in einem Bewerbungsprozess. Ein Traumjob vielleicht. Die Personalabteilung findet jedoch Peinlichkeiten über Sie im Internet. Was dann? Meistens ist es dann aus mit der Herrlichkeit. Sie fliegen im hohen Bogen aus dem Rekrutierungsprozess und werden mit einem Standardbrief abgekanzelt. Nur weil Sie der Spinne ins falsche Netz gerieten. Also – passen Sie auf Ihre Daten auf. Sie können Schaden anrichten wie verlorene Kreditkarten!

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Comments

One thought on “Die Striptease der ganz persönlichen Befindlichkeit geht um die Welt wie eine fürchterliche Seuche.”

  • Gertrud Steiger sagt:

    Nagel auf den Kopf getroffen. Was man zum Teil über Leute im Internet sieht ist nur noch peinlich. Wehren kann man sich fast nicht.


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