Aug 22

Peinlich, peinlich: Kinoreifes Versagen im Bewerbungsgespräch.

Autor: HRToday

Wer glaubt, Slapstick und Drama kämen nur in Kino und Fernsehen vor, hat wahrscheinlich noch keine Bewerbungsgespräche durchgeführt. Eine Umfrage unter HR-Managern zu diesem Thema hat heitere und groteske Episoden aus Vorstellungs-Talks zu Tage gefördert (ein Beitrag von: Steffen Riedel, HR Today).

Der erste Eindruck zählt – und es gibt keine zweite Chance! Nicht wenige Bewerber versagen beim Treffen mit künftigen Chefs und HR-Leuten vollkommen. «Ich hasse Arbeit», stand auf dem Schlabbershirt eines Bewerbers, der zum Vorstellungstermin gekommen war. Ein anderer vergass die Kinderstube vollkommen und stieg statt mit den angezeigten Begrüssungsfloskeln direkt mit der Frage nach dem nächsten WC ins Gespräch ein. Wieder ein anderer beklagte sich ungefragt aber ausführlich darüber, wie trist und leer sein Leben doch ohne Frauen sei.

Manche Kandidaten kleiden sich nicht gerade zielführend für den ersten Kontakt (Bild: HR Today)

Der Hamburger Dashöfer-Verlag hat eine Studie zum Thema Bewerbungsgespräche durchgeführt und stellte auch konkrete Fragen zu ungewöhnlichen Auftritten von Job-Kandidaten. 547 Geschäftsführer, Direktoren und Manager mit Personalverantwortung aus mehreren Ländern der EU plauderten dabei gern aus dem Nähkästchen. Die Studie förderte peinliche, dramatische und tragisch-komische Situationen zu Tage. Manches Vorkommnis liesse sich ohne weiteres als TV-Komödie vermarkten.

So habe ein Kandidat zum Gespräch einen hölzernen Rosenkranz mitgebracht, wohl zur religiös-moralischen Absicherung der Situation. Allerdings habe der Bewerber während der Befragung dauerhaft und störend mit dem Sakralgegenstand rumgeklappert. Ein Kandidat betrat strahlend, selbstbewusst den Raum und wollte dem Gesprächsleiter statt einfach die Hand, zur Begrüssung jovial eine «High-Five» klatschen.

Sei beim Bewerbungsgespräch du selbst oder wenn Tipps falsch verstanden werden

Nicht wesentlich unpassender verhielt sich ein anderer Bewerber, der den Abschied vom HR-Manager etwas zu freundschaftlich-emotional gestalten wollte. Denn statt einem «uf Wiederluege» drückte er dem verdutzen HRler schmatzend einen Abschiedskuss auf. Etwas zurückhaltender war ein weiterer Job-Kandidat – liess aber dennoch keine Zweifel an seinen persönlichen Zielen: Er fragte die Dame der Personalabteilung zum Abschluss des Talks kurzerhand nach ihrer Privatadresse – falls er ihr mal Blumen schicken wolle. Eine zwar recht romantische Idee, freilich etwas unpassend beim Vorstellungsgespräch.

Der erste Eindruck zählt...(Karikatur: Marian Kamensky)

Die in jeder Bewerbungs-Tipps-Bibel nachzulesende Grundwahrheit, sich nicht zu verstellen und bei aller gebotenen Vorsicht immer schön authentisch zu sein, verstehen nicht alle Bewerber. Für manche Grundhinweise fehlt ihnen wohl das «Musikgehör». Etwa dem Kandidaten, der zum Bewerbungsgspräch eine Gitarre mitschleppte und in Singer-Songwriter-Manier die Klampfe quälend Lebensweisheiten trällerte. Als sehr vergesslicher Zeitgenosse entpuppte sich ein weiterer Bewerber. Zwar stellte sich die HR-Dame ihm vor, vielleicht auch mehrmals, doch merken konnte sich der Kandidat diese Information nicht – keine Minute. Im Verlauf des Gesprächs nannte er die Befragerin deshalb einfach «kleine alte Dame». Nicht bloss einmal. Unterdessen wird das Flirten bekanntlich in Trams und Bussen gefördert und unterstützt. Beim Vorstellungsgespräch sollte allerdings im Interesse beider Parteien auf Anbagger-Versuche verzichten. Auch wenns schwerfällt.

Neben sich und neben den Stühlen

 Slapstick à la Chaplin legten andere Bewerber aufs Parkett – wohlgemerkt ungewollt, was die Situationen für Beobachter erfrischend unterhaltend gemacht haben muss. So begann ein Mann beim Vorstellungsgespräch, wie auf Kommando, bitterlich-theatralisch zu weinen. Das Stichwort für den Gefühlsausbruch war einzig die Frage vom HR-Mann, ob er denn «gut hergefunden» habe. Ein anderer war so verdattert und nervös, dass er auf die Aufforderung zum Setzen genau dies tat – allerdings sprichwörtlich zwischen die Stühle. Ein filmreifes Hinpurzeln war die Folge. Nicht überliefert ist, ob der Lapsus die angespannte Situation im Bewerbungsgespräch aufzulockern vermochte. Ein anderer, etwas tapsiger Kandidat, verfing sich nach dem Vorstellungsgespräch, beim Hinausgehen, in der Drehtüre der Firma. Er brauchte schliesslich Hilfe, um aus der «Falle» und aus dem Haus zu kommen.

Machen Sie es sich bloss nicht bequem – fühlen Sie sich nicht wie zuhause

Die Adresse kommt bestimmt nicht und der Job noch weniger...

Auf verschiedene, gebräuchliche Floskeln verzichten nach eigenen Angaben aber auch einige HR-Verantwortliche. Dies, nachdem einschlägige Erfahrungen in Bewerbungstalks so was nahelegen. «Bitte machen Sie es sich bequem, fühlen Sie sich wie zuhause», verleiten verschiedene Bewerber nämlich tatsächlich zu diesem Verhalten. So zog ein Mann bei der Befragung durchs HR ganz entspannt seine Schuhe aus. Eine jüngere Dame behielt diese zwar an, telefonierte aber während des Talks ohne Hemmungen mit ihrem Lebenspartner und leitete ihn verbal durch Supermarktgestelle zur fettfreien Milch.

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