Sep 10

kununu.com ist ein Summand. Hakuna Matata.

Autor: PersonalRadar

Die Bewerbungsplattform kununu.com stammt aus Österreich. Sie soll dazu beitragen, dass die Arbeitswelt besser wird und Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer mehr voneinander erfahren. Der Name ‚kununu’ kommt übrigens aus der ostafrikanischen Sprache Suaheli und bedeutet soviel wie ‚unbeschriebenes Blatt’. So weit so gut.

Gemäss den Angaben auf der Webpage sind mehr als 200’000 Nutzende auf der Plattform angemeldet, die zu mehr als 70’000 Firmen Bewertungen abgegeben haben. Die vielen Bewertungen und Meinungen machen die Arbeitswelt transparenter und angeblich besser. Wirklich?

Der Vergleich mit anderen Bewertungsplattformen aus der Komfortindustrie wie zum Beispiel Tourismus, Hotellerie oder Gastronomie hinkt ein wenig. Gehen die Touristen ins Hotel und ist es schlecht, dann wird das meistens in allen Details zum Besten gegeben. Oft sogar mit einer ausgiebigen Bilddokumentation der verbauten Aussicht, der krabbelnden Tierchen unter der Matratze oder den Blutflecken auf der blütenweise Berufskleidung des Chefkochs. Genauso verhält es sich mit dem Restaurantbesuch. Gute, sachliche wie auch korrekt verfasste und detaillierte Bewertungen finden selten einen Platz auf solchen Plattformen. Bei der Kritik ist dann die Sprache weitaus üppiger, konkreter, süffisanter und bisweilen brachialer. Zudem wird man auch nicht entlassen, wenn herauskommt wer die Kritik verfasst hat. Im schlimmsten Fall erhält man Restaurantverbot. Aber wer geht sich schon ein zweites Mal an dem Ort verköstigen, wo einem der Bissen stecken blieb?

Interessant ist bei kununu folgende Feststellung: Wenn Benutzende sich über eine Firma informieren möchten, dann fällt auf, dass die Erfahrungsmeldungen zu einem bestimmten Arbeitgeber ein sehr schwaches Gewicht zu den getätigten Aufrufen bilden. Mit anderen Worten schauen sich ganze viel Neugierige die Bewertungen an und dann ist plötzlich fertig. Die wichtigen Erfahrungsmeldungen, also die Informationen welche Mitarbeitende oder ehemalige Mitarbeitende der jeweiligen Firma auf dem Portal hinterlassen, sind mager gesät. Viele sind negativ besetzt. Wahrscheinlich wurden diese von ehemaligen Mitarbeitenden verfasst von denen man sich trennen musste, nicht befördert wurden, andere Enttäuschungen, Zurückversetzungen oder Erniedrigungen erleben mussten oder sonst nicht mit dem Job klar kamen. Ist das aber eine Referenz für die Nachfolgenden?

Zum Beispiel (Stand: 7. September 2012)

Firma Erfahrungsmeldungen Aufrufe
SBB 130 72’885
Coop 24 8’222
Migros 15 12’173
UBS 101 45’030
Credit Suisse 110 39’596
Novartis 28 24’497
Roche 41 29’158

Werden zum Beispiel 130 Erfahrungsmeldungen den SBB gerecht? Wohl kaum. Dieser Arbeitgeber beschäftigt Zigtausende. Klar informieren Imagefilmchen, glanzvolle Broschüren, eine hippige Webpage, gezielte Artikel in den Print- und Elektromedien oder spezialisierte Blogs auch nur fragmentarisch über den potenziellen Arbeitgeber. Trotzdem geben die vielen Summanden auch einmal eine Summe an Eindrücken. Kununu ist ein höchstens Summand. Die Wirkung wird überschätzt.

Selbstverständlich braucht ein Unternehmen eine gute Portion Mut sich auf dieser Plattform zu präsentieren. Schliesslich kann es damit unter die Räder kommen und mit schlechten Beurteilungen überhäuft werden, weil es sich zum Beispiel gerade in einer Umstrukturierung befindet, einen Übernahmekampf zu bestehen hat, unter einer schlechten Nachfolgeregelung leidet oder wirklich ein mieses Management hat und somit wenig Anlass gibt für eine gute, stabile und fröhliche Betriebsstimmung.

Zum Beispiel dieser Beitrag über Novartis in Basel spricht Bände:

‚Eine Welt voller Glanz und Gloria – ein bisschen Hollywood gefällig ?

Vorgesetztenverhalten: Ein Grossteil der Vorgesetzten (Laborleiter), welche ich in über 15 Jahren kennengelernt habe, verfolgen Tag für Tag hauptsächlich persönliche und egozentrische Aspekte, zur Selbstdarstellung – oft mit entsprechender Arroganz, herablassenden Äusserungen, Macht- und Autoritätsspielchen bis hin zu Micromanagement und nahezu krankhafter Rechthaberei. Viele sind überfordert und zudem schlecht ausgebildet, um ihrer Führungsaufgabe professionell gerecht zu werden. Was in dieser Firma leider aussnahmslos zählt sind Rang und Titel – die Hauptsache ist, dass man sich gut verkaufen kann. Sozialkompetenz und professionelle Führung sind durchs Band Mangelware. Das mittlere Management darf davon aber nichts erfahren – Geheimhaltungspflicht ist angesagt ! Dies geht hin bis zum ausgesprochenen Kommunikationsverbot mit höheren Vorgesetzten inclusive entsprechender Androhung von Konsequenzen (falls man sich dem widersetzt) mittels schlechter Leistungsbeurteilung, was leider direkte Auswirkungen auf Lohn und Bonus hat. Armselige Methoden aus dem Mittelalter in einer Firma, die sich der ’neuen Künste‘ (Novae Artis) verschrieben hat ?! Motivation mit Peitsche – Willkommen im Kolosseum der Neuzeit!‘

Mit diesem LINK geht es zum restlichen Inhalt des Beitrages.

Da hat wahrscheinlich ein Ehemaliger seinem Unmut Raum verschafft und der Beitrag verkam zur ‚Kropfleerete’, auch wenn vielleicht ein Quäntchen Wahrheit dabei ist. Keine Firma ist perfekt. You can’t be everybody’s darling! Die Schreibenden der Erfahrungsmeldungen protokollieren aus ihrer subjektiven Sicht, die ihre eigene Befindlichkeit und persönlich Erfahrung mit einem Arbeitgeber widerspiegeln. Viele sind enttäuscht, frustriert, wütend, verletzt oder sonst wie nicht gut auf diese Firma zu sprechen. Für die mutigen Arbeitgeber, die sich auf kununu registrieren liessen, spricht, dass Sie sich öffentlich bewerten lassen. Die Plattform bietet auch den Arbeitgebern etwas: Interessierte Bewerber und Präsenz.

Die gefälligen Dienstleistungen für die Firmen (siehe Top Company oder Open Company) wiegen jedoch das Risiko eines Reputationsschadens nicht auf. Offenheit und Transparenz haben auch ihre Grenzen. Einerseits wird die Firma nolens volens in die Jauchegrube gestossen und dann soll sie wieder mit Veilchenduft aus dieser emporsteigen. Das ist ein Widerspruch, der einer registrierten Firma sicher nicht zum Vorteil gereicht. Nur weil eine Firma angeblich Prügel einstecken kann, heisst das noch lange nicht, dass sie auch die Stärke der Kritikfähigkeit besitzt. In erster Linie hat die Firma erfolgreich zu sein, damit sie ihre Statusberechtigung auf dem Markt erhalten und die auch nicht so zufriedenen Mitarbeitenden weiter beschäftigen kann.

Anonymität hat den Vorteil, dass man die Konsequenzen einer Erfahrungsmeldung nicht zu scheuen braucht. Anonymität kann sicher auch die Authentizität erhöhen. Man wagt das, was man sonst nicht wagt. Endlich die Firma oder den ehemaligen Arbeitgeber an den Pranger stellen zu können.

Ist das eine Dienstleistung, die Beteiligte und Betroffene weiter bringt? Wohl kaum. Sie bedient häufig in erster Linie die niedrigen Instinkte der Protokollierenden und befriedigt die Lüsternheit der Lesenden nach Heiklem. Unterhaltung kann auch anziehend sein. Ist die Dosis erreicht, werden sich wahrscheinlich viele ein wenig die Nase rümpfend wieder davon abwenden. Selbst mit kununu wird die Arbeitswelt nicht besser. Das unbeschriebene Blatt ist versudelt und verkrakelt. Hakuna Matata?

Mit diesem LINK kommen Sie zu einem Artikel der Zürichsee-Zeitung mit dem Titel: ‚Mitarbeiter lästern im Netz über ihre Chefs‘.

kununu.com ist ein Summand. Hakuna Matata., 9.2 out of 10 based on 22 ratings

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Comments

3 thoughts on “kununu.com ist ein Summand. Hakuna Matata.”

  • Hallo Markus,

    Schön, dass du kununu.com entdeckt hast – wenn auch nach fünf Jahren 😉

    Als Befürworter von ehrlicher, offener Meinung schätzen wir es, wenn nicht „um den heißen Brei“ geredet wird – gerne auch in Form konstruktiver Kritik.
    In deinem Artikel sprichst du viele Aspekte von kununu an, die jedoch so nicht ganz richtig sind. Im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung und einer ausführlichen Information für die Leser von Personalradar.ch, möchten wir folgendes ergänzen:

    Schreiben und Lesen von Arbeitgebern gehören mittlerweile zum Alltag
    Das Bedürfnis, über seinen Arbeitgeber zu berichten sowie bereits vorliegende Erfahrungsberichte zu lesen, ist nicht mehr zu verleugnen: Die aktuell 220.000 Bewertungen sowie 1 Million Besucher pro Monat unserer Seite bestätigen das Interesse. Der Vergleich mit Hotelbewertungsplattformen ist insofern zulässig, da es bei Holidaycheck als auch bei uns eine große Bandbreite an Bewertungen gibt: So individuell jeder einzelne User ist, so unterschiedlich sind die Inhalte, als auch die Qualität der Bewertungen. Von überschwenglichen Lobeshymnen aufgrund der Freude über den neuerlangten Job, bis hin zur detaillierten Beschreibung negativer Ereignisse spannt sich dabei der Bogen. Unsere Bewertungsmaske sowie technische Filter sorgen dabei vor, dass die Bewertungsqualität im Allgemeinen eine sehr hohe ist.

    Schutz für Mitarbeiter UND Unternehmen
    Zum Thema Anonymität: Es gibt tatsächlich Unternehmen, in denen es leider keine Feedback-Kultur gibt. Wir bieten den Usern die Möglichkeit, an neutraler Stelle offen auszusprechen „wo der Schuh drückt“. Damit dies ohne Angst vor Konsequenzen geschehen kann, bleiben bei kununu die Bewerter nach aussen hin anonym. Dennoch muss sich bei uns jeder User mit einer ordnungsgemäßen Mailadresse registrieren. Technische Filter verhindern zudem das Posten von Schimpfwörtern und namentlichen Erwähnungen.
    Darüber hinaus hat jeder Arbeitgeber die Möglichkeit, unserem Support-Team Rückmeldung zu geben: Liegt eine Bewertung mit bedenklichen Inhalt vor, überprüfen wir diese umgehend. Entspricht diese weder den gesetzlichen als unseren freiwillig selbst auferlegten Kriterien, wird der User verständigt, seine Bewertung dahingehend zu korrigieren.

    Erfahrungsberichte helfen Arbeitnehmern UND Arbeitgebern
    Wie sehr die Erfahrungsberichte anderen Jobinteressierten weiterhelfen, können wir tagtäglich in den Mails von Jobinteressierten nachlesen, die dank kununu auf einen guten Arbeitgeber aufmerksam wurden bzw. ein schwarzes Schaf meiden konnten. Aber auch die Unternehmen selbst nutzen zunehmend die kununu-Erfahrungsberichte und setzen bei Bedarf gezielt jene Arbeitsplatzverbesserungen um, die von Mitarbeitern ausgesprochen wurden. Zudem nutzen immer mehr Unternehmen kununu als Werbebooster und weisen beispielse auf Ihrer Website oder in Form von Pressemeldungen stolz auf ihr kununu-Engagement hin – um so im bereits bestehenden Fachkräftemangel neue Talente für sich zu gewinnen und bestehende Mitarbeiter zu binden. Aber auch aktive Mitarbeiteraufrufe werden von Firmen wie Medtronic oder SMA erfolgreich eingesetzt. Die Nutzung von kununu.com zeigt daher nicht von Mut, sondern vielmehr von einer zeitgemäßen Denke mit Weitblick:
    http://blog.kununu.com/2012/08/chef-bewerten-ja-bitte-offene-meinung-zahlt-sich-aus/

    Die Auswirkungen einer Arbeitgeberbewertung hat im Übrigen jedes Unternehmen selbst in der Hand – Stichwort Reputationsmanagement. kununu bietet jedem Arbeitgeber die Möglichkeit, auf eine Bewertung in Form einer Stellungnahme zu reagieren. Und wie sogar negative Bewertungen dem Firmenimage nutzen können, beschreibt sehr schön ein aktueller Artikel des Personalmarketingexperten Henner Knabenreich:
    http://personalmarketing2null.de/2012/08/20/personalmarketing-schlechte-arbeitgeberbewertungen-positiv-friseur/

    Jede Meinung zählt
    Auch wenn zu einzelnen Unternehmen nur einzelne Bewertungen vorliegen, darf nicht vergessen werden: Jede einzelne Bewertung auf unserer Plattform ist eine authentische, offene Meinung eines Mitarbeiters – und somit eine wertvolle Ergänzung zu den offiziellen, meist “08/15”-Informationen, die ein Unternehmen publiziert. Klar ist, umso mehr Bewertungen zu einem Arbeitgeber vorhanden sind, desto einfacher ist es, einen Gesamteindruck von diesem Unternehmen zu bekommen. Wir sind jedoch überzeugt, dass unsere User sich anhand der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen einen guten Überblick verschaffen können. Und wie wichtig auch scheinbar wenige Erfahrungsberichte für unsere User sind, wird ja wunderbar in der von dir beschriebenen Aufruf-Statistik ersichtlich.

    Also, keine Scheu vor kununu.com: Wir beissen nicht, sondern sind vielmehr ein nützliches Tool für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

    Schöne Grüße,

    Tamara Katja Frast, PR & Social Media, kununu GmbH

    • Markus S sagt:

      Liebe Katja

      Herzlichen Dank für Deine interessanten Ausführungen. Auch ich bin für den intelligenten Diskurs. Schliesslich entsteht aus der These eine Antithese, die sich irgendwann zur Synthese bildet. In Sachen kununu sind wir allerdings noch ein wenig davon entfernt ;-))

      Als Zuständige für PR & Social Media ist es natürlich durchaus nachvollziehbar, dass Du Dich mutig in die Bresche wirfst und versuchst die etwas durch mich leicht beschädigte Scheinwerferanordnung für kununu besser zu arrangieren. Schliesslich ist die ‚Internet-Bühne‘ ein wichtiger Ort für Anliegen solcher Art. Das ist legitim und so auch in Ordnung. Aber ich bin leider nach wie vor davon davon überzeugt, auch nach Deiner üppigen Kaskade guter Argumente, dass die Sensationslüsternheit, die schleichende wie auch permissive ‚Boulervardisierung‘ der Meinungsvielfalt und die allzu menschliche Neugierde dazu beitragen, dass die Aufruf-Statistik reichlich Nahrung findet und die Gefässe für die Nährlösung auch stetig weiter tropfen werden. Auch das kann ein erfolgreiches Geschäftsmodell sein. kununu beweist es. Ob der Mehrwert wirklich einer ist, werden die nächsten 5 Jahre aufzeigen.

      Vielleicht kommt wieder die Zeit, wo Unternehmen der forcierten Transparenz überdrüssig werden und sich neuen Möglichkeiten zuwenden, wo die angedeutete wirtschaftliche, unternehmerische wie auch modernistische ‚Sexyness‘ eines Unternehmens viel mehr zur Geltung kommt. Nüchternheit und Sachlichkeit werden irgendwann wieder Terrain zurückgewinnen. Zudem gibt es Millionen arbeitslose Menschen in Europa, die sich den Luxus solcher Bewertungen nicht leisten können und froh sind überhaupt einen Job in einer Firma erhalten zu können, die katastrophal bewertet wurde. Denn der pragmatische Denkansatz, dass ein Einkommen in einer miesen Firma immer noch besser ist als gut informiert arbeitslos zu sein, ist weit verbreitet. Des Weiteren kann die schleichende Armut vermieden werden, die ansonsten nur die nächste Depression in Empfang nimmt und die sogenannte Arbeitsmarktfähigkeit zusätzlich beschädigt. Dann nützen alle Bewertungen nichts mehr!

      Liebe Katja – Personalradar ist kununu nicht erst jetzt aufgefallen. Wir gratulieren zu den ersten 5 Jahren und zum grossen Erfolg. Wir sehen was die Zukunft bringt. Gemäss den Erfahrungsberichten von Mitarbeitenden und Bewerbenden hat kununu, und das finde ich in der Tat gar nicht frappant, auf kununu ein fantastisches Rating im Vergleich zu den meisten anderen Unternehmen. Da scheint mir die Zukunft gesichert zu sein. Hakuna Matata, indeed!

      Herzlichst,

      Markus S.


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