Aug. 3

Die Schweiz: klein, teuer, ohne Meerzugang und trotzdem an der Weltspitze…

Author: PersonalRadar

Die Schweiz verfügt weder über einen riesigen Binnenmarkt noch über einen direkten Zugang zu den Weltmeeren. Auch bei der Fläche und der Bevölkerungszahl gehört sie nicht zu den Schwergewichten.

Trotzdem belegt sie im Best Countries Index 2026 den ersten Gesamtrang (siehe unten). Das ist mehr als eine sympathische Rangliste für das nationale Selbstbewusstsein. Das Ergebnis verweist auf Rahmenbedingungen, die den Schweizer Arbeitsmarkt im internationalen Vergleich ausserordentlich attraktiv machen.

Ein Spitzenplatz mit breiter Grundlage

Schweiz

Die Schweiz ist top (Bildquelle: am 3.08.2026 mit ChatGPT erstellt)

Der Best Countries Index untersucht nicht ausschliesslich den Arbeitsmarkt. Er bewertet die Wahrnehmung von 85 Staaten anhand von 73 Merkmalen, die zu zehn Themenfeldern zusammengefasst werden. Dazu gehören unter anderem Unternehmertum, wirtschaftliche Offenheit, Anpassungsfähigkeit, Lebensqualität und gesellschaftliche Verantwortung. Befragt wurden 15’131 Personen aus 33 Ländern, darunter knapp 3’000 wirtschaftliche Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger.

Der Index ist somit primär eine internationale Wahrnehmungsstudie und keine klassische arbeitsmarktökonomische Statistik. Dennoch ist seine Aussagekraft für den Standort Schweiz erheblich. Denn ein Arbeitsmarkt funktioniert nie isoliert. Er ist das Ergebnis politischer Stabilität, leistungsfähiger Institutionen, wirtschaftlicher Innovationskraft, guter Bildung und einer Infrastruktur, auf die sich Unternehmen und Beschäftigte verlassen können.

Stabilität ist ein wirtschaftlicher Produktionsfaktor

Die Schweiz wird im Bericht als Modell eines Wohlstands beschrieben, der auf Präzision, Stabilität und Innovation beruht. Hervorgehoben werden zudem die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft, eines der weltweit höchsten Pro-Kopf-Einkommen sowie eine Arbeitslosenquote, die gemäss Bericht beständig unter vier Prozent liegt.

Gerade die institutionelle Stabilität ist für den Arbeitsmarkt von zentraler Bedeutung. Unternehmen investieren eher, wenn rechtliche, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen berechenbar bleiben. Investitionen wiederum schaffen Arbeitsplätze, fördern Innovation und erhöhen die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften.

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet Stabilität ebenfalls mehr als blosse Sicherheit. Sie eröffnet langfristige berufliche Perspektiven, erleichtert Weiterbildungsentscheide und schafft Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes.

Ein Arbeitsmarkt mit anspruchsvoller Branchenstruktur

Die Schweiz lebt nicht von einer einzigen Industrie. Der Bericht nennt sie als bedeutenden Standort für Finanzdienstleistungen, Pharma, hochwertige Konsumgüter und fortgeschrittene industrielle Fertigung.

Diese wirtschaftliche Diversifikation ist eine wesentliche Stärke. Sie reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Branchen und schafft Beschäftigungsmöglichkeiten für sehr unterschiedliche Qualifikationsprofile: von Forschung, Technik und Produktion über Informatik und Finanzen bis zu Gesundheitswesen, Logistik, Handwerk und spezialisierten Dienstleistungen.

Der Schweizer Arbeitsmarkt ist deshalb nicht nur vergleichsweise stabil, sondern auch fachlich breit abgestützt. Seine Stärke liegt weniger in der schieren Zahl der Arbeitsplätze als in deren hoher Wertschöpfung und Spezialisierung.

Wirtschaftliche Offenheit trifft auf hohe Lebensqualität

Besonders aufschlussreich ist die Detailbewertung auf Seite 8 des Berichts. Die Schweiz erreicht den zweiten Rang bei «Open for Business», den siebten Rang beim Unternehmertum, den zehnten Rang bei der Anpassungsfähigkeit und den vierten Rang bei der Lebensqualität. In der Gesamtwertung steht sie auf Rang eins.

Für den Arbeitsmarkt ist diese Kombination entscheidend. Ein wirtschaftsfreundlicher Standort allein genügt nicht, um dauerhaft qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Ebenso wichtig sind verlässliche öffentliche Dienstleistungen, gute Bildung, eine leistungsfähige Infrastruktur und ein Lebensumfeld, das Menschen langfristig bindet.

Der Bericht attestiert der Schweiz in diesen Bereichen ein aussergewöhnlich hohes Niveau. Gesundheitsversorgung, Bildung und Infrastruktur werden ausdrücklich als Systeme von Weltklasse bezeichnet.

Zukunftsfähigkeit statt wirtschaftlicher Selbstzufriedenheit

Kantonswappen der Schweiz (Bildquelle: am 3.08.2026 mit ChatGPT erstellt)

Bemerkenswert ist schliesslich die technologische und industrielle Perspektive. Der Bericht sieht die Schweiz weiterhin in einer führenden Rolle bei nachhaltigen Finanzmodellen, digitaler Innovation und Präzisionsindustrien. Gleichzeitig verbindet das Land diese Entwicklung mit institutioneller Kontinuität und hohen Umweltstandards.

Darin liegt möglicherweise der wichtigste Vorteil des Schweizer Arbeitsmarktes: Er verbindet Tradition mit Anpassungsfähigkeit. Bestehende Stärken werden nicht einfach verwaltet, sondern laufend technologisch und wirtschaftlich weiterentwickelt.

Der erste Rang ist deshalb kein Beweis für einen vollkommenen Arbeitsmarkt. Auch die Schweiz kennt Fachkräftemangel, hohe Kosten und strukturelle Veränderungen. Der Best Countries Index zeigt jedoch, dass sie über ein aussergewöhnlich starkes Fundament verfügt.

Der Schweizer Arbeitsmarkt ist nicht erfolgreich, weil hier alles einfacher wäre. Er ist erfolgreich, weil politische Verlässlichkeit, wirtschaftliche Offenheit, hohe Qualifikation und institutionelle Qualität ineinandergreifen. Genau diese Verbindung ist international selten und wirtschaftlich äusserst wertvoll.

Best-Countries-Index-2026 (92 Seiten auf Englisch)