Sep 21

Aha – du bist über 50. Du kommst in den Streichelzoo.

Autor: PersonalRadar

Der Kündigungsschutz für 50plus soll verbessert werden, liest man immer wieder in der Fachpresse oder in einzelnen Leitartikeln des Wirtschaftteils meinungsführender Tageszeitungen. Ist das eine valable Lösung gegen die Misere? Sind die Arbeitnehmenden 50+ damit besser bedient?

Es ist kein Geheimnis. Erwerbslose Jobsuchende, die älter als 50 Jahre sind, haben es nicht leicht auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt. Auch wenn diese zum Teil bestens qualifiziert sind und über ein Bewerbungsdossier der Extraklasse verfügen, ist es zuweilen schwierig eine angemessene Anstellung zu finden. Sobald die Rahmenfrist für den Bezug von Arbeitslosenentschädigung ausläuft wird es richtig unangenehm. Dann muss eine Anstellung auf Biegen und Brechen her. Ansonsten geht es an die Ersparnisse, wenn diese nicht schon aufgebraucht sind oder zur Sozialhilfe, wenn es gar nicht mehr anders geht. Eine traurige Entwicklung.

Viele stürzen sich mit dem Mut der Verzweiflung in die Selbständigkeit und finanzieren sich diese über die ausbezahlte Pensionskasse. Wenn sie scheitern ist auch die Altersvorsorge weg. Im schlimmsten Fall droht dann die Altersarmut. Die Allgemeinheit zahlt dann die Ergänzungsleistungen, weil das Grundeinkommen nicht mehr reicht.

Es wird nach Lösungen gesucht. Mancher Lösungsansatz ist gut gemeint geht aber in die falsche Richtung. Viele sind der Meinung, dass zum Beispiel der Kündigungsschutz für Mitarbeitende über 50 verbessert werden muss. Das tönt plausibel und kann einfach umgesetzt werden. Nur nützt diese Massnahme wirklich etwas? Nein, sie schadet den Betroffenen noch mehr und stigmatisiert sie stärker.

Manche fühlen sich wie Marionetten an den Fäden. 50+ darf jedoch nicht zum Spielball der Wirtschaft wie auch Gesellschaft werden. Viele sind hoch qualifiziert. Will dieser Arbeitsmarkt wirklich auf dieses Wissen verzichten? Der verbesserte Kündigungsschutz für 50+ hilft nicht weiter. Er schadet mehr und drängt diese Jahrgänge noch mehr ins Abseits und in die Hoffnungslosigkeit. Es braucht andere Lösungen.

Es ist eigentlich ganz einfach. Ein Unternehmen beschäftigt Mitarbeitende. Mit der Anpassung des Kündigungsschutzes schaut das Management des Unternehmens vermehrt auf die Jahrgänge und prüft genau an welcher Anstellung der reiferen Jahrgänge es noch festhalten möchte. Was wackelt wird in Zukunft ohne Gewissensbisse demontiert. Die Arbeit wird aufgeteilt oder jüngere wie auch günstigere Mitarbeitende engagiert. Die nahezu oder schon 50+ stehen auf der Strasse und habe es dann noch schwerer eine passende Anstellung zu finden.

Alle reden vom Fachkräftemangel. Es wäre an der Zeit, dass man vielleicht wieder vermehrt die Bewerbungen der 50+ Generation genauer ansieht und nicht nur die Kosten möglichen Kosten fürchtet. Viele bieten einen Mehrwert, den man nicht auf den ersten Blick wahrnimmt. Viele dieser Jahrgänge haben auch weniger Verpflichtungen und sind durchaus bereit auch für weniger Geld einen guten Job zu machen, wenn er dennoch fair ist und keine billige Ausbeute im Spiel ist.

Es wäre auch wünschenswert, wenn die Politik endlich in Sache Beitragssätze für die Pensionskasse Lösungen präsentiert. Je älter man wird, desto mehr zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in die Pensionskasse ein. Es ist sicher möglich, dass es auch da Anpassungen geben kann, die dazu führen, dass 50+ nicht noch zusätzlich auf dem Arbeitsmarkt behindert wird. Dann kann diese Altersgruppe den Streichelzoo verlassen und endlich zeigen was sie drauf hat. Sie will nämlich nur in Würde arbeiten und Geld verdienen. Das ist nach wie vor kein Verbrechen!

Hier sind 50+ mit ihren Bewerbungen willkommen:

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Comments

2 thoughts on “Aha – du bist über 50. Du kommst in den Streichelzoo.”

  • Christian Bauen sagt:

    Perfekt redigierter Artikel. Er zeigt die Situation so auf wie sie ist, was ich auch aus Erfahrung bestätigen kann da ich auch zu dieser Altersgruppe gehöre und im Moment mich genau in dieser Situation befinde.

    • Lieber Christian – Danke für dein Feedback. Ich schätze das sehr und gibt mir manchmal die Gewissheit, dass ich nicht ganz auf dem falschen Dampfer bin 😉 Ich hoffe das mit der Stellensuche kommt bei dir gut. Ich wünsche dir dabei einfach viel Glück, Durchhaltewille und verständige Arbeitgeber, die erkennen, das die Menschen mit dem ‚Ü50-Syndrom‘ nicht alle doof, dement und unfähig sind. Im Gegenteil: sie sind leistungswillig, bleiben nicht bei jedem ‚Bobo‘ gleich zuhause und wissen was Wirtschaft bedeutet. Zudem kleben sie nicht ständig am Display ihrer Smartphone und halten sich deshalb für smart, weil sie jeden Handlung gleich ‚vertwittern‘ müssen und allen kund tun müssen wie gut sie sind. Die Renaissance der alten Werte wird wieder Urständ feiern. Bestimmt! Alles Gute und viel Erfolg. Herzlichst, Markus


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