Sep 25

Die Personalvermittler der Schweiz sind im Würgegriff von jobs.ch

Autor: PersonalRadar

jobs.ch ist unbestritten die wichtigste Stellenplattform der Schweiz. Viele Personaldienstleister müssen das Angebot nutzen, wenn sie überhaupt wahrgenommen werden wollen. Viele sind empört über die satten Preise. Es regt sich Widerstand.

Die Branche der Personaldienstleister will sich von jobs.ch nicht mehr weiter melken lassen…

Um sich eine neue Stelle angeln zu können, gibt es viele Möglichkeiten. Will man jedoch Jobangebote publizieren, kommt man in der Schweiz an jobs.ch nicht vorbei. Diese Stellenbörse ist nach wie vor sehr potent und allgegenwärtig. Die Benutzerfreundlichkeit ist unbestritten gut und die hohe Innovationskadenz ebenso. Des Weiteren ist die Suchmaschinenoptimierung derart effizient ausgebaut, dass man diesem Anbieter beim Surfen nach neuen Stellenangeboten einfach nicht ausweichen kann. Auch die über Jahre eingefädelte Vernetzung mit anderen strategischen Marktpartnern ist klug aufgebaut und nicht zu übersehen.

Die Anbieterin hat deshalb keine ernstzunehmende Konkurrenz. Punkt. Sie kann tun und lassen wie es ihr gerade passt. Und das tut sie auch.

Die Personaldienstleistungsbranche ist eine fantastische Milchkuh. Sie gibt sehr viel Milch und ist selber relativ genügsam, wenn es um technische Ansprüche geht. Hauptsache die Stellenangebote können schnell und unkompliziert aktiviert werden. Diese Branche veröffentlicht tausende Stellenangebote und kommt somit an jobs.ch nicht vorbei. Diese bis anhin gut harmonierende wirtschaftliche Zweckgemeinschaft wird immer mehr durch eine aggressive Preispolitik des Anbieters gestört.

Preiserhöhungen werden einfach so durchgesetzt. Die Kunden erfahren nie etwas davon. Erst wenn der Vertrag ausläuft, realisieren sie, dass die Preise mit dem neuen Vertrag wieder erhöht wurden. Klammheimlich. Das Oligopol erlaubt es. Wer nicht spurt kommt halt einfach aus dem Tritt. Die Konkurrenz ist nicht vorhanden oder zahnlos. Es gibt kein richtiger Wettbewerb, der den Preisen zusetzt und die Anbieter dazu zwingt über eine fantasievolle Preis- und Angebotsgestaltung neue Kunden gewinnen zu müssen.

Bei jobs.ch klingelt seit Jahren die Kasse, weil die Mitbewerber schlafen und ein echter Wettbewerb ausbleibt.

Die Personaldienstleister wollen nicht nur gemolken werden. Sie brauchen auch gutes Futter, um genügend Milch produzieren zu können.

Die Personaldienstleister haben genug davon. Immer mehr wenden sich von jobs.ch ab oder reduzieren ihre Slots auf ein absolutes Minimum, um die Kosten niedrig zu halten. Das gesparte Geld investieren sie lieber in eigene Lösungen und versuchen so ihre Präsenz auf dem Web zu verbessern. Vor nicht langer Zeit hat der Verband der Personaldienstleister swissstaffing eine interessante Umfrage gestartet. Er wollte wissen, ob es einem Bedürfnis entspricht, wenn der Verband eine eigene Plattform entwickeln lässt oder eine strategische Partnerschaft mit einem Anbieter eingeht. Die Zustimmung war überwältigend. Inzwischen ist die Katze aus dem Sack. swissstaffing ist mit jobchannel.ch eine Partnerschaft eingegangen.

Selbstverständlich wird diese noch junge Konkurrenz von jobs.ch milde belächelt. Aber die Wut der Personaldienstleister über die explodierenden Preise wird das Benzin für das neue Projekt sein. Kommt diese Branche erst richtig in Bewegung, dann werden sich auch die Preise für elektronische Stelleninserate bewegen. Nämlich nach unten. Die Milchkuh will nicht zum Metzger. Sie will endlich besseres Futter.

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Comments

6 thoughts on “Die Personalvermittler der Schweiz sind im Würgegriff von jobs.ch”

  • Robert Beer sagt:

    Auch Unternehmen sind im Würgegriff. Durch die überhöhten Preise findet quasi eine Zensur des Stellenangebotes statt. Nur die „wichtigsten“ Stellen werden ausgeschrieben. Hier gibt es durchaus eine Alternative. Bei Metapage sind alle Stellen der gelisteten Arbeitnehmer auffindbar. Auch Lehrstellen, Praktika, Teilzeit, Quereinsteiger etc. Und das zu einem Bruchteil der Kosten beim Quasi-Monopolisten.

  • Guten Tag
    Ich bin mit Ihrem durchaus interessanten Bericht nur teilweise einverstanden. Klar, jobcloud hat eine unheimliche Marktmacht. Als ehemaliger Geschäftsführer von Monster in der Schweiz weiss ich davon mehrere Lieder zu singen.

    Aber: die enorme Reichweite löst für viele Firmen auch ein Grundproblem. Mit möglichst wenig Aufwand möglichst optimal an Kandidaten zu gelangen. Für viele Bereiche funktioniert das nach wie vor. Für andere zunehmend weniger. Dies zu einem Preis, der zwar eher zunimmt, der aber im Verhältnis zum Ertrag (mögliche Bewerbungen) immer noch sehr gering ist. Gerade Personaldienstleister haben mit ihren vielen Slots und im Wochentakt ändernden Ausschreibungen für eine Überdosis an Anzeigen gesorgt und damit der Relevanz von Anzeigen geschadet.

    Preiserhöhungen tun weh. Wenn man jedoch bedenkt, von welchem Niveau man startet, ist die Nivellierung nach oben vertretbar. Aus Unternehmenssicht ist die Wahl zwischen entweder ein paar Hundert Franken für eine Anzeige oder die Inanspruchnahme eines Personaldienstleisters für > 10’000 Franken geradezu grotesk. Ein eigentlicher Mediamix ist hier leider oftmals noch die Ausnahme.

    Aus Personaldienstleistersicht konnte man lange Jahre von tiefen Preisen profitieren und lebte ausgezeichnet von dieser Preis- und Verhaltens-Diskrepanz. Die unglaublich vielen Marktteilnehmer bestätigen diese lukrative Business. Dies Preise nach unten korrigieren zu wollen ist zwar legitim, aber vermutlich illusorisch. Wir werden sehen, wohin die Entwicklung führen wird.

    Viele Grüsse
    Michel Ganouchi

    • Lieber Michel – du hast hoffentlich keine Aktien bei jobs.ch 😉 Herzlichen Dank für deine engagierte Meinung. Ich schätze diese sehr. Ich hoffe es kommen noch ein paar mehr dazu. Herzlichst, Markus

  • Thomas Müller sagt:

    Ich als ehemaliger Mitarbeiter der jobs.ch muss aber unbedingt ergänzen: Die Personaldienstleister zahlen mit Ihren Slots mit Abstand am wenigsten für ein ausgeschriebenes Inserat, was unfair ist gegenüber jenen Kunden, die zum Beispiel ein Einzelinserat kaufen und bei den gelisteten Job-Angeboten weiter hinter landen. Teilweise sind die Preise pro geschaltetem Inserat bei Personaldienstleistern lächerlich tief, wenn man überlegt, wie viele Jobsucher erreicht werden. Dass gerade die Personaldienstleister immer am lautesten schreien, ist schon merkwürdig.

    • Lieber Thomas – Rein rechnerisch gesehen hast du recht. Wenn ich als Firma aber ein Auto lease oder eine ganze Flotte, dann erwarte ich auch, dass der Preis der Menge angepasst ist. Der Markt ist nie reine Mathematik! Herzlichen Dank für deinen Input, den ich sehr schätze, Herzlichst, Markus


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