Die weichgespülten Ratgeber im Netz tun gern so, als sei eine Kündigung vor allem eines: eine Chance. Ein Kapitel endet, ein neues beginnt, atmen Sie tief durch, sortieren Sie Ihre Gedanken, trinken Sie Tee, aktualisieren Sie Ihr LinkedIn-Profil und vertrauen Sie dem Prozess. So schreibt man Texte, wenn man niemandem wehtun will. So schreibt man aber auch, wenn man die Wirklichkeit nicht ernst genug nimmt. Die Wirklichkeit nach einer Kündigung ist kein Weichspülgang. Sie ist kompetitiv. Wer in der Schweiz die Kündigung erhält, fällt nicht in eine Phase der besinnlichen Neuorientierung. Er fällt in einen Markt. Und dieser Markt ist... mehr
Am Abend senden Sie Ihre Bewerbung ab. Sie haben den Lebenslauf nochmals geprüft, zwei Formulierungen im Anschreiben verfeinert, die Datei sauber benannt und sich vielleicht für einen kurzen Augenblick eingeredet, dass diese Stelle tatsächlich eine echte Möglichkeit sein könnte. Sie werden jedoch sofort aussortiert. In der Nacht liegt bereits die Absage im Posteingang. Höflich formuliert. Stilistisch korrekt. Technisch tadellos. Kein falscher Ton, kein sichtbarer Ausrutscher und keine offene Grobheit. Und doch bleibt nach dem Lesen ein Eindruck zurück, der schwerer wiegt als die Absage selbst: der Eindruck, dass sich niemand wirklich mit Ihnen beschäftigt hat. Genau darin liegt die neue... mehr

