Nov 6

Die Marge ist auch relevant für den Ruf des Personaldienstleisters.

Autor: swissstaffing

Ende Oktober 2009 hat in Orlando (USA) die Jahreskonferenz des amerikanischen Verbandes der Personaldienstleister, ASA, stattgefunden. Wie jedes Jahr waren die drei Tage gespickt mit anregenden Referaten und lehrreichen Workshops. swissstaffing hat für seine Mitglieder einige Kostproben des Anlasses zusammengetragen: Die Personaldienstleister als Anführer – sofern sie nicht vergessen, dass der Mensch im Zentrum steht (Quelle: swissstaffing).

Grundsätzlich zogen sich zwei Aussagen durch alle Voten:

  • Die Personaldienstleister sind die Anführer der wirtschaftlichen Erholung. Der konjunkturell vorlaufende Charakter der Branche verschafft ihnen diese Rolle. Ihre Anführerschaft manifestiert sich darin, dass die Personaldienstleister Leute an die Arbeit bringen, während es in der Gesamtwirtschaft noch immer harzt.
  • Eine zentrale Herausforderung für die Personaldienstleister besteht darin, den Menschen im Vermittlungsbusiness nicht zu vergessen. Um ihn dreht sich letztendlich das ganze Geschäft. Eine Fehlentwicklung, die der Personaldienstleistung zu schaffen macht, ist, dass vielfach die Qualität der Geschwindigkeit geopfert wurde.

Die Firmenhomepage als Selektionshilfe

Ein betriebswirtschaftlicher Workshop behandelte die Bedeutung einer gelungenen Mitarbeiterauswahl. Der Redner empfiehlt, die eigene Firmenkultur, die Unternehmensvision und -mission, auf der Firmenhomepage prominent zu platzieren. Das funktioniere wie ein Filter gegenüber den Bewerbenden. Interessierte Kandidatinnen und Kandidaten würden so selber feststellen können, ob sie zum Unternehmen passen oder nicht.

Auf die Personaldienstleistung übertragen kann man daraus schliessen, dass auch Personaldienstleister ihre Wünsche und Anforderungen an ihre Bewerbenden auf ihrer Homepage platzieren sollten. Das könnte sie bei der Selektionsarbeit entlasten.

Die Sicht der Kunden: Qualität gefragt

Ein weiterer Workshop beleuchtete die Sicht der Einsatzbetriebe, insbesondere der HR-Verantwortlichen in Einsatzbetrieben, auf die Personaldienstleister. Die Aussagen des Referenten basieren auf Expertengesprächen, die dieser davor mit HR-Verantwortlichen aus mehreren Einsatzbetrieben geführt hatte. Fazit: Mit Qualität kann man die Einsatzbetriebe für sich gewinnen. HR-Verantwortliche in Einsatzbetrieben versprechen sich von der Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern logischerweise einen Mehrwert.

Einen solchen können die Personaldienstleister, so der Referent, erbringen, wenn sie Kandidatinnen und Kandidaten vorschlagen, die nicht nur die „need to have-Kriterien“ erfüllen, sondern auch „nice to have-Qualitäten“ mitbringen. Denn Interessenten, die „nur“ gerade die Basisanforderungen erfüllen, können die HR-Verantwortlichen der Einsatzbetriebe selber finden. Das heisst also, dass die Personaldienstleister allesamt Head Hunter sein sollten, die eben besonders gute Köpfe jagen. Voraussetzung dafür ist ein breites Netzwerk. Ferner ist die Nachhaltigkeit einer Vermittlung entscheidend. Die Einsatzbetriebe schätzen es gar nicht, wenn vermittelte Arbeitskräfte nach kurzer Zeit kündigen. Ein gelungener Kandidatenvorschlag erfüllt somit drei Kriterien:

  • Die oder der Bewerbende erfüllt die need to have- und mindestens 90% der nice to have-Anforderungen
  • Die oder der Bewerbende will im ausgeschriebenen Bereich arbeiten
  • Die oder der Bewerbende ist nicht nur durchs Geld motiviert, die ausgeschriebene Stelle anzunehmen

Will der Personaldienstleister ungefragt ein Kandidatendossier unterbreiten, so sollte die vorzuschlagende Arbeitskraft ferner:

  • früher bei bekannten Arbeitgeber gearbeitet haben,
  • eine sehr gute Ausbildung absolviert haben,
  • nicht nur beruflich, sondern auch persönlich (z.B. aus familiären Gründen) für die betroffene Arbeitsstelle motiviert sein (die Arbeitskraft könnte anderenfalls bald wieder abspringen),
  • finanziell erschwinglich sein.

Der Tarif für die Personaldienstleistung spielt für den Einsatzbetrieb selbstverständlich auch eine Rolle. Die befragten Experten räumten aber auch ein, dass sie durchaus bereit seien, für Qualität mehr zu bezahlen. Vom Personaldienstleister erwarten die Einsatzbetriebe ein breites Portfolio, sei es betreffend der Branche oder der Anstellungsbedingungen (temporär und fest). Zumindest in den USA arbeiten die Einsatzbetriebe in der Regel gleichzeitig mit zwei Personaldienstleistern. Was das Pricing betrifft, empfiehlt der Referent, Jahresverträge abzuschliessen. Das gibt dem Personaldienstleister einen Grund, einmal jährlich mit seinem Kunden über die Marge zu sprechen. Der Referent rät auch ausdrücklich, für gute Leistung um eine höhere Marge zu bitten.

Denn der Einsatzbetrieb traue in der Regel nur einem teureren Personaldienstleister eine wirklich gute Leistung zu. Das heisst, die Marge ist auch relevant für den Ruf des Personaldienstleisters.

Trotzdem ist für den Gewinn natürlich nicht die Marge allein relevant. Zentral ist auch die Platzierungseffizienz. Der Gewinn hängt massgeblich von dieser ab, weil der Aufwand für erfolglose Platzierungsversuche nicht entschädigt wird. Sein Referat schloss der Redner mit dem Apell an die Personaldienstleister, die HR-Mitarbeitenden in Einsatzbetrieben mit Respekt zu behandeln. Denn diese sind genauso HR-Profis wie die Beratenden der Personaldienstleister. Für eine erfolgreiche und Früchte tragende Zusammenarbeit ist der respektvolle Umgang mit ihnen matchentscheidend.

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