Apr. 9

Kündigung erhalten? Dann beginnt kein Neuanfang. Dann beginnt Konkurrenz.

Author: PersonalRadar

Die weichgespülten Ratgeber im Netz tun gern so, als sei eine Kündigung vor allem eines: eine Chance. Ein Kapitel endet, ein neues beginnt, atmen Sie tief durch, sortieren Sie Ihre Gedanken, trinken Sie Tee, aktualisieren Sie Ihr LinkedIn-Profil und vertrauen Sie dem Prozess.

So schreibt man Texte, wenn man niemandem wehtun will. So schreibt man aber auch, wenn man die Wirklichkeit nicht ernst genug nimmt.

Die Wirklichkeit nach einer Kündigung ist kein Weichspülgang. Sie ist kompetitiv.

(Mit ChatGPT am 09.04.2026 erstellt)

Wer in der Schweiz die Kündigung erhält, fällt nicht in eine Phase der besinnlichen Neuorientierung. Er fällt in einen Markt. Und dieser Markt ist kein freundlicher Ort. Dort konkurriert man nicht nur mit anderen Berufsleuten, die ebenfalls eine Stelle suchen. Man konkurriert mit jüngeren Profilen, mit billigeren Profilen, mit flexibleren Profilen, mit besser verpackten Profilen. Man konkurriert mit Algorithmen, die Lebensläufe vorsortieren. Mit Bewerbungssystemen, die nach Schlagwörtern filtern. Mit Stellenplattformen, die den Eindruck vermitteln, jeder könne sich überall mit zwei Klicks ins Rennen werfen. Und man konkurriert nicht zuletzt mit einer Maschine, die nie müde wird, nie zweifelt und in Sekunden zehn Bewerbungsvarianten ausspuckt.

Das ist die eigentliche Zumutung unserer Zeit: Nach einer Kündigung müssen Menschen heute nicht nur wieder zu Kräften kommen. Sie müssen sich in einem System behaupten, das immer stärker auf Geschwindigkeit, Formalisierung und digitale Lesbarkeit getrimmt ist.

Wer in diesem Moment zu langsam reagiert, verliert nicht nur Zeit. Er verliert Sichtbarkeit. Und wer Sichtbarkeit verliert, verliert oft früher oder später auch Chancen oder den neuen Job.

Die grosse Lüge lautet: Jetzt müssen Sie sich erst einmal sammeln

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Nein. Sie dürfen erschüttert sein. Sie dürfen wütend sein. Sie dürfen sich gedemütigt fühlen. Aber parallel dazu müssen Sie funktionieren. Nicht, weil das schön wäre. Sondern weil die Arbeitswelt keine Rücksicht auf innere Dramatik nimmt.

Nach einer Kündigung beginnt ein unschöner Doppelauftrag. Innen muss ein Mensch verarbeiten, was gerade passiert ist. Aussen muss derselbe Mensch sofort administrativ, juristisch und strategisch handeln. Genau dort scheitern viele. Sie reagieren emotional verständlich, aber operativ schlecht. Sie reden mit Freunden, analysieren die Bosheit des Chefs, stellen sich die Sinnfrage des Lebens und merken erst später, dass längst Fristen laufen, Bewerbungsbemühungen erwartet werden, Unterlagen fehlen und das letzte Arbeitszeugnis unerquicklich formuliert ist.

Die nüchterne Wahrheit lautet: Nach der Kündigung gewinnt nicht zwingend der Klügste. Es gewinnt oft derjenige, der sich am schnellsten wieder sortiert. Nicht seelisch. Organisatorisch.

Früher mussten Sie nur überzeugen. Heute müssen Sie zuerst durch Maschinen

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Das ist einer der Punkte, den viele klassische Ratgeber konsequent unterschlagen. Sie tun so, als gehe es nach einer Kündigung immer noch primär um das Gespräch zwischen Menschen. Als sitze da irgendwo eine vernünftige Personalverantwortliche, die das Dossier aufmerksam liest, Nuancen erkennt, Erfahrung würdigt und Potenzial erspürt.

Diese Welt gibt es noch. Aber sie ist nicht mehr allein.

In der Realität laufen viele Bewerbungen heute zuerst durch gefrässige ATS-Systeme (Applicant Tracking System = Bewerberverwaltungssystem). Dort zählt nicht, wie sympathisch jemand am Telefon klingt. Dort zählt, ob der Lebenslauf lesbar ist, ob Begriffe erkannt werden, ob Stationen logisch wirken, ob das Profil in ein Raster fällt. Der Mensch kommt oft später. Und bis dahin hat bereits eine technische Vorselektion stattgefunden, die mit Würde, Entwicklung oder Persönlichkeit herzlich wenig zu tun hat. Wer das ignoriert, bewirbt sich mit dem Selbstverständnis von 2012 in einer Selektionslogik von 2026.

Gerade nach einer Kündigung ist das brutal. Denn in dieser Phase ist das Selbstvertrauen ohnehin angekratzt. Und genau dann muss man sich in einem Markt behaupten, der immer weniger Geduld mit Brüchen, Unschärfen und erzählerischen Erklärungen hat. Der Lebenslauf soll klar sein. Das Profil eindeutig. Die Leistung messbar. Die Geschichte sauber.

Das Problem ist nur: Die sogenannte Bio von Menschen ist oft nicht aus einem Guss. Sie windet sich. Sie schlingert. Sie mäandriert. Sie ist selten geradlinig. Menschen sind widersprüchlich, biografisch verästelt, manchmal müde, manchmal beschädigt, manchmal schlicht nicht gut darin, sich wie ein Produkt zu verpacken. Genau dort beginnt die Konkurrenz zwischen Mensch und System.

Die neue Konkurrenz ist nicht nur der andere Bewerber. Es ist das bessere Profilbild eines durchschnittlichen Kandidaten

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Das ist bitter, aber wahr. Der Arbeitsmarkt belohnt nicht immer Substanz. Er belohnt oft Darstellbarkeit. Wie ist die Verpackung? Gut oder einfach scheisse.

Da sitzt dann eine hochkompetente Fachperson mit zehn Jahren Erfahrung, aber einem total veralteten CV, einem schwachen LinkedIn-Auftritt und einem Zeugnis, das klingt wie alter Bürostaub unter dem Schreibtisch. Und gegenüber steht nicht zwingend ein besserer Mensch, sondern ein besser aufbereiteter. Einer, der seine Stationen super und viel knackiger formuliert. Der sein Profil technisch sauberer aufgestellt hat. Der im System besser lesbar ist. Der schneller reagiert. Der bei der Lohnfrage glatter wirkt. Der vielleicht nicht viel kann, aber digital viel besser aussieht.

Das ist die grosse Kränkung der modernen Stellensuche: Nicht immer setzt sich der Mensch mit dem grösseren Wert durch. Oft setzt sich der Mensch durch, der maschinenfreundlicher lesbar ist.

Für Personalfachleute oder Rekruter:innen ist genau das ein hochrelevanter Punkt. Denn wir sprechen seit Jahren über Fachkräftemangel, über Employer Branding, über Candidate Experience und über moderne Rekrutierung. Gleichzeitig akzeptieren wir stillschweigend und ohne Federlesen Systeme, die Menschen in normierte Datenpakete pressen. Und wenn jemand nach einer Kündigung in diesem Raster hängen bleibt, spricht man nicht über die Schwäche des Systems. Man spricht über mangelnde Selbstvermarktung. Das ist bequem. Aber es ist auch durchschaubar.

Nach der Kündigung kämpfen viele nicht gegen den Markt. Sie kämpfen zuerst gegen ihre eigene Lähmung

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Das wird selten ehrlich gesagt, gehört aber zur Sache. Eine Kündigung ist nicht nur ein wirtschaftlicher Einschnitt. Sie ist für viele auch eine tiefe seelische Verwundung. Gerade dann, wenn man über Jahre sehr engagiert war und alles gab. Man wird aussortiert. Man wird nicht mehr gebraucht. Man verliert Status, Alltag, Zugehörigkeit, Gewohnheit und oft auch einen Teil des Selbstbildes. Wer das erlebt, reagiert nicht wie eine Maschine. Er reagiert wie ein Mensch. Mit Trotz, Scham, Erschöpfung, Verdrängung oder einfach kochender Wut und Rachegefühle.

Und genau da wird es gefährlich. Denn der Markt draussen wartet nicht, bis die innere Stimmung wiederhergestellt ist. Er läuft weiter. Inserate werden ausgeschrieben und besetzt. Dossiers gehen ein. Gespräche finden statt. Andere ziehen an einem vorbei, während man selbst noch damit beschäftigt ist, die Kränkung sprachlich zu sortieren und die Wunden zu lecken.

Deshalb ist einer der wichtigsten Sätze nach einer Kündigung nicht der übliche Wellnesssatz ‘Nehmen Sie sich Zeit.‘ Der wichtigere Satz lautet: ‚Nehmen Sie die Lage ernst.‘ Nicht panisch. Aber ernst. Wer in den ersten Tagen nur innerlich kreist, gibt unnötig Terrain preis.

Der Mensch hat der Maschine trotzdem etwas voraus. Aber nur, wenn er es auch zeigt

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Jetzt der entscheidende Gegenpunkt. Die Sache ist nicht hoffnungslos. Nie. Im Gegenteil. Gerade weil Systeme standardisieren, gewinnt der Mensch dort, wo er mehr ist als bloss ein formal brauchbares Profil. Ecken und Kanten sind durchaus attraktiv.

Ein guter Kandidat ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Funktionen. Er ist Urteilsvermögen, Verlässlichkeit, Ton, Reife, Präsenz, Erfahrung im Umgang mit Konflikten, Tragfähigkeit unter Druck, soziale Intelligenz und berufliche Glaubwürdigkeit. Keine Maschine erkennt das wirklich sauber. Kein CV transportiert das vollständig. Kein automatisierter Matching-Prozess versteht, wie wertvoll jemand sein kann, der nicht aufgebrezelt, aber belastbar ist. Oder wie gefährlich jemand sein kann, der im Interview brillant wirkt, im Alltag aber ein Pulverfass ist.

Genau deshalb muss nach einer Kündigung nicht nur das Dossier erneuert werden. Auch die eigene Erzählung muss neu geschärft werden. Nicht künstlich. Nicht mit LinkedIn-Geschwafel. Sondern präzise. Wer bin ich beruflich? Wofür bin ich stark? Wo schaffe ich Wert? In welchem Umfeld funktioniere ich? Welche Probleme löse ich besser als andere? Und was an meiner Erfahrung kann kein Tool, kein Bot und kein automatischer Filter ersetzen?

Wer diese Fragen nicht beantworten kann, wird im Markt zur Datei. Wer sie beantworten kann, wird wieder zur Person aus Fleisch und Blut.

Was nach einer Kündigung sofort zählt, ist nicht Motivation. Es ist Handwerk.

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Hier liegt der konkrete Mehrwert, den die üblichen Wohlfühltexte nicht liefern. Nach einer Kündigung braucht es zuerst kein Karrierecoaching-Gesäusel, sondern sauberes Handwerk.

Die Unterlagen müssen rasch auf einen Stand gebracht werden, der nicht bloss ‘okay’, sondern konkurrenzfähig ist. Das Zeugnis muss geprüft werden, weil in der Schweiz halbe Sätze manchmal mehr Schaden anrichten als offene Kritik. Der Lebenslauf muss nicht dichter, sondern klarer werden. LinkedIn ist kein Pflichtprogramm für alle, aber in vielen Funktionen heute ein gutes Schaufenster, das man nicht verwahrlosen sollte. Bewerbungen müssen dokumentiert werden. Das RAV ist kein Almosenhort oder nervender Randkontakt, sondern Teil der Arbeitslosenrealität. Und vor allem: Man muss verstehen, in welchem Marktsegment man eigentlich spielt. Wer sich blind auf alle möglichen Stellen wirft, produziert viel Wind ohne sichtliche Wirkung. Man kommt nicht voran. Das Dümpeln auf der Stelle bleibt die Realität.

Viele verwechseln Aktivität mit Strategie. Sie verschicken zwanzig Bewerbungen und wundern sich über Schweigen. Dabei wäre es oft klüger, fünf Dossiers präzise auf jene Rollen zu schärfen, bei denen Erfahrung, Tonalität und Positionierung wirklich tragen. Der hektische Aktionismus nach einer Kündigung ist häufig nur die Fortsetzung der Verunsicherung mit anderen Mitteln.

Für die Personalfachleute liegt die unbequeme Frage woanders

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Die unbequeme Frage für die Mitarbeitenden in den HR-Abteilungen ist nicht, wie man Gekündigten gute Tipps gibt. Die unbequeme Frage lautet: Was haben wir aus dem Arbeitsmarkt gemacht, wenn Menschen nach einer Entlassung zuerst lernen müssen, wie sie maschinenkompatibel erscheinen?

Wir reden dauernd von Human Resources oder Human Capital (schrecklicher Begriff), bauen aber Prozesse, in denen das Humane oder eben das zutiefst Menschliche oft erst dann wieder auftaucht, wenn es fast zu spät ist. Wir beklagen Oberflächlichkeit, fördern aber Systeme, die gnadenlose Verdichtung, Tempo und Standardisierung belohnen. Wir jammern über schlechte Bewerbungen, obwohl wir selbst Strukturen mitgebaut haben, die Menschen dazu zwingen, sich in möglichst glatte, gut maschinenlesbare Formate zu pressen.

Vielleicht liegt genau dort der eigentliche Clou: Der Wettbewerb nach einer Kündigung ist längst nicht mehr nur ein Wettbewerb zwischen Menschen. Es ist ein Wettbewerb zwischen menschlicher Substanz und technischer Verwertbarkeit. Zwischen Erfahrung und Format. Zwischen Charakter, Hashtag und Keyword. Und ja, manchmal gewinnt einfach das Keyword.

Schlussfolgerung

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Wer nach einer Kündigung erfolgreich zurück in den Markt will, braucht heute beides: die Präzision einer Maschine und die Glaubwürdigkeit eines Menschen. Nur automatisiert zu funktionieren, reicht nicht. Nur authentisch zu sein, reicht auch nicht. Man muss lesbar sein, ohne beliebig zu werden. Klar, ohne künstlich zu klingen. Schnell, ohne in kopflosen Aktionismus zu kippen. Die Konkurrenz ist real. Sie sitzt nicht nur im nächsten Bewerberdossier. Sie sitzt im System selbst.

Und genau deshalb ist die Zeit nach einer Kündigung keine Phase für hohle Phrasendrescherei, durchschaubare Nettigkeit oder digitale Trostpflaster. Es ist die Phase, in der sich entscheidet, ob ein Mensch sich wieder als gestaltende Kraft in den Markt zurückschreibt oder ob er im Getriebe zum nächsten sauber abgelegten Datensatz wird.

Honi soit qui mal y pense !

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Wer nach einer Kündigung nicht bloss Zuspruch, sondern Orientierung sucht, findet bei Claudia Scherrer Domingos einen klaren, praxisnahen Zugang.

 

Ihre Angebote reichen von persönlichem Mentoring über Interviewvorbereitung und CV-Schärfung bis hin zu einer strategisch geführten Stellensuche im Schweizer Markt. Gerade für Menschen, die nach einer Entlassung rasch wieder Struktur, Klarheit und Wirkung brauchen, kann das ein substantieller Mehrwert sein.

 

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