Fach- und Führungskräfte Handwerker

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Archiv für die Kategorie „Burnout“

PostHeaderIcon Die Seele liegt im Gips. Und dann?

Die moderne fordernde Arbeitswelt mit dem täglichen kleinen Irrsinn macht trübsinnig und schwermütig. Die Depression als ganz persönliches Drama zwingt viele in die Knie.

Die Organe funktionieren, der Stuhlgang ebenso und das Rückenleiden ist nur ein leichtes Ziehen in der Schulter geblieben. Der Alltag ist im Griff. Sogar die jährliche Infektion oder Erkältungen ist während der Winterzeit weg geblieben, obwohl alle immerfort niesen, schneuzen und den Rotz aus der Kehle husten mussten. Aber irgendwie funktioniert die Kopfmaschine nicht richtig. Es ist als wäre das Hirn in Billigwatte eingepackt. Die Wahrnehmung ist kognitiv reduziert. Die Freude am Sein ist der verspannten Gleichgültigkeit gewichen. Instinktiv kriecht die Erkenntnis ins Bewusstsein, dass die Befindlichkeit immer mehr verdüstert und die Realität zur Folter wird. Immer mehr Menschen müssen zum Arzt, weil es ihnen mies geht. Die Depression saugt die Seele aus. Der Zusammenbruch kündet sich an. Die Ampel ist schon lange auf rot. Trotzdem gehen viele weiter.

Das tägliche Aufraffen zur Arbeit und die gesellschaftlichen oder familiären Verpflichtungen werden eines Tages einfach zuviel. Was man früher locker vom Hocker einfach so auf die Schnelle kurz erledigte oder einfach gekonnt mit allen Nebenschauplätzen im Griff hatte, geht von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Der Himmel ist vielleicht blau, die Kopfstimmung bleibt grau. Das freundliche Gegenüber im Aufzug lächelt, die eigene Befindlichkeit lässt nur ein starres Antlitz zu. Jede Gefühlsäusserung oder Interaktion mit den Menschen wird zur Qual. Die Depression ist manifest. Und es wird lebensgefährlich für die Betroffenen. Der Suizid schleicht sich an. Vielleicht hat er schon den ersten Stoss versetzt. Es ist noch einmal gut gegangen.

Wussten Sie, das jede 5. erwachsene Person mindestens einmal im Leben unter einer Depression leidet?

Die Umstände an einer solchen Gemütskrankheit zu erkranken werden auch immer günstiger. Die Gesellschaft ändert sich. Schnell, radikal und unberechenbar. Unsicherheit macht sich breit. Das Berufsleben ist zu einer Kampfarena verkommen, wo das Äusserste gefordert wird und viele der Meinung sind, allem und allen gerecht werden zu müssen. Selbst Superman oder Superwoman wären daran zerbrochen, was heute beinahe als normal empfunden wird. Die Menschen sind unter Strom. Die Stresshormone fliessen durch uns. Pausenlos und richten heftigen Schaden an. Die stillen Inseln des Müssiggangs gehen unter und fallen der Springflug der Erwartungen zum Opfer. Das gezielte Nichtstun wirkt faulig in einer prosperierenden Welt, die spriesst, liebliche Blüten treibt und betörende Düfte verströmt. Wir müssen funktionieren. Wir müssen Erwartungen erfüllen. Die Pflicht wird zur Monstranz der allgegenwärtigen ökonomischen Liturgie.

Die Depression eignet sich nicht zur Koketterie. Mit dem Stress ist das anders. Wer Stress hat, ob der nun positiv oder negativ ist, befindet sich in einer Dynamik. Dynamik ist in der Wirtschaftswelt immer gut. ‚Ach ich habe Stress’ ist der Spruch, den viele weltweit auf den Lippen haben. Aber die Aussage ‚Ach ich habe eine ernsthafte Depression’ und dabei greift man sich theatralisch an den Kopf, gibt es nicht. Die Depression ist ein Schreckgespenst. Damit kann man sich nicht profilieren. Sie eignet sich auch nicht zum Angeben. Sie schwächt das Image. Und sie macht in der Tat brutal schwach. Wer will schon in einer Welt schwach sein, die Stärke einfordert und die sofort abrufbare Leistung als den Wirkstoff der eigenen Lebenspotenz versteht? Das lästige an der Depression ist, dass sie sich nicht an Konventionen haltet. Sie packt viele und hält noch mehr im Würgegriff. Die Seele im Gips ist stark tabuisiert. Man sieht den Menschen den Beinbruch an und kann sich sofort vieles erklären, warum eine Person immobil ist und ausfällt. Die gebrochene Seele ist jedoch nicht sofort sichtbar. Die Auswirkungen einer solchen Erkrankung gehen jedoch viel weiter und tiefer. PersonalRadar möchte auf eine Informationskampagne des Gesundheitsdepartement Basel-Stadt aufmerksam machen. Auf dieser ist auch ein einfacher Selbsttest möglich, um eine mögliche Depression zu erkennen. Es gibt keinen triftigen Grund sich für eine Depression zu schämen. Alle können davon betroffen sein.

Mit diesem LINK erhalten Sie viele nützliche Informationen.

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PostHeaderIcon Freizeit wird zur Geizzeit. Sind sie ein Holiday Tasker?

Endlich ausspannen. Die letzten Monate waren hart. Die Ferien sind wohl verdient. Die Familie oder Partner schauen der Freizeit mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Freiheit kann leicht zum Gefängnis werden.

Der Rohstoff Zeit wird knapp....

Der Rohstoff Zeit wird knapp....

Kaum fängt der Urlaub an geht der Unfug auch schon los. Das Mobilfunkgerät summt, piepst oder vibriert den lieben langen Tag. Manchmal pausenlos. Ständig wird das Display geprüft, ob nicht wieder die nächste angeblich so wichtige Nachricht eingetroffen ist. Schliesslich macht die Tätigkeit der Entscheidungsfindung nie Urlaub. Und wo käme man hin, wenn auf einmal die anderen, der Stellvertreter oder im schlimmsten Fall niemand die Entscheidungen trifft? Das Quengeln der Kinder wird geflissentlich überhört oder ostentativ nicht wahrgenommen. Die Verarbeitung von wichtigen Informationen im ‘Realtime-Modus’ ist nun mal wichtiger als die Lebensrealität. Auch das vorwurfsvolle Grummeln des Partners wird nur mit reduzierter Kognition wahrgenommen. Die sollen sich an die moderne Welt anpassen. Damit wird auch die hungrige Kreditkarte gefüttert. Arbeiten kann man doch überall. Wo ist der Stress? Dass sich dabei die Essenz der Bindungsqualität schneller verflüchtigt als einem lieb sein mag, wird bei dem andauernden Gepiepse der eintreffenden Nachrichten schon lange nicht mehr wahrgenommen.

Die gewollte Erreichbarkeit befriedigt die Eitelkeit. Die übliche Sozialisation wird dann auf die Premiumzeit des Abends verlegt. Schliesslich ist Tageszeit Geld und der Rest gehört den anderen. Wenn man dann noch über genügend Kraft und Konzentration verfügt.

Das Treffen von Entscheidungen ist schliesslich entscheidend für das Business. Wie war das früher? Brrr… man mag sich gar nicht daran zurück erinnern. Wochenlang war man im Urlaub und kam danach total erholt und entspannt zurück. Man war nicht erreichbar. Für niemanden. Vielleicht riefen die wichtigen Entscheidungsträger auf vorher vereinbarte Termine in der Firma an und gaben Instruktionen. Der Telefontarif war astronomisch und die Qualität der technischen Kommunikation meistens zweifelhaft. Oft war ein Expressbrief besser und günstiger. Das Schriftliche hatte mehr Gewicht und ein Expressbrief wurde auch express spediert. Schliesslich erkannte man am fetten Porto und an den roten Expressklebern, dass der Inhalt wichtig sein muss und die damit versendete Botschaft keinen Aufschub dulden kann.

Heute lässt solch altmodisches Gehabe nur noch ein mildes Lächeln zu.

Expressbrief? So ein Blödsinn im Zeitalter von Instant Messengers, E-Mail, Skype und anderen elektronischen Botschaftsträgern, die innert Sekunden ganze Bibliotheken um den Globus senden können. In 90 Tagen um die Welt heisst heute in 90 Mikrosekunden mehrmals um die Welt. Der technische Fortschritt hat den Transport von Informationen revolutioniert. Viele von uns hängen aber auch sklavisch an seinem Tropf. Hustet die Welt, dann erfahren wir das einen Lidschlag später. Das Smartphone ist wie die Eisenkugel an den Fussketten der ehemaligen Häftlingen. Es ist inzwischen zur Last geworden. Es macht schrecklich unfrei. Man ist überall sofort erreichbar. Das Homeoffice wurde schon lange durch das ‘Smartoffice in Pocketsize’ ersetzt. Das Schreiben von Informationen, das Versenden von Dokumenten, das Nachschlagen von Wissen in den Suchmaschinen, das Prüfen von E-Mails und notabene das exzessive Telefonieren von jedem Berggipfel und jedem Strand aus ist zu einem Kinderspiel geworden. Der Austausch von Informationen war noch nie so einfach. Das belastet die Freizeit. Freizeit wird zur Geizzeit.

Die freie Zeit wird unentwegt von der Arbeitszeit hart bedrängt und belästigt.

Freizeit wird zur Geizzeit. Sind sie ein Holiday Tasker?

Freizeit wird zur Geizzeit. Sind sie ein Holiday Tasker?

Ist man nicht erreichbar, ist man suspekt. Man hat in der modernen Zeit einfach erreichbar zu sein. Was kümmert es die andere Seite, wenn man einfach nicht will und die freie Zeit auch wirklich frei geniessen möchte? Der Informationsaustausch stösst immer weniger auf Widerstand. Die angebliche Wichtigkeit des Inhalts und die erwartete Unaufschiebbarkeit eines Entscheides sind die Carte Blanche, um in alle Lebensbereiche und -situationen rücksichtslos einzudringen. Wer nicht erreicht werden kann, gilt als altmodisch, nicht auf der Höhe der Zeit und im schlimmsten Fall als Arbeitsverweigerer, der sich den ungefragten Erwartungen entziehen möchte und somit allen schadet. Wo kämen wir da hin, wenn wir einfach all die vielen Nachrichten ignorieren würden? Weiter!

Der Unterschied zwischen Arbeits- und Freizeit ist lavierend.

Die Orientierungslosigkeit darüber ebenso. Das Vordringen der Ansprüche an die Arbeitenden und deren Zeitmanagement wird immer fordernder. Man hat einfach zur Verfügung zu sein, ob es dem Einzelnen nun eben in den Kram passt oder nicht. Wo kämen wir da hin, wenn Freizeit keinen Einlass für Wichtigeres zulässt? Heisst es nicht immer, dass Informationen so wertvoll sind wie ein prall und üppig gefüllter Kassenschrank? Dass aber dabei die Qualität der Erholung, der Beziehungen und der positiven Einstellung zur Arbeit darunter leiden, ist den Wenigsten wirklich bewusst. Hauptsache eine Mail kann noch abgesetzt werden, selbst dann, wenn es vor dem Steuer bei übersetzter Geschwindigkeit auf der Autobahn geschieht und dabei rücksichtslos das eigene Leben und das anderer dafür aufs Spiel gesetzt wird. Hauptsache der Infofluss wird nicht unterbrochen.

Oft genug kann man sich nicht vom Eindruck lösen, dass der forcierte Informationsfluss soziopathische Züge annimmt und bedenkenswerte Effekte wie ein gigantisches Schneeballsystem mit allen schlimmen Auswirkungen erzeugt, das willfährige Menschen unter seiner hohen Bewegungsenergie begräbt.

Niemand will versagen. Niemand will mit seiner intransigenten Haltung die Karriere gefährden. Niemand will dem Business schaden. Selbst wenn man daran Schaden nimmt. Die Kunst des Müssiggangs ist risikoreich. Schnell ist man als unfähig taxiert und gilt als nicht belastbar. Fleiss und Pflichtgefühl geniessen immer noch ein höheres Ansehen als die laszive Faulheit. Selbst dann wenn sie vom Arbeitsrecht in Form von Urlaub sanktioniert wird.

Informationen sind Kapital.

Bleibt die Batterie für immer leer, dann nützt es niemanden mehr.

Bleibt die Batterie für immer leer, dann nützt es niemanden mehr.

Deren Wert nicht immer mehr zu und die durchschnittliche Zerfallszeit dramatisch ab. Was vor einer Stunde noch zum Herzstillstand geführt hätte, ist im unmittelbaren Zeitbereich nur noch einer müden Wahrnehmung gewichen. Das Wichtige zerfällt oft in wenigen Augenblicken in seine Bestandteile und werden zum ‘Info-Junk’. Die Überbewertung von Information ist ein Irrglaube. Hoffentlich weicht dieser der Erkenntnis, das gute Erholung für das Business extrem wichtig ist. Volle Batterien sind wichtig, damit man zwischen den Ferienblöcken erfolgreich und gesund bleibt.

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PostHeaderIcon Gute Arbeit und ein exzellenter Ruf können gefährlich sein.

HR TodayEngagierte und leistungsfähige Mitarbeitende sind besonders gefährdet auszubrennen. Schleichend künden verschiedene Symptome ein mögliches Burn-out an. Es gibt jedoch arbeitsgestaltende und persönliche Ressourcen, die es gestatten, den Herausforderungen der Arbeit auch langfristig gewachsen zu sein (ein Beitrag von: Marianne Rupp, HR Today).

«Ein Burn-out kommt schleichend und wird – neben persönlichen Faktoren – vorwiegend vom Arbeitsumfeld hervorgerufen und beeinflusst», erklärt Hans Kernen, Gründer des Beratungsunternehmens Kernen Resource Management AG, übereinstimmend mit Studien aus den USA. Bereits vor 13 Jahren konnte er in einer repräsentativen Studie aufzeigen, dass beinahe jeder fünfte Manager hochgradig Burn-out-gefährdet ist – und zwar in der Privatwirtschaft. «Bisher wurde Burn-out nur auf die psychosozialen Berufsgruppen bezogen, meine Studie hat daher ziemlich hohe Wellen geworfen», sagt er.

Vier Symptombereiche beschreiben ein Burn-out:

  • Der Betroffene fühlt sich emotional erschöpft, ist energielos und muss sich bei der Arbeit permanent anstrengen.
  • Er fühlt sich dennoch – das zweite Symptom – in seiner Leistungsfähigkeit reduziert.
  • Drittens kommen oft psychosomatische Beeinträchtigungen dazu, die individuell sind.
  • Der vierte und wichtigste Symptombereich ist die Depersonalisierung: «Der Betroffene kann seine Mitmenschen nicht mehr als Subjekte wahrnehmen, kann sich schlecht in sie hineinversetzen und behandelt sie als unpersönliche Objekte», sagt Kernen. «Er erlebt die Arbeit mit Menschen – egal ob Kunden oder Kollegen – als Strapaze, meidet zunehmend die Kontakte, ist häufig gereizt, zieht sich zurück.»
Bevor die Flamme erlischt ist es von Vorteil Fachhilfe in Anspruch zu nehmen

Bevor die Flamme erlischt ist es von Vorteil Fachhilfe in Anspruch zu nehmen

Häufig sind Menschen Burn-out-gefährdet, die in einer Firma einen guten Ruf geniessen, weil sie qualitativ und quantitativ sehr gut arbeiten. Sie möchten diesen hohen Standard halten, haben Angst vor Leistungs- und Gesichtsverlust und setzten sich daher selber immer mehr unter Druck. Ein fataler Kreislauf beginnt. Schnell werden zudem eigene Bedürfnisse zurückgestuft, man geht – um die Leistungserbringung zu sichern und sich zu schützen – beispielsweise nicht mehr mit den Kollegen essen, vermeidet Konflikte und verharmlost oder verleugnet Probleme.

Nur wer über eine sehr gute Selbstwahrnehmung verfügt, kann die ersten, noch sanften Veränderungen, die Burn-out-Symptome hervorrufen, frühzeitig erkennen. «Dazu ist allerdings nur ein kleinerer Anteil der Menschen fähig, und oft können es Frauen besser als Männer», weiss der Spezialist. «Die meisten Betroffenen neigen dazu, Symptome wie Schlafstörungen oder Gereiztheit zu bagatellisieren. Die Gefahr, so in ein fortgeschrittenes Stadium eines Burn-outs zu rutschen, ist gross.» Was als subjektiver Prozess begonnen hat, wird nun in den veränderten Verhaltensweisen des Betroffenen für Aussenstehende offensichtlich. Für das Unternehmen kann es gravierende Konsequenzen haben: Neben unadäquatem Verhalten Mitarbeitenden oder Kunden gegenüber häufen sich Fehlentscheide, Kreativität und Flexibilität leiden, die zwischenmenschliche Kompetenz verschlechtert sich.

Zwar spielt die persönliche Disposition, etwa eine hohe Leistungsorientierung oder Perfektionismus, eine Rolle beim Burn-out. Die zentralen Einflüsse, die ein Burn-out hervorrufen können, stammen jedoch aus dem Arbeitsumfeld.

Solange Sauerstoff vorhanden ist geht es gut. Und danach...?

Solange Sauerstoff vorhanden ist geht es gut. Und danach...?

Es ist daher sinnvoll, mit der Prophylaxe dort einzusetzen», sagt Hans Kernen. «Es gibt Ressourcen im Arbeitsumfeld, die nachweislich Burn-out-prophylaktische Wirkung haben, die Stresstoleranz fördern und zugleich die Leistungserbringung unterstützen», erklärt Kernen, der ganze Firmen oder einzelne Teams in der Burn-out-Prävention unterstützt. Das sind einerseits professionelle Ressourcen, welche die Arbeitsgestaltung betreffen – wie etwa der Entscheidungs- und Kontrollspielraum, das Qualifikationspotenzial bei der Arbeit oder die Aufgabenvariabilität. Andererseits gibt es institutionelle Ressourcen, etwa das Sozialverhalten des Vorgesetzten oder das Arbeitsklima, die prophylaktisch wirken können. Es ist zudem sehr wichtig, Über- und Unterforderung zu verhindern und gleichzeitig die positiv erlebte Herausforderung in Arbeitsvolumen und Arbeitsqualität zu fördern. Kernen erzählt das Beispiel einer Assistentin, die im Rahmen eines Ressourcen-Management-Workshops den Ressourcen- und Burn-out-Fragebogen ausfüllte. Die Frau erbrachte zwar sehr gute Leistungen bei der Arbeit und erhielt gute Qualifikationen, sie war jedoch stark Burn-out-gefährdet. «Sie bekam zu viel und noch dazu unterfordernde Arbeit delegiert, die ihrem Können in keiner Weise gerecht wurde. Zudem war sie sehr obrigkeitsgläubig und getraute sich deshalb nicht, mit ihrem Chef zu sprechen – obwohl sie ein gutes Verhältnis hatten.» Kernen besprach diese Testergebnisse in einem gemeinsam gewollten Auswertungsgespräch. «Der Chef ist sehr erschrocken. Er war sofort bereit, unter anderem das Arbeitsvolumen anzupassen und qualitativ mehr zu fordern, dies als Beiträge zur Sicherung der Arbeitsressourcen seiner Assistentin. Ihr Burn-out-Indikator ist nach diesen Massnahmen wieder gesunken.»

Dieses Beispiel zeige auch, dass Vorgesetzte die Mitarbeitenden nicht nur für ihre guten Leistungen loben sollten, sondern sie auch ab und zu fragen, wie es ihnen bei der Arbeit geht.

Nicht immer sind Vorgesetzte gewillt, Burn-out-Prophylaxe als Teil eines Prozesses im sozialen Arbeitsumfeld zu sehen. So auch der Vorgesetzte, der dem Mitarbeitenden über den Personalchef ausrichten liess, er solle sich bei Kernen melden. «Dem Mann war bewusst, dass er ausgebrannt war, und nach einem Gespräch wurde klar, dass Arbeits- und Organisationsverhältnisse die Hauptgründe waren. Dennoch lehnte sein Vorgesetzter Gespräche ab mit der Begründung, Burn-out sei das Problem seines Mitarbeitenden. Das Arbeitsumfeld kann jedoch nicht ausgeklammert werden, sonst bekämpfen wir nur Symptome, ohne den wirklichen Brandherd löschen zu können.» Hans Kernen nimmt daher nur Aufträge von Firmen an, bei denen die beteiligten Verantwortlichen bereit sind, die professionellen und institutionellen Ressourcen zu überdenken.

Neben diesen Ressourcen spielen die persönlichen Ressourcen als Burn-out-Schutz eine wichtige Rolle: Wer das Gefühl hat, den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein, in seine Lebensgestaltung Einfluss nehmen zu können und den Alltag, sein Leben allgemein als sinnvoll empfindet (Sinnhaftigkeit), der hat ein gutes Kohärenzgefühl.

Brennt erst mal die Lunte, dann ist ein Burn-out nicht mehr weit...

Brennt erst mal die Lunte, dann ist ein Burn-out nicht mehr weit...

«Das persönliche Kohärenzgefühl ist eine zentrale gesundheitsrelevante Ressource», erklärt der Spezialist. «Der ausgebrannte Manager hingegen, der täglich von seiner Frau zur Arbeit gefahren und wieder abgeholt wurde, weil sie sah, wie schlecht es ihm ging, und ihm helfen wollte, hatte kein grosses Kohärenzgefühl mehr», erläutert Kernen. Die Hilfe der Frau sei zwar verständlich, aber kontraproduktiv. «Sie hat indirekt sein Burn-out unterstützt. Besser wäre es, den Ausgebrannten mit seiner Situation zu konfrontieren, ihm diese falsch verstandene Unterstützung zu entziehen, damit er das Übel an seinen Wurzeln angehen muss.»

Das soziale Umfeld sollte nicht helfen, das Burn-out zu vertuschen.

Es hat speziell in der Prävention eine wichtige Funktion: «Gerade für hochrangige, sehr auf sich selbst gestellte und auf Burn-out weniger sensibilisierte Führungskräfte muss der Hinweis für ein mögliches Burn-out auch aus dem sozialen Umfeld kommen.» Eine gezielte Förderung dieser ausgewählten Ressourcen verhindert ein Burn-out und fördert zugleich die Leistungsfähigkeit und Stresstoleranz der Mitarbeitenden. Diese nachhaltige Wirkung kann durch ein Ressourcen-Management im Arbeitsfeld erzielt werden und gilt als praxisnaher, arbeitsfeldbezogener Beitrag zur betrieblichen Gesundheitsförderung.

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PostHeaderIcon Positive Kosten-Nutzen-Bilanz für die Betriebliche Sozialberatung.

HR TodayUntersuchungen belegen, dass sich die Unterstützung bei persönlichen und beruflichen Problemen für das Unternehmen finanziell lohnt. Dies allein sichert aber keine gefestigte Position der Sozialen Arbeit in Unternehmen. Noch scheint Unklarheit zu herrschen über Auftrag und Positionierung der Betrieblichen Sozialberatungen. (Ein Beitrag von: Edgar Baumgartner und Peter Sommerfeld, HR Today).

In der Schweiz sind es vor allem grössere Unternehmen, welche für ihre Mitarbeitenden eine Betriebliche Sozialberatung anbieten. Dabei handelt es sich um freiwillige Leistungen des Unternehmens, denn es besteht keine gesetzliche Verpflichtung dazu. Gerade diese Freiwilligkeit wirft die Frage auf, was die Soziale Arbeit den Unternehmen bieten kann, was sich die Unternehmen auf der anderen Seite davon versprechen und wie weit Betriebliche Sozialberatungen dies auch einlösen können.

Studie: Nutzen von 116 bis 210 Prozent der eingesetzten Gelder

Auch auf Steinen kann die Blüte zum Blühen kommen. Betriebliche Sozialberatung ist wichtig.

Auch auf Steinen kann die Blüte zum Blühen kommen. Betriebliche Sozialberatung ist wichtig.

Die Anfänge der Betrieblichen Sozialen Arbeit reichen in der Schweiz bis in die 1920er-Jahre zurück. Die Fabrikpflegerinnen von einst hatten die Verbesserung der geistigen und körperlichen Wohlfahrt der Arbeitnehmenden und zugleich die Hebung der Produktivität des Betriebs im Blick. Damit ist bereits der Rahmen für jede sozialarbeiterische Dienstleistung im Unternehmen beschrieben: soziale Verantwortung des Unternehmens für die «Wohlfahrt» der Angestellten auf der einen Seite, kombiniert mit der Verbesserung der Produktivkraft auf der anderen Seite. Es ist daher die zu erfüllende Grundbedingung der Betrieblichen Sozialen Arbeit schlechthin, durch soziale und/oder persönliche Belastungen beeinträchtigte individuelle Mitarbeitendenpotenziale erschliessen zu können. Für einen monetären Nutzen für das Unternehmen ist dann gesorgt, wenn dadurch eine Steigerung der Wertschöpfung erfolgt, zum Beispiel durch eine Verbesserung der Arbeitsleistung oder eine Vermeidung von Kosten, die zum Beispiel durch einen Personalwechsel entstehen würden. Verschiedene Studien untersuchen, wie weit sich das Engagement zugunsten der Mitarbeitenden für Unternehmen tatsächlich rechnet.

Sie alle weisen übereinstimmend eine positive Kosten-Nutzen-Bilanz aus, das heisst, der ökonomische Nutzen für das Unternehmen übertrifft die Kosten für eine Betriebliche Sozialberatung.

Exemplarisch dazu eine Studie aus der Schweiz, die in zwei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen die Wirksamkeit der Einzelfallhilfe empirisch untersucht und monetär bewertet hat: Für das Industrieunternehmen resultiert bei jährlichen Kosten von rund 200’000 Franken ein Nettonutzen von 435’000 Franken. Der Nutzen macht also mehr als 210 Prozent der eingesetzten Gelder aus. Dieses Resultat ist durchaus robust. Denn selbst in einem Unternehmen aus einer Niedriglohnbranche (Gastronomie), wo die Verbesserung der Arbeitsleistung oder die Reduktion von Absenzen monetär entsprechend weniger zu Buche schlagen, macht der berechnete Nettonutzen noch 116 Prozent der Kosten aus.

Bisher konnte sich keine gefestigte Funktionsbeschreibung entwickeln

Durch den monetären Nutzen, der einen Beitrag zum unternehmerischen Erfolg datellt, ist zugleich auch die Wirksamkeit der Betrieblichen Sozialberatungen im Hinblick auf Problemlösungen belegt. Gleichwohl ist deren Stellung in den Unternehmen als randständig zu charakterisieren, wie eine Befragung bei 130 Betrieblichen Sozialberatungen in der Schweiz zeigt. Dies erschliesst sich aus den Antworten der Leitenden von Betrieblichen Sozialberatungen auf die Frage, ob es im Unternehmen selbstverständlich ist, die Betriebliche Sozialberatung in Anspruch zu nehmen:

  • Nur bei einem Anteil von 40 Prozent der befragten Sozialberatungen findet diese Aussage Zustimmung.
  • Zudem ist nur eine knappe Mehrheit von 53 Prozent der Meinung, dass die Bedeutung der Sozialberatung im Unternehmen ausreichend erkannt ist.
  • Für 75 Prozent ist die Aussage zutreffend, dass der Nutzen der Sozialberatung erst über konkrete Erfahrungen erkennbar wird.

Diese starke Zustimmung deutet auf eine weitere grundlegende Problematik hin: Es fehlt offensichtlich in den Unternehmen an einer klaren Vorstellung über die Aufgaben und die Funktion der Betrieblichen Sozialen Arbeit. Trotz der langen Tradition des Arbeitsfelds hat sich keine allgemein bekannte und gefestigte Funktionsbeschreibung entwickeln können. Die Soziale Arbeit in Betrieben steht also vor der Herausforderung, einerseits ihr Profil zu schärfen und ihre Dienstleistungen qualitativ weiterzuentwickeln und andererseits dieses Profil in den Unternehmen so zu kommunizieren und zu positionieren, dass eine optimierte Zusammenarbeit möglich wird. Um hier weiterzukommen, ist die Frage zu klären, welche Sorte von Problemen die Soziale Arbeit sinnvollerweise bearbeitet, woraus sich also ihre Wirkung und ihr ökonomischer Nutzen speisen.

An der Schnittstelle von privater Lebenswelt und Unternehmen

Betriebliche Sozialberatung zahlt sich aus.

Betriebliche Sozialberatung zahlt sich aus.

Auf der Basis einer qualitativen Studie und eines kooperativen Entwicklungsprojekts haben wir gemeinsam mit der Praxis konzeptionelle Grundlagen ausgearbeitet, von denen wir abschliessend den Kern kurz skizzieren möchten: Ausgangspunkt bildet die Feststellung, dass die Betriebliche Soziale Arbeit an der Schnittstelle zwischen privater Lebenswelt und beruflicher Leistungserbringung agiert. Im Mittelpunkt steht die Bearbeitung jener Situationen, in denen – erstens – die Integration von Mitarbeitenden, also die erfolgreiche und produktive Einbindung in das Unternehmen, belastet und letztlich gefährdet ist und diese Beeinträchtigung – zweitens – in ursächlichem Zusammenhang mit sozialen Problemen ausserhalb und innerhalb des Unternehmens steht. Sei es die Alkoholabhängigkeit des Mitarbeiters oder die Erziehungsschwierigkeiten mit der pubertierenden Tochter, sei es Mobbing durch Kollegen.

Probleme dieser Art werden in diesem Verständnis für die Betriebliche Sozialberatung dann bearbeitungswürdig, wenn sie sich im Zusammenhang mit der Leistungserbringung im Betrieb als negativ erweisen.

Die Soziale Arbeit in Unternehmen bearbeitet den Zusammenhang von Arbeit und sozialen Problemen, so lautet ihr Auftrag. Aufgrund der Position an der Schnittstelle von Unternehmen und privater Lebenswelt kann sie diesen Auftrag besonders erfolgreich erfüllen und dafür sorgen, dass sich die soziale Verantwortungsübernahme von Unternehmen tatsächlich auszahlt. Darüber hinaus werden die Aufgaben unter einer klaren und benennbaren Funktion gebündelt, die aus Sicht eines Unternehmens nachvollziehbar und «sinnvoll» und Basis für eine optimierte Zusammenarbeit im Unternehmen ist.

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PostHeaderIcon Der Care Drain ist hausgemacht. Wann kommt die Wende?

Es gibt zuwenig Pflegepersonal in der Schweiz. Das ist nicht neu. Die Schweiz bildet zuwenig aus. Das ist bekannt. Die Schweiz sollte mehr dagegen tun. Das ist alter Kaffee.

Der Care Drain ist hausgemacht. Wann kommt die Wende?

Der Care Drain ist hausgemacht. Wann kommt die Wende?

Von Care Drain wird dann gesprochen, wenn medizinisches Fachpersonal das Heimat- und Ausbildungsland verlässt. Das hat zur Folge, dass dadurch wirtschaftliche wie auch humanitäre Nachteile für das betroffene Land entstehen. Meistens wird das Weggehen des medizinischen Fachpersonals durch miese Arbeitsbedingungen und schlechte Entlöhnung verursacht. Zudem gibt es auch die sogenannten Pullfaktoren. Das heisst Staaten werben aggressiv mit hohen Löhnen, vorteilhafteren Arbeitsbedingungen und besseren technischen Rahmenbedingungen anderen Ländern ihr medizinisches Fachpersonal ab.

Gerade Länder mit einem schwach ausgebildeten Gesundheitssystem kommen dann unter die Räder.

Das ist nicht neu. Schon in den 80er Jahren litt das britische Gesundheitssystem (National Health Service UK) an einem Fachkräftemangel. Es gab schlicht zu wenig Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern. Da das Vereinigte Königreich als Kopf des Commonwealth und als ehemaliges British Empire über exzellente Quellen in den ehemaligen Kolonien verfügte, wurde dort aktiv das beste medizinische Fachpersonal abgeworben und auf die Britischen Inseln gelockt. Plötzlich gab es in den britischen Spitälern Fachpersonal aus Ghana, Zimbabwe, Nigeria, Indien, Australien, Neuseeland und andere Mitgliedsländern des Commonwealth. Insbesondere das Fachpersonal aus den Schwellen- und Entwicklungsländern riss grosse Lücken und fehlte vor Ort. Oft genug ergriffen die Besten der Besten ihre Chance. Sie konnten der wirtschaftlichen Misere ihrer Heimatländern auf einfache Weise entkommen. Das Phänomen des Care Drain gab es immer. Auch die arabische Welt, weite Teile des Nahen Ostens und des Maghrebs würden ohne das medizinische Fachpersonal von den Philippinen oder aus den osteuropäischen Staaten dahinsiechen und kollabieren.

Medizinisches Fachpersonal ist auf der ganzen Welt begehrt.

Es gibt zuwenig Pflegepersonal in der Schweiz.

Es gibt zuwenig Pflegepersonal in der Schweiz.

Es heuerte immer dort an, wo die Bedingungen zur Berufsausübung besonders attraktiv waren und der Lohn stimmte. Eine Krankenschwester aus Ghana kann in London ein Mehrfaches an Einkommen verdienen und mit den monatlichen Geldrimessen die Familie in der Heimat wirtschaftlich unterstützen. Zudem gibt es in der Regel auch keine Sprachhürden. Dafür muss dann das garstige britische Wetter und der unterschwellige Rassismus in Kauf genommen werden.

Der medizinische Fachkräftemangel in der Schweiz ist hausgemacht.

Wir bilden einfach zuwenig Ärzte, Ärztinnen, Pfleger und Krankenschwestern aus und meinen dann, dass wir das fehlende Personal einfach schnell in die Schweiz locken können. Andere Länder rüsten jedoch massiv gegen die Abwerbungen auf. Sie schaffen vermehrt günstige berufliche Rahmenbedingungen und sorgen dafür, dass das Fachpersonal es sich zweimal überlegt, ob es überhaupt seine Zelte woanders aufschlagen möchte. Auch aufstrebenden Volkswirtschaften oder Schwellenländer wie zum Beispiel Polen oder Brasilien sind auf das eigene gut ausgebildete Personal dringend angewiesen und treffen gegen den Verlust des teuer ausgebildeten Fachpersonals geeigneten Massnahmen.

Vielleicht sollte in der Schweiz ein Paradigmawechsel die Wende einleiten:

  • Sofort weg mit dem Numerus Clausus. Lasst junge Menschen Humanmedizin studieren, wenn sie das möchten. Es braucht mehr Ärzte und Ärztinnen, die in der Schweiz ausgebildet wurden. Dann müssen sie nicht importiert werden! Es kostet etwas. Es ist aber gut investiertes Geld. Die Schweiz kann sich das leisten.
  • Schafft vernünftige Dienstpläne in den Spitälern, Altersheimen und anderen medizinischen Einrichtungen, die ein anständiges Privat- und Familienleben zulassen.
  • Erhaltet die Begeisterung der Jungen nach deren medizinischen Berufsausbildung. Zu viele von ihnen kehren dieser Berufswelt frustriert und ernüchert den Rücken zu. Das ist wirklich teuer. Und das kann sich die Schweiz bestimmt nicht leisten.
  • Bezahlt das Pflegepersonal anständig und gerecht. Es ist kein einfacher Job. Nur von der sinnstiftenden Tätigkeit kann man nicht leben. Die Zeiten von Florence Nightingale sind vorüber.

Vielleicht begreift die Politik endlich, dass es in unserem Gesundheitswesen krankt. Ansonsten wird sie es dann zu spüren bekommen, wenn deren Vertreter und Vertreterinnen selber im Spital liegen und auf eine kompetente Pflege angewiesen sind. Vielleicht kommt dann niemand mehr.

  • Sie suchen medizinisches Fachpersonal? Mit diesem LINK kommen Sie dazu.
  • Sie suchen einen Job im Medical Bereich? Mit diesem LINK finden Sie ihn.
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PostHeaderIcon ‘Sick on the Job? Myths and Realities about Mental Health and Work’.

Stress, Druck und Angst nehmen in der Arbeitswelt stark zu und sind weit verbreitet. Sie machen Menschen krank. Das kostet!

OECDIn wenigen Tagen wird die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) eine Studie von über 200 Seiten mit dem vielsagenden Titel ‚Krank im Beruf? Mythen und Realität über die mentale Gesundheit und Arbeit’ publizieren.

Viele Arbeitnehmende leiden. Der Druck steigt unaufhaltbar in der Arbeitswelt. Gerade in der Krise wird dieser sogar noch erhöht. Das löst grosse Anspannungen aus und provoziert Angstzustände, die über das erträgliche Mass gehen. Viele sind davon überfordert, erkranken seelisch und überfordern damit auch ihre Arbeitsumgebung.

Arbeitskollegen und –kolleginnen verhalten sich dann oft im besten Fall kauzig, skurril, verschroben, anstrengend und unangemessen. Meistens sind sie allerdings übel gelaunt, sehr reizbar, terrorisieren ganz Abteilungen mit ihrer schwierigen Gefühlslage und sind sich oft keiner Schuld bewusst. Die Eigenwahrnehmung deckt sich schon lange nicht mehr mit der Fremdwahrnehmung. Alle wissen, dass das Ekelpaket unerträglich ist, aber die Verursacher sind der Meinung, dass ihr Verhalten sachdienlich ist und sich gefälligst die anderen anzupassen hätten.

Solche Handlungsweisen, auch wenn sie zuweilen bizarr, lächerlich oder einfach lästig sind, sollten nicht unterschätzt werden.

Treten zum Beispiel bei einem Mitarbeitenden solche Verhaltensweisen gehäuft auf und passen sie nicht zum üblichen Verhaltens- und Rollenmuster, dann ist das nicht immer ein vorübergehendes Phänomen, das vielleicht durch einen Schicksalsschlag, eine Scheidung oder eine Kränkung verursacht wurde, sondern können die manifesten Symptome einer psychischen Erkrankung anzeigen. Dann nützt gutes Zureden der Vorgesetzten wenig. Auch sich zusammen reissen bringt wenig. Professionelle Fachhilfe ist nützlicher.

Die psychischen Erkrankungen verursachen volkswirtschaftliche Schäden, die nicht zu unterschätzen sind. Sie kosten in der Schweiz Milliarden.  Die Studie der OECD wird auf Französisch und Englisch publiziert. Sie ist ab dem 26. Januar 2012 erhältlich und kann mit diesem LINK direkt bestellt werden. Der Inhalt wird wie folgt zusammen gefasst:

The costs of mental ill-health for the individuals concerned, employers and society at large are enormous. Mental illness is responsible for a very significant loss of potential labour supply, high rates of unemployment, and a high incidence of sickness absence and reduced productivity at work. In particular, mental illness causes too many young people to leave the labour market, or never really enter it, through early moves onto disability benefit.Today, between one-third and one-half of all new disability benefit claims are for reasons of mental ill-health, and among young adults that proportion goes up to over 70%. Indeed, mental ill-health is

Wenn der Beruf krank macht, dann verlieren beide. Arbeitnehmende und Arbeitgebende.

Wenn der Beruf krank macht, dann verlieren beide. Arbeitnehmende und Arbeitgebende.

becoming a key issue for the well-functioning of OECD’s labour markets and social policies and requires a stronger focus on policies addressing mental health and work issues. Despite the very high costs to the individuals and the economy, there is only little awareness about the connection between mental health and work, and the drivers behind the labour market outcomes and the level of inactivity of people with mental ill-health. Understanding these drivers is critical for the development of more effective policies. This report aims to identify the knowledge gaps and begin to narrow them by reviewing evidence on the main challenges and barriers to better integrating people with mental illness in the world of work’.

Die Schlussfolgerungen der Studie sind auch dahingehend interessant, dass es in vielen Ländern für schwere psychische Erkrankungen durchaus angemessene Behandlungsmethoden und Einrichtungen gibt. Erkranken Arbeitnehmende an schwächer ausgebildeten Symptomen und Krankheitsbildern, die jedoch eine normale Leistungsfähigkeit praktisch und faktisch einschränken, sind viele Gesundheitssysteme damit überfordert. Ist die Seele quasi nur verstaucht, dann weiss man nicht wie sie behandelt werden sollte. Viele betroffene Arbeitnehmende werden dann entlassen, weil sie für ihre Arbeitsumgebung nicht mehr erträglich sind. Sind das dann noch überdurchschnittlich gut ausgebildete Mitarbeitende kommt es der Firma richtig teuer zu stehen. Vielleicht wäre es manchmal gescheiter, wenn Unternehmen solchen Mitarbeitenden professionelle Hilfe organisieren und sie eine Auszeit nehmen lassen. Bestimmt gewinnen beide Seiten. Die Volkswirtschaft sowieso.

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PostHeaderIcon Coaching 2.0: Darfs ein bisschen anonymer sein?

HR TodayIn Chatrooms herrscht oft eine überraschende Intimität – da werden Ängste offenbart, die nicht einmal der beste Freund kennt. Genau dieses Phänomen nutzt internetbasiertes Coaching (Ein Beitrag von: Michelle Hofmann, Sandro Cornella, HR Today).

Das Coaching begleitet Mitarbeitende mit psychischen Belastungen. Die höhere Anonymität führt dazu, dass Betroffene dieses Angebot eher in Anspruch nehmen als ein Face-to-Face-Coaching. Gerade im Rahmen eines professionellen betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) macht sich dies bezahlt. Denn jährlich verursachen psychische Belastungen hohe Kosten von geschätzten 4 Milliarden Schweizer Franken pro Jahr (Quelle: SECO) im Minimum.

Mit den richtigen Massnahmen gelingt es, Betroffene wirksam zu begleiten. Der Fall von Urs A.* illustriert dies beispielhaft – ohne das Online-Coaching wäre der Projektleiter höchstwahrscheinlich über kurz oder lang mit einem Burnout ausgefallen.

«Alle anderen bekommen das locker hin, ich tauge dafür nicht»

Coaching 2.0: Darfs ein bisschen anonymer sein?

Coaching 2.0: Darfs ein bisschen anonymer sein?

Der 48-Jährige hat aus zweiter Ehe einen 9-jährigen Sohn, der unter einer Aufmerksamkeitsstörung leidet, was die Beziehung zu seiner Frau stark belastet. Durch Umstrukturierungen wurde Urs A. zudem aus seinem gewohnten beruflichen Umfeld herausgerissen. Er fühlte sich durch die privaten Probleme und den neuen organisatorischen Set-up zunehmend gestresst. Nachts lag er oft lange wach, tagsüber war er gereizt, verpasste immer wieder Termine. Auf dem Intranet seines Arbeitgebers entdeckte er das Angebot des externen Online-Coachings und beschloss, es zu nutzen.  Im Rahmen dieses Coachings löste Urs A. verschiedene Aufgaben und formulierte schriftlich seine Antworten. Der Prozess des Formulierens half ihm dabei, seine Selbstwahrnehmung zu schärfen. Erstaunt stellte er fest, dass sein Druck grösstenteils «hausgemacht» war: Die Angst, zu versagen, sass ihm dauernd im Nacken und negative Gedanken wie «Alle anderen bekommen das locker hin, ich tauge dafür nicht» blockierten ihn.

Kleine «Zeit-Oasen» in den Tagesablauf eingebaut

Bauen Sie unbedingt kleine «Zeit-Oasen» in den Tagesablauf!

Bauen Sie unbedingt kleine «Zeit-Oasen» in den Tagesablauf!

Um Urs A.s zunehmender Verzettelung entgegenzuwirken, empfahl ihm der Coach, seinen Tagesablauf zu dokumentieren. Dabei merkte Urs A. rasch: Er nahm fast keine Arbeitspausen, häufig ass er den ganzen Tag kaum, Zeit für Freunde oder Sport fehlte. In der Folge begann er, kleine «Zeit-Oasen» einzuplanen und achtete auf eine ausgewogene Ernährung. Er machte wann immer möglich um 18 Uhr Schluss. Eine Entspannungsübung half ihm, besser zu schlafen. Er lernte, stressverstärkende Gedanken zu erkennen und wirksam zu ändern. Bereits nach wenigen Wochen kam Urs A. innerlich zur Ruhe, konnte wieder fokussierter arbeiten und übte weniger Druck auf andere aus. Als «Abschlussarbeit» formulierte er aus der Perspektive eines Freundes einen Brief an sich selbst, in dem er seine Erkenntnisse festhielt und seine persönlichen Stressbewältigungsstrategien für die Zeit nach dem Coaching dokumentierte. Dazu zählte auch ein gemeinsamer abendlicher Spaziergang mit seiner Frau, was Urs A. viel emotionalen Rückhalt gab. Dies trug wesentlich dazu bei, dass Urs A. gelassener ist, eine höhere Lebenszufriedenheit hat und heute nicht länger für einen Ausfall gefährdet ist.

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PostHeaderIcon Psychische Probleme am Arbeitsplatz: Hier finden die Beteiligten Unterstützung.

HR Today Wer sich ein Bein bricht und ins Krankenhaus muss, erzählt ungeniert davon. Psychische Erkrankungen sind allerdings noch immer ein Tabuthema. Oft holen sich die Betroffenen zu spät Unterstützung. Aber auch der Arbeitgeber sollte nicht zu lange warten: Verschiedene Organisationen, unter anderem die IV, helfen, für alle Beteiligten eine gute Lösung zu finden (ein Beitrag von: Ursula Schnellmann und Regula Stocker, HR Today).

Die Zahl der aus psychischen Gründen invalidisierten Personen ist in der Schweiz in den letzten 20 Jahren sieben Mal stärker angestiegen als die Zahl aller anderen Rentenbezüger. Diese psychische Be- und Überlastung der Mitarbeitenden hat natürlich auch Folgen für das Unternehmen. Fehlzeiten, Leistungseinbussen, Fluktuationen – die negativen Auswirkungen gehen ins Geld.

Wenn die Arbeitnehmenden allerdings ganz aus dem Arbeitsprozess fallen, wird es erst richtig teuer.

Einerseits für die Unternehmen, welche neben dem Aufwand für Personalsuche und Einarbeitung auch mit steigenden Versicherungsprämien rechnen müssen, andererseits für die Gesamtgesellschaft, welche unter den stetig steigenden Sozialversicherungs- und Gesundheitskosten leidet. In erster Linie ist der Verlust der Arbeitsstelle aber für die betroffene Person ein Tiefpunkt, welcher eine bereits vorher sehr schwierige Situation noch massiv verschlechtern kann.

Welche Anzeichen deuten auf eine psychische Erkrankung hin?

Wer sich ein Bein bricht und ins Krankenhaus muss, erzählt ungeniert davon. Psychische Erkrankungen sind allerdings noch immer ein Tabuthema.

Wer sich ein Bein bricht und ins Krankenhaus muss, erzählt ungeniert davon. Psychische Erkrankungen sind allerdings noch immer ein Tabuthema.

Um zu verhindern, dass Mitarbeitende aus psychischen Gründen aus dem Arbeitsprozess fallen, ist es wichtig, Anzeichen früh zu erkennen und rechtzeitig Massnahmen einzuleiten. Hier liegt jedoch die Schwierigkeit: Häufig werden Anzeichen im betrieblichen Alltag nicht wahrgenommen oder erst dann, wenn bereits körperliche Symptome auftauchen. Denn einerseits können psychische Erkrankungen selten auf ein spezifisches Ereignis zurückgeführt werden, andererseits unterliegen psychische Belastungen subjektiven Bewertungen und sind deshalb schwer einzuschätzen. Dies gilt sowohl für die Vorgesetzten als auch für die Kollegen und nicht zuletzt für die betroffene Person selber. Dazu kommen Vorurteile, Unwissenheit und diffuse Ängste gegenüber psychischen Problemen, was zu einer gewissen Stigmatisierung führt. Jeder Arbeitnehmer, der krankheitsbedingt im Spital war, wird dies seinen Kollegen mitteilen, doch nur wenige würden ihren Kollegen von einem Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik erzählen.

Was also müssen Personalverantwortliche oder Vorgesetzte beachten? Wie kann man mögliche Anzeichen drohender psychischer Beeinträchtigung erkennen? Führungskräfte sind keine Therapeuten, sie können und sollen deshalb keine Diagnosen stellen. Vielmehr geht es darum, ein gewisses Sensorium zu entwickeln, um potenzielle Merkmale psychischer Erkrankungen zu erkennen. So kann es ein Alarmzeichen sein, wenn jemand seine Gewohnheiten oder Verhaltensweisen in einer für Aussenstehende unerklärbaren Form verändert. Unter anderem können folgende Merkmale auf psychische Probleme hindeuten:

  • Sozialer Rückzug und Scheu vor Kontakt
  • Übersteigertes Redebedürfnis bis hin zu Selbstgesprächen
  • Übersteigertes Bedürfnis, alltägliche Verrichtungen immer wieder zu wiederholen
  • Gefühlsausbrüche, unkontrolliertes disziplinloses Verhalten
  • Aussergewöhnliche Unruhe, Ruhelosigkeit, Angespanntheit (zum Beispiel Händezittern, Schweissausbrüche)
  • Äusserungen von Angstgefühlen oder von Lebensüberdruss
  • Vernachlässigung oder übertriebene Pflege der äusseren Erscheinung (Sauberkeit/Kleidung)
  • Stark veränderte Essgewohnheiten
  • Abnehmende Arbeitsleistung, zunehmende Fehlerhäufigkeit
  • Viele Aufgaben werden begonnen, aber nicht zu Ende gebracht
  • Häufung von Kurzerkrankungen/Fehltagen

 Vorgesetzte sollten solche Anzeichen ernst nehmen und das Gespräch mit dem betroffenen Mitarbeitenden suchen. Wichtig ist auch, die eigenen Führungsmöglichkeiten realistisch einzuschätzen und rechtzeitig Hilfe anzufordern, wenn man ein ungutes Gefühl hat.

IV: Der Fokus liegt auf der Früherfassung und Frühintervention

Vor allem grössere Unternehmen verfügen in der Regel über eine interne Sozialberatungsstelle oder haben in der eigenen Personalabteilung ein professionelles Case Management institutionalisiert. Diese internen Fachleute unterstützen sowohl die Vorgesetzten wie auch die Mitarbeitenden in heiklen Situationen und organisieren die nötigen Kontakte zu Ärzten, Versicherungen, Beratungsstellen oder weiteren Involvierten. Wenn diese interne Unterstützung fehlt, können und sollen Vorgesetzte externe Hilfe in Anspruch nehmen.

So bietet beispielsweise die Invalidenversicherung (IV) spezifische Unterstützung für Arbeitgeber an, einige IV-Stellen verfügen über eine telefonische Arbeitgeber-Hotline. Mit der 5. IV-Revision wurden zudem neue Instrumente eingeführt: Durch Früherfassung und Frühintervention soll verhindert werden, dass erkrankte oder verunfallte Mitarbeitende ihre Stelle verlieren. Sobald im Wissen des Mitarbeitenden eine Meldung bei der IV-Stelle seines Wohnkantons erfolgt ist, kann die IV nach einer Frühabklärung helfen und in Beratungsgesprächen mit der betroffenen Person und ihrem Umfeld einen nachhaltigen und verbindlichen Eingliederungsplan aufstellen. Vorgesetzte erhalten bei der IV-Stelle eine direkte Ansprechperson und werden laufend informiert und aktiv in den Eingliederungsprozess einbezogen. Die Meldung zur Früherfassung durch den Arbeitgeber und die Zusammenarbeit mit der IV-Stelle haben keinen Einfluss auf das bestehende Arbeitsverhältnis (beispielsweise bezüglich Kündigungsrecht des Arbeitgebers).

Eine Lösung soll für den Arbeitgeber und den Mitarbeitenden stimmen

Eine Lösung soll für den Arbeitgeber und den Mitarbeitenden stimmen

Eine Lösung soll für den Arbeitgeber und den Mitarbeitenden stimmen

Nach einer Analyse der Situation werden verschiedene Massnahmen geprüft, welche ermöglichen sollen, dass die betroffene Person weiterhin im Unternehmen arbeiten kann. In Frage kommen zum Beispiel eine Umplatzierung im Unternehmen, eine Umschulung oder die Anpassung des Arbeitspensums. Um das Unternehmen finanziell zu entlasten, kann die IV-Stelle dem Arbeitgeber finanzielle Beiträge für die Massnahmen in seinem Betrieb bezahlen und während maximal eines halben Jahres einen Einarbeitungszuschuss ausrichten, wenn der Mitarbeitende vorübergehend nicht voll leistungsfähig ist.

Zudem erhält der Arbeitgeber Entschädigungen für allfällige Prämien- und Beitragserhöhungen, wenn der Mitarbeitende in den ersten zwei Jahren wegen der bereits bestehenden Krankheit erneut ausfällt. Bei Bedarf können die betroffene Person sowie die Vorgesetzten durch einen Coach betreut werden. Dieser erarbeitet zum Beispiel mit den Beteiligten ein spezifisches Fähigkeitsprofil, prüft die Anforderungen des Arbeitsplatzes, steht Vorgesetzten und Kollegen durch fachliche Beratung zur Seite und interveniert bei allfälligen Krisen rasch und professionell. Oft arbeitet die IV-Stelle dafür auch mit spezialisierten privaten Organisationen zusammen, welche sich seit 2008 im nationalen Dachverband Supported Employment Schweiz organisieren (www.supportedemployment-schweiz.ch).

Auch Case Management wird häufig durch private Organisationen angeboten (vgl. www.netzwerk-cm.ch). Die privaten Anbieter, welche Vorgesetzte und Betroffene im (Wieder-)Eingliederungsprozess professionell unterstützen, können auch durch den Arbeitgeber direkt beauftragt werden. Dabei empfiehlt es sich jedoch, die Kostenübernahme zu Beginn des Prozesses zu klären. Betriebe, welche eine Krankentaggeld-Versicherung abgeschlossen haben, können sich bei ihrem Versicherer nach einem allfälligen Unterstützungsangebot erkundigen.

Ansonsten sollten sich die Arbeitgeber mit Fragen betreffend Kostenübernahmen an die IV-Stelle ihres Kantons wenden. Das Ziel ist eine Lösung, die sowohl für den Arbeitgeber als auch den betroffenen Mitarbeitenden stimmt. Kann ein Arbeitnehmender im Betrieb bleiben, bleibt in erster Linie sein Know-how für die Firma erhalten. Aber auch die anderen Mitarbeitenden fühlen sich sicherer, was die Arbeitsmotivation und die Verbundenheit mit der Firma erhöht. Denn niemand kann ausschliessen, selbst einmal von Krankheit, Unfall oder persönlichen Schicksalsschlägen betroffen zu sein.

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PostHeaderIcon Die Clean Desk Policy schlägt aufs Gemüt. Die kuschelige Büronische ist gefragt.

Treten Menschen in einem Raum, zum Beispiel ein Restaurant, dann suchen sie nicht die Mitte, sondern möchten sich an der Peripherie des Raumes niederlassen. Das in den Köpfen laufende sehr alte Softwareprogramm der menschlichen Entwicklungsgeschichte lässt keine andere Wahl. Instinktiv zieht es Menschen zu den Raumnischen oder –ränder.

Die Clean Desk Policy schlägt aufs Gemüt. Die kuschelige Büronische ist gefragt.

Die Clean Desk Policy schlägt aufs Gemüt. Die kuschelige Büronische ist gefragt.

Firmen investieren Unsummen in die Gestaltung ihrer Büroräumlichkeiten. Viele möchten Kosten sparen. Das geht nur über die Optimierung von Flächen und Mehrfachnutzmöglichkeiten der Infrastruktur.Mit anderen Worten: Die entseelten und entbeinten Hasenställe moderner Bürosilos sind betriebsökonomisch attraktiver, als die betonte und teure Individualisierung von Arbeitsräumen, die jedoch den persönlichen Bedürfnissen der Mitarbeitenden an ihre Arbeitsumgebung mehr entsprechen und somit die Grundmotivation erhöht.

Das Grossraumbüro ist das goldene Kalb der Effizienz

Viele Unternehmen betreiben Grossraumbüros und erhoffen sich dadurch erkleckliche Kostenersparnisse, eine höhere Wirksamkeit der Kommunikation und eine fein austarierte Optimierung der Geschäftsprozesse. Diese Sicht ist jedoch zu einfach.

Der Mensch ist nun mal keine Maschine, die wie ein Kaffeeautomat jeden Tag mehr oder weniger gleichmässig funktioniert.

Die äussere Umgebung wird den Automaten kaum in seiner Leistung beeinträchtigen. Er ist schliesslich nicht Stimmungen ausgesetzt und Sklave seines Gemüts. Auch die sogenannten mobilen Büros werden an den atavistischen Verhaltensweisen der Menschen scheitern. Menschen bevorzugen einen festen Platz, den sie eindeutig als ihr Arbeitsrefugium identifizieren können. Der Arbeitsplatz ist nun mal ein Ort, der auch Individualität zulassen muss.  Die rollenden Büros und die Erwartung des Arbeitsgebers, dass Mitarbeitende jeden Tag mit Freude an einem anderen Ort seinen Arbeitsplatz suchen muss, ist eine Illusion. Einige können sich mit dieser neuzeitlichen Organisationsformen der Arbeitsplätze sehr wohl arrangieren oder wollen dem Arbeitgeber keinesfalls den Eindruck vermitteln es an nötiger Flexibilität mangeln zu lassen. Aber die Mehrheit der Mitarbeitenden wünschen sich Arbeitsplätze, wo ein gewisses Mass an Intimität und Privatsphäre noch möglich ist. Des Weiteren sind Arbeitsplätze, die auch ein gewisses Mass an konzentrierter Arbeitsruhe zulassen, viel produktiver. Zu diesem Punkt weist PersonalRadar mit diesem LINK auf einen schon publizierten Beitrag hin.

Das Grossraumbüro ist das goldene Kalb der Effizienz

Das Grossraumbüro ist das goldene Kalb der Effizienz

Viele schätzen es, wenn Arbeitsplätze nicht nur ergonomisch und funktional eingerichtet sind, sondern die individuelle Gestaltungsmöglichkeit wie zum Beispiel das Aufstellen von Familien- und Kinderfotos, das Aufhängen von Kinderzeichnungen oder Bildern, das Hinstellen von Blumen oder Pflanzen als ganz persönliche Duftmarke zulassen. Solche Kleinigkeiten und Freiräume erhöhen die Identifikationsfähigkeit mit dem Arbeitgeber. Die beschränkte aber durchaus erwünschte Gestaltungsmöglichkeit des persönlichen Arbeitsplatzes ist auch eine günstige Retentionsmassnahme. Arbeitnehmende, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen sind in der Regel weniger versucht sich jobmässig neu zu orientieren.

Die Studie der Colliers International Zürich – mit diesem LINK kommen sie gleich zu den Inhalten – zeigt klar auf, dass die Leistung besser ist, wenn genügend Ruhe und Raum zur Verfügung steht. Die Grossraumbüros werden nicht verschwinden. Wenn Mitarbeitende jedoch Rückzugszonen haben, werden sie der Firma auch länger treu bleiben. Eine hohe Personalfluktuation kostet mehr!

Zu diesem Thema hat kürzlich auch das Schweizer Fernsehen mit seinem Wirtschaftsmagazin ECO einen Beitrag gleistet. Mit diese LINK kommen Sie gleich zum Thema. Was meinen Sie dazu? PersonalRadar interessiert sich für Ihre Meinung!

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PostHeaderIcon «Bei der Arbeit verhalte ich mich, als wäre jeder Tag ein Marathonlauf».

HR TodayVor eineinhalb Jahren kam er, «der Tag, als es einfach nicht mehr ging». Diagnose: Burnout. Damit begann für Emily ein Weg, der sie über Entspannungsübungen, einen Klinikaufenthalt und viele Stunden bei verschiedenen Ärzten in einen Pferdestall führte – und zu manchen, für sie überraschenden Einsichten und Erkenntnissen (ein Beitrag von: Corina Hany, HR Today)

«Bei der Arbeit verhalte ich mich, als wäre jeder Tag ein Marathonlauf»Klein und schlank ist sie. Als sie näher tritt, fallen sofort diese unglaublich schönen Augen auf. Dunkelbraun und ausdrucksstark: Sie funkeln und verraten den starken Willen im Körper dieser zarten, mädchenhaft erscheinenden 47-jährigen Frau. Noch aber wirkt sie zurückhaltend, leicht misstrauisch. Was die Journalistin wohl fragen mag, scheint ihr Blick, der sich immer mal wieder kurz abwendet, zu sagen. Und dann blitzt es wieder auf, dieses kraftvolle, schon fast eigensinnige Leuchten in ihren Augen, den Blick nun fest auf mich gerichtet. Die Fäden, die behält diese Frau in der Hand. So entscheidet sie sich dann auch definitiv dafür, anonym bleiben zu wollen. Ich gebe ihr den Namen Emily.

Radiergummi und Mistgabel – der Weg vom Büro in den Pferdestall

Emily leidet an einem Burnout. «Ein atypisches», wie sie mehrmals betont. So hätte sie beispielsweise bis zwei Tage vor ihrem Zusammenbruch im Sommer 2008 bestens geschlafen. Und an ihrem ersten Morgen in der Klinik «bin ich um sechs Uhr aufgestanden, um zu laufen». Weil sie Angst gehabt hätte, im mit Therapiestunden dicht bepackten Klinikalltag keine Zeit mehr für ihr Lauftraining zu finden. Denn Emily läuft seit zehn Jahren an Marathons mit. «Also machte ich es vor dem Frühstück. Und bin danach frisch und wach zum Morgenessen erschienen, während meine Mitpatienten sich vom chemischen Schlaf müde und kraftlos in den Frühstücksraum geschleppt haben.» Burnout sei medizinisch gesehen keine Diagnose. «Auf den Berichten der Ärzte steht Depression», sagt sie. Aber so fühle sie sich nicht.

Und doch, gesund ist Emily nicht. Nach dem Tag, «als es einfach nicht mehr ging», arbeitete sie acht Monate nicht mehr als Bibliothekarin. Und danach statt achtzig Prozent nur noch dreissig. Seit einigen Wochen ist sie nun in einem Time-out-Programm der IV und arbeitet auf der QueensRanchAcademy, einem Ausbildungsbetrieb für Persönlichkeitsentwicklung, Kaderausbildung und Firmenseminare. Zu Beginn zwei Stunden täglich, seit kurzem drei. «Zuerst dachte ich, das ist ja viel zu wenig. Aber dann war ich froh, waren es nur zwei Stunden», erzählt sie lachend. Seit zwanzig Jahren arbeitet sie im Büro. «Und dann stehst du plötzlich in einem Pferdestall, mistest Boxen aus, putzt die Tiere und hievst Schubkarren voller Mist herum. Das ist hart.» Aber als ihre Ansprechperson bei der IV beim Aufzählen der möglichen Einsatzprogramme die Ranch erwähnte, war ihr sofort klar, dass sie dorthin gehen wollte. Bis zu diesem Tag lagen hinter Emily bereits rund eineinhalb Jahre Krankheitsgeschichte.

Ein Burnout kommt auf leisen Sohlen: «Ich habe mich falsch eingeschätzt»

«Es begann schleichend, während mehr als eines Jahres hat sich die Krankheit aufgebaut.» Lange spürte sie nicht, was da vor sich ging. «Ich habe mich völlig falsch eingeschätzt.» Emily leidet unter einer Überempfindlichkeit ihres Gehörs, genannt Hyperakusis. «Es ist kein Tinnitus, wie das viele fälschlicherweise annehmen. Verkehrslärm, Kindergeschrei oder knarrende Türen sind für mich unerträglich. Ich höre alles und kann nicht abschalten.» Während der Arbeit in der Bibliothek störte sie das weniger. «Der Büroalltag ist ja nicht besonders laut.»

Aber der Weg zur Arbeit und ihre Freizeit wurden zur Hölle. Sie begann, Baustellen auszuweichen, ertrug einfahrende Züge kaum mehr und wich jenen Rolltreppen aus, von denen sie wusste, dass sie quietschten. Ohne Kopfhörer auf den Ohren ist sie nicht mehr unterwegs. «Ich höre Musik. Möglichst laute. Damit die Geräusche übertönt werden.» Es sei nicht so, dass diese im Ohr schmerzten, «es ist einfach ein extremer Stress, eine grosse Belastung». Emily wurde immer dünnhäutiger, weinte viel, zog sich zurück, war unzufrieden und schnell irritiert. Und dann stehst du plötzlich in einem Pferdestall, mistest Boxen aus, putzt die Tiere und hievst Schubkarren voller Mist herum. Das ist hartIn der Bibliothek hatte sie das Gefühl, dass sie immer mehr Zeit für ihre Arbeit brauchte. «Aber wenn ich den Stapel abgearbeiteter Bücher anschaute, war er nicht grösser. Ich brauchte also immer mehr Energie für die gleiche Menge Arbeit.» Eines Tages konnte sie dann einfach nicht mehr. Sie meldete sich krank und ging zu ihrer Hausärztin. Diese schrieb Emily eine Woche krank und schickte sie zum Gehörspezialisten. Er fand nichts und sie erhielt für eine weitere Woche ein Arztzeugnis. Sie musste zu einem Psychiater, das Wort Burnout fiel zum ersten Mal. Was sie dabei empfunden hatte, weiss Emily nicht mehr, auf Fragen nach ihren Gefühlen und Empfindungen schweigt sie jeweils lange. Der Psychiater schickte sie mit Entspannungsübungen nach Hause. «Die machte ich, aber genützt haben sie nichts.» Ihre Hausärztin sah sie regelmässig, um das Arztzeugnis zu verlängern. Mit leiser, aber fester Stimme erzählt sie, wie aus den Wochen Monate wurden. «Und irgendwann meinte meine Ärztin, ich solle doch wieder arbeiten gehen. Aber das ging nicht, ich konnte nicht.» Ihre Empörung ist Emily deutlich anzumerken. Also suchte sie sich einen Burnout-Spezialisten. Dieser sagte ihr dann schnell, dass er ihr empfehle, in eine Klinik zu gehen. Für Emily war das ein Schock, eine Welt brach zusammen.

«Ich hatte Vorurteile. Dachte, es sei schlimm: geschlossene Anstalten, Zwangsmedikation. Aber so war es nicht.»

Emily teilte mit neunzehn anderen Burnout-Patienten ein Haus auf dem Areal der Klinik Littenheid im Kanton Thurgau. Der Alltag dort war strukturiert, zu den Mahlzeiten musste man erscheinen. Daneben gab es verschiedene Therapieangebote: Musik-, Ergo-, Maltherapie, Yoga und Einzelsitzungen mit einem Psychiater. «Es ist ein bunter Alltag, wir haben viel miteinander gelacht.» Emily wirkt nun sichtlich entspannt beim Erzählen. Auf die Frage, was ihr am meisten geholfen habe, meint sie: «Der Austausch mit den anderen Patienten. Zu hören, was sie erlebt haben. Man sieht dann, ah ja, das habe ich auch, so habe ich ebenfalls reagiert.»

Es seien Menschen wie du und ich. Alle Altersgruppen, von Beruf Pfarrer, Krankenschwester, Sozialarbeiter, Bäcker-Konditor, Elektromonteur. «Es gab mir das Gefühl, normal zu sein. Weil ein Burnout jedem passieren kann. Das hat mir geholfen.» Aber sie fühlte sich auch darin bestätigt, dass sie kein typisches Burnout hatte. «Die meisten Burnout-Patienten sind physisch erschöpft. Sie können vielleicht kaum fünfhundert Meter gehen, ohne am Ende zu sein. Aber ich absolvierte mein Lauftraining, war fit. Und ich weigerte mich, Medikamente zu nehmen.» Emily fühlte vielmehr eine emotionale Erschöpfung, der Funken war nicht mehr spürbar.

Das Leben kann ein unendlicher Marathon werdenNach dem Klinikaufenthalt fühlte sie sich besser. «Ausgeglichener. Und auch die Hyperakusis war viel weniger geworden.» Einige Wochen später, nachdem sie wieder als Bibliothekarin gearbeitet hatte, wurde es allerdings wieder schlimmer. Immer mal wieder musste sie einen Tag zu Hause bleiben. Als der Burnout-Spezialist ihr dann sagte, sie solle sich doch bei der IV anmelden, sie habe gute Chancen auf eine Rente, regte dies Emilys Kampfgeist wieder an. «Ich empfand dies gar nicht als Kompliment. Ich will keine Rente.» Immer wieder sagte sie sich, dass sie das hinkriege. Und so ging sie wieder zur Arbeit, blieb zu Hause, kehrte zurück. «Irgendwann musste ich einsehen, dass ich wohl doch nicht so schnell wieder gesund werde.»

Und die Zeit läuft. Bis Ende Juni ist ihr Lohn über den Arbeitgeber noch versichert. Also meldete sie sich im vergangenen Herbst bei der IV an. Und erlebte auch da eine positive Überraschung. «Erst dachte ich, dass ich wieder durch einen Abklärungsmarathon gehen müsse und dann in eine Rente abgeschoben werde. Stattdessen zeigte mir mein Betreuer auf, was es sonst noch für Möglichkeiten gibt.» Eine davon war die QueensRanchAcademy. Emily lebt auf, als sie davon erzählt. «Ich konnte mir sofort vorstellen, mit Tieren zu arbeiten. Und ich freute mich darauf, dass es etwas ganz anderes ist als das, was ich bisher gemacht habe.»

Und das war schon einiges. Denn was Emily sich am meisten wünscht, sind Freude und Leidenschaft für die Arbeit, so wie sie sie beim Lauftraining verspürt. Bis jetzt hat sie diese aber noch nie empfunden. «Es muss bling machen und dann weisst du, das ist es, das ist deine Berufung», sagt sie. «Bling» machte es allerdings weder beim Fotografie-Studium an der Kunsthochschule noch bei ihrer Arbeit im Verlagswesen oder in der Bibliothek. Emily absolvierte auf ihrer Suche auch schon diverse Weiterbildungskurse. «Unter anderem als Webpublisher. Aber das war gar nicht meins.» Vor ihrem Burnout begann sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur Ernährungsberaterin. Ob sie diese zu Ende bringen wird, weiss sie noch nicht, eine gewisse Ratlosigkeit steht Emily ins Gesicht geschrieben. Zuerst allerdings wird sie noch das insgesamt zwölf Wochen dauernde Time-out auf der Ranch beenden. Und da hatte sie kürzlich eine prägende Einsicht. Obwohl sie etwas ganz anderes macht als in der Bibliothek, kam dieser Stress wieder. «Ich hatte gehofft, dass es da anders ist. Aber ich merke jetzt, dass ich etwas mitbringe. Egal wo ich arbeite. Und das werde ich überall antreffen.» Im Gespräch mit der Leiterin der Ranch realisierte Emily, dass sie wieder, wie in der Bibliothek, mit vollem Einsatz alles gegeben hat. Zu viel, wie sie jetzt weiss.

«Bei der Arbeit verhalte ich mich, wie wenn jeder Tag ein Marathonlauf wäre. Aber ich muss lernen, dass eben auch lockere Trainingseinheiten dazugehören. Ich muss meine Kräfte besser einteilen.»

Der Motor dahinter, so meint sie, sei die Suche nach Anerkennung. Und zwar nicht jene über den Lohn. Denn auf der Ranch erhält sie keinen, die IV zahlt, damit sie dort sein kann. «Ich habe realisiert, dass ich mich im Beruf immer selbst unter Druck setze. Ich glaube, viel mehr leisten zu müssen, damit ich Anerkennung verdiene.» Nur, die kam bisher nicht so, wie Emily sich das gewünscht hätte. Was sie mit dieser Erkenntnis nun machen wird, weiss sie noch nicht. «Es ist lustig, beim Laufen brauche ich diese Anerkennung nicht. Das mache ich, weil es mir Spass macht.» Sie weiss lediglich, dass sie den Spass und die Leidenschaft auch an der Arbeit finden will. Als Emily das sagt, blitzt das Funkeln in ihren Augen wieder auf.

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