Jun 25

Meritokratie passé. Statusfaction über alles.

Autor: PersonalRadar

Wo ist Ihre Position auf der VIP-Skala?

Kurz ein wenig Geschichte: Die Französische Revolution machte die Aristokratie kopflos und löste Feudalstrukturen radikal auf. Die Losung „Liberté, Égalité, Fraternité“ begründete das Zeitalter der bürgerlichen Vernunft- und Aufklärungsgesellschaft. Insbesondere das Prinzip der Gleichheit führte dazu, dass nicht die Herkunft das Fortkommen eines Menschen bestimmte, sondern Wille und Leistung. Bildung war nicht mehr nur dem Klerus und der Oberschicht vorbehalten. Gleiche Chancen für alle, unabhängig vom sozialen Status, war nun das neue Gesellschaftsmodell: „Meritokratie“ über alles! Endlich konnten auch die Kinder der Armen sich ‚akademisieren‘. Brillanz und Fleiss führten zur Spitze. Schöne alte Welt. Das können Sie löschen. Das Blatt wendet sich wieder.

Status ist wieder en vogue. Die Denkfabrik der Migros, das Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) in Zürich, bezeichnet die neue Tendenz von „Statusfaction“ als Fanal einer neuen europäischen Kastengesellschaft. Sie lesen richtig.

Welcher ‚Status-Kaste‘ gehören Sie an? Keiner? Dann wird es aber Zeit, dass Sie sich gesellschaftlich neu positionieren. Die um sich greifende Statuszone weist Ihnen in Zukunft den gesellschaftlichen Platz zu. Denn der Status feiert sein Comeback.

Der tumbe Allradfahrer mit Krokodilemblem auf dem gefälschten T-Shirt oder die mit Luxus-Imitaten übersättigte Schönheit haben ausgedient. Das linkische Setzen von billigen Duftnoten löst kein Raunen mehr auf dem gesellschaftlichen Boulevard der Eitelkeiten aus. Die Abgrenzung vom Gewöhnlichen, Gefälschten und Lächerlichen wird mit Status neu definiert. ‚Statusfaction‘ verlangt eine konsequente Segmentierung der Gesellschaft.Haben Sie ungehinderten Zugang zu beliebigen VIP-Zonen mit edlen „Amuse-Bouches“, wo es keine Warteschlange von blasengeplagten ‚Normalos‘ vor dem WC-Häuschen gibt?

  • Haben Sie Zutritt zu VIP-Events, wo das Aussergewöhnliche mit der Selbstverständlichkeit des nächsten Herzschlags zelebriert wird?
  • Werden Sie zu geschlossenen Veranstaltungen eingeladen, wo die  gepflegte Abschottung der Betuchten selbstverständlich ist?
  • Werden Sie in edle Clubs mit elitärem Hauch eingeladen, wo die Patina der Ledersitze echt ist und die jährliche Mitgliedsgebühr eine Familie ernährt?

Nicht? Dann wird Ihnen die Zukunft zeigen, wo Sie gesellschaftlich sind.

Wer nämlich drin ist, hat Status. Sozusagen gesellschaftliche Extraklasse. Wer nicht dabei ist, hat keinen Status. Statuslos ist heute beinahe so schlimm wie staatenlos. Denn die Zugehörigkeit in eine bestimmte Statuszone wird der zukünftige Antrieb Ihres Daseins werden.

Auch das Internet infiltriert unsere Köpfe immer stärker mit seinen „Edelzonen“. Es wird sozusagen der Spiegel der gesellschaftlichen Hierarchie werden. ‚YouTube und ‚MySpace‘ bieten schon virtuellen Zonen an. Alle können mitmachen, aber Klicks entscheiden über Ihr Ranking. Der elektronische Vergleich mit den anderen wird auch eine neue Statuszone. Schöne neue Welt.

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