Es gab Zeiten, da war eine Tätowierung oder ein Tattoo kein Schmuck, sondern ein Verdacht, kein modisches Detail, sondern eine Art dunkler Randvermerk auf der Haut, als hätte das Leben selbst mit blauer Tinte notiert: Achtung, dieser Mensch kommt nicht ganz aus der Abteilung Ordnung, Sparsamkeit und Sonntagsbraten. Ein Anker auf dem Oberarm roch nach Hafen, Rum, Seemannsgrab, Nachtwache, Heimweh, Bordelltreppe und jener Sorte Freiheit, die bürgerliche Menschen gern aus sicherer Entfernung bewundern, aber selten im eigenen Treppenhaus antreffen möchten. Eine Tätowierung war nicht einfach ein Bild, sondern ein Gerücht über den Menschen, der sie trug. Man sah nicht zuerst... mehr
Der Schweizer Arbeitsmarkt redet pausenlos vom Fachkräftemangel. Gleichzeitig übersieht er eine der stärksten Reserven im eigenen Land: Frauen über 50. Das swissstaffing-Whitepaper zeigt klar: Frauen 50plus sind hoch motiviert, loyal und zufrieden im Job. Sie bringen Erfahrung, Stabilität, Branchenwissen und Arbeitsdisziplin mit. Genau das also, was viele Unternehmen verzweifelt suchen. Trotzdem werden sie im Rekrutierungsalltag oft unterschätzt. Zu alt. Zu teuer. Zu wenig formbar. Zu kompliziert. Das sind keine Fakten, sondern bequeme Vorurteile. Besonders brisant: Viele nichterwerbstätige Frauen über 50 wären bereit, wieder zu arbeiten. Aber nicht in starren Vollzeitmodellen, nicht unter künstlicher Präsenzpflicht und nicht in Strukturen, die ihre Lebensrealität... mehr
Wir duzen uns. Immer öfter. In der Werbung sowieso. Im Startup ist es Pflicht, auf LinkedIn inzwischen Standard, und selbst im Bewerbungsgespräch wird zunehmend auf die formelle Distanz verzichtet. Das kameradschaftliche und lockere ‘Du’ feiert sich als Ausdruck vermeintlicher Augenhöhe, Agilität und digitaler Coolness. Doch was bedeutet das für unser Zusammenleben, unsere Kommunikation und unser Verständnis von Respekt? Der Niedergang des ‘Sie’ ist mehr als eine sprachliche Marotte. Er ist ein Symptom für eine tiefgreifende gesellschaftliche Entgrenzung: zwischen Hierarchie und Nähe, zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, zwischen Arbeit und Freundschaft. Ist das ‘Du’ tatsächlich das neue ‘Sie’ oder nur eine sehr... mehr
Der moderne Mensch hat sich freigeschwommen – raus aus dem Korsett von Anstand, Manieren und sozialer Rücksichtnahme. Was früher als gutes Benehmen galt, ist heute bestenfalls altmodisch, schlimmstenfalls reaktionär. Wer heute im Zug das Telefon zückt, spricht nicht mehr diskret – nein, er inszeniert. Jede Haltestelle wird zur Bühne, jeder Waggon zur Arena des akustischen Exhibitionismus. Denn wer schweigt, existiert offenbar nicht. Der zeitgenössische ‘Homo digitalis’ ist ein Performer. Er trägt seine Stimme wie eine Fahne vor sich her, und sein Alltag gleicht einer Dauerperformance vor unsichtbarem Publikum. Rücksicht ist zu einem nostalgischen Konzept verkommen, Manieren zu einem Museumsstück. Es... mehr

