Juli 17

Bewerbung: Schlampig beworben. Sauber aussortiert.

Author: PersonalRadar

Es gibt Menschen, die behandeln ihre Bewerbung wie eine lästige Formalität. Ein Lebenslauf wird aus irgendeinem alten Ordner gezogen, zwei Zeugnisse werden zusammengesucht, ein drittes bleibt verschollen, und das Begleitmail besteht aus drei Wörtern: ‚Anbei meine Unterlagen.‘ Dann wird auf ‚Senden‘ geklickt. Geschafft.

(Bildquelle: erstellt am 17. Juni 2027 durch ChatGPT)

Nun ist das Unternehmen an der Reihe. Es soll prüfen, sortieren, nachfragen, interpretieren und im Idealfall auch noch erkennen, welches verborgene Talent sich hinter dieser digitalen Gerümpelkammer verbirgt. Und wenn keine Antwort kommt, ist die Empörung gross. Dann ist der Arbeitsmarkt unfair, die Personalabteilung oberflächlich, die Personalberatung unfähig und das Unternehmen arrogant. Vermutlich hat ohnehin niemand die Bewerbung richtig angeschaut. Möglich.

Es könnte allerdings auch daran liegen, dass die Bewerbung genau jenen Eindruck hinterlassen hat, den sie objektiv vermittelt: nachlässig, unvollständig und nicht besonders ernst gemeint.

Das ist keine moralische Wertung. Es ist einfache Reziprozität. Wer wenig Sorgfalt investiert, darf nicht automatisch maximale Aufmerksamkeit erwarten.

Die Bewerbung ist bereits eine Arbeitsprobe

Viele Bewerbende tun so, als beginne die eigentliche Leistung erst nach der Anstellung. Dann, so die unausgesprochene Annahme, werde man zuverlässig, exakt, engagiert und strukturiert arbeiten. Vorher müsse man lediglich irgendwie durch den Bewerbungsprozess gelangen. Das ist ein Missverständnis.

Eine Bewerbung ist bereits eine Aufgabe. Eine kleine zwar, aber eine aufschlussreiche. Sie verlangt, dass Informationen gesammelt, geordnet, geprüft und vollständig weitergegeben werden. Also genau jene Dinge, die in fast jedem Beruf eine Rolle spielen. Wer in seiner Bewerbung schreibt, er arbeite sorgfältig, gleichzeitig aber Zeugnisse vergisst, falsche Firmennamen verwendet oder einen Lebenslauf verschickt, der seit drei Jahren nicht aktualisiert wurde, produziert einen bemerkenswerten Widerspruch.

Die Aussage lautet: ‚Ich bin sehr genau.‘ Die Arbeitsprobe sagt: ‚Ausser bei Dingen, die mich persönlich betreffen.‘ Das ist nicht zwingend das Ende einer Karriere. Es ist aber auch kein besonders gelungener Auftakt.

Unvollständig ist nicht geheimnisvoll

(Bildquelle: erstellt am 17. Juni 2027 durch ChatGPT)

Manche Bewerbungen haben etwas Rätselhaftes. Es gibt einen Lebenslauf, aber keine Zeugnisse. Es gibt Zeugnisse, aber sie passen nicht zu den aufgeführten Stellen. Es gibt eine Ausbildung, aber keinen Abschluss. Es gibt drei Jahre Berufserfahrung, die irgendwo zwischen zwei Datumsangaben verschwunden sind. Die Erwartung scheint zu sein, dass Personalverantwortliche diese Lücken mit Geduld, Fantasie und kriminalistischem Ehrgeiz füllen. Tun sie aber oft nicht. Nicht, weil sie gefühllos wären. Sondern weil sie arbeiten.

Wenn auf eine Stelle zahlreiche Bewerbungen eingehen, wird selten jene bevorzugt, bei der zuerst rekonstruiert werden muss, was eigentlich gemeint sein könnte. Eine unvollständige Bewerbung ist nicht geheimnisvoll. Sie ist unvollständig. Und Unvollständigkeit erzeugt keine Neugier, sondern Unsicherheit. Natürlich kann ein Zeugnis fehlen. Vielleicht wurde es noch nicht ausgestellt. Vielleicht existiert der frühere Arbeitgeber nicht mehr. Vielleicht befindet sich ein Diplom noch in Anerkennung. Das ist alles erklärbar. Ein einziger Satz genügt: ‚Das aktuelle Zwischenzeugnis wurde angefordert und wird nachgereicht.‘ Damit ist die Sache klar.

Wer hingegen nichts erklärt, überlässt die Erklärung dem Empfänger. Und der entscheidet sich unter Umständen für die einfachste Deutung: Es wurde vergessen.

Der Lebenslauf aus dem Museum

Besonders beliebt ist der historische Lebenslauf. Die Adresse stimmt nicht mehr. Die Telefonnummer führt ins Leere. Die aktuelle Stelle fehlt. Das Foto stammt aus einer Zeit, in der Smartphones noch Tasten hatten. Die letzte Weiterbildung wurde nie ergänzt, und der berufliche Werdegang endet ungefähr dort, wo die Finanzkrise begann. Trotzdem wird das Dokument verschickt. Vielleicht in der Hoffnung, dass Aktualität überbewertet werde. Wird sie nicht.

Ein Lebenslauf muss kein Designpreisgewinner sein. Er braucht keine Grafiken, Balkendiagramme oder modische Farbverläufe. Er muss auch nicht aussehen wie die Jahrespräsentation eines internationalen Konzerns. Aber er muss stimmen. Er muss lesbar, aktuell, nachvollziehbar und ehrlich sein. Auch Lücken sind kein Skandal. Menschen sind keine Maschinen, und Karrieren verlaufen nicht immer gerade. Es gibt Arbeitslosigkeit, Krankheit, Weiterbildung, Familienzeit, Reisen, Überforderung, Neuorientierung und gelegentlich auch schlicht schlechte Entscheidungen. Das gehört zum Leben.

Problematisch wird es erst, wenn solche Phasen wie peinliche Flecken behandelt werden, die man am besten unter ungenauen Jahreszahlen verschwinden lässt. Eine sachliche Erklärung wirkt fast immer besser als ein schlecht kaschiertes Loch.

Wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfallen

Es gibt Sätze, die sollte man nur schreiben, wenn man bereit ist, sie zu beweisen.

  • ‚Ich arbeite sehr exakt.‘
  • ‚Zuverlässigkeit ist für mich selbstverständlich.‘
  • ‚Auch unter Zeitdruck behalte ich den Überblick.‘

(Bildquelle: erstellt am 17. Juni 2027 durch ChatGPT)

Solche Formulierungen stehen in unzähligen Bewerbungen. Oft direkt neben Schreibfehlern, falschen Ansprechpersonen und einem Firmennamen, der aus einer früheren Bewerbung übrig geblieben ist. Das ist peinlich und dumm. Nicht jeder Tippfehler ist ein Drama. Ein fehlendes Komma macht aus einer qualifizierten Fachperson keinen ungeeigneten Menschen. Auch Personalverantwortliche schreiben nicht fehlerfrei. Entscheidend ist das Muster. Ein einzelner Fehler ist menschlich. Eine ganze Fehlerlandschaft ist ein Hinweis.

Wenn die Bewerbung offensichtlich nicht gegengelesen wurde, wenn Satzteile fehlen, Dateien falsch bezeichnet sind und das Motivationsschreiben an ein anderes Unternehmen adressiert ist, dann geht es nicht mehr um Rechtschreibung. Dann geht es um Gleichgültigkeit. Oder zumindest um den Eindruck davon.

Und im Bewerbungsprozess zählt nicht nur, was gemeint war. Es zählt auch, was ankommt.

Das Begleitmail aus der sprachlichen Tiefgarage

‚Hallo. Bewerbung im Anhang. Gruss.‘ So beginnen berufliche Beziehungen. Zumindest gelegentlich. Andere verzichten gleich ganz auf einen Text. Eine leere Nachricht, fünf Anhänge und ein Betreff, der ungefähr lautet: ‚Job‘. Knapper geht es kaum. Professioneller allerdings auch. Ein Begleitmail muss kein rhetorisches Kunstwerk sein. Niemand erwartet einen Essay über Berufung, Leidenschaft und lebenslange Identifikation mit der ausgeschriebenen Stelle. Ein paar klare Sätze genügen. Wer schreibt? Für welche Stelle? Welche Unterlagen sind enthalten? Das ist alles.

Höflichkeit ist keine altmodische Disziplin. Sie ist eine Form von Orientierung. Und eine Anrede ist keine Unterwerfung unter veraltete Konventionen. Sie signalisiert bloss, dass man weiss, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt.

Wenn Dateinamen Geschichten erzählen

Dann wären da noch die Dateinamen:

  • ‚Lebenslauf neu neu final.pdf‘,
  • ‚Zeugnisse komplett aktuell 2.pdf‘,
  • ‚Scan00047.jpg‘ oder
  • ‚Bewerbung wirklich letzte Version.pdf‘.

(Bildquelle: erstellt am 17. Juni 2027 durch ChatGPT)

Solche Dateien erzählen Geschichten. Meist Geschichten über fehlende Ordnung. Auch schiefe Handyfotos, abgeschnittene Diplome, auf dem Kopf stehende Zeugnisse und Anhänge in der Grösse eines Kinofilms gehören zum modernen Bewerbungsalltag. Natürlich ist nicht jeder ein IT-Spezialist. Das muss auch niemand sein. Aber eine Datei öffnen, drehen, lesbar abspeichern und sinnvoll benennen zu können, gehört inzwischen zur digitalen Grundkompetenz. Ein Unternehmen sollte nicht erst ein kleines Wiederherstellungsprojekt starten müssen, bevor es ein Arbeitszeugnis lesen kann.

‚Vorname_Nachname_Lebenslauf.pdf‘ ist nicht kreativ. Aber Kreativität ist bei Dateinamen auch selten gefragt.

Personalverantwortliche sind keine Nachsorgeeinrichtung

Die Vorstellung, fehlende Informationen würden selbstverständlich nachgefordert, ist erstaunlich langlebig. Man werde sich schon melden. Man werde schon fragen. Man werde schon erkennen, dass man eigentlich viel besser sei, als die Unterlagen vermuten lassen. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Personalverantwortliche sind nicht dafür da, Bewerbungen nachträglich in einen brauchbaren Zustand zu versetzen. Sie sind keine biografischen Ermittler, keine Dateireparaturstelle und auch keine Nachsorgeeinrichtung für fahrlässig verschickte Unterlagen. Sie vergleichen Profile. Sie beurteilen Erfahrung. Sie suchen Anhaltspunkte für Eignung. Wer diese Arbeit unnötig erschwert, verbessert seine Chancen nicht.

Eine vollständige Bewerbung ist deshalb kein Geschenk an die Personalabteilung. Sie liegt im ureigenen Interesse der bewerbenden Person.

Wer schlampig sendet, wird rasch beurteilt

Und damit sind wir beim unangenehmen Kern: Wer seine Unterlagen hastig, unvollständig und ungeprüft verschickt, muss damit rechnen, dass sie ebenso rasch beurteilt werden. Nicht aus Rache. Nicht aus Überheblichkeit. Sondern weil menschliche Kommunikation reziprok funktioniert. Sorgfalt erzeugt Aufmerksamkeit. Klarheit erleichtert Verständnis. Ordnung schafft Vertrauen. Nachlässigkeit hingegen produziert Distanz.

Wer dem Empfänger fünf ungeordnete Dokumente ohne Erklärung hinwirft, darf nicht erwarten, dass daraus mit Hingabe eine überzeugende Bewerbung rekonstruiert wird:

  • Wer einen falschen Firmennamen verwendet, signalisiert, dass diese Firma offenbar austauschbar ist
  • Wer wichtige Zeugnisse weglässt, signalisiert, dass Vollständigkeit verhandelbar ist
  • Wer sein eigenes Dossier nicht kontrolliert, darf sich nicht wundern, wenn andere es auch nicht besonders lange prüfen

Das ist nicht schön. Aber es ist logisch.

Es geht nicht um Perfektion

Dabei verlangt niemand eine perfekte Bewerbung. Es braucht kein teures Layout, keine gestelzten Formulierungen und kein Motivationsschreiben, das klingt, als hätte Goethe persönlich im Personalwesen gearbeitet. Es braucht Respekt. Respekt vor der eigenen Laufbahn. Respekt vor der ausgeschriebenen Stelle. Respekt vor der Zeit jener Menschen, die die Unterlagen prüfen. Und etwas Respekt vor der Realität.

Der Arbeitsmarkt ist nicht immer fair. Unternehmen machen Fehler. Personalverantwortliche übersehen gute Leute. Auswahlprozesse können träge, widersprüchlich und manchmal schlicht schlecht sein. Das alles stimmt. Aber gerade deshalb sollte man wenigstens jene Fehler vermeiden, die vollständig in der eigenen Hand liegen.

Ein aktueller Lebenslauf. Vollständige Zeugnisse. Lesbare Dokumente. Der richtige Firmenname. Eine korrekte Anrede. Ein letzter Kontrollgang. Mehr ist es oft nicht.

Der Klick auf ‚Senden‘

(Bildquelle: erstellt am 17. Juni 2027 durch ChatGPT)

Bevor eine Bewerbung verschickt wird, lohnt sich deshalb eine einfache Frage: Würde ich diese Unterlagen als fertige Arbeit an einen Kunden, eine Vorgesetzte oder einen Kollegen weitergeben? Falls die Antwort Nein lautet, sollte man vielleicht noch nicht senden.

Denn der Klick auf ‚Senden‘ ist keine technische Nebensache. Er ist eine Freigabe. Er sagt: ‚Das ist geprüft. Das ist vollständig. Das kann so beurteilt werden.‘ Wer diese Freigabe leichtfertig erteilt, darf nicht erstaunt sein, wenn das Gegenüber ebenfalls zu einer schnellen Entscheidung gelangt. Schlampig beworben. Sauber aussortiert.

Nicht immer. Aber erstaunlich oft.

8 Tipps wie Sie den Bewerbungsprozess ‘killen’.