Jun 22

Temporärbüro: eine miese Personaladministration ist wie ein müdes Rennpferd. Man gewinnt kein Rennen.

Autor: PersonalRadar

Anna Vergissviel hat wieder mal Stress. Sie arbeitet in einem Temporärbüro in der Administration und es läuft viel. Sehr viel. Sie sollte sich darum kümmern, dass die Temporärmitarbeiter ihre Sachen erledigt bekommen, die sie brauchen.

(Bildquelle: www.pixabay.com)

Luigi Impossibile hat soeben angerufen. Er fragt nun zu x-ten Mal nach, warum sein Quellensteuerabzug so hoch ist. Er versteht schlecht Deutsch. Anna Vergissviel kann kein Italienisch. Als man ihr den Job anbot, war nie die Rede davon, dass Fremdsprachenkenntnisse gut wären. Luigi flucht leise vor sich hin. ‚Mein Gott ist das mühsam‘, flüstert der Bauarbeiter leise auf Italienisch vor sich hin. ‚Die versteht mich nicht. Ich zahl so viel Quellensteuer. Ich bin aber nicht ledig, sondern verheiratet und habe zwei Kinder in Italien. Warum können die verdammt nochmal das nicht richtig machen?‘.

Anna Vergissviel schreibt es nochmals auf und verspricht der Sache auf den Grund zu gehen. Luigi glaubt sie verstanden zu haben. Seine Pause ist vorbei. Er geht zurück auf die Baustelle.

Dirk Korrektus ruft ebenso an. Er ist als Schreiner im Einsatz. Das deutsche Finanzamt will auch Steuern von ihm. Damit der richtige Steuersatz auf seinem Einkommen abgezogen wird, braucht es eine Ansässigkeitsbescheinigung vom Finanzamt. Dieses Formular hat er eingesendet, nichts mehr gehört und festgestellt, dass auf der Lohnabrechnung erneut der falsche Abzug geltend gemacht wurde. Schon oft hat er darauf aufmerksam gemacht, dass endlich die Sache in Ordnung gebracht wird. Anna Vergissviel hat es der Lohnverarbeitung gemeldet. Die kümmert es nicht. Den Personalberater, Marcel Grosswort, noch weniger.

Kevin Aufruhr ist im Moment als Polymechaniker im Einsatz. Er musste von der Schule eine Bestätigung erhalten, dass seine Tochter immer noch das Gymnasium besucht. Es geht um die Kinderzulage. Er hat alles schön sauber erledigt und eingereicht.  Anfänglich sah es noch ganz gut aus. Ihm wurde versprochen, dass das mit der Kinderzulage bestimmt klappen wird. Er hat jetzt für die Tochter eine Ausbildungszulage zugute und müsste mehr Geld erhalten. Bei der letzten Lohnabrechnung wurde das erneut vergessen. Er ruft an und lässt seinem Ärger freien Lauf. Er überlegt sich, ob er das Temporärbüro nicht wechseln soll.

Marek Sturzus kommt aus Polen. Er ist der Meinung, dass in der Schweiz alles nach Regeln läuft und geordnet ist. Kürzlich ist er verunfallt. Er ist als Isoleur temporär beschäftigt. Die Arbeit macht ihm Spass und der Lohn stimmt ebenso.  Als er eines Tages einen Misstritt auf dem Baugestell macht, hat er sich dabei den Fuss ganz bös verletzt. Es musste die Arbeit stoppen. Zuerst sah es wie ein Bagatellunfall aus. Der Fuss schwoll jedoch auf die doppelte Grösse an und er musste einsehen, dass er so nicht weiter arbeiten kann. Er informierte den Vorarbeiter des Einsatzbetriebes und teilte ihm mit, dass wahrscheinlich die Bänder am Fussgelenk überdehnt oder sogar gerissen sind. Er ruft sein Temporärbüro an und berichtet. Anna Vergissviel nimmt es auf, informiert den Personalberater und arbeitet weiter. Der Personalberater, Thomas Hastig, nimmt es zur Kenntnis. Er ruft Marek Sturzus kurz an und macht sich kundig. Dieser war inzwischen im Spital und dort wird ihm ein Bänderriss diagnostiziert. Er fällt mehrere Wochen aus. Aus dem Bagatellunfall ist ein richtiger geworden. Er kommt an Stöcken ins Büro und Anna Vergissviel nimmt ein Protokoll zuhanden der Unfallversicherung auf. Die Daten sendet sie online weiter.

Seit Wochen wartet der Arbeiter auf weitere Infos. Die Versicherung ist informiert und Geld ist auch schon direkt zum Temporärbüro geflossen. Dieses Guthaben sollte an ihn weiter transferieret werden. Nur kam es bei ihm nie an. Er muss dreimal reklamieren bis endlich mal sein ausgezehrtes Konto gefüttert wird. Er ist wütend und schwört sich, wenn sein Fall endlich abgeschlossen ist, dass er dieses Temporärbüro verlässt, bei einem anderen anheuert und seine Landsleute, die auch dort arbeiten gleich mitnimmt. Anna Vergissviel ist das ohnehin gleichgültig. Sie hat gerade Stress mit dem Lebenspartner und ist mit den Gedanken nicht im Geschäft.

Heinz Malgut ist als Maler temporär eingesetzt. Im Einsatzbetrieb gibt es sehr viel zu tun. Der Chef hat ihn gefragt, ob er nicht mal noch am Samstag arbeiten könne, weil sie sonst mit dem Auftrag nicht rechtzeitig fertig werden. Er klärt das mit seinem Personalberater ab. Auch für ihn ist Thomas Hastig zuständig. Er ruft ihn an und dieser bestellt ihn ins Büro. Als er dort ist, hat dieser fast keine Zeit, obwohl sie einen Termin vereinbart haben. So zwischen Tür und Angel teilt ihm dieser mit, dass es ok sei. Er muss aber darauf achten, dass die wöchentliche Höchstarbeitszeit eingehalten wird. So nebenbei erwähnt er noch, dass er noch Zeitzuschläge für Samstagsarbeit zugute hat. Heinz Malgut ist darüber verwundert. Nimmt es aber zur Kenntnis. Er stammt aus Deutschland und ist mit den helvetischen Gegebenheiten nicht so vertraut. Sein Berater hat keine weitere Zeit. Er muss unbedingt noch eine Zigarette rauchen, bevor er den nächsten Termin hat.

Malgut ist der Meinung, dass alles geregelt sei und er die Zuschläge auf der Lohnabrechnung als zusätzliche Vergütung dann schon sieht. Als diese bei ihm eintrifft, ist das nicht der Fall. Sein Personalberater hat wieder keine Zeit, weil der Nikotinpegel gefährlich absackt und die Administrationsfee entpuppt sich am Telefon als kleiner Teufel, die ihn anfaucht, weil er es gewagt hat, sie in ihren Gedanken zu stören. Ihre Partnerschaft ist inzwischen Geschichte und sie sinniert mit ihren Freundinnen via E-Mails über die Undankbarkeit der Männer. Auch mit dem zweiten Lohnlauf kommt sein Guthaben nicht an. Er reklamiert beim Chef des Einsatzbetriebes. Der regt sich auf. Er will diesen Arbeiter nicht verlieren. Er macht nämlich einen Superjob und ihm ist es wichtig, dass er für die geleisteten Stunden auch korrekt entschädigt wird. Auf der Rechnung für den Einsatzbetrieb wurde dieser Extraeinsatz schon fakturiert. Er ruft Thomas Hastig an und teilt ihm mit, dass er diesen Maler an ein anderes Temporärbüro übergeben wird, wenn es mit der administrativen Schlamperei so weiter geht. Der Personalberater nimmt es entgegen. Achselzuckend hängt er auf und geht rauchen. Er gibt die Angelegenheit in die Administration weiter. Anna Vergissviel schaut ihn trübe an und macht sich eine Notiz. Das Guthaben ging beim nächsten Lohnlauf wieder vergessen.  Heinz Malgut arbeitet jetzt über ein anderes Temporärbüro, das die administrativen Prozesse bestens im Griff hat.

Anna Vergissviel fiel der Geschäftsleitung auf. Viele Kunden reklamierten. Temporärarbeiter ebenso. Sie sinniert jetzt an einer anderen Arbeitsstelle weiter, wie sie ihre kommenden Partnerschaften besser ausgestalten kann, damit diese länger halten. Selbstverständlich immer noch während der Geschäftszeit mit ihren Freundinnen via E-Mail.

Auch Thomas Hastig fiel der Geschäftsleitung auf. Nicht wegen seiner Beratungskompetenz. Er verbrachte viel mehr Zeit mit seiner Nikotinsucht als mit seinen Kunden und Temporärmitarbeitern. Er wurde freigestellt. Sein Konkurrenzverbot ist somit hinfällig geworden. Er wurde sofort von der Konkurrenz engagiert. Auch dort fragt man sich schon, warum er soll viel Zeit mit reden und rauchen verbringt. Die Resultate bleiben schwach.

Fazit 1

Eine verlässliche Administration, eine korrekte Lohnverarbeitung und selbstverständlich solide Sozialversicherungskenntnisse sind in einem Temporärbüro wesentliche Faktoren des Erfolgs. Werden die Dienstleistungen im Backofficebereich gut gemacht, bleiben auch die Temporärmitarbeiter.

Fazit 2

Einsatzbetriebe sind darauf angewiesen, dass die Personaldienstleister nicht nur das richtige Personal vermitteln, sondern auch im administrativen Bereich kompetent sind. Kein Kunde ist daran interessiert, dass die Probleme ohne Not in den Einsatzbetrieb kommen.

Fazit 3

Die Temporärbranche ist einem mörderischen Konkurrenzdruck ausgesetzt. Reife administrative Prozesse sind eine Selbstverständlichkeit, die einfach erwartet wird und kein Alleinstellungsmerkmal. Sie erhöhen die Kundenbindung und die Reputation hüben wie drüben.

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www.jobs-fuer-handwerker.com

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