Nov 12

Recruiting: Jobabsagen – so bitte nicht!

Autor: PersonalRadar

HR TodayDas Schlagwort Candidate Experience ist in aller Munde. Dazu gehören auch positive Erfahrungen der Bewerber mit dem Unternehmen im ganzen Rekrutierungsprozess – auch bei Jobabsagen. Haarsträubende Beispiele, wie man es garantiert nicht machen sollte (ein Beitrag von: Yvonne Bugmann, HR Today.)

«Absagen sind ein echtes Reputationsrisiko, nicht nur für die Arbeitgebermarke, sondern für das Renommee des ganzen Unternehmens und seiner Produkte», schreibt Jörg Buckmann, Personalleiter der VBZ, im Jobsblog vom März 2014. Wie eine aktuelle Studie des Personaldienstleisters Kelly Services zeigt, sind nur 48 Prozent der Stellensuchenden in der Schweiz mit dem Rekrutierungsprozess der Unternehmen zufrieden. Sie beklagen sich, dass sie auf Onlinebewerbungen keine Antworten erhalten. Oder dass Unternehmen ihnen mitteilen, man habe die Stelle bereits besetzen können, diese dann aber doch nochmals ausschreiben. Wen wunderts, dass eine solche Kommunikation die Bewerber verärgert und zu negativen Bewertungen in den Social Media oder auf Kununu führt?

Manche Jobabsagen kann man gleich zerreissen. (Bild: iStockphoto, Quelle: HR Today)

Manche Jobabsagen kann man gleich zerreissen. (Bild: iStockphoto, Quelle: HR Today)

Beispiele aus der Praxis

Auf Bewerbungen keine Antwort zu geben, ist nur eines von vielen No-Gos. hrtoday.ch hat für Sie noch ein paar weitere Fettnäpfchen zusammengestellt, in die Sie besser nicht treten sollten: Eine Tourismusfirma hat in einer einzigen Mail 283 Absagen verschickt. Und zwar so, dass alle 283 Mitbewerber in dieser Mail offen ersichtlich waren, wie der «Tagesanzeiger» schreibt. Ein anderes Unternehmen schickte den Arbeitsvertrag dem falschen Kandidaten. Dieser unterzeichnete ihn und schickte ihn zurück. Den Irrtum bemerkte das Unternehmen erst eine Woche später, wollte ihn aber aber nicht mehr aufklären. Ein weiterer häufiger Fauxpas sei das falsche Geschlecht in der Anrede, schreibt der «Tagi» weiter. Auch nicht mit Lorbeeren überhäuft hat sich ein Logistikunternehmen. Als ein Bewerber nachfragte, wann er eine Rückmeldung bekomme, erhielt er die Antwort: «Gar nicht, wir haben über 300 Bewerbungen bekommen, Sie glauben doch nicht, dass wir die alle lesen!» Wer will schon bei so einer Firma arbeiten?

Daneben gegriffen hat auch eine Bank, die einem Kandidaten schrieb, er möge bitte «von weiteren Bewerbungen Abstand nehmen», da sein Profil auch in Zukunft nicht passen würde. Dieses reale Beispiel beschreibt Karriere-Expertin Svenja Hofert in einem Gastbeitrag im «Handelsblatt». «Ich kenne den CV des betreffenden Bewerbers; er ist makellos, mit Auslandserfahrung und allem, was man sich so wünscht.» Vielleicht wurde die Bewerbung gar nicht richtig gelesen, mutmasst Svenja Hofert. Eine Peinlichkeit hat sich auch ein Hamburger Konzern geleistet: Er sagte ab, nur um fünf Minuten später wieder anzurufen: «Äh, war ein Versehen, der Praktikant hatte nicht genau genug hingesehen.»

Ob Jobabsagen wirklich Aufgabe von Praktikanten sein sollten, ist eine andere Sache.

«Stinkt aus dem Mund»

Noch haarsträubender sind die Fälle, die der «Tagesanzeiger» in einem Folge-Artikel publik machte: Nach einem Vorstellungsgespräch erhielt ein Bewerber eine Absage und seine Unterlagen zurück. Inklusive handschriftlicher Notizen: «Stinkt aus dem Mund und ist schlecht gekleidet.» Ein weiterer Kandidat schickte seine Bewerbung an ein bekanntes Fünfsternehotel, erhielt aber sofort eine Absage: Man suche eigentlich gar niemanden, sondern wolle nur mal den Marktwert des Hauses testen. Nun, auf diesen Kandidaten kann das Hotel bei einer ernsthaften Suche wohl nicht mehr zählen.

Auch kurios der Fall einer Basler Firma: Eine Frau bewarb sich auf eine Spezialistenstelle und die Abteilungsleitung wollte sie auch einstellen – bis das HR einschritt und meinte, da es nur eine Bewerbung gebe, könne keine Auswahl getroffen werden. Schlecht endete auch eine Absage, für die eine Lehrtochter zuständig war: Sie schickte eine Bewerbung mit vier möglichen Absagegründen zurück. Die junge Frau hatte einfach eine Schablone versendet. Ein anderer «Tagi»-Leser durfte für eine Absage gleich noch Strafporto zahlen: Er erhielt seine Unterlagen ungenügend frankiert von einem Personalvermittlungsinstitut zurückgeschickt.

Absagen als Employer Branding-Instrument

Die meisten Kandidatinnen und Kandidaten geben sich viel Mühe mit ihren Bewerbungen. Insbesondere, wenn sie bereits eine erste oder mehrere Vorstellungsrunden durchlaufen haben, machen sie sich unter Umständen grosse Hoffnungen, den begehrten Job zu bekommen. Sie freuen sich auf die Stelle und sind der Meinung, dass sie perfekt zu ihnen passe. Umso grösser ist dann oft die Enttäuschung, wenn es doch nicht klappt.

Deshalb ist es wichtig, bei Jobabsagen auf eine gute Kommunikation zu achten. Nicht nur aus Fairness dem Kandidaten gegenüber, sondern auch, weil Absagen ein nicht zu unterschätzendes Instrument im Employer Branding sind.

Oft haben Unternehmen nur eine Stelle frei, aber gleich mehrere Bewerber, die alle super passen würden. Und doch müssen sich die Rekrutierungs-Verantwortlichen schlussendlich für eine Person entscheiden. Wer auf eine gute und faire Kommunikation bei Jobabsagen achtet, kann eigentlich nur gewinnen: Hat das Unternehmen erneut eine ähnliche Stelle frei, so bewirbt sich der Kandidat vielleicht wieder. Und wenn er auch bei Absagen gut behandelt wird, teilt er das seinem Umfeld mit und macht so Werbung für das betreffende Unternehmen. Dies kann wiederum andere Menschen dazu bewegen, sich bei dieser Firma zu bewerben oder deren Produkte zu kaufen. Oder eben nicht.

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