Juli 9

Wenn Temporärbüros nicht rekrutieren, sondern abfischen…

Author: PersonalRadar

Wenn im Sommer der Markt für gute Bauleute leergefegt ist, zeigt sich schnell, welche Temporärbüros im Bauhauptgewerbe wirklich über einen tragfähigen Personalpool verfügen und welche nur hoffen, irgendwo noch eine Lücke stopfen zu können.

Seriöse Temporärbüros werben Baufachkräfte nicht einfach von der Konkurrenz

Seriöse Temporärbüros werben ihre Fachkräfte auf dem Bau nicht von der Konkurrenz ab (Bildquelle: am 9. Juli 2026 mit ChatGPT erstellt)

Im Bauhauptgewerbe gibt es jedes Jahr diese Wochen, in denen der Markt besonders ehrlich wird. Es ist Sommer, die Baustellen laufen auf hoher Drehzahl, Termine drücken, Ferienabwesenheiten müssen aufgefangen werden und gleichzeitig soll möglichst viel vorwärtsgehen, bevor der Herbst wieder neue Unwägbarkeiten bringt. Genau in dieser Phase zeigt sich, welche Personaldienstleister ihre Arbeit gemacht haben und welche plötzlich nervös werden.

Denn in den Sommermonaten ist das Angebot an wirklich verfügbaren Baufachleuten meistens weitgehend ausgeschöpft. Wer zuverlässig ist, arbeitet. Wer fachlich stark ist, ist längst im Einsatz. Wer körperlich fit, belastbar und menschlich stabil unterwegs ist, wartet selten zu Hause auf den Anruf eines Temporärbüros. Der Markt ist dann nicht einfach angespannt, sondern in vielen Bereichen nahezu leergefegt.

Was noch verfügbar ist, muss sorgfältig geprüft werden. Es gibt Kandidaten, die wegen Krankheit oder Unfall aktuell gar nicht einsatzfähig sind. Andere bringen Referenzen mit, die Fragen aufwerfen. Wieder andere verfügen über Arbeitszeugnisse, bei denen erfahrene Personalberater:innen genauer hinschauen müssen. Gerade im Bauhauptgewerbe genügt es nicht, jemanden einfach zu schicken, nur weil irgendwo eine Lücke klafft. Eine falsche Besetzung kann auf einer Baustelle mehr Schaden anrichten als eine offene Stelle.

Seriöse Personaldienstleister:innen wissen das. Sie prüfen, wägen ab, telefonieren nach, klären die Einsatzfähigkeit und übernehmen Verantwortung. Nicht nur gegenüber dem Einsatzbetrieb, sondern auch gegenüber dem Mitarbeitenden und gegenüber dem Team, das ihn aufnehmen muss. Wer diese Sorgfalt im Sommer aufgibt, weil der Druck steigt, hat das Geschäft nicht verstanden.

Die bequeme Versuchung: fremde Mitarbeitende

(Bildquelle: am 9. Juli 2026 mit ChatGPT erstellt)

Wenn der eigene Kandidatenmarkt leer ist, entdecken manche Anbieter eine vermeintlich einfache Lösung. Sie suchen nicht mehr im freien Markt, sondern bei der Konkurrenz. Genauer gesagt: bei Temporärmitarbeitenden, die bereits im Einsatz stehen, bereits funktionieren und bereits von einem anderen Personaldienstleister gefunden, geprüft und platziert wurden.

Dann wird aus Rekrutierung plötzlich Baustellenakquise. Mitarbeitende werden direkt angesprochen, beim Znüni, beim Materialdepot, auf dem Weg zum Container oder kurz vor Feierabend. Der Köder ist meistens nicht besonders raffiniert, aber wirksam: zwei oder drei Franken mehr pro Stunde. In einer arbeitsintensiven Sommerphase kann das schnell 300 bis 500 Franken mehr Einkommen pro Monat bedeuten. Für einen Bauarbeiter ist das kein theoretischer Betrag, sondern spürbares Geld. Davon werden Rechnungen bezahlt, Familien unterstützt, Krankenkassenprämien beglichen oder schlicht ein wenig finanzieller Spielraum gewonnen.

Deshalb liegt das Problem auch nicht beim Bauarbeiter. Wer hart arbeitet und ein besseres Angebot hört, darf hinhören. Niemand sollte so tun, als wäre Geld nebensächlich. Das Problem liegt bei jenen Personaldienstleistern, die den Mangel nicht mit besserer Rekrutierung, sauberer Betreuung und belastbaren Netzwerken lösen, sondern indem sie die Arbeit anderer gnadenlos wie auch rücksichtslos abschöpfen.

Besonders fragwürdig wird dieses Verhalten, wenn der abgeworbene Mitarbeitende anschliessend wieder demselben Einsatzbetrieb überlassen wird. Dann bleibt der Mann auf derselben Baustelle, macht dieselbe Arbeit, steht im selben Team, folgt denselben Anweisungen und trägt denselben Helm. Nur das Temporärbüro im Hintergrund hat gewechselt. Für den Einsatzbetrieb wurde dadurch keine zusätzliche Kapazität geschaffen. Die Baustelle hat keinen neuen Fachmann gewonnen. Der Markt wurde nicht erweitert. Es wurde lediglich ein bestehender Einsatz umetikettiert.

Das ist keine Wertschöpfung. Das ist Markt-Kannibalismus mit Provisionsabsicht.

Die Baustelle bezahlt die Unruhe

(Bildquelle: am 9. Juli 2026 mit ChatGPT erstellt)

Für Einsatzbetriebe kann dieses Verhalten rasch unangenehm werden. Ein guter temporärer Bauarbeiter ist nicht einfach eine beliebig austauschbare Position auf einer Dispoliste. Er kennt die Baustelle, die Abläufe, die Menschen, die Gefahrenstellen, das Tempo, die Sprache des Poliers und die Eigenheiten des Projekts. Er ist Teil eines eingespielten Gefüges, auch wenn sein Arbeitsverhältnis temporär ist.

Wird ein solcher Mitarbeitender mitten in einer heissen Phase verunsichert oder abgezogen, entsteht sofort Druck. Vorarbeiter müssen improvisieren, Termine geraten ins Wanken, Lücken werden hastig gefüllt und nicht selten steht dann jemand auf der Baustelle, der auf dem Papier brauchbar aussieht, in der Realität aber nicht die nötige Baustellentauglichkeit mitbringt. Was als kleiner Wechsel im Hintergrund beginnt, kann vorne auf der Baustelle zu echtem Produktionsstress führen.

Gerade im Bauhauptgewerbe ist Verlässlichkeit keine schöne Nebensache. Sie ist wirtschaftliche Notwendigkeit. Es geht um Termine, Kosten, Qualität und Sicherheit. Wer laufende Einsätze destabilisiert, spielt deshalb nicht nur mit Arbeitsverträgen. Er greift in funktionierende Abläufe ein und nimmt in Kauf, dass Einsatzbetriebe genau in jener Phase zusätzlich belastet werden, in der sie eigentlich Entlastung bräuchten.

Natürlich gibt es legitime Wechsel

(Bildquelle: am 9. Juli 2026 mit ChatGPT erstellt)

Es wäre aber falsch, jeden Wechsel eines Temporärmitarbeitenden zu problematisieren. Es gibt sehr wohl Situationen, in denen ein Mitarbeitender das Temporärbüro wechseln will und dafür gute Gründe hat. Wenn die Administration nicht funktioniert, der Lohn zu spät kommt, Vorschüsse unklar bleiben, Rapporte verschlampt werden, Abrechnungen nicht nachvollziehbar sind oder Ansprechpersonen nicht erreichbar sind, dann muss sich ein Personaldienstleister nicht wundern, wenn Mitarbeitende unzufrieden werden.

Temporärmitarbeitende sind auf saubere Abläufe angewiesen. Wer auf dem Bau körperlich hart arbeitet, will nicht zusätzlich seinem Lohn hinterherrennen. Der Lohn muss pünktlich auf dem Konto sein. Nicht irgendwann, nicht nach mehrfacher Nachfrage und nicht mit administrativem Schulterzucken. Wenn ein Mitarbeitender in einer solchen Situation selbst aktiv wird, seinem Einsatzbetrieb die Probleme schildert und den Wunsch äussert, das Temporärbüro zu wechseln, ist das eine andere Ausgangslage.

Dann ist der Wechsel nicht das Ergebnis einer Baustellenjagd, sondern die Folge schlechter Betreuung. Ein seriöser Anbieter übernimmt in einem solchen Fall nicht einfach ‘Beute’, sondern einen Menschen, der bei seinem bisherigen Dienstleister nicht korrekt betreut wurde. Dieser Unterschied ist zentral. Wer einen unzufriedenen Mitarbeitenden sauber übernimmt, handelt anders als jemand, der funktionierende Einsätze gezielt untergräbt.

Die Abwerbung zeigt oft eigene Schwäche

(Bildquelle: am 9. Juli 2026 mit ChatGPT erstellt)

Auffällig ist, dass aggressive Abwerbung häufig dort vorkommt, wo die eigene Rekrutierung vorher nicht genügt hat. Anbieter, die im Frühling zu wenig aufgebaut haben, suchen im Sommer die Abkürzung. Wer keine tragfähigen Netzwerke pflegt, greift dort zu, wo andere bereits erfolgreich waren. Wer die guten Bauarbeiter nicht kennt, spricht sie eben auf fremden Baustellen an. Und wer wegen seines Rufes nicht an die starken Leute herankommt, versucht es über kurzfristige Lockangebote.

Nach aussen klingt das dann nach Wettbewerb, Dynamik und besseren Konditionen. In Wahrheit ist es oft ein Zeichen von Mangel: Mangel an Netzwerk, Mangel an Vertrauen, Mangel an sauberer Rekrutierung und manchmal auch Mangel an Anstand. Denn gutes Recruiting im Bau entsteht nicht aus spontanen Gesprächen am Baustellenrand. Es entsteht über Jahre. Durch Erreichbarkeit, pünktliche Löhne, korrekte Abrechnungen, saubere Referenzprüfung, faire Kommunikation und den Ruf, Mitarbeitende nicht zu verheizen.

Diese Arbeit ist langsam, manchmal mühsam und selten spektakulär. Aber sie ist der Kern seriöser Personaldienstleistung. Wer sie nicht leistet, darf sich nicht wundern, wenn er im Sommer mit leeren Händen dasteht.

Zwei Franken mehr ersetzen keine Dienstleistung

(Bildquelle: am 9. Juli 2026 mit ChatGPT erstellt)

Selbstverständlich ist Lohn wichtig. Bauarbeiter leisten harte Arbeit, oft unter Druck, bei Hitze, Kälte, Lärm und körperlicher Belastung. Faire Entlöhnung ist keine Nebensache, sondern Ausdruck von Respekt. Aber wenn ein Temporärbüro fast nur noch über zwei oder drei Franken mehr Stundenlohn argumentiert, stellt sich zwangsläufig die Frage, was es sonst noch zu bieten hat.

Funktioniert die Administration? Stimmen die Abrechnungen? Kommt der Lohn rechtzeitig? Werden Unfälle korrekt begleitet? Werden Krankheitsfälle sauber abgewickelt? Gibt es erreichbare Ansprechpersonen? Kennt man die Mitarbeitenden überhaupt noch persönlich? Oder sind sie am Ende nur bewegliche Margenträger, die man so lange verschiebt, bis die Rechnung aufgeht?

Personalverleih ist mehr als das Weiterreichen von Arbeitskraft gegen Aufschlag. Wer die Branche darauf reduziert, macht sie kleiner, als sie ist. Gute Personaldienstleistung bedeutet, Engpässe zu lösen, Risiken zu reduzieren, Menschen korrekt zu betreuen und Einsatzbetrieben in angespannten Phasen Stabilität zu geben. Wer hingegen im Sommer zusätzliche Unruhe erzeugt, weil die eigene Pipeline leer ist, arbeitet nicht am Marktproblem. Er verschärft es.

Eine Branche beschädigt sich selbst

(Bildquelle: am 9. Juli 2026 mit ChatGPT erstellt)

Das eigentliche Problem dieser Praxis reicht über den Einzelfall hinaus. Wenn Temporärbüros beginnen, sich gegenseitig laufende Einsätze leerzufischen, leidet nicht nur der direkt betroffene Mitbewerber. Es leidet die Glaubwürdigkeit der ganzen Branche. Einsatzbetriebe werden misstrauischer, Mitarbeitende werden verunsichert, die Zusammenarbeit wird nervöser und der Wettbewerb reduziert sich auf kurzfristige Lockangebote.

Damit verliert die Temporärbranche einen Teil ihrer eigentlichen Stärke. Sie sollte im Bauhauptgewerbe ein verlässlicher Partner sein, der Engpässe überbrückt, Qualität sichert und verfügbare Arbeitskraft professionell organisiert. Sie sollte nicht als zusätzliche Störquelle auftreten, die auf bereits funktionierenden Baustellen Unruhe stiftet.

Gerade in den Sommermonaten brauchen Einsatzbetriebe keine Anbieter, die mit der Lohntüte über fremde Baustellen laufen. Sie brauchen Partner, die vorbereitet sind, ihre Leute kennen, sauber disponieren, korrekt zahlen und auch unter Druck nicht jede Grenze des Anstands aufweichen.

Abwerben ist kein Leistungsnachweis

Manchmal ist der Honigtopf eine Honigfalle, die zu Problemen führt (Bildquelle: am 9. Juli 2026 mit ChatGPT erstellt)

Der Sommer zeigt, wer seine Hausaufgaben gemacht hat. Die einen haben vorgesorgt. Sie haben ihre Netzwerke gepflegt, Mitarbeitende sauber betreut, pünktlich bezahlt, Beziehungen aufgebaut und ihre Rekrutierung ernst genommen. Die anderen stellen plötzlich fest, dass der Markt leer ist, und greifen nach den Lösungen der Konkurrenz.

Das mag kurzfristig funktionieren. Es mag den einen oder anderen Auftrag retten. Es mag sogar für einen Moment wie Stärke aussehen. In Wahrheit beweist es vor allem eines: dass vorher zu wenig geliefert wurde. Wer im Sommer nur noch auf Baustellen abwirbt, zeigt keine besondere Marktkompetenz. Er zeigt Mangel. Mangel an Vorbereitung, Mangel an Netzwerk, Mangel an Vertrauen und Mangel an Substanz.

Die Bauwirtschaft verdient Personaldienstleister, die Engpässe lösen. Nicht solche, die sie verschieben.

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